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Jüdische Volksstimme · 1920-05-13 · Heft 20 (13.5.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 20 (13.5.1920)
Date
1920-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Mt* 4 * * <- ‘-s ““ *r Hf. *>. den Qemeinden ihren Bediensteten einzurSamenden zara Ra nda uan tisem i tismus emporflammen, der mit kolow und amlere zionisUsche Fåhrer die lånte Minimalbezflge ausarbeiten zu lassen und StScken und Schlageisen deutsche „Kultur1* verbreib) anzustreben, durch die Mazesherstellun* in eiten wil!. — Und die Hetzer haben sich nicht verrechgener Regie die Mitte! fur die Erhdhung der derzeinet: Die deutschen Studenten glaubten ausgezogeu tigen Beziige der Qemeindeangestellten in notleiden-! zu sein, und deutsche Kultur gegen fremde Einflttsse den Qemeinden zu gewinnen. zu retten, und sie sind in Wirklichkeit fur eine Vor- Nach eingehender Debatte, an welcher sich d«e herrschaft des antideutschen, preuØischen Junker- Herren Josef Pollenz, MiBIitz, Dr. Wolfenstein, tums auf die StraBe zum „Kampf“ gezogen. Znaim, Adolf Steinitz, GQding, Dr. Siegmund Birn- Der Kampf zwischen der sogenannten Revolt!- Stein, Neutitschein, Dr. Max Steif, Neu-RauBnitz, tion und Reaktion wird auf dem Riicken der Juden Hermann Schnabl, Pohrlitz und Dr. Hugo MeiBmr, Briinn ftlr Triesch, beteiligten, werden såmtliche Ar.- tråge des Berichterstatters einstimmig angenommen, wodurch auch Punkt 3 der Tagesordnung erledigt erscheint. Hirauf wird iiber Antrag des Verbandsleitungsmitgliedes Dr. Theodor Haas (Briinn) beschloss'in, beim Nationalrate in Prag, bezw. bei der Zentralleitung der vereinigten liidischen Parteien dahin wirken, daB bei einem ev. zweiten Skrutinium liir tlie Wahl in den Senat, der Præsident des Landosverbandes Herr Dr. Alois Hilf, Advokat in Måh:\ Ostrau, an 1., mindestens aber an 2. Stelle in der einzureichenden Kandidatenliste genannt werde, terner, daB bei der Wahl in das Abgeordnetenhaus in zweiten Skrutinium fiir Måhren mindestens die Erlangung eines Mandates durch giinstige Reihung in der einzureichenden Kandidatenliste ermoglicht werde. Nachdem weitere Antråge nicht gestellt wurd^1 dankt der Vorsitzende der Verbandsversammlu tg fiir die intensive Arbeit und erklart die Sitzung nach 3Vsstiindiger Dauer fiir geschlossen. Der Vorsitzende: Dr. Alois Hilf m. p. Der Schriftfiihrer: Dr. Theodor Haas m. p. Die Protokollprtifer: Josef Pollenz m. p„ Dr. Karl S o n n e nf e 1 d m. p. Zu den Vorfållen an der Wiener UniversitSt. Nichts ist symptomatischer fiir das Anwachsen des Antisemitismus alliiberall als die letzten Ausschreitungen deutschnationaler Studenten gegen jiidisohe Hochschiiler in Wien. Diese Vorkommnisse sind nicht gewohnliche Raufereien, wie sie in Friedenszeiten oft genug zwischen Studenten untereinander stattfanden, sondern haben einen politischen, allzu polir:- schen Hintergrund. Am 26. April wurden aus der Wiener Universitet alle Juden durch deutschnationale Chauvinisten, die in der Ueberzahl waren, hinausgedrångt, die Mensa academica Judaica gestiirmt, einen ungeheueren Schaden angerichtet und vielen hunderten armen jiidischen, aber auch Cechischen, polnischen, ukrainischen und sogar deutschen Studenten die einzige Moglichkeit, sich zu såttigen, genommen. An dieses letztere, vom Kulturstandpunk't aus emporende Ereignis schlossen sich in den Folgetagen wiiste Rauforeien, die nur durch geschlossenes Einschreiten von Polizei und durch Sperrung der UniversitSt teilweise beendigt werden konnten. Eine furchtbare Erregung und Erbitterung nat sich sowohl der deutschnationalen wie der jiidischen Studentenschaft bemåchtigt, die nocli durch gevvissenslose Agitatoren auf groBdeutscher Seite geschUrt wird. Es handelt sich hier nicht bloB um Zwistigkeiten zwischen der deutschen und jiidischen Jugend, sondern es wird hier ein politischer Kampf iiber ihre K6pfe hinweg und auf ihrem Riicken ausgekåmpft. Die groBdeutsche Bewegung in Wien, die in den letzten Atetnziigen zu liegen scheint, will alles noch einmal auf eine Karte set/^^m den AnschluB an PreuBendeutschland unter"^ Hohenzollemherrschaft durchzusetzen. AIs letztes Instrument verbleibt ihr da nur die mit chauvinisten Schlagworten, antisemitischen Tendenzen erzogene deutschnationale Studentenschaft, die unbefriedigt aus dem Krieg zuriickgekomnien ist und nur einen Nationalismus kennt, den Chauvinismus, den fortwåhrenden Kampf mit den anderen Nationen, den Kampf gegen den Volkerausgleich. Und als letztes Z u g m i 11 e 1 ist nur mehr der Antisemitismus iibrig, nachdem die I meisten ihrer Anhånger wcgen der verstandnislosen i Stellung zu sozialwirtschaftlichen Fragen und we-j gen ihres iedem volkerversdhnenden Christentuni ■ ins Qesicht schlagenden Radkalismus sich von ihr abgewendet haben. Der Rassenantisemitismus weckt die niedrigen Instinkte des Pdbels, er låflt die fortwåhrend, seit jeher in der deutschnationalen Studentenschaft gonåhrten antisemitischen, chauvinistischen Qefiihle ausgekåmpft. Die einzig mogliche jiidischnational! Politik wåre hier strikte Neutralitåt, da wir uns in die Verhåltnisse andérer Volker nicht hineinmischen wollen und diirfen. Wir Nationaljuden konnen uns weder mit revolutionår-sozialistischen Parteien nocli mit bourgoisen Fraktionen, die unsere primitivsten Rechte ais Nation nicht anerkennen. identifizieren. Die Stellurtgnahme der Sozialdemokraten in Wie i zu den letzten Ereignissen muB fast antisemitisci: genannt werden, wåhrend die Kommunisten uns — um ihren AnhSngern bei den Demonstrationen das Gespenst der Reaktion vor Augen fiihren zu kbnnen — in Schutz nahmen. Wir mussen j e d e Partei darnach beurteilen, wie sie sich zur Anerkennung der Gleichberechtigung unserer Nation verhalt, ob sie unseren wirts»haftlichen Lebensbedingungen und unseren natbnalen Kulturforderungen nicht widerspricht, ob sie den Volkerausgleich durch Volkerfoderationen und durch Anerkennung des Schutzes aller nationalen Minoritåten und daher auch der jiidischen fordert. Von diesem Standpunkte ausgehend miissen wir cas Vorgehen der deutschnationalen Studentenschaft aufs schårfste verurteilen; denn sie huldigt einem nationalen Chauvinismus, der im krassen Widerspruch steht zu de'r christlichen Auffassung eines Nationalismus und der sein eigenes Volk durch Anzcttelung von Streitigkeiten und in weiterer Folge von Kriegen in furchtbares Elend gestiirzt hat und stiirzen wird. Dieser Chauvinismus, der das, was deutsche Denker und Philosophen. was der deutsche Bauer und Kaufmann miihselig aufgebaut hat, zerstort, ist dem wahren deutschen Wesen ebenso fremd wie den verniinftigen Kulturnationalisten aller anderen Volker. Der deutsche Kulturnationalismus, wie ihn Goetl e, Schiller, Herder und Fichte und moderne Deutsche vom Schlage Heinrich von Schullerns propagieren, steht genau so im Gegensatze zum Chauvinismus deutschnationaler Studenten in Wien, wie der Kulturnationalismus eines Palacktfs, Havlideks und Masaryks zu Cechisch-chauvinistischen Mandatspolitik. — Aber nicht nur jeder walirhaft Nationale, welcher Nation immer er angehoren mag, sondern auch jeder ehrlich sozialistisch Gesinnte und jeder, dessen Weltansciiauung auf sittlich religioser Grundlage oeruht, wird solehen Radikalismus, wie er bei den letzten Vorgången in der Wiener Universitåt zu Tage trat, aufs schårfste verurteilen. Fr. Sch . . . z. Ein Intsrview mit Dr. Weizmann in Palåstina. The London Jewish Correspon Jenz Bureau rnetdet: Der Spezialberichterstatter des „Man.-eshr Guardian** in San Remo hatte am 25, April immittelbar nach der Eutscheidung des Obetsien Rates iiber Palåstina, eine inehrstiindige Unterrcdtuig m' Dr. Weizmann, die wir hiemit in deutsc'^r L’cbersetzung wiedergeben. ‘ Die Friedenskonferenz briclit morgen ihre Arbelten ab. Eines der wichtigsten Ereignisse der gestrigen Sitzung war die neuerliche Beståtigung der Balfourschen Deklaration durch die Friedenskonferenz. Zur rascheren Herbeifuhrung dieser Eutscheidung unternahmen Dr. Weizmann, Herbert Sumu'i, So- Reise nach San Remo. Dr. Wei2mann sagte mir heule margens: ,.Voraussichtlich wird das Mandat iiber Palåstina noch heute an QroBbritanien iibertragen werden Die Koeferenz und die britische Delegation haben somit s.1mtliche Wiinsche der Zionisten betretfs Palåstina erfiillt. Die britische Regierung hat als f»»lge der Annahme des Mandates und der abermalgen Beståtigung der Balfourschen Erklårung die Einsetzung ciner Verwaltung in Palåstina zugesichert, von der man eine Amtsfiihrung im Geiste Balfoti.'schen Deklaration erwarten kann." Angesichts der Notwendigkeit eine betråcluliche Ahzahl von Juden innerhalb der nåchsteu zwei J&hre nach Palåstina hiniiberzuschaffen, fragte ich D<\ Weizmann, ob hierzu die erforderlienon Vornussetzungen, wie Håuserbau und andere tcchnisch-o’* ganisatorische Vorbereitungen seitens emer der britischen Politik gefilgigen Verwaltung in Palåstina, geschaffen seien. Die Hingsten Zwistigkciten mit der arabischen Bevdlkerung sind mir unverstårullich, worauf Dr. Weizmann erwiderte: „Wåre bereits die erwåhnte Verwaltung eingerichtet — und das håtte seit langem sein konnen — so wåren die verdammenswerten Ueberfålle, die mein Volk in Palåstina in jilngster Zeit iiber sich ergehen lassen muflte, leicht zu vermeiden gewesen. - Allein die Mehrheit der britischen Offiziere sind innerlich dieser Politik abgeneigt und bemiihten sich auch niemals uns zu verstehen, bezw. die anderen darUber aufzuklåren. Infolgedessen haben sich Unruhen ereignet, die nicht anders als ein organisierter Pogrom kennzeichnet werden miissen. Indeni ich eine Judenverfolgung Pogrom nenne, so gehe ich nicht von der Zahl der Verwundeten'oder Getoteten aus. Im Jerusalemer Pogrom waren 6 oder 7 Tote. Wir als Rasse quålen uns nicht mehr allzuviel iiber unser vergossenes Blut, wird sind zusehr daran gewohnt. Die Atmosphare ist es, die das Geschehene zum Pogrom macht, und in diesem Sinne verdienen die Unruhen in Jerusalem ebenso die Bezeichnung Pogrom wie die in Kischenew.** Als ich das letzte Mal in Palåstina war, ftihlte ich eine ungeheuere Spannung in der Luft. Mir war es klar, daB es nflr mehr der kleinsten Provokation bediirfe, um einen groBen Brand zu entfachen. Zahlreiche MiBverståndnisse und falsche Auffassungen gefåhrlichster Natur schwirren herum, die sich nun zu giftigem HaB verdichteten, der sicherlich von Hintermånnern geschttrt, und angestiftet wurde. Vierzig Jahre hindurch haben Juden und Araber freundschaftlich nebeneinander gelebt. Noch in gegenwårtigem Momente håbe ich bestinjmte Beweise iiber die Moglichkeit der Wiederherstellung dieser Freundschaft, sofern dies nicht von dritter Seite in bdowilliger Weise hintertrieben wird. „Freundschaftliehes Zusammenarbeiten zwischen Arabern und Juden ist aber unmdglich, wenn es unter britischer Verwaltung moglich sei, daB drei Tage hintereinander Mord und Pliinderung unbehindert wiiten komite. Die ortlichen arabischen Pogromanstifter gaben offen zu und prahlten sogar dumit, die britische Unterstiitzung fiir sich zu haben, wenn gleich ich sehr die Richtigkeit dessen bezweifle, so ist gleichwohl sehr bedauernswert, daB solche Aeu- Berungen dffentlich gemacht werden konnten. Ich glaube, die arabische Nation und ihre Fiihrer wissen, daB ihre eigene Unabhångigkeit niemals mit dem Blute der Juden errcicht werden kann. Ich zitiere iibrigens Feisuls eigene Worte: „Juden und Araber ergåhzen sich gegenseitig am Werke ihrer natfonalen Wiedergeburt.** Ist die Methode der Pogrome in Polen und RuBland nie von Erfolg gewesen, so wird sie es auf keinem Falle in Palåstina sein. Das ist *lie Empfindung der jiidischen Bevolkerung in Palåstina. Wenn sie wohl iiber die jiingsten Geschehnisse entrlistet ist, so ist in ihr gleichviel keine Spur von Angst zu merken. In jedeni einzelnen lebt die feste Ueber- »1 loheml Filial«. a“ i Iktlenb In Brflnn ank In Prae vis-t-vi« Bafcnliof Zah!ung«n Ins Auslsnd Plnanslsrungnn uml Ktadlta Bttrsan-Trans* aktlanaa Zwfll9amlitt«n; New*Y«rk, Paria, Brat la’ava. aaklons N., Halda

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