Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-05-13 · Heft 20 (13.5.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 20 (13.5.1920)
Date
1920-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622089--4353-2625643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Scfti 3. A~«E. -sA. , Mr.2ft Ungeløste JØdische Probleme. Dr. H. Kadisch. I. Der Zionismus beruht auf zwei Fundamentalsi.tzen: 1. Die Juden aller LØnder bilden ein ganzes, untrennbares und unassimilierbares Volk. 2. Sie brauchen zur Erhaltung und Erneuerung aus nationales wie aus okonomischen Oriinden ein Kultur- sowie Emigrationszentrum in Paiøstina. Diese beiden Fundamentalsøtze wurden und werden von assimilatorischer Seite aufs heftigste bestritten und bekampft, aber auch von emem Teile der Bekenner des Zionismus und der judischnationalen Bewegung iiberhaupt wurden und werden aus diesen zionistischen Fundamentalprinzipien nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Daher riihrt die ungeheure Zersplitterung und stets wachsende Verwirrung innerhalb der Gesamtjudenschaft und speziell innerhalb der jiidischen Jugendbewegung. Gerade in einem Momente, wo die Juden als Volk in der Tschechoslowakei anerkannt wurden, in underen Staaten im Begriffe sind, als Nation anerkannt zu werden und wo die tlofftwng winkt, dafl durch schrittweise Kolonisierung die Grundsteine zur paløstinensischen Heimståtte gelegt werden und bald das blauweiCe Banner auf den Zinneu Jcrusalems aufgepflanzt wird, gleichzeitig aber der Antisemitismus aliiiberall und selbst in PalØstina sich øuBerst fiihlbar macht, ist Klar ung unerløBlich und unaufsehiebbar. Wenn man sich schon mit dem traurigen Gedanken vertraut machen muB, daB bei allen Volkern und daher auch bei den Juden innerhalb der alten Generation noch immer iiberlebte nationale sowie religiose, politische und soziale Programme eine chaotische Verheerung angestiftet haben, jede Verjiingung unseres Kulturleben und den wirtschaftliclien Neubau Europas daher aufs auBerste erschwercn, so haben sich doch gerade im jiidischen Volke die Hoffnungen an die Tatsache gekniipft, daB nach Beendigung des Krieges die Rennaissance des jiidischen Volkes ihre starkste Stiitze an der modernjiidischen Jugend finden werden. Das war unser Glaube, das soli unsere Hoffnung noch in der Zukunft bilden, daB das Banner, unter dem wir seit Jahrzehnten unter den groflten Schwierigkeiten kiimpften, wenn es einst den miiden Hømien der Alten entsinken solite, von einer mit warmem Enthusiasmus erfiillten, ethisch ve>-- innerlichten, politisch geschulten, nationalsozial empfindenden Jugend aufgenommen werden wird. Hiezu bedarf es vor allem der endlichen Klarung der Geister in unserem Volke und speziell auch in der Jugend, der Emanzipation von abgedroschenen, darum aber immer noch nicht richtigen Schlagworten und der Organisation des jiidischen Volkes auf Grundlage einer den nationalen wie wirtschaftlichen Lebensinteressen der Juden gleichmøBig entsprechenden Plattform, die sich nicht nur bei Wahlen allein bewøhren soli. Martin Buber sprach am Parteitage der Hapoel-Hazair vor kurzem von einer Krisis in der Menschheit, im Judentume und Im Zionismus. Die Krisis, von der heute gesprochen werden kann, ist nicht mehr allein die eines Staates, einer Nation oder auch nur die Krisis der kapitalistischen Wirtschaftsordnung allein, sondern se ist die Krise der gesamten alten Kulturwelt mit ihrer ganzen Weltanschauung, mit ihrem seichten Materialismus, ihrem Mammonismus sowie nicht in letzter Linie ihrem aus nationalen, religiosen und okonomischen Herrschaftsbestrebungen resultierenden Bestialismus. Das ist die Krise der Menschheit, die sich ernpfindlich øuBerte in dem Weltkriege, spater vielfach auch in Revolutionen und Kontrerevolutionen. Die Krise im Judentume aber besteht darin, daB das alte nur religiose Judentum, fur welches zum Teile bereits die Religion zur Konfession erstarrte und deren Anhønger vielfach bereits die judische Ethik abhanden gekommen ist, nicht mehr der jlidischen. Moderne und den Anforderungen der heutigen Zeit geniigt, ihr Erbe aber, das nationale Judentum, sich noch in einem GØrungsprozesse befindet. Gerade in einem Momente, wo sein sogenanntes Endziel oder richtiger gesagt, das Endmittel zu seiner Rennaissance die paiøstinensische Heimstøtte in unsere Nahe riickt, muB mit aller Energie gegen mifiverstandene Schlagworte der sogenannten Galuththeorie, die insbesondere in der lungen itidischen Generation eine ungeheure Verheerung anrichtete, Stellung genommen werden. Ølcht deshalb, weil das jomtMi foutsyruMpy* , Ihdisch* Volk keine Interessen in der Diaspora hat; oder nicht Im Stande wflre, dieselben in nationaler, | relgiOser oder so2ialér Hinsicht bei einem richtigen Programme und guter Taktik zu verteidigen, erstreben wir die paløstinensiche Heimstøtte, sondern weil wir sie unter kulturellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten benotigen. Aber wie oftmals soli man es denn noch betonen, daB wir nicht nur ein Land ftir unser Volk brauchen, sondern auch ein Volk fiir das Land, Unsere Paløstinaarbeit kanri nicht mit Spekulanten und Wucherern, mit Menschen erfolgen, die weder mit den Arabern, noch. mit den besitzlosen Schichten des eigenen Volkes in nationaler beziehungsweise sozialer Hinsicht sich zu verteidigengeeignet sind. Palåstina dart nicht uns als Geschenk von Gnaden anderer zufallen, es mufl von uns erarbeitet werden, os kann nur seine Aufgabe erfiillen, wenn doet die Grundsiitze der jiidischen Ethik der nationalen und sozialen Gerechtigkeit triumphieren, wenn dadurch sich die Worte bewahrheiten: Ex oriente lux. Verbandsversammlung der Israel. Kultusgemeinden Møhrens am 28. M2rz 1920 in BrOnn. Gegenwørtig: Vorsitzender, Prøsident Dr. Alois Hilf, Møhr.-Ostrau; Vizeprøsident Dr. Ludwig Levy, Briinn. Verbandsleitungsmitglieder die Herren: Dr. Filip Sclireier, Briinn, Dr. Theodor Haas, Briinn liir StraBnitz, Dr. Karl Sonnenfeld, Briinn fiir Ung.- Ostra, Josef Pollenz, MiBlitz, Dr. Leopold Goldschmidt, ProBnitz, Dr. Gustav Zweig, Proflnitz. Von den Delegierten der Rabbiner die Herren: Dr. Heinrich Flesch, Kanitz, Dr. Heinrich Schwenger, Lun- .denburg, Dr. Max -Steif, Neu-RauBnitz. Von den Delegierten der Gemeinden die Herren: Ob.~M. R. Michael Feith, Briinn, Wilhelm Sonderling, Briinn, Dr. Moritz Brunner, Briinn, Bernhard Rischavy, Briinn, Ernst Jellinek, Gaya, Adolf Steinitz, Goding, Ludwig Nasch, Holleschau, Emil Ldwenthal, Jamnitz, Siegmund Loffler, GroB-Meseritsch,^Siegmund Benisch, Mahr.-WeiBkirchen, Dr. Siegmund Birnstein, Neutitschein,- Hermann Schnabl, Pohrlitz, J. Dr. Hugo Meissner, Triesch, Dr. Wolfenstein, Znaim. Entschuldigt waren die Delegierten der Gemeinde: 01miitz: Dr. Max Hochwald, Siegfried Fleischer; Lundeuburg: Josef Hollønder; Leipnik: Dawid Spitzer; Trebitsch: Adolf Freiind. Ferner die Herren Rabbiner: Goding: Lazarus Ludwig; Leipnik: Dr. Feiwel Hille!; Teltsch: Dr. M. Rachmut; Trietsch: Dr. Heinrich Gscheidt. Da die Verbandsversamnilung nach § 9 des Statutes beschluBfahig war, eroffnete der Vorsitzende die Verbandsversainmlung, begriiBt die Anwesenden, bestellt fiir den verhiuderten Schriftfiihrer Herrn Dr. Hermann Fuchs Møhr.-Ostrau, Herrn Dr. Theodor Haas, Briinn, zum Schriftfiihrer und erteilt Herrn Dr. Filip Scheier iiber Uessen Anmeldung das Wort. Dio, ser begriiBt im Namen der Kultusgemeinde Briinn die Verbandsversamnilung mit herzlichen Worten und wiinscht den Beratungen vollen Erfolg. Der Vorsitzende dankt fiir die entgegenkommenden Worte und-schreitet sonach zur Erledigung der Tagesordnung. Auf der Tagesordnung steht 1. TØtigkeitsbericht der Verbandsleitung fur das Jahr 1919. 2. Kassabericht. 3, Bemessung desGahresbeitrages fiir das Jahr 1920. 4. Event. Antrøge. Der Prøsident erstattet den TØtigkeitsbericht und bittet im Namen der Verbandsleitung um dessen Kenntnisnahme. Hierauf meldet sich Herr Dr. Moritz Brumier, Briinn, zum Worte und fragt den Vorsitzendeii: a) iiber den Erfolg der von der Kultusgemeinde Briinn im Herbste 1919 angeregten Intervention wegen der seinerpeitigen Unruhen, b) wegen der von der Kultusgemeinde in Briinn angeregten Konskription der verschiedenen Stiftungsvermogen in den Gemeinden und beantragt c) die vorherige Fertlgstellung des Jahres und Kassaberichtes und Zusendung desselben an die Delegierten vor der Abhaltung der Verbandsversammlung. Im Bezug auf die Anfrage a),.verweist der Vorsitzende darauf, daB er das Nfitige verfugt håbe und erteilen die Herren Vizeprøsident Dr. Ludwig Levy uud der Prøsident des Landesvolksrates Dr. Sonnefeld Briinn die entsprechenden AufklØrungen ttber ihre Intervention und deren Erfolg und heben insbesondere hervor, daB durch die erfolgte Organisation der Kultusgemeinden, deren Stellung wesentlich gefestigt wurde. Ueber die Anfrage b) berichtet der Vorsitzende, daB ein bezfigliches Rundschreiben an die Kultusgemeinden erflossen sei, daB aber demselben bis jetzt nicht alle entsprochen haben, er werde die søumigon Oemeinden nochmals angehen, und nach Anlangen sømtlicher Mitteilungen eine entsprechende Statistik zusammenstellen lassen. In Bezug auf den Punkt c) erklørt der Vorsitzende, daB er in Hinkunft den Jahres- und Kassabericht noch vor der Abhaltung der Verbandsversammlung den Delegeren werde zukommen lassen. Verbandsleitungsmitglied Pollenz, MiBlitz, regt bei dem PrØsidium eine behordliche Intervention wegen Ersatzes des den Einzelnen durch die Pogromc entstandenen Schadens an, welche Anregung der Vorsitzende zu entsprechen zusagt. Rabbiner Dr. Schwenger bittet um Aufklørung wegen des seinerzeitig vorgelegten Musterstatutes. Die vom Vorsitzenden erteilte Antwort, wurde vom Anfragenden zur befriedigenden Kenntnis genommen. Nachdem sich niemand sonst zum Worte gemeldet hatte, bringt der Vorsitzende den zum Tøtigkeitsberichte gestellten Antrag der Verbandsleitung zur Abstimmung, diesen zur genehmigenden Kenntnis zu nehmen und wird der TØtigkeitsbericht einstimmig genehmigt. 2. Der Vorsitzende erstattet den Kassabericht, dem- 2/2 dieses Protokolles enthaltenen Kassabericht, demgemøfi die Einnahmen seitens der Oemeinden bis 31. Dezember K 9200.— betragen, wogegen sich die Ausgaben fiir Drucksorten, Porti, Reisespesen der Verbandsleitungsmitglieder zu den einzelnen Sitzungen und die div. Auslagen auf K 4923.09 belit m, sodaB der Kassastand am 31. Dezember v. J. K ‘076.91 betrug. Ruckstøndig waren noch 28 Qemeindei mit K 5401. Hierauf berichtet der Vorsitzende, dafl L Gemeinden wegen verschiedener Umstønde um Befreiutig vom Jahresbeitrag per 1919 ansuchen, worauf die Versammlung einem Gesuche stattgibt, das andere dagegen abweislich bescheidet. Hierauf werden de Herren Dr. Siegmund Birnstein (Neutitschein) und Dr. Josef Rufeisen, Advokat in Møhr.-Ostrau, zu Revisoren bestellt und der Kassabericht vorbehaltllcli der Feststellung der Richtigkeit durch die Revisoren genehmigt. Sodann wrd iiber BeschluB der Versammlung /.ur Erledigung des 4. Puuktes der Tagesordnung geschritten, und zu diesem Zwecke die Erledigung des Punktes 3 der Tagesordnung vorlaufg schwebend gelassen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung erstattet He-r Rabbiner Dr. Leopold Qoldschmidt, ProBnitz, den Bericht iiber die vom Rabbinerverbande angeregte Unterstiitzung der durch die jctzigen Teuerungsverhaltnisse in Not geratenen Qerneindebeamten in solenen Oemeinden, deren Verhøltnisse eine hohere Doberung der Qerneindebeamten nicht gestatten, und beantragt: A. die Erhohung des Verbandsbeitrages von 2 K auf 4 K løhrlich, um mit den durch die Erhohung des Beitrages erzielten Mehreinnahmen zur besseren Dotierung der notleidenden Gemeindebediensteten be'.- zutragen; B. beim Landesmassafond zu erbitten, dafl derselbe aus seiner Spezlalreserve einen Betrag von 40.000 K entnehme, um diesen ebetifalls den notleidenden Gemeindebediensteten zukommen zu lassen; C. ein Komiteo zu bestellen, in welches der Lai> desverband 2 Mitglieder zu entsenden hat, wøhtend der Landesmassafond urj*,{^r Rabbiner verband eiuzuladen sind, in Xasselbe '2 Mitglieder zu entsenden. Dieses Komitee hatte zu erheben: a) in welehen Oemeinden eine hOhere Dotierung der Gemein.debediensteten aus den zur Verfiigung stehenden Betragen zu erfolgen haben sollen, b) in welehen Gemeinden eine Hoherstellung der Bediensteten aus eigenen Mitteln moglich ist. D. Die Verbandsleitung ist zu beauftragen: 1. die unter b) genannten Oemeinden einzuladen, die hohere Dotierung der Gemeindebediensteten zu veranlassen, im Falle der Erfolglosigkeit dieses Ansuchen jedoch das geeignete vorzukehren, um das eistrebte Ziel zu erreichen; 2. bei dem Landesmassafonde anzuregen, durch eine Statutenønderung eine bessere Dotierung der Gemeindebediensteten, in jenen Gemeinden, die leistungsunføhig sind, aus den Mittelu des Landesmassafondes zu ermdglichcn. E. Die Verbandsleitung håbe ferner a) durch das Komitee ein Schema, IB die von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.