Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1920)
- Date
- 1920-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette i. jmacm volksstimme.- Wørt und Løhrzløl dør JUdischøn Sch lø. Schon darin Hest eine Festisung des Charakters, die aoch dadurch erhdht wird, daH das Kidische Kind dabei die moralischen und ethischen Werte des Judeflttims, die biblischen Grundlagen soziaier Gerecbtigkeit kennen lernt, die glanzenden Vorbllder der jiidischen Geschichte und des iiidiscben Lebens, jtidischer Kunst und Iiidischer Wissenschaft, jiidlscher Arbeit und iiidiscben Geistes als ébenbiirtig den Grbfien anderer Nationen vorgefiihrt erbait. Unser iiidisches Kind wird also dureb die jiidische Schule zu dem ailgemeinen Wissen einer offentlichen Sebule eine Vertielung seiner Seele und seines Geistes durch seine Kenntnis des Judentums erfahren und daher, morallsch und geistig durchgebildet, glelchwertig den andersnationalen Absolventen anderer Schulen den Lebenskampf besteben. Dureb den Geist staatsburgerlicher Gemeinschaft und Gesinnung, durch die sorgfåltige Pflege beider Landessprachen und Literaturen in die ihn umgebenden Kulturkreise eingefiihrt, wird unser Kind imstande sein, aucb an der kulturellen Entwicklung der ihn umgebenden Volker teilzunebmen. Der Gefahr nationaler Verbetzung, der das jiidische Kind zweifellos in den andersnationalen Schulen ausgesetzt ist und welche seine Seele vergiften, wird es entzogen und lernt die nationale Idee in gelauterter Form wahrer Menschlichkeit erfassen. In solchem Sinne erzogen, wird unser Kind befahlgt seln, in dem von nationalen Leidenschaften durchwiihlten Leben ausgleichend und vermittelnd zu wirken. Die staatsrecbtllchen Vorbedingungøn flir die jiidische Schuie. Sind nun die staatsrechtlichen Vorbedingungen fur eine eigene jiidische Schule gegeben? Durch die Bestimmungen des Minoritatenschutzgesetzøs in dem Friedensvertrage wird leder ethnischen und religiosen Minderheit im Staate der Anspruch auf Regierungssubventlonen zur Erhaltung ihrer Einrichtungen auf kulturellem Gebiete und dem der sozialen Fiirsorge zugestanden und im Motivenbericht zum Verfassungsgesetz hat der gechoslovakische Staat die Anerkennung der Juden als Nation ausgesprochen und damit dokumentiert, daB er sleb auf den Boden der Durcbfuhrung des Minoritatenschutzgesetzés stellt. Zweck des Vereinøs „JUdlschø Schule'1. Und da hat es sleb der Verein »Jiidische Schule**, der den ganzen Staat umfaBt und dessen Teil der Verein »Jiidische Schule in Mahren** ist, zur Aufgabe gemacht, als Zentrallnstanz unsere kulturellen Gesamtforderungen zu vertreten und die Erhaltung, Umgestaltung und Errichtung iiidischer Schulen nach einheitlichem Grundgedanken durch" zufiihren. Jeder Jude, lede Jiidin vom erreichten 18. Lebensjahre an muB Mltglled des Vereines Jiidische Schule** seln! (Jahresbeitrag 6 K£.) Verein „Judische Schule in Måhren“ . Brfinn, Koliité 57. Nr. 20. Scheint mir aber, dafl durch den graueuvolltti Kric«. der trotz aller Friedensoktrois bisher im Vålkermorden, in der Kriegsbereitschaft und all deren tr.niri-i u Folgen seine Fortset2ung gefnnden hat, dafl d diesen Krieg die Valker selbst Wesentlich gefinderi wiirden, weil sie ihre. wirtschaftlichen Verhåltnisse und Zusammenhånge vor allem, ganz abgesehen vo.i den ideelen Aenderimgen eine griindliche Umv.alznng erfahren haben, die zum Teil aus dem Zerrali und dem Neuaufbau zahlreicher Staaten resultiert. Wenn also der JCrieg in seinen Folgen uus auch die Oewåhrung der offentlich rechtlich gesicherten Heirnstatte durch die Entente gebracht hat, so lut doch gerade er auch die Mdglichkeiten der Btriedlung Palåstinas wesentlich erschwert. Dabei soli gar nicht davon gesprochen werden, daB ein Teil. bliih:nder iiidischer Volkskraft in diesem Kriege fiir die Interessen aller moglichen anderen Vdlker geopfert worden ist. dafi eine entsetzliclie Paupe.'isi *- rung gerade unter den Ostjuden eingetreten ist, ga n abgesehen von den moralischen Schåden, die unserem Volke eb.nsowenig als ' den anderen Volker.i erspart geblieben sind. So hangt jetzt die Leitung und der entscheidende EinfluB in der zionistischen Organisation wesentlich von dem guten Willen der Juden in den neutralen Landern, insbesondere aber der Juden Amerikas'und Englands ab. Das ist also die grofle Aenderung der Verhalt* nisse seit Herzls Tode, mit der jetzt die zionisiisch-; Leitung zu rechnen hat. Dazu kommt noch die vollige Umgestaltung der Parteiverhåltnisse im jiidbchen Volke und in der zionistischen Bewegung selbst. Es v/are von unheilbaren Folgen, wenn man der st rrkea sozialen Stromung nicht vollste Beachtung und ehrli ches Entgegenkommen zeigen wiirde. Es gelit um die Qewinnung, um die freudige Mitarbeit unserer wertvollsten Elemente, das muB mit aller Energie gosa jt und von der Leitung auch entsprechend gewertet werden. Was folgt fiir uns, die wir Zion wieder aufbaue.i wollen, aus alledem? Dem guten Willen der rastlosen Arbeit, der Tiichtigkeit unserer Leitung schenken wir volles Vertrauen. Sie ist aber machtlos, went wir nicht alles tun, um unseren diplomatischen Er fol 4 in einen faktischen in Palåsiina selbst zu verwandeln. Dazu bedarf es aber der hochsten Willensanspannung, der gewaltigen Opferbereitschaft, der andauernden, durch keinerlei Privat- oder Parteiinteressen gestdrten Arbeit. Gerade weil wir die ungeheueren Sckwlerigkeiten unseres Werkes kennen, weil wir wissen, daB nur die Arbeit a 11 e r volksbewufiien Juden zum Ziele fiihren kano, muB die Organisierung der ganzen Judenheit durchgeiiihrt, mufi leder Richtung Gelegentieit geboten werden mltzuarbeiten, wenn de sleb zum Jiidischen Volke Jind zu Zion bekennt. Dann ist keine Schwierigkeit unliberwindbar, dann muB sich unser Streben erfiillen, dann, aber auch nur dann, ist es kein Marchen. Dr. Siegmund Werner. FEUILIETON. „Zwsimal laB’ ich mich nicht toppen41. Von Leopold Singer in Ung, Brod. Eine wahre Geschichte 1864. Bevor ich mit meiner Erzåhlung beginne, will ich der jetzigen Generation eine kurze Schilderung iiber das damalige Leben in der hiesigen Judengemeinde, bieten. Die Jugend wurde streng religios erzogen. Volle acht Stunden dauerte thglich der Unterricht. Vormittag hebriiisch, nachmittag deutsch. Der Lehrer lebte nur fiir seinen Beruf, alles Andere lag ihm fern. An den jiidischen Feieretagen war kein Unterricht, sonstige Ferialtage, geschweige denn Wochen, gabs nicht. Das Qeld war damals sehr war, Wer ein VermQgen von 10.000 Guiden besafl, galt schon flir sehr gut situiert. In der ganzen KiUa waren solche zehn Baal-Batim nicht vorhanden. Man lebte sehr geniigsam, ein warmes Nachtmahl war nur am Freitag Abend. Die Jagd nach dem Mammon existierte damals noch nicht. W&brend des Krieges im Jahre 1866 und im folgenden Jahre ånderten sich die Vermogensverlidltnisse. Die 400 Millionen Staatsnoten, die gedruckt wurden, kamen unter das Volk und da waren schon mehrere in der Gemeinde, die ein Vermbgen von 40 bis 60.000 Guiden besaBen. Im Jahre 1867 hatte Oesterreich-Ungarn eine vorziigliche Getreideernte, im Auslande war aber eine sehr schwache. Es entwickelte sich ein riesiger Getreideexport und es kam wieder Geld unter die Leute. Maier Fr.r war der Nachbar meiner Eltern. Er wohnte in seinem eigenen stockhohen, aber stark verschuldeten Hause. Seit Jahrzehnten wurde an demselben keine Reparatur vorgenommen. Er hatte acht Kinder, die zwei åltesten waren schon auBer dem Hause. Mayer F. war vermogenslos und hatte keinen Erwerb. Wovon lebte er? Er hatte drei christliche Klienten. Der eine besaB ein GroØbiirgerhabs am Hauptplatze und filhrte in demselben ein Spezereiwaren-, Mehl- und Eisen- Qeschåft. Der andere besafi eine MUhle am Travnik und der dritte war ein Grundbesitzer in dem nahen Dorfe Vl&iau. Diese drei hatten das gemeinsam, daB sie einigemal des Jahres mit Geldnot zu kåmpfen hatten. Spar- und VorschuBkassen gabs damals in Ung.-Brod noch nicht und Maier F. war derjenige, der den Obgeiiannten, Geldleute zufilhrte, die das Notige darliehen. Nach so einer Transaktion wurde im Hause des Maier F. wieder gekocht und gegessen. Man sab ihn selbst daSvFlelsch auf der bloBen flachen Hånd und Mehl im offenen Brotkdrbel nach Hause tragen. Zumeist war aber Schmalhans dort Kllchenmeister, sehr oft wurde gar nicht gekocht. In so einer sterilen Periode, wandte sich einmal Maier F. an meinen Onkel Moriz Singer, der ein sehr weitlåufiger Verwandter des Maier F. war, um Hilfe. 'Mein Onkel war ein vollendeter, sehr gebildeter Weltmann. Die deutschen Klassiker waren ihm ebenso gelåufig, als die Kenntnis von ganz Tnach und Talmud. Er lebte abwechselnd 14 Tage in Wien und Ung.-Brod. Obwohl er nur ein bescheidenes Vermogen besaB, war er splendid und kleidete sich sehr elegant, was zur damaligen Zeit eine Seltenheit war. Also Maier F. kam zu meinem Onkel und sagte zu ihm: „Ich bitt’ Dich Reb Moischeleben, borg mir auf vier Wochen 25 Quldenl*. Mein Onkel offnete sofort seine Brieftasche, lieh ihm die 25 Guiden und dachte sich dabei: „auf Nimmerwiedersehen, ich håbe ein Loch gestopft, der wird nie mehr zu mir kommen ausleihen. Was geschah nicht? Zur groflten Ueberraschung meines -Onkels, kam nach mehreren Wochen Maler F. zu ihm und bezahlte die 25 Qulden. Nach Verlauf weiterer zwei Monaten kam Maier F. wieder zu meinem Onkel: „Ich bitt’ Dich, Reb Moischeleben, borg’ mir wieder 25 Qulden, ich werd’ Dir sie in e’ Monat zuriickzahlen." A na Maleri, zwamol loss’ ich mich von Dir nix foppen. Das erstemol host Du mich gefoppt, ich hob gemant, Du wirst mir nix zoblen, Du host mir aber jo gezohlt; wo$ soli ich Jetzt manen, Du wirst mir jo zohlen, Du wirst mir ober nix zohlen *- zwamol loss’ ich mich von Dir nix foppen,” ,_ ... _ .. k __