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Jüdische Volksstimme · 1920-05-13 · Heft 20 (13.5.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 20 (13.5.1920)
Date
1920-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JODISCHE VOLKSSTIMME BezugsproUe: halhjUhrig.5. K 20.— ganzjåhrig.. . . » 40.— DeutschOsterreich . . . . . Kronen 50.— Deutschland, ganzjåhrig. . . . . Mark 25.— Redaktion u. Administration: Brflnn, Krapfeng. 19. Buchhåndlerische Ver tretung: Otto Klemm, Leipzig. Inserate: der 6-spaltige Milimeterraum i. K - 30. Unverlangte redaktionelle Beitrflge werden nicht honoriert. Manuskripten ist RQckporto beizufflgen. Jahrgang XXI. Brilnn 13 Mal 1920. ' 20 IJar 6680 hummer 20. Jfldische Eltem I Die von uns schon lange ersehnte, als Noiwendlgkelt erkannte ]Udische Schule soli nunmehr mit dem Beglnne des nachsten Schuljahres erstehen und unsefen Klndem die Erzlehung bleten, die wlr fiir die Ausbildung iltres Charakters und Geistes alsnotwendig und wiinschenswert erachten. - Notwøndigkelt der jildischen Schule. Denn allentbalben sehen wir mit Betriibnis, wle die zarten Pflanzenseelen unserer Kinder bel der fremdvolklschen Erzlehung verdorren.vAus dem ihm vertrauten jiidlschen ' Milieu tritt unser Kind in die andersnationale Schule volt kindlichen Ver^rauens. Doch nur ailzubald muB es das MiBverhaltnls zwischen dem Elternhaus und det Schule fiihlen und erkennen. Durch die vielen Enttauschungen und Ztirdcks^ungen,^SÉn uii»ef Kittd-- von Seiten der nichtiiidischen Schtiler und oft auch Lehrer ausgesetzt ist, empfindet es die andersnationale Schule nicht im harmonischenZusammenklangmitdem Elternhaus, wlrd miBtrauisch und statt seine Kinderseele in freier Schonheit wahrer Menschlichkeit zu entfalten, muB es sich abschlieBen, sich unverdlenter Malteri als zu Seinen Mltschiilern nicht zugehorig betrachten und verhårtet nicht seiten sein Gernut. Es lernt seine Zugehorlgkeit zum Judentumals Makel empfinden, da es nichts tiber dieses hbrt, was menschlich hoch und schbn ist, sondern das Judentum nur im achtenden und verachtlichen Sinne fiihlen muB. Im Widerstreit der Empfindungen vermag sich unser Kind nicht zurecht zu finden und schwankt haltlos zwischen GleichgiiltigkeiFund Verachtung seines Milieus, seiner Familie, des Judentum s, ohne klare, feste Richt ung. Systematisch gefordert wird diese Haltlosigkeit durch die absichtliche Verschweignng oder Entstéltang jiidischer Kulturwerte, statt deren dem Kinde fremde Anschauungen und Gebråuche durch Lesebiicher, geschichtliche Darstellungen, Aufsatze usw. aufgedrangt werden. Woesmitvoll en Hånden aus dem elgenen Volksgut viele Schåtze ftir Seele und Geist schopfen kbnnte, da muB es sich mit liebeieerem Herzen in einen ihm wesensfremden Geist ein fiihlen. Die einzige Moglichkeit, jiidische Kulturwerte unserem Kinde zu vermitteln, war bislang der ReBgionsuhterricht, der in seiner bisherigen Form und dem festgesetzten AusraaB weit hlnter dém erstrebten Ziele amrtickblieb, Liebe und Interesse fiir das Judentum zu wecken. Und welehe Beziehungen wiirden nunmehr unser Kind mit dem Judentume verkniipfen, wenn auch nøch titeses éhtzige Band verloren ginge? Ois entsprechenda Ahhllfa Ist die jiidische Sc^ula Hier tut trar radikale AbhUfe not. Diesem Ubel kann uur abgeholfen werden, wenn wir unSer'Ktad glelch von séfner ersten JUgend auf den Boden pflanzen, der seiner Ihm elgenen Empfindungswelt angepafit ist. Und das ist die jiidische Schule! Nur hier kann siéh hn Krebse gielchftirdender Schtiler und Lehrer dem jUdischen Knaben, dem judischen MakTchen die aus déitfffaasé ihlfgebrachte Welt in schonerem und tteferera Stene offenbaren. Ohne daB die jiidische Schule einer bestimtnten reUgiosen Richiung im Judeuttime diCnCa lvfrd, ^rd nnser Wisehes Kind da érst denf poettschen Beiz seiner Festen genieBen, nunmehr sich uhbéengt von ikter uflgttnfctlg bejtfltelnden Utfwclt g&nz seiner Freude hingeben konnen und^dcnt ftemden Kinde nicht deu Wetenachi&bauin oder das Osterfest zu nelden haben. Das Ziel. Hat die zionistische Bewegung ihr Ziel erreicht? Das ist die Frage, die sich Juden und Nichtjuden uach der Konferenz in San Remo aufdrångt. Das Programm des Zionismus, das B a s e 1 e r Program m, lautet: „Der Zionismus erstrebt fiir das jiidische Volk die Schaffung einer dffentlich rechtlich gesicherten Heimstatte in Palæstina." Der Friedensvertrag mit der Tiirkei, d. h. das Diktat der siegreichen Machte, schafft diese dffentlich rechtliche Heimstatte in Paiastina. Die Mandatarmacht Palæstinas, England, hat sich durch seine Staatsmanner wiederholt verpflichtet, diese Heim* statte zu begriinden und zu sichern. Diplomati s c h ist das von Theodor Herzl proklamierte Ziel erreicht, ist merkwiirdiger Weise erreicht durch Methoden, dis gcrade von einem Teil der jetzigen Fiihrer seinerzeit scharf bekampft wurden, durch diplomatische Methoden. Keiu ^Zionist wird -Chaim \V eizmann 5..<unjd;|;jseinen^ * cllplornatis'chen MitarBeftern*' seineri Dank und selbst seine Bewunderung versagen konnen. Es war einc miihsclige, kummervolle, hundertmal dem Scheiternnahe Arbeit, die sie unternommsn hatten. Wohl dem jiidischen Volke, das ihre Arbeit den Eriolg von V e rsailles und San Remo aufweisen kann! Sie haben mehr geleistet als man uriter de:i furchtbaren Verhåltnissen lund tausendfachen Widerstanden — nicht zuletzt von judischerl« Seite — erwarten durfte! Trotzdem frage ich mich, — und ich glaube gerade diejenigen, die nicht erst seit kurzem sich zum Zionismus bekennen, werden sich dasselbe fragen — ob es dasselbe ist, wenn Herzls diplomatische Arbeit damals Erfolg gehabt hatte, und wenn der zionistischen Organisation jetzt der diplomatische Erfolg beschieden ist. Ich frage mich das nicht, um an dem Werke VV e i z ni a n n s, S o k o 1 o w s, B r a n d e i s und all der anderen neidisch oder miflgiinstig zu måkeln. Das werden wahrscheinlich unsere assirnilatorischen Mosaiker in reichlichem MaBe besorgen; denn fiir Mauschel ist jetzt eine ernste Zeit gekommen. Und wenn ich auch nicht zweiile, daB er irgend ein Schlupfloch entdecken wird, aus dem er uns vergiftete Pfeile in den Riicken zu senden versucheu wird, so weiB ich ebenso gut, wie er selbst in seinem Herzen, daB er schlieBlich in zåhnelcnirschender Ohnmacht bleiben wird, was er war, ein schmåhlicher, von allen und schlieBlich auch von sich selbst verachteter Geselle. Mir scheint es wichtig, daB sich ajle, die an die Verwirklichung des zionistischen Programmes glauben, auch iiber die jetzige Lage klar werden. H£tt->n wir in Herzls Zeiten die HeimsUtte in Palåstiua diplomatisch zugesichert erhalten, dann wiire die faktische Besiedlung Palæstinas sicherlich leichter durchfiihrbar gewesen als jetzt. Es ist gar keine Frage, daB die damaiigen Verhaitnisse in Paliistina durch eine staatliche Autoritåt wie die Englands leichter zu regeln, die Besiedlungsbedingungen giinstiger zu schaffen gewesen waren. Es ist ebensowenig zu bezweifefn, daB die Emigration und Immigration nicht und wesentlich billiger, sondern infolge der damals noch ^eordneten staatlichen Verhaitnisse vlel lefchter durchfUhrbar gewesen wftre. Dasselbe gilt natilrlfch auch fiir den Transport aller Rohstdffe, Maschinen and samtiicher Gebrauchsgegenstånde nach Paiastna uhd1 fiir die Einr* der Siedlungen, Bauten, Straflen, sanit&ren Einrici tungen etc. etc. in Paiastina selbst. Das Wirht'-

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