Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1920)
- Date
- 1920-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sets Leben geltssen. Ich billige es, wenn Ihr auch in PrenBen nach Rechten strebt. PreuBen hat groBe Pfaffenmacht, das Ist schlimm. Ich gebe meine Zustlmmung zu den Anstrengungen, die'Ihr beginnen wollt. Alles, was in meiner Macht iiegt, werde Ich tun, Eure Bestrebungen zu unterstfitzen. Sind Etfre Anstrengungen einstimmig, dann konnt Ihr die Hoffnung hegen, die Deutschen zur Anerkennung Eurer Rechte zu zwingen. Valker genug sind durch unermeflliche Grausamkeit, die sie an den Juden veriibten, nicht ohne Berechtigung zugrunde gegangen. Man hat in die Welt hinausposaunt, Ich hatte die AeuBerung getan: „Die Juden sind die Raubritter unserer Zeit." Welch eine schimpfliche LUgel Mein Oott, was soli Ich in letzter Zeit nicht alles gesagt und geschrieben haben. Jetzt, mein Herr, håbe icn einige Mitteilungen gemacht, die Ihr Herz erfreuen werden. Wahrlich, wie Ich geschrieben håbe, so denke Ich! Der Kalser Frankreichs ist dankbar! Alle Lieferungen schnell nach Kowno. Oehen uns die Qelder aus, so gilt Mein kaiserliches Wort: Ich zahle lede Forderungl Mein Herr, Ich håbe die Ehre Napoleonl" Dieser Brief ist historisch, denn er entstammt einer zuveriassigen Quelle. Øraf von Segur hat selbst im Dienste Napoleons gestanden urid dessen letzte Feldziige mitgemacht. DEUTSCHLAND. Hochschulkurse ftlr Juden. Den Bemilhungen von Prof. Einstein und Geheimrat Landau ist es gelurigen, den ausiandischen Studenten, die infolge der besteh. Bestimmungen an den Berliner Hochschulen nicht immatrikuliert werden konnten, einen Ersatz filr die verloren gegangene Studiengplegenheit zu schaffen. Auf die Eingabe der beiden Gelehrten hat Kultusminister Haenisch sich einverstanden erkiart, daB die nach den nftheren Angaben des Gesuches in Aussicht genommenen Lehrgange als „staatljch zugelassene Lehrgdnge Berliner Universitatslehrer“ bezeichnet werdeiuDieses Einverstfindnis bezieht sich dem Inhalte der Eingabe entsprechend* nur auf die z. Zt. in Berlin weilenden Ausiander und darf nicht den AnlaB einer dauernden Einrichtung bieten. Man hofft, daB die Zeugnisse liber die Teilnahme an den Kursen und Vorlesungen auch von den ausiandischen Regierungen anerkannt werden. Die hervorragenden Universitatslehrer, die an der Abhaltung dieser Kurse aktiv interessiert sind, wollen fur die Anerkennung der Zeugnisse im Auslande Sorge tragen. (Dem Herrn „F. J.‘‘ des ,,Tagesbote“.) Protestmeeting gegen die Judenhetze in Ungarn. Sonntag, den 11. April, hat die Wiener Judenschaft in einem grandiosen Volksmeeting gegen die Judenverfolgungen in Ungarn Stellung genommen. Dem Rufe waren Tausende und Abertausende gefoigt, so daB der Riesensaal des Komodienhauses nur einen Teil der Erschienenen fassen konnte. Die Redner, Abgeordneter Stricker, Oberrabbiner Dr. Chajes, Dr. Schalit und Dr. Kiwe schilderten in drastischen Wprten unter Aufzahlung haarstraubender Einzelheiten die Verfolgungen, Drangsalierungen und Mérdereien, denen die Juden Ungarns seit Monaten ausgesetzt sind. Eine flammende Protestresolution wurde einstimmig angenommen. Anspruch auf ein liidisches Palastina. The Mizrachi Organisation Central office London meldet vom 22. April: Bei einer Sitzung der Stoke Newington Abteilung der Gross-Britannischen Union der Vdlker-Liga, wurde eine Resolution angenommen, den Anspruch des jUdischen Volkes auf Palastina zu unterstiitzen und ein Telegramm wurde dementsprechend an den Prime-Minister nach Sar. Remo geschickt, gezeichnet von dem Vorsitzendeu, Sir Herbert Ormond, friiherer BUrgermeister von Stoke Newington. Von Wocho zu WogIib. Was geschieht mit Immanuel L 6 w? Dr. Immanuel L6w aus Szegedin war stets loyaler magyarischer Patriot. Gramte sich, weil der alte ehrwfirdige Rabbiner Roth aus Papa zum Zionismus iibergegangen ist, und konnte solches Tun nicht verstehen. Der Vater Leopold Low war schon hochberiihmter magyarischer Prediger und der Sohn iibernahm das Erbe seines Vaters. Nun soli Immanuel Low einem hollandischen Journalisten gegentiber, der sich als getaufter magyar. Jude entpuppte, der ein offenkundiger Lump u. Denunziant ist, eine hochverråterisch© AeuBerung getan bab«n. Was kann er gpsagt haben. Hoffentlich doch nur die Wahrhelt, .daB heute kein Staat so niedertrachtig mit selnen Juden verfahrt, wie Ungarn und Judapest. Er tat aber diesen Ausspruch nicht. Er wåre in seinern Werte bei uns nicht gesunken, hatte er es getan. Aber diesen Horthy-Betyaren, diesem Lumpehgesindel weiBgardistisch - loyalistisch - monarchlstischer SchweiBhunde geniigte es, daB Immanuel. L6w mit einem angeblich fremden Journalisten gesprochen hatte, um ihn des Hochverrates zu zelhen. Wir kennen diese Matzchen. In L6w sieht man das Oberhaupt magyarischer Judenheit, und in ihm will man diese Judenheit treffen. Herrn Sandor Pal soli es unangenehm gewesen sein und auch dem famosen Budapester Rabbiner Dr. Simon Hevesil Was ist mit Immanuel L5w geschehen? Ist er interniert, oder ist er, wie Szegediner Reisende melden, am Galgen gestorbert? Wird denn diese magyarische Horde ewig leben? Wird man sle nicht endlich von Horthy bis zum Feldprediger Zdrazalek zum Teufel Jagen? Es wdre hochste Zeit l * # # Was sich alles auf dem Br finner israelitischen Friedhof zutrdgt. In der letzten AusschuBsitzung wurde vom Herrn Dr. Karl Sonfienfeld auf das nachdrficklichste verlangt, daB die leidigen ZustSnde auf dem JUdischen Friedhofe gefindert wfirden, daB es nicht angehe, daB am Friedhofe bald von diesem, bald von Jenem Grab etwas gestohlen wfirde. Die Interpellation, welche mit Jenem Nachdrucke vorgebracht wurde, die sie verdient, hatte den Erfolg, daB ihre Beantwortung nach altbewfihrtem Muster verschoden wurde. Bislang ist nichts geschehen. Im Gegenteil, es ist noch schlechter geworden. Wenn die Funktionere die Ausrede haben, daB sie Ja nicht Tag und Nacht am Friedhofe sitzen konnen, so hat es etwas filr sich. Wenn aber Leichen verwechselt werden, wenn man falsche SSrge In falsche GrBber senken 18Bt, und dies erst im letzten Momente bemerkt wird, so Ist das haarstreubender Uniug. Alle maBgebenden Faktoren sind zur Rechenschaft zu ziehen. Die Friedhofsverwaltung, der Leiter der Friedhofssektion soli sich mebr um seine Agenden, als um die Politik der „deutschdemokratischen Freiheitspartei‘*' bek~fimmfermiiZam Schlufl muB Jeder GemeindefunktionSr auch auf seinen Prasideiv ten Rticksicht nehmen und ihn nicht ffir alles verantwortlich machen zu lassen. Die Oeffentlichkeit hat ein Recht, zu wissen, auch was am Friedhofe vorsichgeht. Und derartige an Verbrechen grenzende Schlampereien dfirfen nicht geduldet werden. Es sterben, Gott sei gedankt, nicht soviele Juden tfiglich in Briinn. Wenn sich schon einmal der unglttckselige Fali ereignet, daB zwei Juden begraben werden, so ist es eine Piet&tslosigkeit sonder gleichen. wenn die Leiche der Frau X in das Grab des Herrn Y gelegt wird — auch wenn der Herr Y kein Selbstmorder ist. — Vielleicht failt es doch dem Sohne oder der Tochter der Frau X ein, einmal das Grab ihrer Mutter zu besuchen, und Jeder, der eine Mutter oder einen Vater am „guten Ort“ liegen hat, wird es erklfirlich finden, daB man bei dem Gedanken entsetzt sein muB, man sei vor einem falschen Grab. Mehr Ordnung in Kultusangelegenheiten. Es sind gerade Leute genug dazu dal Mehr Aufmerksamkeit auch auf dem Friedhofe meine Herren, die sle der Cliewra Kadischa vorstehen! BRUENNER NACHRICHTEN. Makkabl BrUnn veranstaltete Samstag und Sonntag, den 1. und 2. Mai auf eigenem Platze im Schreibwalde ein lokales FuBballturnier, an dem sich die Vereine Achilles, Ceskå Technika, Olympia, XI. Invalid! und Makkabi beteiligten. Die Wertung erfolgte nach Punkten, ein Sieg bedeutete 2 Punkte, unentschiedenes Spiel 1 Punkt, eine Niederlage 0 Punkte. Sieger des Tumlers wurde Jener Klub, der die meisten Punkte auf sich vereinigte. Bei gleicher Punkteanzahl entschied das bessere Torverhaitnis. Spielzeit: 2 X 30 Minuten. Als Sieger ging aus diesem Turnier der "Sporlklub XI. Invalidi hervor. Zweiter wurde der Sportklub Makkabi. Die Resultate des ersten Tages: Olympia : Achilles 2:0. Makkabi : Viktoria 1:1. XI. Invalidi : Ceskå Technika 2:1. Zweiter Tag: Viktoria : Achilles 1:1. Makkabi : Ceskå Technika 2:0. XI. Invalidi : Olympia 3:1. Wer tung: 1. XI. Invalidi mit 4 Punkten. 2. I. S. K. Makkabi mit 3 Punkten. 3. u. 4. Olympia und Viktoria mit Je 2 Punkten. 5. Achilles mit 1 Punkt. 6. Ceskå Téchnika mit 0 Punkten. Makkabi, verstårkt durch Baru, stellte an beiden Tagen eine spiel- und angriffsfreudige Mannschat1, die Jedoch noch immer nicht zu ihrer vorjåhrigen Hochstform aufzulaufen vermochet. Die Mannschaft bedarf dringend eines rationellen Trainings seitens eines zu diesem Zwecke berufeneh energischen und tfichtigen Beruftrainers, der die Taientc, die in dieser Mannschaft gewiB vorhandett sind, erst zu praktischer Geltung bringen wird. Auch die stets wechselnde Aufstellung, in der die Mannschaft den „Griinen Rasen" betritt, wåre zu bemångeln, das wfinschenswerte Zusammensplel wird dadurch gewiB nicht erreicht. Am 1. Spieltage gegen den Sportklub Viktoria antretend, vermochte die Mannschaft bloB das unentschiedene Resultat 1:1 zu erzlelen. Berelts in der 5. Minute erhielt Viktoria einen ElfmeterstrafstoB. zugesprochen, der verwandelt wurde und das Spiel Makkabis stark beeinfluBte. Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit vermochte Makkabi auszugleichen. Baru war der glUckliche Erzeuger dieses Tores. Bei andauernd groBer Ueberlegenheit Makkabis endetc das faire Wettspiel. Hervorzuheben wfire das Spiel des rechten Flilgelhafs ReiB II, der einen sehr guten Tag hatte. Der zweite Tag sah Makkabi in Front gegen Ceskå Technika. Makkabi war von der zweiten Minute des Spieles an bis Spielende stark iiberlegen, ohne diese Ueberlegenheit ziffernmåfiig zum Ausdruck.e bringen zu kbnnen. Vor dem Tore waren die Stlirmer von einer erschrecklichen SchuBunsicberheit. Eine Menge giinstiger SchuBgelegenheiten blieb so utiausgenUtzt. In erster Linie ist der Erfolg Makkabis dem pråchtigen Spiele des Zenterhalfs Baru und rechte Flfigelstilrmers Rosenzweig zuzuschreiben, die die beste Leistung im Feide boten. Unermildlich drfickte Baru seine Stfirmerreihe immer wieder nach vorne, er war fiberall dort, wo der Ball war, sah jeclc Schwåche des Gegners und niitzte sie taktisch richtig aus. Sein Ballzuspielen war vorbildlich. Eine vielleicht noch ebenbilrtigere Leistung vollbrachte der rechte Flfigelmann Rosenzweig. Sein Lauf, sein Abgeben, sein „Mannengehen" waren ebenfalls vorbildiich und man kann nach dieser Leistung dem jungen Spieler eine „FuBballzukunft" prophezeien. .Jellinek als linker Half zeigte eine bedeutende Formverbesserung, Zaitschek als rechter Half ist ein forscher Draufganger, der dem gegnerischen Angriff das Leben sauer macht. Die Verteidigung noch nicht gan.z auf der H6he. Der Tormann bekam keine Gelegenheit, sein Konnen zu beweisen. Besuch gut, doch ware zu wiinschen, daB das jfidische Publikum die judische Sportidee nicht nur wie bisher bloB mit Worten fdrdere, vielmehr durch den Besuch aller Jildisch-sportlichen Veranstaltungen den jfidischen Kampfern Ansporn zu immer hoheren Leistungen gebe. / Makkabi II : Ung.-Hradisch IA 0:1. Makkabi II : Ung.-Brod IA 5:2. Ehrenvolles Abschneiden der Reservemannschaft, die mit groBer Ambition die blauweiBen Farben in der Fremde vertrat. Rumbo. AusschuBsitzung der Israel. Kultusgemelnde in BrUnn am 5. Mal 1920. Der PrUsldent erOffnet die Sitzung und erteil* Herrn Dr. S c h r e i e r das Wort, der in einer Enunziation auf die groBe Bedeutung der San R e m n'e r Tagung ffir die Gesamtentwicklung des ■"Jfidischen Volkes hinweist. (Beifall.) Hiera'uf beantwortet der PrUsident die in der letzten Sitzung im Namon des Jfidischnationalen Klubs vom Herrn Dr.KarlSonn e n f e 1 d gestellte Interpellation beziiglich der Vorgange am Wahltage der Ersatznrånner in so ungenfigender Weise, daB der Interpellant sich gezwungen sah, die Interpellation zuriickzuweisen. Die Abstimmung darfiber ergab. Stimmengleichheit und der Vorsitzende machte von seiriem Dirimierungsrechte- Gebrauch und entschied, daB seine Interpellationsbeantwortung genfige. Ueher die Interpellation betreffend die Delogierung der Frauenorganisation und des Hilf^komitees bringen wir in der nfichsten Nummer einen ausffihrlichen Bericht. Austrltt aus dem Judenfum. 5. II. Stransky Hermine, Miedermachcrin, Tochter des Friedrich Stransky und Anna geb. Bloch, geb. 14, III. 1890, Zasmuk, B6hm.