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Jüdische Volksstimme · 1920-05-08 · Heft 19 (8.5.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 19 (8.5.1920)
Date
1920-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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6. I. Schwarz Henriette, Priv., unehel. Tochter der Therese Schwarz, geb. 2. III. 1890. 10. II. 1919. Samek Karl, Fabrikant, Sohn dis Jakob und Sophie Samek geb. Herschmann, geb. 18. V. 1878. 3. IH. Winter Berta, Priv., Tochter des Julius und Josefine Winter geb. Holzmann, geb. 4. VI. 1891 in Nedvvitz. 1. III. SchUck Igna t z, Ing., Sohn des Julius "nd Hermine Schiick geb. Bloch, geb. 12. II. 1889 »n Hinter-StFftel I. HI. Schiick Berta geb. Kolben, Ing.-Gattin, Tochter des Dr. Emil Kolben und Malvine geb. Popper, geb. 1. II. 1898. Griindungsfeler „Esra“-Gesangssektlon. Am 5. d.. wm 8 Uhr abends, veranstaltete der junge Verein in dem Schreibwaldsaale eine Grilndungsfeier (Lag-beomer-Feier), die trotz des schlechten Wetters glånzend besucht war. Ein ausfiihrlicher Bericht vorbehalten. *„Esra“-Gesangssektlon. Sonntag, den 9. Mai, um halb 11 Uhr vorm., Realschule (Johannesgasse) Vollversammlung. Såmtliche Mitglieder (Damen und Herren) werden ersucht, voilz.hlig zu erscheinen. — 10 Uhr AusschuBsitzung. Der JUdlsche Nationalrat beim Pråsldeuten der Republik. Dienstag, am 4. Mai d. J., empfing P^åsident Masa ryk die Leitung des Jiidischen Nationalrates, Herrn Dr. Ludwig Singer und Dr. Max Brod. Die Genannten wiesen auf den Wahlerfolg hin, der sich in der Konzentration von 80.000 Stimmen bei den Wahlen ins Abgeordnetenhaus und 60.000 Stimmen bei den Senatswahlen, also der iibérwiegenden Majoritåt der jiidischen Stimmen in der Republik, gezeigt hat. Ferner hoben sie hervor, daB trotz dieser groBen Stimmenzahl die jiidische Minoritåt ohne parlamentarische Vertretung geblieben ist und schilderte die hieraus sich ergebende politi-1 sche Situation. Nach Anhorung dieser Ausfiihrung åuBerte sich der Pråsident, daB auch er im Wahlresultat einen bedeutenden Erfolg der jungen jiidischen Bewcgung erblickt und daB die Unvollkommenheit der Wahlordnung in dieser Hinsicht jedem klar sein muB. Ferner gab der Pråsident seiner Ueberzeugung Ausdruck, daB diese 80.000 jiidischen Stimmen nicht verloren seien, daB sie im Gegenteil nicht ohne Widerhall und nicht ohne giinstigen EinfluB auf die Zukunft des Judentums in der Republik bleibén wiirden. Hierauf entwickelten die erschienenen Vertreter die Absicht des Nationalrates, einen KongreB aller Kandidaten der jiidischen Listen, denen die jiidische Wåhlerschaft ihr Vertrauen votiert hat, zu dem Zwecke einzuberufen, daniit dieser KongreB eine definitive legale Vertretung der volksbewuBten Juden erwiihle. Der Pråsident åuBerte sich hiezu iibereinstimmend, indem er diesen Plan fiir richtig erklarte. — In der aU Stunde dauernden Audienz wurden noch andere Fragen behandelt, zu denen der Pråsident mit dem gewohnten Verståndnis fiir die kulturellen Bediirfnisse der jiidischen Minderheit Stellung uahm. Korresponder en. Oimtitz. Die hebråischen Sprachkurse in Olmiitz werden bereits von mehr als 50 Schiilern besucht, die den verschiedensten Altersklassen und Berufen angehoren. Diese fiir eine Stadt wie Olmiitz immerhin bedeutende Zahl konnte nur erreicht werden, weil einerseits die Aufmerksarnkeit auch im Westen sich dem Hebråischen mehr und mehr zuwendet, andererseits aber Olmiitz gliicklicherweise in Herrn Chune Håndel einen Sprachlehrer besitzt, der das erwachte Interesse in immer neuer Weise zu erhalten versteht. Dieser Lehrer, dem wohl der grofite Teil des innerén Gehaltes zu danken ist, den der Zionismus hier gewonnen hat, weiB aus den Kursen weit mehr zu machen als einen bloBen Sprachunterricht. Ein AuBenstehender kann kaum beurteilen, wie schwer es ist, das Interesse fiir eine Sache, die augenblicklich keinen praktischen Nutzen bringt, und zu der ein nicht unbetråchtlicher Teil der Horer hauptsåchlich durch eine Art Modebediirfnis gefiihrt wurde, dauernd wach zu erhalten und zu benutzen, um dem Lernenden mehr zu geben als er verlangt und Wichtigeres, als er eigentlich lernen wollte. Per hebråische Geist, der dem Jargongeist /der heutigen Welt (nicht nur der jiidischen) diametral entgegengesetzt ist wird unter dem Deckmantel von Midraschsåtzen, die als Sprachbeispiele angefQhrt werden, in sonst dafur vielleicht iinzugåugliche Kopfe eingeschmugelt. Und was hier als Abbild hebråischen Geistes gezeigt wird, erhålt seinen groøten Wert dadurch, daB es wirklich éln reines ungeschminktes Abbild ist, nicht ein nach Belieben . umgeformtes Phantasiegebilde, denn Herr Håndel besitzt die seltene Eigenschaft, sich durch Liebe nicht blind machen zu lassen, er verbindet mit der groBten Begeisterung fiir seine Sache die denkbar grQfite Objektivitåt bei ihrer Betrachtung. Als Gegengewicht zur Beschåftigung mit alten Literaturerzeugnissen, befaBt sich die Konversation ausschlieBlich mit aktuellen Themen und eine abwechslungsreiche Lektiire moderner und alterer Schriftsteller vervollståndigt die Zahl der Lehrmittel. Wir haben hier eine Methode, die sich aufs beste bewåhrt und die man zur allgemeinen Nachahmung empfehlen miiBte, wenn nicht eben das beste an ihr mehr als Methode wiire und unmoglich nachzuahmen, sondern nur na^zumachen: die volle Hingabe eines Menschen an die Erfiillung seiner Aufgabe. Archit. Paul Engelmann. OlSan. (Die Rache der Toten.) In OlSan beflndet sich einer der åltesten Friedhdfe Måhrens. Einsam liegt er halb vom Walde versteckt in der Nåhe des Dorfes, selten wird jemand zur letzten Ruhe dort gebettet. Die meisten Juden sind fortgezogen und die librig gebliebenen streiien langsam ihr Judentum ab, da die Kinder ohne Religionsunterricht herangewachsen, ilie Bethåuser verfallen. Im besagten Friedhofe hatten ruchlose Hånde die Eingangstiire samt Pfostcn gestohlen. Von privater Seite wurde wohl sofort eine neue Tiire angeschafft. Doch dauerte es långere Zeit, bis dieselbe eingemaue-t werden konnte. Am Ostermontag trieb sich nun die Dorfjugend zwischen den Gråbern herum, besonders ausgelassen benahm sich die 17 Jahre alte Novak aus OlSan, welche dort formliche Predigten hielt und den Grabstein des alten Jelinek, eines zu Lebzeiten sehr ,geachteten und frommen Mannes, formlich apostrophierte. Zum Schlusse umarmte sie den Grabstein. Da fiel derselbe plotzlich um und zerschmetterte ihren FuB. Die Schwiegertochter des erwåhnten Jelinek lieB sie ins Krankenhaus nach Po- Satek iiberfiihren. Dr. S. Gottlieb, Distr.-Arzt. Blsenz. Durch die Einverleibung der jiidischen politischen Gemeinde*’mit der Bisenzer allgemeinen Gemeinde sind Neuwahlen notwendig. Zu diesem Zwecke veranstaltete die jiidische Wåhlerschaft eine Wåhlerversammlung am 2. Mai,"bei der Dr. G. Koh n aus Briinn referierte. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Herr Altbiirgermeister G e r s o n K 6 n i g s t e i n gewåhlt. Zum Listenfiihrer B e r nhardGriinbaum. Wien XIII. Am 26. April fand eine vorbereitende Versammlung fiir die Griindung einer zionistischen Bezirkssektion Hietzing (XIII. Bezirk Wiens) statt, die trotz der nur personlichen Propaganda von einer stattlichen Anzahl von Gg. und solehen, die im Begriffe sind, Gesinnungsgenossen zu werden, besucht war. Nach einer kurzen Einleitung des Gg. Ingenieur Steinherz ergriff Frau Lotte Kempler als Referentin des Palåstinaamtes fiir jiidische Frauenbewegung das Wort, schilderte den Stand der jiidischen Fiirsorgeaktionen, zeigte, wo man hilfreich einspringen konne und miisse, hob die Bedeutung der kommenden Wiener Kultuswahlen hervor und eiferte alle Anwesenden an nationaler Betåtigung mit groBem Erfolge an. Fast alle anwesenden Frauen und Mådehen stellten sich, durch ihre herzlichen Worte gewonnen, jiidischnationalen, bezw. zionistischen sozialen Zwecken, zur Verfiighng. S....Z. JllDISCHER NATIONALFOND. Auswels des Jiid. Nationalfonds. Allgemeine Spenden: Sammlung im Th. Herzl Kronen 156, Sammlung bei Teeabend von Frau Ida Ripper 167, Sandor Hirschmann 50, Rudolf Jellinek, Wisowitz 25, Alfred Neumann anl. Geburt eines Sohnes 24, Tschelebon Café Konstantinopel, Izso Wilmos, Lesa Altmann, Aaron Deresiewicz å 20, Meier Blum 18, Heinrich Gartner 15, Constantin Golde 13, Sammlung „Veritas“ 12, Samuel Goldstein, Lundenburg, Moses Wirtheim, Otto Singer, Karl Fuchs, Jakob Pomeranz å 10, Brief, Fischl, Rosenbaum, Reger, Goldberg, Altinann, Kamelhaar, Kraut, Altmann, Deresiewicz, Goldstein, Kartenpartie Bartfeld, BlaBberger, Acker, Heller å 5, Deresiewicz, Altmann, Fischer å 2 Kronen. Biichsen: Dawid WeiB Kronen 6, Dr. Wolfenstein 5J4, Ernst Deutsch 18.39, Walter Schdn 7.10, David Eckstein 3, Karoline Kahn 6, Schulz 1.75, Sonderling 1.80, Michael Jampel 20, Dr. Schorstein, A. Schachinger 7.10, Frankl 2, „Mensa“ 82.48, Schmerz 4, Ripper 57.12, Regine Lowy 14.06, Dr’. Spitz 7.39, Skutetzky 8, Ticho 4.60, Wilhelm 3.40, Weiner 3 K. Oelbaume: Sam. Goldberg, Sam. Frithmann, Eugen Weinfeld a. N. M. Weifeld, Paul Barba, Benno Grilnwald anl. d. Geburtstages seiner Mutter a. N. Lina Griinwald å 1 Oelb. å 15 K, Adolf Schailinger a. N. Berthold Gideon 3 Oelb. 45 K, Otto Weich a. N. Dr. Spiegler 2 Oelb. 30 K. Selbstbesteuerung: l.-l.—31.-X11.: Theodor Huber 600 K, Otto Weich 120, Dr. Adolf Grilnfeld, Sam. Rokotnitz, Ing. Leo Baumgarten, Alois Hochwald å 50, Sandor Hirschmann 75, Viktor Stiaflny, Ing. Luis Schuster å 60, Irma Kljngenberger, Grete Hut, Kamilla Klingenberger å 12, Therese ProBnitz 6 K. l.-I.—31.-VI.: Grete Czuczka, Julian Spitzer, Rosi Miiller, Stella Czuczka å 6 K, Sylva Spitz, Grete ProBnitz å 12 K. 1.-V1.—31.-VI.: Laufer 25 K, l.-I. bis 31.-V.: Beno Griinwald 10 K, l.-I.—31.-IV.: Ernst Schmitz 8 K, Fritz Berger 8 K, Helene Weiflkopf 80, Rudolf Singer 8 K. l.-I.—31.-III.: Max Hochwald 10. Maltschi Willheim 6, 1.-111,-31.-111.: E. Elbert 1 K, „Veritas" 20, 1.-3.—30.-4.: Egon Lauer 2, Nahum Steinschneider 4, 1.-4.—30.-4. :Fritz Zweigenthal 1 K, Johann Jassinger 1 K, Robert Skutetzky 2 K, Fritz Lowinger 2 K, Fritz Zweigenthal 1 K, Alfred Bader 2 K. Franz Weiner 2 K, Erwin Elbert 1 K, „Veritas" 20 K, Leo Holzer, Josef Fischer, Kurt Wolf, Max Zweigenthal, Fritz Hoffmann, Gustav Griinwald å 1 Krone, Oskar Sachs 5 K, Jeno Gero 2 K, Siegfr. Becr 3 K, Ludw. Szolt 1 K, Irma Lowy 2 K, Alex. Diamant 3 K, Kurt Munk, Walter Berger å 5 K, Otto Brosier, Ernst Konstant, Oswald Hochberg, Else Hochberg, Erwin Miiller å 2 K, „Hasmonåa", Grete Feldmann, „Arnewod" å 4 K, GlaB, Ing. Spitz, Moritz Deutsch, Kurt Redlich å K, Hickl 3 K, Otto Munich 20 K, Salo Feinberg, Juda Altmann å 10 K, Fischl Streifla 5 K, Soffer 8 K, Feldmann 6 K, Dr. Teller 1 K. 1.-4.—31.-5. :Ernst Loff, Lothar Tauber, Norbert Prosser å 4 K. Literatur. Juan Fernandez. Roman von Werner Scheff. Wiener Literarisclie Anstalt G. m. b. H. Wien,, Berlin. 1920. Gebunden K 50.—. Warner Schef f, der bekannte Wiener Phantast entwirft in Juan Fernandez ein grandioses’ Bild der versuchten Riickkehr des deutschen Exkaisers Wilhelm. Thor von Tomten, ein durch den Krieg beriihmt gewordener U-Bootfiihrer kehrt, nach dem er seinen Kaiser riaeh Amerongen begleitet hat, nach Berlin zurilck, Um im Kreise seiner Familie auszuruhen und iiber Deutschlands Schicksai nachzudenken. Am Bahnhofe weder von Frau noch vom Kind erwartet, rast er im Auto seinem Heime zu, um dort zu erfahren, daB die Frau verreist wåre. Einsam geblieben, folgt er ,der Einladung eines Freundes, beim Weine mit ehemaligen Offizieren den Abend zu verbringen. Die Rede geht um Wilhelm. Und Wie von ungefåhr wirft ein Anwesender ein, es wiirde England den Exkaiser auf Juan Fernandez, die Robinsoninsel verbannen. Riickkehrsmoglichkeiten, Flucht, Wiedereinsetzung wird erortert, als Tomten, von einem fremden Manne gerufen, erfåhrt, daB seine Frau zum Stelldichein mit einem ehemaligen Freun« de Tomtens gefahren sei. In der Villa dieses Mannes angekommen, die Nachricht beruht auf Wahrheit, kommt es zur Tragodie. Ehemann und Ehebrecher ringen. Tomten, der dem Gegner iiberlegen war, wili ihn iiber die Briistung eines Balkons hinabstiirzen, wird vom Stiirzenden mit in die Tiefe gezogen. Als er nach langer Krankheit wieder genesen war, befand sich der Exkaiser bereits auf dér Robinsoninsel; und die Monarchisten haben Thorn ausersehen, den Kaiser zu retten. Wje die waghalsige Rettung zustande kommt, wie Wilhelm unter dem Jubel der Bevolkerung zuriickgekehrt ist, sind Fieberphantasien eines zu Tode Verletzten, der ohne das BewuBtsein wieder zu erlangen, den Verletzungen des Sturzes erliegt. Phantasievoll, schraff, spannend geschriebcn! Im Film von groBer Zugkraft, wenn nicht der Verdacht nahe låge, daB die Phantasie des Todkranken in vielen Lesern den Wunsch nach Verwirklichung hervorrufen wiirde, Aber das tut dem Romane keine EinbuBe. Ob es doch nicht ein wenig im ganzen Wurfe banal wirkt, moge jeder Leser selbst bewerten. Notiii Kiinstlerspiele „Saus-Souci". Morgen Freitag gelangt zum erstenmal nebst der Posse „Bubi" die in Wien mit durchschlågendem glånzendem Erfolge gegebene Posse „Eine nette Bescheerung" von A. Trebitsch zur Auffiihrung. Der bunte Teil ist voltståndig neu. Die Direktion gibt sich alle Muhe, dem Publikum einen vergntigten Abend zu beretten.

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