Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1920)
- Date
- 1920-05-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Nf. 19. ttaualiche Vervrttthog Jabottaskis, gewåhrt hat, heiBt es v. Zunåchst befremdet uns die amtliche Meldung, daB nebst dem 211 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilten Wladimir Jabotinski auch næh andere 19 Juden 2u drei Jahren gleicher Strafe venrrteilt wurden, wåhrend von den Arabern im ganzen 2wei Månner wegen Schfindung jtldlscher Frauen zu 15 Jahren verurteilt wurden. DaB ein Mann von der Bedeutung Jabotlnskls in elne Relhe mit den arabischen Frauenschfindern gestellt wurde, Ist der beste Bewels fflr die Voreingenommenheit der englischen Behbrden In Palæstina gegen die Zionisten. Eine weitere Tatsache Ist die, daB die antijttdischen Exzesse sich drei Tage hintereinander wiederholen konnten und daB bloB einige Araber Verletzungen davon trugen, wåhrend die Zahl der verwundeten Juden 188 iibersteigt. Ueberdies wurde die iUdische Selbstwehr unter Mitwissen der englischen Behdrden begrundet, die allerdihgs deren Aufldsung Just zu einem Zeitpunkte angeordnet haben, ais die Passivitåt der britischen Sicherheitsbehdrden gegen die arabischen Exzedenten offenkundig wurde und es galt diese durch den jUdischen Selbstschutz abzuwehren. Wir fordern daher eine vdllig unparteiische Untersuchung, die naturgemåB ausscblieBUch von einer Kommission aus London objektiv durchgeffihrt werden kann. Wir haben keinen Vertrauen zu einem Qerichtshof, der aus denselben Månnern in Aegypten oder in Palåstina zusammengesetzt ist, die bei leder Qelegenheit als Qegner des Zionismus und der Erklårung der britischen Regierung, eine nationale Heimståtte fiir die Juden zu errichten, aufgetreten sind. Die Juden Palæstinas beschuldigen die Okkupationsbehbrden der Mitbeteiligung an den Ausschreitungen, es ist' somit ein Ding der UnmOglichkeit dieselben Behorden mit der DurchfOhrung einer Untersuchung gegen sich selbst zu betrauen." Zum Schlusse machte Mr. Josef Cowen dem Vertreter des J. C. B. die Mitteilung, daB das Krigsministerium eine besondere Untersuchung in der AffSre Jabotinski angeordnet håbe, und das Colonel Patterson, Kommandeur der jiidischen Legion, Schritte zur schleunigen Befreiung Jabotinskis unternommen hat Soebe: erschienen: Dr. A. 5QHWÆDR0N lit im m lin K 6.50. DONATH K 3.50. M. Hickls Verlag, Brttnn, Adlørg. 9. Palåstinafrage. Die „Times** iiber den gegenwårtlgen Stand der (J. C. B.) Im Leitartikel der Londoner „Times" vom 15. April finden wir die nachstehenden bemerkenswerten AusfUhrungen ttber den gegenwfirtigen Stand der Palåstinafrage: Ein .gestriges Telegramnt unseres Washingtoner Berichterstatters bezog sich auf in Umlauf gesetzte QerUchte in den Vereinigten Staaten, daB die britischet Regierung versuche, sich den offiziellen Verpflichtungen betreffs Errichtung eines nationalen Heimes fOr das iUdische Volk in Palåstina zu entziehen. Zufoige dieser QerUchte, de laut Versicherung unseres Berichterstatters selbst In gewohnlich gut unterrichteten Kreisen geglaubt werden, beabsichtige nunmehr die britische Regierung das Mandat tiber Palåstina dem Emir Feisul, somit den Arabern zu erteilen, wobei die nationalen Récbte der jtidischen Mlnderheit gewåhrleistet werden sollen. Es ist kaum glaubhaft, daB unser© Regierung eine derart absolute Oberflåchlichkeit erwågen konne und solange elae autentische Beståtigung nicht vorliegt, kbnnen wir diesen OerUchten keinen Qlauben schenken. Der Schaden, den die Verwirklichung . dieser Sevaikerung begelsterte Zionisten stad. wUrde dies wie unser Berichterstatter hervorhebt, eine antieng.- lische Bewegung hervorrufen, von derselben Art wie die beklagenswerte und unglttckselige Bewegung in Irland. Dadurch wUrden gerade iene Elepiente eine ganz erhebliche Stårkung erfahren, die fUr die Stabilisierung der Politik des Sichfernhaltens, wie sie momentan in Washington gemacht wird, sich so sehr einsetzt, daB sie sogar den AnschiuB an den Vdlkerbund zu hintertreiben bemttht sind. In Europa, Asien und Amerika wflrde man allgemein und gerechterweise die britische Regierung verurteilen, daB sie ihr Wort gebrochen håbe. Seit November 1917 als Mr. Baifour zuerst.die Erklfirung, welche die Herzen aller Zionisten in alien Weltteilen mit Freude erfUllte veroffentlichte, wurde dieses Versprechøn nochmals wiederholt. Es ist dann von Mr. Chamberlain, Lord Curzon, Lord Millerand und anderen Mitgliedern der Regierung Offentlich gutgeheiBen worden. Dem haben sich bereitwilligst auch Frankreich, Italien mit den Vereinigten Staaten offiziell' angeschlossen. Bisher håbe man in allen Weltteilen sowohl nur Qbnner, als auch die Qegner der eingesphlagenen Politik, an die Worte des Lord Curzons geglaubt, die er am zweiten Jahrestage dieser originellen Deklaration niedergeschrieben hat: In Bezug auf die Errichtung eines Nationel Jewish. homme in Palåstina, ist durchaus keinerlei Verånderung in der Politik der Regierung vorgekommen." Aus welchen anerkenneswerten Orilnden, soliten nun er oder die Regierung diese Anschauung åndern? Doch insbesondere fttr die Zionisten wilrde ein an Stelle des britischen gesetztes arabisches Mandat geradezu emporend sein und djese Empbrung wUrde ihren Qlauben an die Ehrenhaftigkeit der englischen Regierung ftir immer erschtittern. In den Vereinigten Staaten ist die zionistische Bewegung immer eine demokratische gewesen, sie ist mit Ausnahme der extremen Sozialisten und eines geringen Teiles der reichsten Klassen das Ideal der gesamten Bevolkerung. Auch in diesem Lande sind die Juden in ihrer grQBen Mehrheit eifrige AnhSnger der zionistischen Bewegung und obwohl sie persbnlich nicht den Wunsch hegen ins „verheiBungsvolle Land" zurtickzukehren, haben sie gleichviel mit hbchster Genugtuung die Erklårung der Regierung aufgenommen. Wie Jene Erklårung genauer zu vérstehen war, wurde nicht ausftihrlicher angegeben. Eine gewisse Unbestimmtheit besteht im Åusdruck „a national home for the Jewish poeple". Wie immer dies interpretiert werden soli, wiirden zweifellos, selbst unter britischem Protektorat, einige Jahre hindurch erhebliche Schwierigkeiten bestehen, involviert durch die geringe Anzahl der Juden in Palåstina, denen eine muselmanische Majoritåt gegentibersteht, allein diese Schwierigkeiten wiirden unter Feisul enorm wachsen. Unter solehen Bedingungen wtirde es offenkundig unmoglich sein, daB „Palåstina ein Heim ftir das jtidische Volk" werde. Wir hoffen daher, daB es sich bald ergeben werde, wie sehr die in Washington verbreiteten Gertich- , ten jeder Begrlindung entbehren. Die originelle Kundgebung Mr. Balfours verkbrpert die kltigste und feste, sowied er Sacfilage am meisten entsprechende Politik. Sie befriedigt die leidenschaftliche Hoffnung der gesamten zionistischen Judetiheit, von deren Wtinschen allein und nicht von den der kosmopolitischen Finanzjuden oder hyperenglischen Patrioten, die Regier ung geleitete sein moge. Vor allem aber hat sie ein feierliches Versprechen abgegeben, das sie nicht, ohne unermeBlichen Schaden anzurichten, brechen darf. Sie kann in der Tat weit Schlimmeres heraufbeschwbren, als eine den Washingtoner Gerlichten entsprechende Kombination ein ftir alle Mal in den ttirkischen Friedens-Vertrag aufzunehmen. AMERIKA. Permanenter itidischer KongreB. Auf einem von dem nationalen Exekutivkomitee der Zion. Org. im Bttro von Nathan Straus abgehaltenen Meeting, wurde nach langen Diskussionen mit; groBer Mehrheit der BeschluB gefaBt, fttr einen per-1 manenten jtid. KongreB in Amerika elnzutret^n. Nach dieser SteUungnahme der Zionisten ist es mehr als wahrschetalich, daB der amerikanisch-lttdische KongreB nach seinem Zusammentreten sich als permanent erklåren wird. Jabreskonferenz der amerikanischen Zionisten. Absicht anrichten wflrde, wåre ganz ungeheur. In Die Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten wurde ftir den 29. Mai bis 3. Juni nach Atlantic 1 den Vereinigten Staaten, wo 90 Prozent der jiidischen, City einberufen, Man erwartet, daB die Bestimmung j | tiber das Mandat fiber Palåstina zusammen mit allen Underen Einzelheiten des ttirkischen Friedensvertrajges Anfang Juni bekannt gegeben werden dtirfte, also ungefåhr zur Zeit der Abhaltung dieser Konferenz, weshalb auch die Konferenz auf einen frtiheren Termin als Ublich einberufen wurde. Blnmentag zugunsten des JUd. Nat. Fonds. Am 13. Juni wird in Amerika der VII. iåhrllche Blumentag zugunsten des Jtid. Nationalfonds stattfinden, zu dem bereits Jetzt groBe Vorbereitungen getroffen werden. Dr. Bogen iiber die Haltung der amerikanischen Qesandsebait in Warschan. The London Jewish Correspondence Bureau veroffentlicht ein Interview seines Pariser Berichterstatters mit dem in Paris vortibergehend anwesenden Vertreter des A. J. D. C. ftir Polen. In den interessanten Auftihrungen Dr. Bogens tiber die bisherigen Eriolge des ameriaknisch JUdischen Hilfswerkes in Polen verdient folgendes Detail besondere Beachtung: Frage: „Sicherlich hat die amerikanische Gesandtschaft in Warschau viel zur korrekten Haltung der poinischen Behorden zum amerik. JUdischen Hilfswerk beigetragen." Dr. Bogen: „Im Gegenteil, wir wiirden von unserer Gesandtschaft am wenigsten gefdrdert. Schon frtiher wurde mir gesagt, daB unsere diplomatischen Vertreter håufig in den Chor derjenigen Staaten einstimmen, wo sie akkreditiert sind. Ich kann nun aus eigener Erfahrung beståtigen, daB dieses Urteil nicht tibertrieben zu sein scheint." frankreich. „L’Evénement" vom 14. April bringt einen Artikel von Enric F. Braunstein betitelt „Frankreich und die Juden", in dejn dargelegt wird, daB die aus dem Osten ein- resp. durchwandernden Juden ailerlei Chikanen seitens der franz. Behorden wegen ihrer Papiere ausgesetzt seien. Der Autor warnt dieses System weiter fortzusetzen, da die Emigrantenstrdme bei chikanoser Behandlung ihren Weg nach Ame-, rika via Belgien oder Holland nehmen wflrden, was wahrschetalich nicht im Interesse der franzbsichen Schiffahrtsgesellschaften gelegen sei. Frankreich, so heiBt es weiter, brauche Arbeiter; es entsende Kommissionen nach Polen, um Arbeitergruppen zu rekrutieren und wenn Arbeitsuchende bei ihm anpochen, werde ihnen die Ttire gewiesen oder man suche sie auf andere Weise fernzuhalten. Frankreich stéhe schon in dem Rufe, dem Zionismus feindlich gesinnt zu sein, es fruktifiziere schon von der anti-jiidischen Politik des Kardinals Dubois in Palåstina; will es sich, so fragt der Autor, auch noch den Vorwurf der Intoleranz zuziehén und seinen Ruf als Land des Asylrechtes einbiiBen? Ein Brief Napoleons I. iiber die Juden. Als Napoleon im Mai 1812 in Kowno lagerte, befahl er, daB man mit Danziger Juden Lieferungen abschlieBe, damit diese nicht den PreuBen in die Hånde fallen. Er selbst hatte sich Adressen von Juden verschafft. Nach einem alten Geschichtswerk von Graf von Segur, betitelt: „Napoleon und die groBe Armee", empfing der Danziger Jude „Kobluscher" von dem Kaiser einen Brief, der in deutscher Uebersetzung wie folgt lautet: „Mein Her ri Wie mir mitgeteilt wurde, liefern Sie gut und billig. Das hat mein Hera erfreut! Wenn Gott mir zum Siege^ verhilft, so will ich Europa beweisen, wie dankbar sich ein Kaiser gegen die Juden, Ihre Stammesgenossen, zeigt. Ich werde Europa Vorschriften machen und die Gefahr aijfheben, in neue Barbarei zurttckzusinken. Hat Ihr Volk die Finsternis Ndes Mittelalters tiberstanden, so soli dieser Krieg dazu dienen, alle barbarischen Volker in Zivilisierung zu versetzen! Wer konnte wohl glauben, daB es moglich ist, wenn man im Jahre des Heils 1812 noch Abneigung gegen die Juden hat. Was soli der groBe Kampf der Menschen, der Krieg des Glaubens, welcher die Staaten im Innern zerrtittel Ich håbe Mich længst tiber die Leidenschaften der christlichen Weit durch eigene An$chauungen emporgehoben, Noch viel Blut muB vergossen werden, ehe auch die Juden aller Lander Europas die Sonne der Freiheit sebauen. In Meiner Lage mufl Ich viele Interessen ausgleichen und Pflichten erftillen. Hætte ich die We|t regiert, dann wåren die Juden weiter. Es ist wahr, Ich liebe Ihre Nation: Seit zwanzig Jahren erblieke Ich Ihre Kaufleute an Meiner Seite, auf den Schlachtfeldern Italiens und in den Gefilden Spaniens hat maneher Jude ftir Frankreich? GrOfie