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Jüdische Volksstimme · 1920-04-22 · Heft 17 (22.4.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 17 (22.4.1920)
Date
1920-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Mt 4 uoittcire founmne.« Nf. 17. aus diesem Galuth der Vefstrickung, des Anfbaues dines selbståndlgen Vdlkslebens in Palåstina auf den Qrundlagen der Arbeit und der Gemeinschaft. In elnem Sinn kann auch die Galutharbeit aufgenommen werden als Vorbereitung fflr Palåstina, d. h. nicht nur hebrfiisch lernen, sondern Reproduktivierungsar-1 beit und alles was den Geméinschaftssinn weckt und { erhalt. Aber all dies muø unserem palåstinozentri-; schen ZielbewuBtsein eingeftigt sein. Unser Programm kann nur ein radikal-palåstinozentrisches sein und ein in dieser Bedeutung personlich verpflichtendes Programm. Ich weiB nicht, inwiefern ein solcher Lebensverband eine Massenbewegung sein kann, aber ich hoffe es im Innersten, daB diese Wahrheit auch die Massen erheben und befeuern und schlieBlich zu sich zwingen wird. Man darf nicht zuviel Respekt vor der Masse haben, d. h. vor ihrer Augenblicksgestalt, sondern man muB den Keim sehen, der in ihr ist und muB ihm zu Zeiten befehlen, sich zu entfalten. Die Fiihrer der Massen haben die Pflicht nicht nur politisch zu fflhren, sondern lehrend und wegweisend. Aber in dieser Stunde, in der alle Volker entartet sind, gentigt es nicht, noch ein Volk zu schaffen, das in den Kreis der Vdlker eintritt und von ihrer Atmosph&re vergiftet wird. Wenn es nicht eine hohere Gemeinschaftsform in sich und durch sich verwirklicht, als die anderen Volker, durch sein Leben den Vdlkern etwas zurufen will. Auch von dem Standpunkt derer, die sagen, nicht Sozialisten zu sein, kommt es darauf an, ein wahrhaftes Gemeinschaftsleben aufzubauen. Das ist ein Sozialismus, der nicht von auBen in das Volk hineingetragen wird.' Ohne diesen echt jiidisehen Sozialismus gibt es.k2inen echt jiidisehen Nationalismus und kann es keinen geben. ( Zum SchluB weist Redner darauf hin, daB wir vor einem Augenblick der schwersten Krisis stehen, der Krisis im Zionismus, im Judentum und in der Menschheit und in diesem Augenblick miissen wir alle arbeitenden Kråfte nicht etwa zu einer Opposition, sondern zu einem Werk zusammenfassen, das eine Brilcke baut zu einem neuen Reich, dem Reich der neuen, der wahrhaften Menschengemeinschaft. * Nach SchluB der Programmdebatte wird eine Programmkommission gewåhlt. Auf Antrag Lewinson hat die Konferenz beschlossen, eine Kundgebung der Trauer tiber die Verluste von Tel Chaj telegraphisch den palåstinensischen Genossen zu iibermittelni Es wurde folgende Depesche abgesandt: „Hapoel-Hazair Jaffa Tel Awiw. Die Weltkonferenz Hapoel-Hazair, Zeire-Zioti betrauert zusammen mit dem ganzen Volk und besonders mit der Arbeiterschaft Palåstinas die Verluste in Obergalilåa. Ehrende Bewunderung den Verteidigern unserer Stellung. Die Konferenz ist entschlossen ztir Schaffung eines geeigneten Lagers von Pionieren der nationalen Arbeit, wélche das Lebenswerk der Gefallenen von Tel Chaj tørtftihren werden. Im Auftrage der Konferenz: Das Sekretariat: Lewinspn, Weltsch.“ * Die nåchsten Sitzungen Donnerstag und Freitag sind der Arbeit im Galuth fflr Palåstina gewidmet. Referate halten: Zwi J e h u d a (Palåstina), Merem i n s k i (Misrach-Verband Warschau) und R u sc z u k (Chaluz Polen). — Den Bericht tiber diese Sitzungen werden wir nachtragen. Von Woche zu Woche. Prof. Dr. Moritz Benedikt. Man glaube ja nicht, Benedikt von der „Presse*1, sondern der weltbertihmte Psychiater ist Mittwoch, den 14. d., gestorben. Benedikt, der das hohe Alter von 85 Jahren erreichte, hatte sich eine geistige Rtistigkeit bewahrt, die staunenswert ist. Wie ein Jflngling stUrzte er sich auf neue'wissenschaftliche Probleme. denn sein Interesse erstreckte sich auf viele Gebiete des menschlichen Lebens. Mit Mantegazza und Cesare Lombroso eng befreundet, befaBte er sich in jungeren Jahren mit Erforschung des pathologlschen Zustandes der Verbrecher, Hat noch in dem ersten Dezennium unseres Jahrhundertes in den philosophischen Streit des „Vitailsmus** in Wort und Schrift eingegriffen und in jtingster Zeit, sogar das Problem der Wtinschelrute oft erbrtert. Als Arzt und Gelehrter hochgefeiert und geehrt, Mitbegrtinder des ehemaligen wissenschaftlichen Rufes der Wiener Medlzlnerschnle war er auch als Jude immer ein ’Mensch, der von seinem Judentume nicht efn Jota aufgegeben hatte, wie wohl oft als Arzt an die H6fe vieler europåischer Monarchen berufen, stand er stets auf dem Standpunkte, daB es sich diese zur Ehre anrechnen muBten von ihm behandelt zu wer- ■ den, und nicht umgekehrt | Ungarn. Wien hatte Europa den Rang abgelaufen. Wien protestierte gegen die Brutalitåten der magyarischen Gen try. Wiens Judenschaft, die vor Jahren gegen RuBlands Pcgrome den heftigsten Einspruch erhoben, Wiens Judenschaft, die sogar dem ehemaligen Gouverneur Taussig Demonstrationen bereitete, weil er die russische Anleihe perfektionierte, Wien-duldet nicht, daB Ungarns Juden brutalisiert, vergewaltigt werden. Flammende Proteste mflssen tiber die Grenzen gehen. Aufruf auf! Aufruf muB erfolgen. Wo Juden wohnen, mussen siej nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten einen flammenden Protest gegen die magyarischen Greuel einlegen. Judeti seid eingederk was Euch Magyaren angetan haben. Verflucht das Land, das mit seinen Juden so barbarisch umgeht. Die Teufeleien, die da ausgetibt werden, konnen nur krankhaften Phantasien entwachsen. Eine Holle losgelassener Wahnsinniger,! Vcrrtickter sttirzt sich auf jtidische Studenten, welche die Budapester Universitåtsaula betreten, um sie auf ihren Geschlechtsgliedern aufzuhången. Alle die barbarischen Geriichte, die verriicktgewordene Journalisten den verschiedensten Soldaten angedichtet haben, sind verwirklicht worden durch Tollhåusler und Verbrecher. Ihr slovakischen, Juden bedenket doch das Schicksal Éuerer im Betyarenland zurtickgebliebenen Brtider. Fraget bei Filip K e m é n y in F r a § t a k an, was er flir die Morder seines Bruders Simon Kemény aus Janoshaza ftihlt, und wenn dann nicht ein Schrei der Entrtistung, ein schallender Ruf nach Vergeltung laut wird in den Reihen aller Juden, dann geschieht uns Recht. Dann haben wir keinen Anspruch auf^ Gerechtigkeit. Die niedertråchtige europåische Kultur muB zu Schanden werden. RUNDSCHAU. PALÅSTINA. Relse Dr. Welzmanns nach Palåstina. Am 16. Mårz sind Dr. Weizmann, Dr. Ruppin und Rosow in Aegypten angelangt. Am selben Tag reisten sie nach Kairo, von wo aus sie sich nach Palåstina begeben. Taubstummeninstitut. Auf der 12. Sitzung des jiid. Aerzteverbandes in Palåstina, die am Todestage von Dr. Tschlenowv stattfand, wurde nach einer Gedenkrede des Prås. des Aerzteverbandes zu Ehren des Verstorbenen, der als Ehrenmitgliéd diesem Verbande angehort hatte, der Vorschlag von Dr. Schermann einstimmig anganommen, der Aerzteverband solle sich bemiihen, den Lieblingsgedanken Dr. Tschlenows, ein Institut fur Taubstumme in Palåstina zu grunden, durchzuftihren. Die Griindung dieses Institutes soli in der auf den Namen Dr. Tschlenows zu grundenden Kolonie eingerichtet werden. Vorerst soli die genatie Zahl der Taubstummen in Palåstina festgestellt werden. Organisation der sefardischen Juden in Jerusalem. Die vor einigen Monaten in Jerusalem gegriindete Organisation der sefardischen Juden, wurde von der engl. Regierung anerkannt. Die Zentrale dieser Organisation befindet sich in Jerusalem, njit Zweigstellen in Jaffa, Haifa, Hebron, Tiberias und Safed. Nun gedenkt sie ihre Tåtigkeit auch auf andere Lånder auszudehnen. Die Zahl der sefardischen Juden auf der ganzen Welt belåuft sich auf viber P/i Million Seelen. Ziel dieser Organisation ist u. a. den materiellen und geistigen Stand der sefardischen Juden der ganzen Welt zu heben, ihre Interessen zu verteictigen, sie zum nationalen und gesellschaftlichen Leben heranzuziehen und unter ihnen den zion. Gedanken der Wiederauflebung des jiidisehen Volkes und der Besiedelung Palåstinas zu verbreiten. Eroifnung des Misrachi-Lehrersemlnars. Am 15. Mårz fand in Jerusalem die offizielle Eroffnung des Misrachi-Lehrerseminars statt, mit der man bis zur Ruckkehr der Delegierten von der Amsterdamer Misrachi-Weltkonferenz gewartet hatte. Auf der Eroffnungsfeier waren alle Rabbiner und hervorragende Personlichkeiten Jerusalems, unter anderem auch der Prås. des Waad Hazirim, Ussfschkin, Dr. Di Sola Pol, der Chachambaschl von Jaffa und der Prås. des Misrad-Harabanuth, Rabb. Eliascher, anwesend. Die Feier wurde durch Rabbiner Fischmann eråffnet. Reden hielten u. a. Ussischkin, Rabb. Filosof, D. Jellin, Dr. Mirkin, Rabb. Ostrowski und Andere. Palåstina als Weltkurort. Es ist beschlossene Tatsache, daB Palåstina in kiirzerer oder långerer Zeit eine Heimståtté ftir das jtidische Volk wird. Schon hort man von vorbereitenden Arbeiten ftir den Bau von ganzen Stådten und groBen wissenschaftlichen Instituten im heiligen Lande. Die geschåftliche Ausniitzung des Fremdenvefc kehres daselbst, der bisher von jtidischer Seite stark vernachlåssigt wurde, hat eine neugegriindete Palestine Express Company Limited in ihre Hånde genommen, wobei alle Ansprtiche der jiidisehen Reisenden Beriicksichtigung finden sollen. Denn sobald sich die politische Weltlage im allgemeinen gunstiger gestalten wird, wird ein ungeheurer Strom von Vergntigungsreisenden nach dem heiligen Lande einsetzen. Es ist nun das Verdienst der Aerztegruppe des Palastina-Amtes, endlich mit Tatkraft an die Grtindung von Sanatorien in der ktinftigen Heimståtte zu schreiten, wie nachfolgender Aufruf zeigt, um die Ausniitzung der wunderbaren Heilkråfte der eigenartigen Besonnungs- und Temperatur verhåltnisse Palåstinas jiidisehen Kranken zu ermoglichen. In einem itingst gehaltenen ausftihrlichen Referate wies Dr. Rosenfeld auf die Vorztige hin, die modern eingsrichtete Heilanstalten in der Umgebung von Safed auf den Hohen des Karmel in Metula am Fufle des Hermon auszeichnen wtirden. So konnte der Grundstein ftir eine jtidische medizinische Schweiz gele^t werden. Tausende knochentuberkuloser Kinder fanden in der Sonnenglut des urvåterlichen Landes Heilung von ihrem Kriippeltum und wåhrend der langen Behandlungsdauer durch Schulung und Anblick der alten geheiligten Statten die Ruckkehr zum vergessenen Judentum. Abgesehen vom Privatkapital, soliten sich jtidische Gemeinden an dem groBen Projekte durch Stiftungen, Freiplåtze beteiligen. Hiermit wåre der Ajnfang zur Entwicklung eines jiidisehen Badé- und Kurlebens in Palåstina gegeben und viele mittel¬ und osteuropåische Juden, die sich durch die oft feindliche Umgebung der europåischen Kurorte bedrtickt ftihlen, werden ktinftig ihr Reiseziel nach Erez Jisroel verlegen, genau so wie Kranke etwa vor dem Kriege Aegypten aufsuchten. Zu diesem Zwecke zusammengestellte Baimziige wtirden die Patienten aus verschiedenen Teilen Europas in Triest sammeln, von wo sie bereitgestellte Spitalschiffe an die Kiiste Palåstinas bråchten. Zur Leitung soleher Heilanstalten kann gerade Wien die bestausgebildetsten Aerzte zur Verftigung stellen. Ein herrlicher Plan, dem jtidischen Volke ntitzlich, wert der eifrigsten Untersttitzung aller Kreisel Sir Herbert Samuel tiber Palåstina. — GroBe Zukunftsmoglichkelten. — Sir Herbert Samuel, den bekanntlich die englische Regierung als Berater des Generalgouverneurs nach Palåstina entsandt hat, ist von dort abgereist und bereits unterwegs nach England. Vor seiner Abreise gewåhrte er den Vertretern der Presse eine Unterredung, in welche er sich tiber die Lage in Palåstina åuBerte. Die Finanzlage findet er zufriedenstellend. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hångt von der Losung der Frage der zu schaffenden Staatsgebilde und von der Zusammenarbeit aller Bevblkerungsschichten ab. Die MSglichkeiten ftir die Zukunft sind sehr groB. Bei dem heutigen Stande erweist sich das Land noch als unkultiviert und unterbevolkert. Die feindliche Stimmung gegen den Zionismus liegt nicht tief und hat ihren Grund in falschen Begriffen tiber den Zionismus und seine Bestrebungen. Das Land bietet breiten Raum ftir grofle Bevolkerungsschichten. Die Einwanderer werden aber der fleiBigen, fortgeschrittenen Klasse angehoren mtissen, wie sie in den jiidisehen Kolonien zu finden sind, welche das Land bewohnt haben. Der Zionismus muB die Mohammedaner und Christen als integrerende, permanente Elemente Palåstinas anerkennen. ENGLAND. Rede des Obersten Patterson. Auf einem besonders gut besuchten Meeting der zion. Org. in London, hielt Oberst Patterson, der luden verbreitet die „Jtidische Volksstimme"

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