Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1920)
- Date
- 1920-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. II. jtmwcgg youcismiME« chung zuztifflhrtn wtre, wu zweifellos mit Rtlok* sicht auf di« materiellen Schwierigkeittn kein« leichte Aufgabe bliden wird. RUNDSCHAU. SYRIEN nnd PALXSTINA. Emir Feysul. Lloyd Gorge erklårt im Pariamente, Emir Feysul sci verståndlgt worden, daB die Regierungen Englands und Frankreichs i h n n i c h t als Kdnig von Syrien anerkennen und ihn eingeladen haben, nacji Europa zu kommen, um Bericht zu erstatten. Ein Vertreter des Ministeriums des AeuBern erklårte im Pariamente, daB nach dem Friedensvertrage das arabische Reich P a 18 s t i n a n i c-h t u m f a s s e. AMERIKA. Eln jiidischer Gertchtsho! in Newyork. Auf Grund eincs Beschlusses der Versamtnlung jiidischer Gemeinden Amerikas wird in Newyork ein .fcwish Court of Arbitration, ein sogenannter jildischer Oerichtshof, gebildet, an den man # sich in Oeldstreitigkeiten und Zwistigkeiten, die Schulen, Vereine, Arbeiterfragen, Geschåftsangelegenheiten tind dergleichen betreffen, wenden kann. In diesem Gerichte sind alle Klassen der Juden vertreten und unparteiische Richter werden ftir die Rechtsspriiche sorgen. Ein .ieder Jude kann an diesen Gerichtshof gelangen. Als Richter fungieren Rabbiner, stådtische Richter, Kaufleute und andere. Jakob Schlff fiir Patastlna. „The New Palestine", das in Newyork erscheinende Organ fiir den Aufbau eines jiidischen Palåstina, verdffentlicht aus der Feder Jakob Schiffs, des bekannten amerikanisch-jii dischen Finanzmagnaten, einen warmen Appell fiir die palastinensische Sache, den er an die amerikanischen Juden und Nichtjuden richtet. „Welcher Mann oder welche Frau muB nicht Freude empfinden an der Vision einer néuen Gemeinsctiaft in Palfistina, die kraftig an Zahl, aktiv, schopferisch und glticklich sein soli und von materieller und geistiger Gesundheit? Welcher amerikanische Jude wird nicht ein Oeftihl der Dankbarkeit und des Stolzes empfinden bei der Aussicht auf eine neue Quelle Jiidisch-geistiger Energie, die auf dem alten Boden emporsprudelt, eines Jungbrunnens, der den Geist der Menschheit auffrische, wie er es in der /Vajtike tat? Ist es nicht wiirdig der Juden Amerikas und''aller Lander, daB sie und ihre Kinder sich in Hinkunft mit einer Gemeinschaft identifizieren kunnen, welche ein gliickliches und ehrenvolles Gemeinschaftsleben lebt und eine der menschlichen Zivilisation niitzliche Arbeit vollbringt? Wird diese ldentifizierung die moralische Steltung der Juden nicht erhdlien, wo sie auch wohnen mogen?" Schiff weist ferner darauf hin, daB Paldstina flir uns im Augenblick auch ein viel unmittelbareres Interesse besitze. Es sei jiidische Pflicht, das darniederliegende Judentum des europåischen Ostens aufzurichten und seine Wunden zu heilen. Das Palåstinaproblem sei ein bedeutender und integraler Teil der allgemeinen jiidischen Frage, welche ohne die Losung des Paiastinaproblems nicht gelost werden konne. Es mliBten sofort die ernstesten Vorbereitungen getroffen werden, damit das Land in die Lage komme, jene aufzunehmen, welche so sehnlich einzuwandern wiinschen und deren Zahl sicherlich Legion sei. Es sei Zeit, daB das amerikanische Judentum sich vereinige, um eine allseits befriedigende Ldsung des jiidischen Problems zu finden. Man sieht, wie griindlich Jakob Schiff. dessen prononcierte Stellungnahme gegen den Zionismus in allgemeiner Erinnerung ist, umgelernt hat. Schiff will einer, wie ér sie nennt, „politlschen" Stellungnahme aus dem Wege gehén, aber der Freimut seines Bekenntnisses und die warme Art, in der er vom kiinftigen jiidischen Palåstina spricht, berflhren iiberaus sympathisch. Man wird jedenfalls lange warten mflssen, ehe man solche Worte von einem jiidischen Financier in Europa von der Bedeutung und dem Einflusse Jakob Schiffs vernimmt! JUdlsche Welthilfsbonferenz. Auf der Konvention der ukrainischen Juden in Amerika, die in Philadelphia stattgelunden hat, wurden nach zweitågigen Beratungen, an denen sich auch die Delegierten aus Europa, Dr. Korolnik, Meier Grofimen« und Dr. Selkfnd betefligten, ein« Reihe wichtiger Resolutionen gefaBt. Es wird u. a. gefordert, daB Amerika seine Tore den Pogromwaisen und -Witwen 6ffne, unter gleichzeitiger Verpflichtung, daB sie weder den Stadten noch den einzelnen Staaten der Vereinigten Staaten zur Last fallen; man solle den bereits in Europa befindlichen Delegierten Katz nach Mdglichkeit unterstfltzen und ehestens weitere Delegierte entsenden; man solle sich an der Agitation zur ehesten Einberufung des jiidischen Kongresses in Amerika beteiligen und daftir elntreten, daB schnellstens in Europa die jiidische Welthilfskonferenz zusammentrete. Alle Delegierten, die fiir die Ukraine bestimmt sind, sollen durch ein Referendum, das von den einzelnen GesellschaRen vorgenommen wird, bestimmt werden. 7V# Millionen Dollar Kampagne. Am 7. MSrz fand bei Louis Marshall eine Konferenz statt, um die Plane fUr die in Newyork demnachst abzuhaltende groBe Sammlung fiir Hilfszwecke zu heraten. Die Kampagne soli 7V» Millionen Dollars aufbringen und zusammen mit den im vorigen Jahr auch in andern Stådten aufgebrachten Hilfsgeldern, die Summe von 35 Millionen Dollars erreichen. Bel dieser Beratung wurde auch eine Kabelmeldung von Dr. Bogen mitgeteilt, wonach 60 Prozent der polnischen Juden der Hilfe bedtirfen. Die Warschauer Abteilung des Joint miiBte monatlich wenigstens 10.000 Tonnen Mehl, abgesehen von anderen Lebensmitteln, verteilen. Die Juden sterben massenweise vor Hunger und Kålte, und mehr als eine Million benotige Kleider und Schuhe. Marshall wies darauf hin, daB ctie Newyorker Juden im vorigen Jahre zum Hilfsfonds nichts beigetragen haben und also jetzt fiir beide Jahre spenden mussen. Er sprach die Hoffnung aus, daB die Juden Newyorks auf den Appell ihrer ungliicklichen Briider jenseits des Meeres weitherzig antworten werden. Arthur Schnitzler In Not? Auf dem Purimabend des Perez-Journalistenvereines in Newyork wurde eine Sammlung fiir Arthur Schnitzler veranstaltet, der nach den in Newyork eingelaufenen Nachrichten, sich in groBer Not befinden soli. Zur Aufbringung groBerer Mittel bildete sich ein besonderes Komitee. In den letzten Monaten hat der Pcrez-Verein je 500 Dollars an die jiidischen Schriftsteller in. Wien, Warschau und Wilna iiberwiesen. CHINA. Chlneslsch-Palastlnensische Gesellschaft. Die „Chine-Palastine Trading Company“ in Shanghaj gibt bekannt, daB 4 sie aus Cbina den Export von Seide, Rohseide, Thee, Erbsen, Bohnen, Oel usw. nach Palåstina iibernimmt. Die Gesellschaft ist auch bereit, mit palåstinensischen Firmen in Verbindung zu treten, die verschiedenen Waren ftir China offerieren konnen. Wahlen in die Jiidische Nationalversammlung in der Tiirkel. Am 7. und 8. Mårz haben in der ganzen Ttirkei die vom GroBrabbinat organisierten Wahlen in die Jiidische Nationalversammlung stattgefunden. Alle Juden vom 20. Lebensjahre an wurden aufgefordert, sich an den Wahlen zu beteiligen; ein Unterschied zwischen eingeborenen und zugewanderten Juden wird nicht gemacht, sobald die Wahlberechtigten erklSren, daB die Tilrkei ihr ståndiger Wohnsitz geworden ist. "Das Jiidische Senatsmandat ftir die Bukowina. Aus Czernowitz wird geschrleben: Durch das Ableben des Senators Jakob Hecht, der sozusagen als Vertreter der Judenschaft von der Regierung ernannter Abgeordneter war — die jiidische Nationalpartei hatte Wahlenthaltung proklamiert — ist das jiidische Mandat in den Senat frei geworden. Als Kandidaten werden genannt: Dr. Weisselberger, der frtthere Czernowitzer Btirgermeister Dr. Maier Ebner, Dr. Friedrich Billig und, laut Meldung des „Avarul", der friihere Abgeordnete Dr. Straucher, welcher sich aus Wien an den delegierten Minister der Bukowina Dr. Nistor mit der Anfrage wendete, ob dieser gegen seine Heimkehr -etwas einzuwenden hatte. Der Minister antwortete, Dr. Straucher sei rechtlich rumanischer Staatsbiirger, konne jederzeit zurttckkehren und werde in OroBrumanien freundliche Aufnahme finden. Die jiidische Nationalpartei berat jetzt fiber di« Noffifnierette iltres Kandidaten nnd setrt alles daran, am Zersplitteningen zu vermeiden. UNGARN. Pogrompatroulllen. Budapest. Wie gemetdet wird, werden wie« der zwei Leute vermiBt, die von der Brachialgewalt aus dem Wege geraumt wurden. Der eine ist der Weinhandler Abeles, der andere ist der EigentUmer einer der grOBten Pelzwarenfirmen Budapests, Julius Elkan. — Tagtaglich rotten sich einlge Offiziere der Brachialtruppen zusammen, nennen sich „Pogrompatrouille" und durchqueren die StraBen. Sie prilgeln und berauben die Juden, denen sie vorwerfen, daB sie Gelder fiir Militarzwecke sammeln. In der Kiralygasse entstand zwischen Offizieren und Juden eine Schiagerei, bis eine „wirkliche" Patrouille kam, die beide Partelen abfilhrte. Die Offiziere wurden in der nSchsten Gasse frefgelassen, die Juden Im Wacbzimmer verhauen. Todesfall. Budapest. Der Oberrabbiner der Budapester israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Samuel K o h n, ist im 79. Lebensjahre gestorben. ITALIEN. Errichtung hebrålscher Kurse la Rom. Nachdem die rbmische Gemeinde Kurse der orientalischen Sprachen errichtet hat, bestatigte sie auch das Gesuch der jiid. Gemeinde zur Erbffnung von hebraischen Kursen. Der Unterricht liegt In Hånden von Rabbiner Dante Lattes und hat bereits bei einer allerdings vorderhand noch maBigen Zahl voa jiidischen und nichtjiidischen Horern, begonnen. Emlgratlonsbfiro. Die jiidischen Organisationen in Rom schufen ein Biiro, das sich mit der Untersttitzung jiidischer Passanten durch Italien auf dem Wege nach Paiastina oder Amerika zu befassen haben wird. Agenturen sollen in Triest, Genua und Neapel errichtet werden. DEUTSCHLAND. Aniisemltisclie Kundgebungen in Miinchen. ' Der Berliner „Lokalanzeiger*4 erfahrt aus MOnchen von groBen iudenfeindlichen StraBenkundgebungen gegen den Zuzug der Ostjuden und gegen den als iudenfreundlich verschrieenen Innenminister Endres. Es wurde die Parole ausgegeben „Einigkeit und Gewalt". Zum ersten Mal in den StraBen Miinchens erscholl tausendstimmiges Geschrei „Nieder mit den Juden“. AUSTRALIEN. Die jiidische Gemeinde in Melbourne iiberreichfe dem General Monasch (aus Krotoschin in Posen stammend) eine Gabe von 10.000 Pfund fiir seine hervorragende Dienste. Monasch iiberwies diese Summe der hiesigen Universitet. POLEN. Die Konierenz der Zlonlsteu Ostgallziens. Am 14. Mårz wurde unter zahlreicher Beteiligung die Konferenz der Zionisten Ostgaliziens durch den Prås. der Exekutive, Dr. Leon Reich, eroffnet, der einen kurzen Rttckblick fiber die bedeutenden Vorfålle der letzten Zeit gibt, und die in letzter Zeit auch in Ostgalizien sich kristallisierenden Parteischattierungen erwåhnt, deren Vertreter mit verschiedenen Forderungen hervortreten. Es zeuge dies am besten von der Lebenskraft der Idee. Nach Wahl von Dr. Alexander Hausmann zum Pråsidenten, Dr. Leon Tennenbaum, Dr. Bienenstock, und Dukow zu Vizepråsidenten, berichtet Dr. Zipper iiber die Tåtigkeit der Lemberger Exekutive seit den Tagen des Umsturzes. Er erwåhnt u. a. die Griindung der „Chwila“ und der besonderen jiid. Schule. Unter Leitung von Dr. Miinzer entstehen zwei jtidische Knabengymnasien und ein Mådchengymnasium, die leider nicht, wie es die Mehrheit der Exekutive gewttnscht hatte, hebråisch geffihrt werden, — es låBt sich dies durch die herrschenden Verhåltnisse erklåren — aber auf jeden Fali die Ju tend in nationalem Geiste erziehen. Auf Initiative vc i Dr. Sterner und Dr. Schmorak sei eine Organisation des Chaluz entstanden. Dir. Eisler und Dr. Sommerstein grunden eine Vereinigung der Kaufleute und Produzenten. Er bitte in der Kritik stets der Schwierigkeiten eingedenk zu sein, die sich den Arbeiten der Exekutive jud. Wahler und Wåhlerinnen^sammelt|und|zeichnet far den Wahlfond.