Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1920)
- Date
- 1920-04-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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dorch die Ungunst der Verhåltnisse entgegenstellten. Nach Miitøilutø des Vorsitzendeti beteiligen sich aa der Konferens 120 Defegierte und håbe sich ein besonderer Klub der vereinigten radikalen Demokraten und der Zeire Ziott gebildet, der 40 Mitglieder zfihlt. Dr. Reich referierte fiber die Tfitigkeit der jfid. Delegation in Paris, Dr. Hausner fiber den Nationalfonds. Die oppositionellen Redner kritisieren ziemlich scharf die Tfitigkeit der Parteiexekutive. Sie werfen ihr u. a. 'ungenilgende Bfirecksichtigung der demokratischen Prinzipien vdf. Die „Chwila" sei nicht Parteiorgan, sondern Organ einzelner Personen und schwelge den radikalen ParteiflOgel tot. Die Palfistinakommission håbe sehr Wenig geleistet, speziell was den Hechaluz anbelangt. Man håbe keine Eiementar- und Bernfsschulen gegrfindet. Die Landespolitik håbe nicht Zweck, sondern nur Mittel zum Zwecke zu sein. In der Antwort erklfirte Dr. Zippér u. a., daø die „Chwila" nicht so sehr Organ der Parteigedanken und Ueberzeugungen sei, sondern Vermittler zwischen Juden und Polen. In einem ausffihrlichen Referat begriindet Dr. Hausmann die von ihm aufgestellten Thesen ftir die Palfistinaarbeit und Kolonisationspolitik, wfihrend Dr. S. Lustig in seinem Korreferate auf die unbedingte Notwendigkeit der Bodennationalisierung in Palåstina hinweist. Auf der SchluBsitzung werden Dr. Reich zum ParteiprSsidentcn und Dr. Zipper zum Leiter der Palåstinakommission erwfihlt. FRANKREICH. Bprlcht elnes franzdsischen Offlzlers fiber das Ifidische Clend in Polen. Das Bfiro der Jtid. Presse empfing einen Brief von Dr. Qenay André, 3. Division polnischer Jager, einem franzosischer Offizier in Polen, in welchem er die Aufmerksamkeit auf das fiirchterliche Elend der Juden in Osteuropa zu lenken sucht. Die Erzåhlungen, die er von Fliichtlingen iiber die Massaker in Klew und Proskurow hdrte, haben ihn buchstfiblich niedergeschlagen. Auch in Polen, obgleich kilnstlich verdeckt, sind die Juden schrecklicher Verfolgung anheimgegeben, so daB ihm viele sagten, sie wfirden die brutale Behandlung der Russen, die einfach t5teten, der verfeinerten, aber unversohnlichen Grausamkeit der Polen mit ihrem Anschein von Zivflisation, die doch nichts anders als den Tod wfinscht, vorziehen. 7—8 Millionen Juden werden im Europa des 20. Jahrhunderts mit weniger Humanitåt behandelt, als die Neger Afrikas seiteps der Franzosen. Er hofft, daB diese freie und loyale Erklårung, die aus reinen Griinden der Menschlichkeit und nicht aus ’rgend einer Parteinahme fiir die Juden abgegeben ist, die Herzen aller Menschen von Gefiihl und wohlhabender Juden rfihren wird. Aphorismen zum Tal-Gebet. I. Regen und Tau, Wohltfiter auf Erden. Regen und Tau: I Uns lieben und loben die Menschen auf Erden, Es ist ja wohl zu begreifen. i Was wttrde aus Felder und Saaten hier werden, Die Saaten konnten nicht reifen. Doch sind viele Menschen hienieden, Mit Regen und Tau nicht immer zufrieden. De r R egen: Er stfirmet geråuschvoll auf Erden hernieder Befruchtend Felder und Wiesen wohl gut. Die schlummernden Fluren erwachen dann wieder, Wenn auch gebfihrend die Arbeit nicht ruht. Doch kann Regen låstig auch werden, Wenn schon zu viel der Nasse auf Erden. Der Tau: e Glfinzende Perlen auf grtinenden Saaten, Stets fordernd belebend ruhig und still. Alles auf Triften geniigend geraten, Ruhig zu wirken bleibt immer sein Ziei. Lehre: Nicht immer in geråuschvollen Stiirmen und Toben, Ist menscbliches Wohltun immer zu loben. II. Muttørerdto unser Trost. Wenn die VOlker sich bekriegen, Und im Kampfe unterliegen, Bleibet, ob’s noch so stiirmiscb sei, Uns die Muttererde treu. Muttererde witl nuir Leben, Will uns Menschen Nahrung geben, AUes wfichst und sprieBt doch immer, Wenn auch rings um uns nur Triimmer. Was der Erd’man angetraut. Und im Feide angebaut, Lohnt die Erde vielfach Euch, Mutterherz ist zart und weich. Wenn wir nichts mehr leisten kdnnen. Uns von Lieben mfissen trennen. Und zuend der Lebenslauf, Nimmt uns Muttererde auf. AlbertLow. Von Wocha zu Woehe. Der verschåmte „Tagesbot e“. In der Nummer vom 8. April bringt der Branner „Tagesbote“ unter dem Titel „nur Cechisch" eine Notiz, in der gegen die Listen der „vereinigten jUdischen Parteien" gehetzt wird. Zur Vorsicht druckt der „Tagesbote" diese Notiz von der Prager „Bohemia" (fast håtte ich „Behemia" geschrieben), in der uns vorgeworfen wird, wir håtten unsere Kandidatenlisten nur éechisch eingebracht, und håtten so gegen das Deutschtum gesilndigt. Abgesehen da von, daB unsere Listen doppelsprachig eingebracht wurden, wfirden wir es fiir gar kein Verbrechen ansehen, wenn sie nur éechisch wåren. Denn wir Juden sind nicht Hiiter des Deutschtums. Wir sind Hiiter des Judentums. Wir verweisen den „Tagesbote" und die „Bohemia“ auf die Deutschen. Sie sollen mit solehen Kinkerlitzchen nicht kommen. Damit helfen sie dem Deutschtum nicht. Der „Tagesbote" moge sich iieber unter seinen Parteigenossen umsehen. Es ist uns bekannt, und es ist Jfidischnationalen direkt aufgefallen, wie schon und gut deutschdemokratische Parteimånner éechisch sprachen, wenn sie sich in Wahlkommissionen befanden. Einer dieser Parteimånner pflegt stets éechisch zu sprechen, ohne darauf Rficksicht zu nehmen, daB oft nur deutschsprechende Mitglieder in der Kommission saflen. Der „Tagesbote" soli seinen Lesern keinen blauen Dunst vormachen. Er soli Iieber erklåren, wieso plotzlich -Dr. Jarolim dem Herrn Oberleitner weichen muBte. Das interessiert das jttdische Publikum mehr, denn die Arabasken der „Bohemia". Wo bleibt Dr. Jarolim? Vor 3 Wochen trostete der „Tagesbote" seine Juden, welche ungehalten waren, weil kein einziger Jude auf der deutschdemokratischen Kandidatenliste stand, damit, daB er erklårte, es wiirde der beriihmte Staatsrechtler Dr. Jarolim an aussichtsreicher Stelle in den Senat kandidieren. Es wurde auch in allen judenliber.ilen Blåttern gemeldet, daB er im Måhr.-Ostrauer Wahlkreise kandidiere. Aber auch hier machte man die Rechnung ohne Herrn Baeran. In einer Wåhlerversanimlung wurde sogar von hochst offizieller Seite auf der Kandidatur J a r o 1 i m s bestanden. Da aber der „Tagesbote" nichts in dieser Hinsicht von sich horen låBt, so mfissen wir es tun. Wir fordern die offiziellen deutschdemokratischen Kreise auf, uns im Interesse des Judentums zu erklåren, warum weder der Jude Prof. Dr. Spiegel aus Prag noch der Jude Dr. Jarolim aus Brfinn kandidieren? Was ist vorgegangen? Hålt man die deutschdemokratischen Juden fiir solches Kanonenfutter und Stimmvieh, daB sie unter allen Bedingungen deutsch wåhlen mfissen? War wieder der Judenpunkt die Ursache davon, daB die Juden ihre Kandidaturen zuruckziehen muBten? Der „Tagesbote" soli es offen bekennen. Er moge doch endlich den Mut haben, das wahre Gesicht dieser Parteien zeigen. Er moge uns Juden reinen Wein einschenken. Sogar wir Jiidischnationalen werden uns des Dr. Jarolim annehmen, wenn sein Judentum die Kandidatur verhinderte. AUen deutschdemokratischen Juden aber rufen wir zu: werdet endlich hartl BRUENNER NAGHRICHTEN. Samstag, den 10. d., veranstaltete das Kreiswahlkomitee fiir den XI. Wahlkreis eine offentliche jfidi« sche Wåhlerversapwttlung, in der Dr. Artur Feldmann, Brfinn, al$ Listenfuhrer unter groBen Beifall das‘Programm der „vereinigten iiidischen Parteien" entwickelte. Nach ihm ergriff Prof. Dr. Alfred E n - gel aus Prag das Wort^nd bewies in seinem Referate, die Notwendigkeit der eigenen jiidischen Kandidaturen, wobei er namentlich auf die åuBerst gfinstigen Verhåltnisse in der Slovakei hinwies. Da der Referent auch auf die nicht ganz verståndliche Stellungnahme der Poale-Zion zu sprechen kam, sah sich Herr Felix Brnnner, als Sprecher der P. Z. be* wogen, in der Debatte das Wort zu ergreifen, um einerseits P. Z. zu verteidigen, anderseits aber in sehr unparlamentarischer Weise gegen die „vereinigten jUdischen Parteien" auszufallen. Ihm entgegneten Prof. Engel und Gg. Max H i c k! in wirksamer Wéise. Es wåre besser, wenn die Herren von der Poale Zion' vor einem anderen Forum ihre geschwåchten Positionen verteidigen wollten, als stets in den von ihnen als burgerlich bezeichneten dischen Wåhlerversammlungen, zumal dort kein Verståndnis fiir die Theorien der Poale Zion vorhanden ist, wie Herr Brunner immer betont. Vielleicht wird Poale-Zion in deutsch- oder éechisch-sozialdemokratischen Versammlungen mehr Verståndnis finden. Dort ist ein Feid fiir P. Z. Samstag, den 10. d., fand im Kfinstlerhause nach den eingehenden Referaten von Herrn Jul. S c h u I- 1 e r und Prof. Engel aus Prag die konstituerende Versammlung des Vereines „Jtidische Schule" statt. Es wurden fiir den AusschuB gewåhlt: Julius Schuller, Ing. Rudolf Friedmann, Obering. Kornitzer, Siegfried Kessler, Dr. Hugo Stransky, Frau Helene WeiBkopf, StaaVsbahnrat GlaB, Dr. Oskar Stienschneider, Otto Weich, Artur Steinhauer. „Makkabi", Verein lfir Turnen und Sport. Sonntag, den 18. d„ auf eigenem Sportplatze: Makkabi Ib gegen Olympia la. Beginn ist plakatiert. Die Ib Mannschaft spielt in Neuaufstellung gegen einen technisch sehr vorgeschrittennen spielstarken Klub, und verspricht dieses Wettspiel sehr interessant zu werden. Ia spielt diesen Sonntag gegen S. K. Cechie in Segengottes. — Hockey. Zum ersten Male soli in Brfinn dieser schone Sportzweig allen Sportsfreunden vorgefuhrt werden. Es spielt die Hockey-Mannschaft Makkabi Ia gegen Makkabi Ib. Die beklen Mannschaften haben durch eifriges, aufopferndes Training eine so spieistarke Verfassutig erlangt, daB sie /.u den .besten Hoffnungen berechtigen. Das Sonntags- Wettspiel soli den Beweis dafur erbringen, daB Juden auch auf diesem neuen Sportgebiete erstklassiges zu leisten vermogen. Wir laden alle Sportfreunde ein, diesem Wettspiel bei zu wohnen. Nåheres auf den Plaaten ersichtlich. — Turnsektion: Dienstag, den 20. April, um halb 7 Uhr abends, AusschuBsitzung in der Schwechater Bierhaile (kleines Kneipzirømer). Um 8 Uhr abends im kleinen Saale der Schwechater Bierhaile wichtige Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1.. Bericht der Sektionsleitung. 2. Schauturnen. 3. Eventualia. AnschlieBend gemtttlicher Abend. Såmtliche Mitglieder haben bestimmt zu erscheinen. Zionistischer Volksvereln „Theodor HerzlM veranstaltet Sonntag* den 18. d. M„ um halb 9 Uhr abends, im Café „Margaretenhol" die ordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Wahl des neuen Ausschusses. Korrespondenren. Auspitz. Montag, den 12. d., fand hier eine Wåhlerversammlung statt. Die Versammlung war glånzend besucht, den Vorsitz ffihrte Kultusvorsteher und Kandidat in die Nationalversammlung Herr Heinrich Berisch. Das Referat erstattete Herr Dr. Karl Sonn e n f e l d, Pråsident des Landesvolksrates fiir Måhren aus Brfinn. Nach dessen Ansf uhr ungen, forderte Gemeinderat Wessely die Anwesenden auf, einhellig die Liste der „Vereinigten jUdischen Parteien" zu wåhlen. Nlkolsburg. Dienstag, den 13. d., war hier eine Wahlerversammlung, welche sehr gut besucht war. Den Vorsitz ffihrte Herr Kammerrat Krakauer. Es referierten Dr. Artur F e 1 d m a n n, Dr. Karl Sonnenfeld, beide aus Brunn. In der Debatte meldete sich Heinrich K o h n (Sozialdemokrat) zum Worte, dessen Ausfiihrungen unter groBem Beifall der Versammlung von Dr. Sonnenfeld widerlegt wurden. Pohrlitz. Dienstag, den 13. d., ffifid hier eine Wåhlerversammlung statt. Der Kultusvorsteh. u. Kandidat Herr Hermann S c h n a b l eroffnete die Versammlung, wies auf die Bedeutung dieser Wåhlen ffir die Juden hin und erteilte Dr. Qustav K o h n das Wort zum Referate. Es wurde der einhellige BeschluB gefaBt, Jfidisch zu wåhlen. Hernach ergriff Frau Bertha Schnabl (Brunn) das Wort, um in wirkungsvoller Weise ffir die Frauenorganisation und die Aktion der Wiener Kinder zu sprechen. pip*- Juden verbreitet die Jtidische Volksstimme".