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Jüdische Volksstimme · 1920-04-01 · Heft 14 (1.4.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 14 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Setti wJGBISCflE VØUCSiTtMMC.- Nf. 14. Hun unter den Linden eines herablassenden Dank* gruBes gewUrdigt *n werden. Einer der reaktionårsten, pfåffischesten Vertreter der Habsburgermonarchie ist mit ihm zu Orabe getragen worden. n Achtungt Die P. T. Emptønger vverden høfltchst ersucht, den failigen Abonnementbetrag ehestens einzusenden. Die Administration. Volkswirtschaftiichas. Zur Regierungsvorlage iiber die Vermdgensabgabe. Der Bericht des Budgetausschusses uber die Vermogensabgabe wird in der ersten Sitzung nach den Osterfeiertagen auf die Tagesordnung der Nationalversammlung gestellt werden. Wenngleich die Regierungsvorlage durch das Subkomitee des Budgetauschusses schon wesentliche Aenderungen erfahren haf, ist nicht anzunehmen, daB die so gefinderte Regierungsvorlage ohne jedwede weitere Abånderung in der National ver sammlung zur Annahme gelangen wird. Vor allem diirfte der § 55 des III. Hauptstiickes eine weitere Abånderung bezw. Ergånzung erfahren; denn in der jetzigen Fassung trågt er einerseits den sozialen Forderungen der Gegenwart keine Rechnung, andererseits bedeutet die aligemeine und unbedingte AusschlieBung von staatlichen Schuldverschreibungen und Kriegsanleihen fiir Zwecke der Vermogensabgabe gerade fiir jene Kreise, welche ihre fiir die alten Tage bestimmten Ersparnisse in diesen VVerten an-, gelegt haben, eine Hårte, die unter allen Umstånden zu beseitigen sein wird. Dessen scheint sich das Finanzministerium auch vollstiindig bewuBt zu sein; denn sonst båtte Finanzminister S o n n t a g in der Debatte nicht die Erklårung abgegeben, daB die Frage der Kriegsanleihen, die im Regierungsentwurf nicht gelost ist, wenigstens im Prinzipe durch ein Gesetz noch von der gegenwårtigen Naticnalversammlung umsomehr gelost werden muB, als die Cs. Republik durch § 205 des Friedensvertrages hiezu verpflichtet ist. Der Regierungsentwurf Uber die VermBgensabgabe trågt wie schon hervorgehoben den sozialen Forderungen der Gegenwart nicht Rechnung. Der Regierungsentwurf fiihrt ganz genau an, in welchen Werten die Vermogensabgabe zu bezahfn sein wird: in Barem, mit Einlagen, mit miindelsjchercn Wertpapieren, durch beschlagnahmten Besitz. Es håndelt sich also ausschlieBlich um eine Geldabgabe und nicht um eine Sachabgabe, welch letztere allein das langsame Hiniibergleiten in die Gemeindewirtschaft bewirkt und ermdglicht hatte. In Oesterreich wird der Regierungsentwurf iiber die Vermogensabgabe im Unter.ausschusse ebenfalls verhandelt und man sieht ganz genau, daB die Stromungen, welche die Sachabgabe itv der €s. Republik verhindert haben, in Oesterreich vollstandig ausgeschaltet sind. Nach der Regierungsvorlage in Oesterreich konnendie Aktiengesellschaften ihre Abgabe in Gratisaktien leisteri, aber sie mttssen das nicht tun. Die Sozialdemokraten fordern, daB diese Form der Abstattung obligatorisch sein solle, damit die Aktiengesellschaften auf diese Weise gezwungen werden, ihr Aktienkapital zu vermehren und die neuen Aktien dem Staate zu iibertragen. Abgesehen davon, daB auf diese Weise die Vermogensabgabe sofort realisierbar und den Industrieunternehmungen nichts von ihrem Betriebskapitale entzogen wird, spricht fiir diese Art der Abgabe die ErwSgung, daB auf diese Weise eine Art Gemeinwirtschaft zwischen den Aktionåren und dem Staate hegrUndet wird, welche der gesamten Bevolkerung im Laufe der Zeit zugute kommen muB und die bestehenden Gegensåtze zwischen Unternehmer und A/beitern zu mildern geeignet ist. Auch in anderer Hinsicht ist die Regierungsvorlage in Oesterreich in ihren praktischen Wirkungen fiihlbar. Nach der Regierungsvorlage haftet auf allem inlåndischen Grundbesitze eine Kautionshypothek im Ausmafie von 15 Prozent des Wertes des Grundbesitzes zur Sicherstellung der Vermogensabgabe. Auf diese Weise bekommt der Staat grofie Massen von Hyhothekeft, die er durch Ausgabe von Pfandbriefen schnell verwerten kann, in di« Hånd, da die HypotheTfén 2ur Sicherstellung der Pfandbriefe dienen. Durch die Leistung der Vermogensabgabe in Form von Gratisaktien und Kautionshypotheken schafft sich der Staat gleichzeitig die Mittel zur Beschaffnng auslåndischer Valuta, welche die Grundlage der kiinftigen Wåhrung zu bilden haben wird. Es scheint, daB der sozialdemokratische EinfluB in der gegenwårtigen Nationaiversammlung in Prag ziemlich ausgeschaltet ist, wenn nicht emmat der Versuch unternommen wird, die Vermogensabgabe in derseiben Form einzuheben, wie in Oesterreich und deshalb wåre es begrliBenswert, wenn das Gesetz iiber die Vermogensabgabe in der gegenwårtigen Nationaiversammlung nicht zustande kårne, vielmehr der zu wåhlenden Nationaiversammlung vorbehalten bliebe, weil in diesem Falle eine wesentliche Verbesserung des Gesetzes iiber die Vermogensabgabe in den angedeuteten Richtungen zu erwarten steht. Hiebei darf auch die im iibrigen zum Ausdruck gekommene Befurchtung nicht auBeracht gelassen werden, daB der Finanzminister in der Klemme zur Beniitzung des Ertrågnisses fiir die Vermogensabgabe zur Deckung der Iaufenden Ausgaben greifen konnte, wodurch der Zweck der Vermogensabgabe vollståndig vereitelt wåre. Die Vermogensabgabe muB vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus betrachtet auch einen erzieherischen Zweck haben, der nur dann erreicht werden kann, wenn jene Wege beschritten werden, wie sie .allem Anscheine nach in Oesterreich betreten worden sind. rn. Literatur. Dr. Richard Feder: „Zidovské Besfdky“, Kniha dr uha, Kolin, 1920. — Dem ersten Teile seiner „Jiidischen Erzåhlungen" HeB nun, der durch seine vortrefflichen Cechisch geschriebenen hebråischen Sprachbiicher, in Lehrerkreisen, wohlbekannte Dr. Feder, derzeit Rabbiner in Kolin, den zweiten folgen und der gibt dem ersten in Bezug auf seinen Inhalt nichts nach. Wir haben es hier mit einem sehr notwendigen jiidischen Lesebuche in dechischer Sprache zu tun, deren Erlernung in unserer Republik gånzlich auBer Frage steht. F e d e r hat es „zur Unterhaltung und Belehrung der jiidischen Jugend" herausgegeben, fiigen wir hinzu, jeder und jede unter uns Juden, mag er oder sie welchem Alter immer angehoren, werden dieses Buch nicht ohne unterhaltende Belehrung aus der Hånd geben. In diesem mit 10 Bildern gezierten, schOn ausgestatteten Buche finden sich „talmudische Sagen", Erzåhlungen, Gedichte, Schilderungen aus dem heiligen Lande, Aussprfiche der Våter, ein Festspiel („Cesta vérnosti", „Der Weg der Treue"), zum Schlusse eine statistische Zusammenstellung der Zahl der Juden auf der ganzen Welt. Unter den Verfassern und Uebersetzern seien auBer dem Herausgeber, dem der Lowenanteil zufållt, genannt: J. Mejuchas, Dr. Josef Zaltid, Ernst Kollmann, Jakub Levy, Hugo Freund, Siegfried Kapper, Villiers de l’Isle, Alfred Fuchs, Max Lederer, M. Lehmann, Dr. Stanislav Schulhof, Jakub Goldstein, O. L. Sfastny, Alexander Simeon, Dr. Max Griinfeld, von dem eine Skizze „iiber einige briihmte jiidische Frauen der Vorzeit", (O proslul^ch zidovskych Sendch) in dem Buche enthalten ist. Aus dem reichen Inhalte dieses Buches, das einem sehr notwendig gewordenen Bediirfnisse Rechnung trågt, wåre die ausgezeichnete Uebersetzung des Kap. 31 des „Buches der Spriiche“ („Piseii o hodne zend") von Alfred Fuchs, „Rabbi Eliezer ben Hyrkanos" von I. Mejuchas, aus dem Neuhebråischen iibersetzt von Dr. Sicher, „Salomon ibn Gabirol" von Dr. Feder mit einer Uebersetzung seiner Gedichte von Alfred Fuchs, ebenso dessen, nach dem Vorbilde des Originals, alphabetisch abgefaflte Uebersetzung der „Klagelieder des Jeremias" (Zalozpévy Jeremidgovy") besonders hervorzuheben. Wenn es zur Einrichtung Uidischer Schulen kommen sollte, dann werden sicherlich diese cechischen Lehrbiicher Dr. Feders zur Einfiihrung gelangen. Wir empfehlen schon jetzt die Anschaffung dieser Lesebiicher und sind iiberzeugt, daB sie nicht wenig, nicht nur zur Kenntnis unseres Schrifttums, sondern auch zu der der dechischen Sprache im Kreise unserer Jugend beitragen werden. Beides ist eine Notwendigkeit. Danken wir dem Verfasser, Uebersetzer und Herausgeber Dr. Feder fur seine miihevolle, fleiBige Arbeit. Auch von ihr soli das Wort gelten: Nicht vergebens håbe ich micii bemiiht. Dr. M. G. Kandidatenlisten. M å h r.-O s t r a u: Landesgerichtsrat Btrnstefn (Neutitschein). — Får den Senat: Måhr.-Ostrau, 01miitz kandidiert Dr. Alois Hilf (Måhr.-Ostrau). Olmiitz: Landesgerichtsrat Melssner (01miitz). Ung. - H r a d i s c h: Dr. Angelo Goldstein (Prag). I g 1 a u: Richard Weissensteln (Iglan). Brilnn: Dr. Artur Feldmann (Brånn). Fur den Senat der Kreise: Ung.-Hradisch, Igl^u. Briinn kandidiert Dr. Gustav Zwelg (ProBnitz). Die Kandidaturen in der Slovakei. Bisher sind in der Slovakei von den Kreiswahlkomitees der Vereinigten jiidischen Parteien iolgende Kandidaten als ListenfUhrer aufgestellt worden: Wahlkreis Nové Zamky: Oberrabbiner Samuel Reich, Vrbové (Abgeordnetenhaus); Richard Schlesinger, PieStany (Serlat). — Wahlkreis Turd. S v. Martin: Dr. Moritz Messinger, Turd. Sv. Martin (Abgeordnetenhaus); Alexander Schlesinger, Tren din (Senat). — Wahlkreis T rnava: Josef Muller, Fra§tak (Abgeordnetenhaus). — Wahlkreis PreSov: Dr. Karl Ferbstein (Abgeordnetenhaus); Dr. Rosenberg (Senat). — Wahlkreis K o § i c e: Dr. Josef Lowi (Abgeordnetenhaus). Juden! Gesinnungsgenossen! In den breiten Massen unseres Volkes lebt die Erkenntnis von der Notwendigkeit jildischer Schulen, Nur allzu lange haben wir gez&gert, diesen unseren Wunsch in die Tat umzusetzen. Aber nunmehr wollen wir, gestiitzt auf das uns im Minoritåtengetez gewåhrleistete Recht, daran gehen, mit dem koinmenden Schuljahre ilberall, wo die Vorbedingungen hiezu gegeben sind, das jiidische Schulwerk erstehen zu lassen. Der geeinte Wille unserse Volkes soli es schaffen. Als Hauptaufgabe erscheint zunåchst die Zusammenfassung aller Gleichgesinnten und ein Proponentenkomitee hat die Aufgabe auf sich genommen, fur MShren einen Verein „Jiidische Schule" ins Leben zu rufen, dessen Bestimmung es sein soli, diese Schule zu errichten. Und eben im Hinblick darauf, daB dieser Verein das gesamte jiidische Volk umfassen soli, stellt er in materieller Hinsicht recht geringe Anforderungen an den einzelnen, So ergeht denn an Euch, Volksgenossen, der Ruf: Helfet mit, das jiidische Schulwerk schaffen, tretet alle dem Vereine „Jiidische Schule" bei und werbet fiir ihn! Anmeldungen (Jahresbeitrag K 5.—) nimmt die jiidisch-nationale Vereinigung (Schulreferat), KoliSté Nr. 57, entgegen. Alle iiidischen Lehrer Måfirens, welche sich nicht im Amte befinden (enthoben sind), wollen ihre genaue Adresse der „judischnat. Vereinigung", Schulreferat, Briinn, KoliSté 57, umgehend bekannt geben. BRUENHER NACHRICHTEN. Jiidische Volks- und Mittelschullehrer Am Sonntag, den 11. April 1920, um 9 Uhr vormittags, findet im Lokale des „Jiidischen Volksrates" eine Vorbesprechung der jiid. Lehrerschait in Angelegenheit der iiidischen Schule statt. Zu dieser werden hiemit alle jiidischen Volks- und Mittelschullehrer Måhrens eingeladen. Schriftsåtze werden schriftlich zugesendet. Konstitutierung des Verelnes „Jiidische Schule". Samstag, den 10. April konstituiert sich der Verein „Jiidische Schule" får Måhren in Briinn. Prof. Dr. Engel aus Prag hat sein Erscheinen zugesagt. Alle Freunde der iiidischen Schule, alle Gessinungsgenossen, werden auf die Bedeutung dieses Abends aufmerksam gemacht. Jiidische Eltern erscheinet zahlreich und zeiget, daB ihr der jiidischen Schule die Bedeutung beileget, die ihr gebiihrt. —- Zeit, Ort: P 1 a k a t e. Jiidische Fraueitorganisation Briinn. Vielfachen Wunschen entgegenkommend, hat sich Herr Professor Dr. Max G r u n I e l d bereit erklårt, eine Reihe von Vortrågen, aber das bis ietzt noch wenig behandelte Thema: „Die Frau in der Geschichte des Juden! Wahlet die Liste der „vereinigten jiidischen Parteien“.

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