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Jüdische Volksstimme · 1920-03-18 · Heft 12 (18.3.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 12 (18.3.1920)
Date
1920-03-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. Kulturstufe und ungeachtet der grotten Naturschåtze des Landes (Holzreichtum, Viehzucht, Wasserkrafte, Bergwerke) wirtschaftlich noch sehr riickstandig und im grotten Elend, was seinerzeit eine masscnhafte Auswanderung nach Amerika verursachte. Hier liegt ein grottes und dankbares Gebiet fiir eine verniiftige Finanz- und Wirtschaftspolitik der Prager Regierung. insbesondere fitr eine verniinftig durchgefiihrte Agrarreform! Die politischen Stromungen sind im allgemeinen cechenfreundlich. Da jedoch sehf viele Beamten insbesondere aber die Lehrer und die Priester mit wenigcn Ausnahmen magyarisch fiihlen, sind aucb magyarische Stromungen vorhanden. Desgleichen russophile Aspirationen bemerkbar. Daher ist vor allem dringendst eine Organisation der nationalen Schule und Kirche notwendig, letzterer durch Einfiihrung einer autonomen Kirchenverwaltung unter cinem national gesinnten Bischof. Der gesunde Instinkt der Massen wird dann die Russophilen und die Magyaronen in kiirzester Zeit ebenso abschiitteln, \ ' ,nn — Antisemitismus. Letzteres setzt allerdings voraus, datt die Juden auch im Karpathischen Ruttland sich auf nationaljiid. Grundlage orgatiisieren und mit der Politik der Assimilation an ein anderes Volk, das sie zu Mitschuldigen der Unterdriicker der ungarischen Ukrainer bisher macht, vollståndig brechen und in der Ceclioslovakei sowie in allen anderen Staaten ftir die Oleichberechtigung aller Volksståmme sowie Klassen cintreten. V c r u s. RUNDSCHAU. Atifru! an die Mizrachisttschen Organisationen. Gesinnungsgenossen! Die Tage der Konferenz sind voriiber. Die Zeit zur Arbeit ist da. Unser Volk wird in der nachsten Zukunft eine Riesenaufgabe unternehmen miissen. Mizrachisten in der ganzen Welt werden in den ersten Reihen stehen miissen. Die politischen und okonomischen Bestrebungen der Zionistischen Organisation zu unterstiitzen einerseits, und anderseits den Standpunkt der Torah ganz klar zu betonen, ist die Parole linserer Organisation. In der Wirklichkeit. sollen sich diese Prinzipen der harmonischen Zusammenarbeit mit den. verschiedenen zionistischen Institutionen åufiern; gleichzeitig aber die Autonomie unserer Organisation und die Aufrechthaltung ihrer grundlegenden heiligen Ideen sichern. Es ist hauptsåchlich auf dem Gebiete der Erziehung und der kulturellen Arbeit wo wir die Unabhångigkeit unserer Organisation fordern und. zcigen miissen. Die allbekannté Resolution der Amsterdamer Konferenz in bdzug auf ein autdhomes Erziehungsamt in Erez-Isracl ist das Ergebnis dieser Notwendigkeit. Wir wollen uns keineswegs durch diese Entscheidimg in die schmalen Grenzen unserer eigenen Erziehungsinstitute zuriickziehen, und auf unseren Einflutt iiber den anderen Teil der Erziehungsarbeif , im ' Heiligen Lande verzichten. Zwischen den Partcien stehend — im Galuth sowohl wie in Erez-v Israel —/muB unser Hauptbestreben sich danacb richten, alle Krafte unseres Volkes — die rechts und links stehenden — eifiander nåher zu bringen und sie wieder zu vereinigen fiir den grotten Zweck der Einhcit von Gottes Volk, die Torah und das Heilige Land. J. H. Hertz, Stuart M. Samuel, V. Schonfeld, H, Struck. PALASTINA. — JDie Schneekatastrophe in Palåstina. — Der palåstinensiche Korespondent der „J. P. Z.“ berichtet: Der grotte Schnefall in Palåstina, der. ca. 3 Tage, vom 9. bis 12. Feber andauerte und .iiber ein Meter Hohe erreichte, verursachte in Jerusalem grotten Schaden. Es gab auch Menschenopfer, deren Zahl zur Stunde noch nicht festgestellt werden komite. Ueber 100 Gebåude, darunter die Zåhnklinik des Rothschild-Spitals, "das Schwesternheim der Hadassa, das Mådchengymnasium und die zwei Gebåude der Cinémas „Zion“ und „Jerusalem1*, sind ganz oder teilweise zerstort worden. Unzåhlige Båume wurden von dem Schnee geknickt. Jerusalem war von der ganzen Welt abgeschnitten, da der Eisenbahnverkehr eingestellt wurde. Auch Telegraph und Telephon muttten ihren Dienst unterbrechen. Der Ver. „JØD1SCBE VOLKMTIMMK*" kehr in Jerusalem selbst konnte nicht aufrecht erhalten werden. Da die Bewohner von Jerusalem an solch niedrige Temperatur und an Schneestiirme nicht gewohnt sind, blieben sie in den Håusern eingeschlossen. Nicht einmal die Lebensmittelgeschåfte; wurden geoffnet, sodatt die Stadt der Hungersgefahr ausgesetzt war. Der Waad Hazirim mit Ussischkjn und Dr. Eder an der Spitze riistete ein Hilfskkorps von einigen hundert kråftigen jungen Leuten mit Lebensmitteln, Kohlen und Schneewegråumgeråtéh aus, um den verschiedenen Stadtteilen Jerusalems Hilfe zu bringen. Autterdem wåndte er sich an die Regierung um Hilfe, die sofort ein Polizeikorps unter Aufsicht von Offizieren und nachher ein ganzes Batailson Soldaten zur Verfiigung stellte, die den Schnee wegråumten. Auch der Munizipalrat von Jerusalem beteiligte sich am Hilfswerk. 10 Aerzte und 15 Krankenschwestern der Hadassa mit dem Verwalter, Dr. Rubinow an der Spitze iibernahmen den Sanitåtsdienst. Die durchquerten Tag und Nacht die årmeren Viertel die am meisten gelitten hatten und leisteten iiberall aufopfernde medizinische Hilfe. Munizipalrat, Waad Hazirim und Privatpersonen halfen vereinigt allen, ohne Unterschied. der Gemeinde, Nationalitåt und Konfession. Die Redaktion des „Doar Hayom" hat eine Aktion zur Sammlung von Spenden fiir die Opfer der Schneekatastrophe eingeleitet, ohne Unterschied der Konfession. Schon in den ersten zwei Tagen weist das im „Doar Hayom“ abgedruckte Verzeichnis der Spenden eine Summe von 18.040 ågypt. Groschen auf. Neue Siedlungen. Nordlich und siidlich von Jaffa sind wiederum zwei neue jiid. Siedlungen gegrlindet worden. Die siidliche ist von einer Arbeitergruppe der Achduth Haawodah, die nordliche von einer Gruppe der mit dem Schiff „Ruttland" Angekommenen gegriindet worden. Gr enzen Palåstina s. Wie die Zeitungen aus Damas'kus berichten, ist dort eine aus Arabern und Englåndern zusammengesetzte Kommission zusammengetreten, um die Grenzen zwischen Syrien und Palåstina festzusetzen. jgf our ist en ver kehr. Wie del* „Doar fyayom" berichtet, wird ab Mårz d^r Touristenverkehr in Palåstina, wie vor dem Xriege, freigegében werden. Lehrerseminar in Jerusalem. Nach Durchfiihrung der ziemlich strengen Aufnahmeprufung wurde in Jerusalem am 22. Jånner das Lehrerseminar des Misrachi eroffnet. Vortragende sind Rabb. Ostrowski, A. M. Lifschiitz, Dr. Mirkin, Scliur und Hurezki. In Rose h-P i n a h ist eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Aschtaj-oth" gegriindet worden. Zweck diesef Gesellschaft ist, die Viehzucht in Obetgalilåa zu heben. Rosch-Pinah selbst, das iiber ein autterordentlich ausgedehntes Areal verfugt und die Abhånge des Mount Canaan umfattt, ist fiir Viehzucht sehr geeignet. In H a i f a sollen demnåchst folgende 3 Fabriken eroffnet werden: eine Steinmiihle durch Herrn Kudiansky, eine Fabrik zur Produzierung von Kalk und Kreide durch Ichin & Cie. und eine dritte Fabrik fiir Aluminiumgeschirr durch Jeksler & Klumker. ITALIEN. Triest, 25. Feber. Der Q.-Korrespondent der „J. P. Z.“ berichtet: Mit dem heutigen Dampfer sind mehrere Familien,' ca. 75 Personen verschiedenen Alters, Geschlechtes und Berufes nach Palåstina ab-.i gereist. Die meisten sind Palæstinenser, die nach Jerusalem und Saffed zuruckkehren. Der Plan fur ein Emigrantenheim, ist Dank der eifrigen Strebsamkeit der hiesigen zidn. Ortsgruppe bereits verwirklicht worden. Ein hiesiger Zionist stellte zu diesem Zwecke eine Villa zur Verfiigung, in welcher volåufig drei Råume provisorisch eingerichtet wurden. Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, um die Einrichtung ftir ungefåhr 60 Personen zu komplettieren, bevor die Masseneinwanderung nach Palåstina einsetzt. Die Volkskiiche wird anfangs des Sommers eroffnet werden. Vorderhand wird die Kliche von deri Emigranten selbst besorgt; die hierzu notigen Kuchengeråte sind bereits vorhanden und in jeder Emigrationsgruppe befinden sich einige Damen, die alles besorgen. In Balde wird auch der Plan eines Volkshauses (Beth-Am) realisiert werden, und zwar soli das alte jiidische Spital fUr diesen Zweck verwendet werden. Um dies zu ermdglichen, gibt das Greisenasyl den Platz fiir ein neues SpitaL her, die Gebr. Eppinger das Material, wåhrend einige andere Zionisten die .6 flbrigen Kosten tragen, um einen modemen Pavillon ftir das Spital ehestens zu errichten. AMERIKA. Palåstinawoche. Die in Amerika kiirzlich abgehaltene erste Palåstinawoche war von schonen Erfolgen begleitet, Sie wurde, die Young Judea Clubs und die „zion. Distrikte nicht eingerechnet, von mehr als 700 verschiedenen Organisationen des Landes durqjigefiihrt. Hauptzweck der Woche war, die amerikanischen Juden mit den Verhåltnissen und Bediirfnissen Palåstinas grlindlichst bekannt zu machen. Das vom zion. Biiro zusammengestellte Palåstinamaterial wird fiir långere Zeit fiir die Palåstinapropaganda rcichen. ENGLAND. — Die Einsteinlsche Theorie in England. — In der „Morning Post" wird berichtet, datt zu den Vorlesungeri die Professor Eddington in Cambridge iiber die^-Einsteinische Theorie hielt, ein solcher Andrang der Studierenden stattfand, datt der groBte Horsaal sich als viel zu klein erwies, die Erschicnenen zu fassen. Mitteilungen der provlsorlschep Zentralen Waad der Jungzlonlstischen Partel in der Cechoslovakei. Die konstituierende Landeskonferenz der Jungzionistischen Partei in der Cechoslovakei findet am Sonntag, den 21. Mårz d. J. um 8 Uhr friih in den Råumen des Jiidischen Nationalrates (Prag I, 'Celetna ulice 22) statt. Zutritt zu dieser Konferenz haben die von den bis dahin gebildeten Ortsgruppen nach dem bereits veroffentlichten Wføhlmodus entsandten Delegierten aus Orten, in welchen bis zu diesem Zeitpunkt die Bildung einer Ortsgruppe unmoglich war, konnen vorher gemeldete Mitglieder der Fraktion mit beratehder Stimme teilnehmen. Die Beratnngen werden noch am gleichen Tag zum Abschlutt gebracht werden. Das Programm der Tagung urrfnttt: 1. Programm und Organisationsstatut. 2. W; bl des definitiven Waad. 3. Arbeitsprogramm fiir die L *ndesorganisation. Zur Abkiirzung iiber diese P-n, grammpunkte wird der provisorische zentrajp. Ww 1 bis dahin gemeldeten Gruppen bezw. Einzelmitgliedern noch vor der Konferenz detaillierte Vorschlågc erstatten. Die Festsitzung des Jiidischen Nationalrates in Prag, des Zionistischen Zentralkomitees und des Klub jiidischer Stadtverordneter fiir Prag und der Vororte zu Ehren des 70. Geburtstages des Pråsidenten Masaryk fand am Sonntag, den 7. d. M. um H Uhr vormittags im Sitzungssaale des Jiidischen Nationalrates statt. Delegierte aller zionist, und nationaljiid. Korporationen waren erschienen. Der Pråsident des J. N. R. Stadtrat Dr. Ludwig Singer wiirdigte ineiner warm empfundenen Rede die Bedeutung Masa r y k s als Philosoph und Politiker. Er betonte insbesondere den unparteiischen und sachlichen Standpunkt Masaryks zur jiidischen Frage, besonders seine Sympathie fiir unsere Renaissancebestrebungen und die starke Unterstiitzung, der sich unsere Bemiihungen stets bei ihm erfreuten. Herr Otto Zucker in einer deutschen Rede fiihrte an der Hånd einiger grundlegender Gedanken der Mas|.rykschen Weltanschauung nach welcher Hinsicht uns Masaryk der Philosoph und Politiker ein Vorbild sein soli. Dr. Singer teilt mit, datt der Jiidische Nationalrat und das Zionistische Zentralkomitee beschlossen haben zu Ehren Masaryks einen Fond zur Errichtung eines jiidischen Studentenheimes zu grfinden und datt zu diesem Zwecke bereits 100.000 K gezeichnet wurden. Die Versammlung driickte ihre Zustimmung aus. Nach Absendung eines Gliichwunschtelegrammes wurde die Sitzung geschlossen. VON WOCHE ZU WOCHE. Kultur. Wir Zionisten Brunns ,tnlissen es uns gefallen lassen, datt extra und intra muros darauf oft hingewiesen wird, wie wir der deutschen Kultur zu Da»ke verpflichtet sein sollen. Die „Freiheit" der Deutschdemokraten ist doch gewifi Hilterin und Wåchterin deutscher Kultur! Wie denn auch nicht. Es sind doch lauter deutsche Juden, die binter dem Blatte stehen. Und bekanntlich hat kein Zionist, soviel Kultur, wie ein deutscher Jude. Die „Freiheit" nimmt sich viel heraus. Die Zionisten wåren Schlafmiitzen! Hatten eine 2000iåhrige Kultur verschlafen. Welche Kultur? Diese Frage beantwortete am Sonntag, den 14. Mårz d. J. anlåttlich der

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