Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1920)
- Date
- 1920-03-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Meiae Herreo, nuo werden Sle sum Wochentasrc zurflckkehren. Ich glaube, Sie kSnnen Ihren Freun- Uen elnes sagen: Was menschenmoglich war, ist versucht worden. Es ist noch nicht alles erraicht, aber die Mdgtichkeiten sind geschaffen, dafi wir uns alles weitere erarbeiten. Das Mandat wird vielleicht in kflrzester Zeit erteilt werden. Dann darf es keine jOdische Famille, keine Gemeinde, keine Synagoge geben, wo man dariiber nicht spricht, nicht verhandelt, nicht mitarbeitet. Nut so werden wir die ganze Begeisterung und die materielle Untérstiitzung erreichen konnen, um die grofle Aufgabe zu bewaltigen. In den allergroBten Stunden mufl man schtichtern und mit jild. Ergebung vor demienigen stehen, der die Oeschicke Israels leitet. Ich glaube, er hat die Geschicke rich tig geleitet, und was auch kommen wird, die Ueberzéugung bleibt uns heute: Erez- Israel wird unser. Wenn nicht in fiinf Jahren, und wenn nicht in zehn, so in fiinfzig. Wir sind auf dem Wege. Aus den groBen Schmerzen unseres Volkes werden wir Lieder schaffen und diese Lieder werden wir singen, wenn wir in Paiastina einziehen. Schalom, Schalom! Die Bedeutung der Tagung. Herr S o k o l o w halt (hebråisch) folgende An sprache: Vor TorésschluB will ich noch einige Worte zu Ihnen sprechen. Welches ist das Resultat, dds uns die Konferenz gebracht hat? Rekonstruktion ist heute das Schlagwort bei allen Valkern. Die Ruinen sollcn wieder aufgebaut werden. Auch wir waren eine solche Ruine. Nunmehr hat die Versammlung die Zionistische Organisation wieder aufgebaut. Das ist der Wert dieser Versammlung und nicht allein ihre einzelnen Beschliisse. Wir sind zuriickgékejirt zu einem geordneten Bauen und deswegen durfen wir einander gegenseitig begliickw'iinschen. Nach so vielen Jahren haben wir einander wiedergesehen. Hfer sitzt Prof. Warburg, den der letzte KongreB zum Prasidenten der Organisation gewåhlt hat, hier Jacobson, der Bescheidene, Schweigende, dessen Schweigen die Versammlung nicht weniger zu wiirdigen wuflte, als die Reden der Sprecher. Hier sitzt Hantke, dieser Fanatiker der Organisation. Wie muB er sich freuen, daB es uns gelungen ist, die Organisation wieder aufzubauen. Es wåre nicht gelungen, wenn wir Amerika nicht gehabt hatten; und daB wir es haben, verdanken wir Schmarja Lewin. Das sind die Berge unserer Organisation, und ich sehe das schneebedeckte Haupt Nordaus, den Qipfel der Berge, der ist wie der Tau Hermorts, der auf die Berge Judas herabtråufelt. Man will zwischen uns Gegeusfitze konstruieren, aber sie sind nicht vorhanden. Wir sind ein Orchester und ein Orchester besteht aus vielen Instrumenten, und je mehr ihrer sind. ■desto schoner ist die Symphonie. Und unsere Symphonie wird eine Eroika werden und ein Pastorale zugleich. Die Kraft, welche diese Versammlung geschaffen hat, wird alle unsere Bauten wieder errichten bis zum KongreB. Erez-Israel aber wird ein Bau sein flir alle Ewigkeit. Dr. Halpern: Ich empfinde es‘als ganz besonderen Vorzug, daB es mir gestattet ist, einige Worte hier zu sprechen. Es war sonst Sitte, daB am Schlusse unserer Beratungen ein Redner der Opnosition sprach und so dén Verhandlungen einen fri^llichen Ausklang gab. Heute haben wir keine Opposition mehr. Man kann verschieden denken iiber diese oder jene Technik, aber es kann zwischen uns keine Diskussion mehr geben iiber Prinzipien. Das scheint jetzt selbstverståndlich. Aber durch welche inneren schweren Kampfe sind wir dahin gelangt! Und es ist gut so, denn wir werden alle unsere Kråfte brauchen. Wir werden alle von hier weggehen mit dem Gefiihle der Verantwortung, die auf uns lastet. Die MSnner, welche hier die Leitung innehatten, sind iiber uns hinausgewachsen in ihrem Verståndnis fur die Verantwortung. Seien wir uns dariiber klar, die Geschichte wird von einzelnen Månnern gemacht, und niemals war das mehr der Fali, als in dieser Zeit, von der gesagt wird, daB sie die demokratische ist. Wir hatten das Gliick und vielleicht war es mehr als Gliick, vielleicht war es historische Gerechtigkeit, daB uns in diesem Augenblicke solche zwei Mdnner beschieden waren. Wir gehen von hier hinaus mit voHem Vertrauen. Wir wissen, daB die Arbeit unendlich sdnyierig ist. Wenn uns aber etwas Mut gibt, se ist es, die Ueberzugung, daB unsere Arbeit frtfchttragend wird in ihrer Ausniitzung durch die Leitung. Wir sind siclier, daB die Mittel, die wir herbeischaffen, die heste Verwendung finden. Es ist hier von den Månnern gesprochen worden, denen wir zum Danke verpfliclitet sind. Lassen Sie mich noch des Mannes gedenken, der das Schicksal jiidischer Ffthrer gehabt hat, sich aufzuopfern in seiner Arbeit: Echiel Tschlenow. (Die Versammlung erhebt sich.) Wir werden uns bald wiedersehen bei der Jahreskonferenz und beim KongreB. Vielleicht haben wir hier die GroBe des Werkes, das geleistet wurde, noch nicht erfaBt. Wir standen zu nahe. Wenn aber diese Manner vor den KongreB treten werden mit diesem Mandat, dhs sie errungen haben, dann wird das jiidische Volk sagen : Es war eine Tat, und es ist eine Zukunft. Naiditsch (hebraisch) sendet den fernen Massen des jiidischen Volkes, deren Leben tåglich von Leiden schrecklichster Art bedroht ist, sdfnen GruB. Er griiflt den russischen Merkas, der im gegenwårtigen Augenblicke allen Gefahren trotzend nach Moskau eine Zionistenkonferenz einberufen hat. Das jiddische Volk wird Paiastina zu seinem Eigentum machen. Der Weg ist bereitet. Wir werden hingehen. Sok.olow (hebraisch): Ich schlieBe die Versammlung. Ukrainer, Polen und Juden. (Éin Interview mit einem hervorragénden ukrainischen Parlamentarier.) Zu den verschiedenen ungeidsten nationalen Fragen, welche tief in das Leben des j ii d i s c h e nN Volkes eingreifen, gehort die ukrainische Frage in ihrer Gesamtheit und speziell auch das ostgalizische Problem. Wåhrend es bis vor kitrzem den Anschein hatte, als ob die mit dem ukrainisclfen und jiidischen, ferner Cechoslovakischen Problem zusammenhangende polnische Frage in dem Sinne gélost sei, daB auch Ostgalizien mit Polen vereinigt werde und innerhalb desselben die Ukrainer eine allerdings beschriinkte nationale Autonomie erhalten soliten, verlautet jetzt, daB infolge des Vordringens der Bolschewiken die bisher geplante Ldsung dieses Fragenkomplexes noch der entgtiltigen Entscheidung harre. Wenn nicht alle Anzeichen triigen, scheint es, daB die Entente in der polnisch-ukrainischen Frage von zwei verschiedenen sich periodisch aber kreuzenden Erwagungen ausgeht. Einerseits will Frank r’eic li in einem groBen, miåchtigen Polen einen Damm gegen das vielleicht gar bald wieder erstarkende PreuBen-Deutschland, andererseits aber mochte man es sich doch nicht und speziell England sowie Amerika, wo die Sympathien fiir da s Polentum nicht in dem MaBe vorhanden sind, wie in Frankreich, ganz mit den Ukrainern und Juden verderben. Erstens muB man ja doch dem so feierlich p,roklamierten Selbstbestimmungsrecht auch betreffs einer so groBen Nation, wie die Ukrainer (deren Volksangehorigkeit nicht nur in Galizien, sondérn auch in der Bukowina, in Nordostungarn, Bessarabien und RuBland siedeln) gerecht werden, zweitens aber spielen bei der ukrainischen Frage, sowohl flir Amerika und England, als auch in noch viel hoheren MaBe fiir Frankreich, auch die Erwagungen betreffs der zukiinftigen Entwicklung RuBlands sowie dessen Verhåltnis zu Deutschland eine Rolle. Welche Partei auch immer in RuBland Oberwasser gewinnt und welchen Kurs auch die zuklinitige innere russische Politik verfolgt, keineswegs wird sie gesonnen sein, ruhig zuzusehen, daB viele Millionen Ukrainer polonisiert oder rumånisiert werden. * * * Es gib:t nun zwei Moglichkeiten (wobei allerdings verschiedene Kombinationen auch nicht ausgeschlossen sind): Entweder wird, bis zum Stattfinden eines Plebiszites Ostgalizien eine selbståndige Pro- >)inz, bezw. mit der Ukraina vereinigt, oder aber es erfolgt im Falle elner foderativen Staatenbildung in RuBland der AnschluB Ostgaliziens sowie der Ukraina an dieses foderative RuBland. Die Majoritat der Ukrainer wtinscht — im Gegensatze zu einem Teile der in der Ukraine lebenden Juden, welche aus vorwlegønd wirtschaftlichen Grflnden mit dem AnschluB an ein føderatives RuBland sympathisieren und darum dem Antisemitismus den Weg elmen — noch immer in erster Linie die Vereinigung såmtlicher ukrainischer Volksteile zu einem siebståndigen ukrainischen Staate; allerdings rechnen ernste ukrainische Politiker mit der Moglichkeit, in der nudisten Zeit ihr selbståndiges ukrainisches Staatsidcal nicht erreichen zu konnen und darum zogen es eine Weiie manche ukrainische Politiker vor, um der Entnationalisierung durch die polnisch-rumanischen Verbiindeten zu entgehen, mit RuBland vereinigt zu werden. Da man es aber in Paris tinter gar keinen Umstånden mit RuBland verderben will und trotz des groBen Wertes, den man auf die polnische Freundschaft legt, in demselben MaBe auch mit der Wiedererstarkung RuBlands. und unter Umstanden auch mit einem zukiinftigen russisch-deutschen Biindnis gegen Polen sowie weiters mit der Furcht. daB ein Tcil der unterdriickten Juden und Ukrainer aus Erbitterung iiber die polnische und rumanische oligarchische Gewaltherrschaft sich in die Arme der Bolschewiken werfen konnte, rechnet, so hat auch das Eintreten fiir den polnischen Imperialismus gegen die Ukrainer dort eine Grenze, wo' Kollisionen mit RuBland oder gar mit England entstehen konnten. Die englische åuBere Politik steht rnoglicherweise vor einer Neuorientierung, die unter Umstånden zu einer Abriickung von Frankreich fiihren konnte, insbesondere dann, fails die franzqsischen Aspirationen in Syrien und Paiastina sowie im iibrigen Orient in Gegensatz zu'den englischen Kriegszielen geraten wiirden. Sie wird vielfach anch bedingt sein durch die weitere Entwicklung der Verhaitnisse in Deutschland und RuBland und nicht in letzter Linie auch durch die ieweilige politische Gestaltung in Irland, Indien, Acgypten und durch das Verhåltnis zu Amerika. Da nun moglicherwéise bei einem Siege der russischen Imperialisten England eine unbequemc Konkurrenz in RuBland entstehen konnte, so halt England sich noch ein zweites Eisen im Feuer, die Ukraina. Gerade England ebenso wie Amerika wiinschen das Aufgehen der Ukraine weder in RuBtand noch in Polen, wobei England schon mit Riicksicht auf das friiher angefiihrte ungeklårte Verhåltnis zu RuBland die Autonomiebestrebungen der Ukrainer begiinstigt. In der jUngsten Zeit wurden 6edauerlicherweise die Sympathien fiir die Ukrainer bei den anderen Volkern und speziell im jiidischen Volke durch die stets sich wiederholenden Pogrome stark erschiittert. Symptomatisch fiir diewahrcn Gefiihle der crusten ukrainischen Politiker ist die ftachricht, die seinerzeit von allen Vertretern einer jiidisch-ukrainischen Annåherung freudigst begriiBt wurde, daB die ukrainische Reglerung die Todesstrafe gegen alle Bcteiligten an Judenpogromen verkiindet hat. Noch ist nicht vollstandig die staatsrechtliche bezw. staatliche Zukunft Ostgaliziens sowie der Ukraina geklårt. Fur alle Falle aber sind grofle Massen des jiidischen Volkes auf ein friedliches und freundschaftliches Zusammenleben mit den Ukrainern angewiesen und es solite die Hauptaufgabe sowohl der ukrainischen wie der jiidischen.. Intellektuellen sein, mit Vermeidung der Fehier der Vergangenheit auf ein Zusammenwirken der ukrainischen und jiulischen Volkstnassen im Sinne des gemeinsarnen kulturellen und sozialen Fortschrittes hinzuarbeiten. Jedoch' nicht nur in diesen GebJeten, sondern auch in den zu der Cechoslovakei nunmehr gehorigen Podkarpatské Rusi ist ein Zusammenwirken u. friedliches Zusammenleben von Juden und Ukrainern ndtig. Die Bevolkerung ist 470.000, mit Riicksicht auf die unzulångliche, unveriafiliche magyarische Statistik sicherlich iiber eine halbe Million, derzeit infolge der jahrhundertelangen ungarischen Knechtung und totaler Vernachlåssigung seitens der Budapester Regierung in okonomischer Beziehung auf einer tief en „Boltern Filial«! la“ Aktienbank In Pra In Brdnn vis-a-vls Bthnho f« Ina Auiland Flnanil«run«en und Kredit« BAraen-Tranaaktionen ZWBlj |«Mtllt«lli N!«w>York, »aris, Bratlslava, QailORi a/N., H«ldd