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Jüdische Volksstimme · 1920-03-11 · Heft 11 (11.3.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 11 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11. Sdtft 5 „JtføtSCHK V0UC8STMM&« schuften der Sfchorhottopolteei ktmen zu opftt, um Ansschreltnngen au verhindern. Von der Polizei wurden die Namen von zehn Reichswehrsoldaten festgestellt. Der „Frånkische Kurier*' bringt scinen Bcricht Ober die Taten dieser antisemitischen Rowdies unter der Ueberschrift „Valertøndische Selbsthilfe*'! Der Judenpunkt. Aus Budapest wird gemeldet: Der Minister des fonern hatte mit den sozialdemokratischen Fiihrern eine Besprechung, in deren Verlauf er erklårte, daB die Regierung den Eintritt der sozialdemokratischen Fiihrer in die Regierung wiinsche, und zwar unter folgenden Bedingungen: 1. Lossagurig vom Bolschewismus. 2. Bekenntnis zur Integritet des ungarischen Staates. 3. Moglichste Hintansetzung des jiidischen Elementes bei Besetzung der von den Sozialdemokraten beanspruchten Staatssekretår- und sonstigen Posten. — Den Punkten 1 und 2 stimmten die Sozialdemokraten bedingtmgslos zu, zum 3. Punkte, dem .fudenpunkte, erklårten sie aber, daB solche konfessionelle Einscfirånkungen mit dem sozialdemokratischen Programme ganz unvereiubar seien. Darauf zog Benitzky die dritte Forderung zuriick und bat die Sozialdemokraten, sich fiir die nachste Zeit zum Eintritte in die Regierung bereitzuhalten, wozu die Sozialdemokraten ihre Bereitwiiligkeit erklårten. Die Errlchtung elnes judischen Auswandererbiiros In Basel. Infolge der andauernden Judenverfolgungen in Osten, beginnt bei unseren dortigen Briidern in den letzten Monaten wieder eine starke Emigration einznsétzen. A uf dem Wege zu den Einschifungshåfen passieren diese Unglucklichen auch die Schweiz (Buchs-Basel), vorerst nur. in kleinen Scharen, die sich jedoch von Woche zu Woche mehren. In ihrer Not stichen nun die Bejammernswerten Hilfe bei ih ren Briidern in den Stadten, die sie auf ihrer Watiderung beriihren und da tritt an die Juden in der Schweiz, welche von diesen Auswanderern passiert wird, die dringende Aufgabe heran, hier ein Werk jiidischer Bruderpflicht erfiiUen. In einer am 24. Jånner 1920 abgehaltenen Versampilung derv Vertreter såmtlicher jiidischer Vereinigungen Baseis', welche von Herrn Rabbiner Dr. Cohn in Basel einberufén wurde, legte dieser die Notwendigkeit.dar, wiederum cin Biirou fiir jUdische Auswanderer in Basel zu errichten, wie dieses bereits vor dem Kriege in Basel bestanden hatte. Nach eingehender Beratung, in der allseitig hervorgehoben wurde, daB es hier gelte, ein dringendes Werk jiidischer Bruderpflicht zu erfiillen, wurde die Errichtung eines Biiros fiir “jiidische Auswanderer in Basel einstimmig beschlossen. Das Biiro wird es sich zur Aufgabe machen, die in Basel eintreffenden Auswanderer zu bekleiden, zu verpflegen und fiir deren Unterkunft zu sorgen. Vor allem aber wenn irgend mbglich den Durchwandernden die direkte Durchreise zum Einschiffungshafen zu ermdglichen, damit nicht nur ein Wandern von Qemeindc zu Qemeinde das Elend noch vermehrt wiirde. Das Bilro wird sich mit allen groflen jiidisehen Organisationen sowie mit såmtlichen Gemeinden der Schweiz in Verbindung setzen. Das Biiro hat mit seirier Tåtigkeit bereits begonnen. Vorlåufige Adresse fiir Zuschriften und Geldsendungen: Jules Jutig, Basel, AustraBe 57. Antisemltismus in Lettland. Die Lage der Juden in Lettland verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die gesamte Beamtenschaft ist von wlitendem JudenhaB erfiillt. Die lettischen Juden, die in der Kriegsteeit schon so viel Schwéres durchgemacht haben, sehen sich jetzt wieder in einer trostlosen Lage. Die augenblickliche, angeblich „demokratische" Regierung, die auf dem Papier fiir Gleichberechtigung eintritt, unterwirft die Juden einer derartigen Behandlung, wie sie selbst zur zaristischen Zeit nicht iiblieh war. Tåglich kommt es vor, daB Juden aus Eisenbahnwaggons geworfen werden, mit der Begriindung, daB fiir Juden kein Platz sei. Die Annahme, daB es sich dabei um Uebergriffe eiozelner Beamten handelt, ist Ieider unrichtig, Das beweist folgender Vorfall: Vor einiger Zeit fuhren jUdische Kaufleute mit Waren aus Libau nach Riga. Die Waren hatten ordnungsmåBige Einfuhr- und Ausfuhrerlaubnis. Auf der Station Prekulen rissen die Beamten die Waren auf den Bahnsteig und beschimpften die Juden als Spekulanten. Da in demselben Zug auch der Ministerpråsident Ulmanis fuhr, wandten sich <Jie Kaufleute an ihn um Schutz. Er aber erklårte, daB die Waren fUr die Armee bendtigt und deshalb beschlagnahmt wtlrden. Die Juden soliten sofort den Zug verlassen. Der Minister selbst ging mit seinem Adjutanten von Wagen zu Wagen und veranlaBte die Juden, den Zug zu verlassen. Eine Mllllonenuntersttitzung fiir orthodoxe Zwecke aus Amerika. Das Zentralhilfskomitee der orthodoxen Juden in Amerika hat dem „Vereinigten Hilfskomitee" eine Million D.ollar ilbergeben, als Resultat der Sammlungen fiir die Zwecke der gesetzestreuen Institutionen im fruheren RuBland. Es ist bereits eine fiinfte Million, die das genannte Komitee fur diese Zwecke unter den Orthodoxen in Amerika zusammengebracht hat. Ueber die Verteilung wurde folgender Beschlufl gefaBt: 400.000 Dollar fiir die notleidenden Juden in Polen, 100.000 Dollar zum Zwecke der. Mazzosversorgung in Polen, 200.000 Dollar zur UnterstUtzung der osterreichischen Juden, 20.000 Dollar flieBen den Jeschiwoths in. Litauen und WeiB-RuBland zu und 130.000 Dollar find fiir Palåstina bestimmt. Der Rest des Geldes gelangt in anderen Låndern zur Verteilung. Die hebralsche Sprache im amtlichen Verkehr in Palåstina. Aus London wird berichtet: Den letzten Berichten aufc Jerusalem ist zu entnehmen, daB die hebråische Sprache im amtftehen Verkehr der Behorden immer weitere Gebiete erobert. Seit Mitte Dezember wurde auch in såmtlichen Telegraphcnåmtern des Landes die hcbråische Sprache amtlich eingefiihrt. Såmtliche Kundmachungen werden nun in drei Sprachen: englisch, arabisch und hebråisch herausgegeben. — JUDEN! Am 15. Mårz d. J. endet die Frist zur allgemelnen Einsichtnahme in die richtiggestellteii ståndlgen Wåfilerlisten. Nehmet rechtzeltig in dieSelben Einblick! VON WOCHE ZU WOCHE. Nikolaus Horthy voh Nagybånya. Mabemus papam! Nun ist Ungarn gliicklich, hat eiucn Reichsverwescr mit dem Titel „Durchlaucht**. Hervorragend muB die vielgeriihmte Demokratie Ungarns nicht sein. Naturlich! Die Gentry und Hochatistokratie an der Spitze kann nur einen Lenker des Staates vertragen, der zumindest die Titel aus dem „auciem regime" herlibergerettet hat. Die Entwicklung war zu rasch, um bleibend sein zu konnen. Bela Kun, Erzherzog Josef, Friedrich, Huszar und nun Horthy. Ein Militår als Reichsverweser ist das Sprungbrett fiir den Monarchen. Nach Habsburg ein Horthy, nach Franz Josef sein Fliigeladjutant! Soli das vielleicht demokratfsch sein? Und unsere Juden in Ungarn schwårmen noch immer von ihrem Vaterland; noch immer von einem Lande, das alle abgékrachten Politiker wieder gewåhit hat. Kein Lichtpunkt an dem diisteren magyarischen Himmel. Ernst wird auch fiir Ungarirder Tag kommen! * Juden und Hunden ist der Eintritt ver bo ten! Diese liebenswiirdige Ankiindigung prangt nun seit Wochen an den Toren der Budapester Universitåt. Es mutet uns eigentumlich an, daB an einer Kulturståtte, so etwas soli doch eine Universitåt sein — denn universitas literarum — Raum fiir dergleichen Rlididåten vorhanden ist. Ganz Budapest, besser Judapest, war stolz darauf, daB der sei- »erzeitige Rektor gleichzeitig Gro B-Meister vom Stuhle, Oberhaupt der ungarlåndischen Freimaurer war. Ganz Budapest ist stolz, um in Nikolaus Horthy von Nagybanya (!) das magyarische Oberhaupt ehrfiirchtig zu begriiflen. Aber die groBe Liebe der Juden zum Magyprentume verschlågt es nicht Das Komaromer Biatt.vom 7. Feber 1920 meldet uns folgende kostliche Episode: Herr Fried Jeno (ich bitte nicht Eugen!) interpelliert in einer Plenarsitzung des Gemeinderates den Zupan, warum bei der Volkszåhlung eine neue Nationalitåt geschaffen worden wåre — nåmlich die jiidische? „Diese Nationalitåt hat bisher Niemand gekannt, am wénigsten die Judenheit.-Die hierwohnende Judenheit ist dem Gefiihle nach und politisch mit dem Magyarentumo oinig; wie es denn auch bei Menschen, deren Wlegenlled magyarisch vom Munde der Mutt'er erklungen wåre (ob die Mutter nicht einen guten Khillejargon gesungen hat, wåre zu untersuchen,) nicht anders moglich sei. Die Zionisten solleu i* -Zionsstaate „verkommen", hier haben si*' nichts zu suchenl"-Der Zupan meinte, da England die jUdische Nation anerkannt und den Zionsstaat mitbegrUnden helfe# steh'e er nicht an, auch die Juden als selbståndige Nation anzuerkennen. — Schade, daB Herr Fried Jen6 nicht in Budapest lebt! Er kftnnte dort der neugeborenenJ)urchlaucht von Horthy auch ein magyarisches Wiegenlied singen, wenn ihm nicht die H o r t h y b e t y a r e n /.u einem Csardas aufgespielt håtten. * # * Die Freiheit! Aber nicht die Freiheit, die ich meine, sondern das Biatt der deutschdemokratischen Kultusgemeindekandidaten droht uns, weil wir es w a g t e n, uns an ihr zu reiben. Nur gemach, meine Herren von der deutschdemokratischen Freiheitspartei! Wir fiirchten uns nicht. Am allerwenigsten vgr Ihrem Anonymus! Die „Freiheit" scheint sich jetzt in den Dienst der Kultusgemeinde zii stellen, nach der Liste zu schliefien, die/uns fiir die Wahlen in den verstårkten Vorstand der Kultusggmeinde pråsentiert wird. Hort Ihr Juden und laBt Euch sagen, sie haben nicht einmal ein „von" unterschlagen 1 Wie muB es mit der Demokratie aussehen. die den Juden versprdchen wird, wenn man sogar mit einem Herrn „von" imponieren wili. Es gelUstet scheinbar die Herren doch wieder nach einer Aristokratie! Es scheint ihnen wehe zu tun, daB sie die sauer erworbenen „Kaiserlichen Råte" ablegen muBten. Mit solehen Måtzchen will man Wåhler fangen? Man wagt der jttdischen Bevolkerung Kandidaten anzubieten, die sich offen zum Deutschtum bekennen? Man will nun das cechische Brtinn parallelisieren durch eine deutschdemokratische Kultusgemeinde? Da ist ja Herr Fried Jeno aus Komarom aueh nicht schlechter als unser Mauschel. O wie tief sind wir Juden gesunken! „Freiheit, die ich meine!" BRUENNER NACHRICHTEN. Voiksvereln Theodor Hefzl. Sonntag, 14. d. M., 8 Uhr abends, wdchentliche Zusammenkunft Café Margaretenhof. / JQdlschnatlonale Vereinlgung. Samstag, 13. d. „Café Kohn“ Versammlung aller Vertrauensmånner und Agitatoren fur die Kultusgemeindew«hlen. v/i s.1Vr vi'”! j hviT^^ Wahlen fUr den verstdrkten Vorstand der Kultusgemelnde. Juden I Vergeiset nicht r vere Pflicht! WShlet einhellig die jUdische Liste, die mit Os. AR BOGAD beginnt. wirøwwwæwwwMwwwgfrife @ VOLKSWiRTSCHAFTLICHES “ Der JUdische Nationalfond. (SchluB.) Im selben Jphre, in dem die Baumspende gegriindet wurde, starb Herzl und lieB das Volk auf dem schweren Wege nach der Heimat zuriick. Es ging von uns der Mann, in dessen grofier und edler Seele die Leiden des judischen Volkes den måchtigsten Widerhall gefunden und Energien ausgelost hatten, die wieder viele Zehntausende mit neuer Schaffensfreude erfiillten. Er ging von uns, doch sein groiJer Genius, der'uns, im dunklen Galut aus tiefer Verzweiflung erweckte, hatte nicht umsonst das Liclit der Freiheit entziindet. Er gab uns Kraft zum Ertragen der Not, aber auch Mut und Energie zum’A fbauen. — Das Gefiihl unendlicher Dankbarkeit gegrn den groflen Mann suchte nach einer Ausdrucksforiu. Man empfand die Notwendigkeit, ein ' Denkmal zu schaffen, das wtird'ig wåre, den Namen des groBen FUhrers zu tragen und das zugle(ch eine Fortsetzung seiner Leberisarbeit bilden soilte, — eine Quelle von Gliick und Wohlfahrt fiir das Volk, flir das er sein Leben^geopfert, und fiir das Land, nach dem sein ganzes Streben ging. Von diesen Gefiihlen bewegt,

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