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Jüdische Volksstimme · 1920-03-11 · Heft 11 (11.3.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 11 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 11 Momm voustuMMfcfaBte man den BeschluB die ersten hunderttausend Båume 2u einem „Herzlwald" zusammen2ufassen. Jedem Juden ist hiedurch Gelegenheit gegeben, durch Pflanzung von Båunien im Her2lwald au! den eigenen Namen oder auf den Namen von Angehorigen, Freunden und Bekannten an der Schaffung dieses sinnigen Qenkmals mitzuwirken. Der Reingewinn, den der aus Fruchtbåumen und NutzhSlzern bestehende Herzlwald bringen wird,. ist fUr die Erhaltung von Schulen und anderen kulturellen Institutionen (wie Bibliotheken, Museen usw.) in Palåstina bestimmt. III. Doch wie grofi und wichtig der Nutzen von Pflanzungen und Waldungen in Palåstina sein mag, fiir eine gesicherte und selbståndige nationale Wirtschaft, ist der Ackerbau noch weit wichtiger. — Einerseits aus dieser Erwågung, andererseits um allen Arbeitern die Mdglichkeit zu geben eine eigetie kleine Wirtschaft zu errichten und neben ilirer Hauptbeschfiftigung (in der Industrie, im Gewerbe oder in der Landwirtschaft selbst) zu bearbeiten, wurde im Jahre 1912 als besonderer Spendenzweig des J. N. F. der A r b e i t e r-H e i m s t å 11 e n-F o n d gegrUndet. Mit Hilfe dieses Fonds werden Familienhåuser ertøaut. Der J. N. F. iiberlåBt hiezu jeder Arbeiterfamilie eine angemessene Bodenflåche, die auBer fiir Baugrund fiir die Errichtung eines- Gartens dient, in dem Gemiise oder Futter fiir Gefliigel oder Vieh angebaut wird. Eine derartige Arbeiterheimståtte kostet ungefåhr 2000 Frcs. und trfigt den Namen des Spenders. IV. Noch vor der Schaffung des Heimståtten-Fonds, im Jahre 1910, erschfen ein Aufruf von Dr. Bodennehmer fiir eine neue Unterabteilung des J. N. F., iiir die L a n d s p e n d e. „Jeder Jude widme ein Stiick unseres Landes dem jtidischen Volkp, ein Stiick, so groB wie das Tagewerk eines Bauern, — ein Stiick, das fiir ewige Zeiten den Namen des Spanders tragert wird, — ein Stiick, an das sich andere reihen werden in unermeBlicher Zahf." Allein so sehr auch der Gedanke einer solehen Spende fiir den ureigensten Zweck des J. N. F., den Erwerb von Land in Erez Israel zum ewigen Besitz des jiid. Volkes und zum Zwecke der Bebauung durch iiidische Hånde, der Kolonisierung liidischer Landarbeiter, dem allgemeinen Wunsche in allen zionistischen und chowewezionistischen Kreisen entsprach, die Landesspende fand wenig Anklang; die ejnlaufenden Betråge waren unbedeutend. , Erst 1916 erhielt sie einen neuen Schwung. Dr. Zipper proponierte eine Sammlung unter dem Namen „K r i egslandspende" zum Ankauf von Land in Palåstina, auf dem nach dem Kriege judische Kriegsopfer aus Østeuropa in Erbpacht angesiedelt werden sollten. Noch Jetzt wird diese Sammlung unter Be?eichnung „Øunamspende" fortgefiihrt. An Aktulitåt hat sie nichts eingebiifit, im Gegenteil; dringender als ie erscheint sie, denn ins Ungeheure wåchst die Zahl unserer Brflder, die ihre Existenz verloren haben, die nicht mehr imstande sind, sich in ih ren bisher igen Berufen zu erhalten und die die kommende Neugestaltung wirtschaftlich noch entwurzeln wird. Besonders in den ostlichen Låndern, wo auch das furchtbare Wiiten des Pogromteufels noch nicht aufgehbrt hat. Ein betråchtlicher Teil der jiidischen gassen wird in der Auswanderung sein Heil suchén milssen. Von einer Ansiedlung in Palåstina erwarten sie Erlosung aus der Not. Nicht daB in Erez Israel Leid und Miihe fiir das iiidische Individuum ganz aufgehort haben werden, aber ihre Wirkung wird eine andere sein. Die Leiden in der Diaspora erniedrigen den Juden und das jiidische Volk; die Leiden auf dem geschichtlichen Mutterboden werden veredelnd und stårkend wirkeu. l,m Galut fiihren die Leiden zum physischen und moralischen Tod, in der Heimat aber zu neuem, frischem Leben. In der Zerstreuung fiihren die Leiden und Miihen zum Renegatentum, daheim zum Heldentum. Mehr als durch alle noch so gut gemeinten Wohltåtigkeitsbestrebungen wird geleistet, wenn m6glichst vielen unserer Entwurzelten in Palåstina die Grundlage zu einem neuen Leben geschaffen wird, zu einer auf gesunder Arbeit in Feid und Garten beruhender Existenz im Lande der Våter, das nle aufgehdrt hat, das Ziel jiidischer Sehnsucht zu sein. Fiir lede Spende vou 50 Frcs. kann der J. N, F, ein Dunam (V« ha — 920 m*) Land erwerben. Auf den auf solche Art erworbenen Lgndereien sollen' Ansiedlerfamilien dorferweise zu Hundertschaften zusammengeschlqssen werden. Eng verkntipft mit der „Dunamspende" ist ein anderer Zweig des J. N. F.: die N a c h 1 a li-S p e nde. Nachlah d. h. Erbteil; lede Spende soli einer jiidischen Familie zu einem Erbteil im Lande der Vater verhelfén. Es kann sich also hier nicht um kleine Betråge handeln und die Mindesthohe einer Nachlahspbnde wufde auch mit 5000 Frcs. festgesetzt. Der J. N. F. soli durch diesen Fond-in die Lage versetzt werden grOBere Landgebiete zu erwerben, die er — abgesehen von den notwendigen Adaptierungsarbeiten — nicht selbst bewirtschaften, sondern jfidischen — proletarischen und nichtproletarischen — Siedlern in Erbpacht ilberlassen soli. Es ist klar, daB die Einkiinfte des J. N. F. vervielfacht werden miissen, damit er imstande sein soil allen jiidischen Besitzern, die den festen Willen haben sich in Erez-Israel als Landarbeiter niederzulassen, Land in Erbpacht zu tibergeben. Und1 er muB es tun kdnnen, wenn es eine nationale Kolonisation in Palåstina geben soli, daB heiflt, wenn der Boden nicht nur rechtlich jftdisches Eigentum, sondern auch tatsåchllch jiidischer Besitz sein soli, indem er durch iiidische Hånde bearbeitet wird. Neben der Schaffung von Bauernwirtschaften fiir selbstarbeitende Klein- und Mittelbauern muB nåmlich in utnfangreicher Weise auf die SeBhaftmachung. der Jiidischen Landarbeiter Rticksicht genommen und diesen Jiidischen Landarbeitern die M5glichkeit des wirtschaftlichen Aufstieges gewåhrt werden, es muB ihnen Gelegenheit gegeben werden, sich selbfer zu Håuslern und zu Kleinbauern zu entwlckeln, beziehungsw’eise zu Siedlungsgenossenschaften auf J. N. F.-Boden zusammenzuschlieBen. Personalnachrichten. Dr. O. Thons 50. Geburtstag. Einer der bekanntesten Vorkåmpfer fiir das nationale Judentum, Dr. O sias Thon, feierte vor einigen Tagen seinen fiinfzigsten Geburtstag. Thon ist ein gebtirtiger Lemberger. Er absolvierte das dortige Gymnasium und bezog die Universitåt Berlin, wo er Philosophie studierte und zum Doktor promoviert wurde. Schon in friiher Jugend bekannte sich Thon zupi Jiidischen Nationalismus und legte in Berlin im Umgang mit seinen galizischen Gesinnungsverwandten Dr. Ehrenpreis, Berdyczewsky, Dr. Braude und anderen den Grund fiir seine jiidische Anschauung. Thon, welcher seit 22 Jahren die Stelle eines Rabbiners in Krakau bekleidet, kandidierte im Jahre 1907 ins osterreichische Parlament, unterlag jedoch. Im vorigen Jahre entsandten ihn die Jiidischen Wåhler von Krakau in den polnisehen Reichstag, wo er unermiidlich zur Wahrung der jiidischen Interessen tåtig ist.. Dr. Thon, welcher eine reiche judische und allgemeine Bildung mit einer glånzenden Rednergabe vereinigt, ist eine der beliebtesten und glånzendsten Personlichkeiten des ostlichen Judentums. Stets findet man ihn ih den ersten Reihen, wo immer es gilt, får dip judische Ehre und Wiirde einzutreten und die jiidischen Interessen zu schiitzen. Dr. Thon hat auch eine rege literarisghe Tåtigkeit entfaltet, er ist ein ausgezeictineter Stilist, hat ein feines Gefiihl fiir literarische Werte,* seine klare Logik vereinigt sich mit einer wohltuenden menschlichen Wårme. Er schrieb unter anderem: „Die Grundprinzipien der Kantschen Moralphilosophie in ihrer Entwicklung“, „Chasdai Kreskas, sein Leben und seine Weltanschauung“ und iibersetzte Herbert Spencers „Soziologische Essays" ins Hebråische. AuBerdem hat er verschiedene wertvolle Beitråge im „HaschiloachM, der „Hazefirah" und der „Well" beigesteuert. Thons zahlreiche Freunde, die Zionisten in den verschjedenen Ldndern und namejitllch die breiten ostjiidischen Massen, die ihm so vieles danken, vereinigen sich am heutigen Tage in den aufrichtigsten Wiinschen zu Thons filnfzigstem Geburtstag, der ihn in der Fiille seines Schaffens antriift. Presseschau. Zur Sitzung des GroBen A. C. schreibt Adolf B6hm in der „W. M. Z." vom 3. Mårz: Es ist klar, daB fiir die Aufbringung grofier Mittel vor allem Amerika in Betracht kommt. Es war deshalb sehr zu betjauern, daB die amerikanische Føderation nicht ihre Vertreter zur Sitzung schicken "komite* Eine Aussprache mit ihnen wåre auBerordentlich wichtig gewesen. Der Faktor „Amerika" spielt heute in der zionistischen Organisation eine sehr groøe Rolle, fiber deren Art die ^einangeo stark auseinander gingen. Der åmerikanische Zionismus ist noch lungen Datums und man kann nicht erwarten, daB er, spe2iell in dem politischen Milieu Amerikas, schon jene Stufe der durchgångigen Na* tionalisierung seiner Anhanger erklommen hatte, wie edr europåische. Speziell einige Fiihrer scheinen noch in der in Europa långst iiberwundenen ideolol gischen Zweiteilung zwischen Palåstina und Galuthjudentum befangen zu sein. Eine solche Auffassung neglert die nationale Einheit des Judentums als Grundlage der zionistischen Politik. Natiirlich lieBe sich ein soleher Standpunkt gegeniiber der Macht der Tatsachen nicht aufrechterhalten, und die jiidischen Massen in Amerika, die la aus dem Osten gekommen sind, teilen ihn sicher nicht. Es ist deshalb von den Teilnehmern der Sitzung gegen die Neigung der Exekutive, Jenem Standpunkt aus Riicksicht auf die Aufbringung der groBen Mittel allzusehr Rechnung zu tragen, Steliung genommen worden. Die zionistische Aktivitåt konne nicht auf Palåstina beschrånkt werden. Die Vorbereitungsarbeiten in der Galuth muB sie in den Bereich ihrer Tåtigkeit ziehen. Dazu gehoren nicht nur die Fragen der Liquidierung, die Organisierung und Schuiung der Auswanderer, sondern auch die nationale Erziehung, die erst wirklich ein einheitliches Judentum schafft, und die politischen Sicherungen fttr die Judenschaft des Galuth, sich national und zionistisch entwickeln zu konnen. In diesen Punkten waren die Vertreter der jtidischeif Massen vollkommen einig und sie haben mit Nachdruck ihren Standpunkt gegeniiber den Neigungen, Palåstina isoliert zu behandeln, vertreten. Die Jahreskonferenz, die anfangs Juli unter Teilnahme der amerikanischen Delegierten stattfinden wird, wird endgiiltig die Richtlienien’ der Politik der zionistischen Exekutive bestimmen. . Korrespondenzen. Ung.-Brod. Am 3. d. veranstaltete der „Techeleth-Lavan" einen Purim-Abend. Junge Mådehen im Alter von 10—15 Jahren haben 2 Stttcke „Josef und seine BrUder" und „Ein Purim am Hofe des Emirs von Dingsda" aufgefilhrt. Die Aufffihrung fand in der Z a 1 o i n a statt und es zeugt von dem guten Einvernehmen mit der dechischen Bevblkerung, daB es gestattet wurde, deutsch zu spielen. AIs erster Programmpunkt war eine kurze dechische Ansprache von Fri. Else Lamberg. Herr Jakob S. Schon, als Obmann des Volksrates, sprach iiber die Bedeutung des Purimfestes deutsch nnd dechisch, um zu beweisen, daB auch die Orthodoxie mit Zionisten arbeiten kann, wenn es sich um alte jiidische Bråuche handelt. Es war wirklich staunenswert, wie das lOjåhrige Kind, Rudi Rosenberg, die ganze Geschichte von den 10 Plagen rezitlerte. Sonst seien zu erwåhnen Elly S c h 6 n als Josef, Jenny L 6wy als Vastl, Hilda Lamberg als Esther; Hedy Sonnenfeldals Pharao, Haman EdithSchon, Gerta Bock als Mundschenk. Siegfried Low y aus Schanow als Ahasver. Ein Reigen unter der Leitung des Fri. Erna Schon wurde aufgefiihrt von Fri. Else Rosenfeld, Klara Blitz, Hilde Lamberg und Jenny L5wy. Wåhrend der Pause wurde eine Torte mit einem Zionsstern von Fri. Erna Schon gespendet vom Herrn Max GroB zu Gunsten des J. N. F. versteigert. Die Torte erstand fiir K 600.— Herr Ignatz F u c h s. Ignatz Schon, als Obmannstellvertreter der „HJtikwah" dankte dem „Techeleth- Lavan" fiir das Gelingen des Festes. Regisseur der Theaterstiicke war H. Erwin K a t o n a. Als beson- ' deres Merkmal sei zu bezeichnen, daB såmtliche Assimilanten durch ihre Abweseitheit glånzten. H6chstwahrscheinlich war ihnen das Lokal die „Zaloina" zu wenig deutsch. Diese Herren bleiben sich iiberall gleich. Reingewinn betrug K 1500.—. Piestany. Der hiesige Zionistische Frauen- und Mådchenverein „Judith" veranstaltete am 4. d. in dem in*Blau-WeiB herrlich geschmiickten, bis auf das letzte Plåtzchen dicht besetzten Festsaal des Hotel Royal einen Konzert-Kabaretabend. Fri. Else Rosner hielt eine meisterhaft vorgetragene, vom echt jlidischen Geist in den anderen Piecen fast vollig verdie Bedeutung des Purimfestes fur das Judentum in der Galuth erQrterte. Leider haben wir diesen iiidischen Geist in den anderen Piecen faflt vollig vermiBt, indem aufler den herrlichen Violinvortrågen des Herrn Dr. Josef Feuer faBt nichts jiidisches vorgetragen wurde, im Gegenteil, die Prager Judenschaft wurde seitens des direkt aus Prag fiir diesen Abend hierKer versehriebenen Komikers H. Hofer vom

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