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Jüdische Volksstimme · 1920-03-11 · Heft 11 (11.3.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 11 (11.3.1920)
Date
1920-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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•Jømcm f OW98T1MME/ Nr. 41. Wtf sind an* der (Mltreu, di* tm m u. Mire d, J. drohen, voila tåndig bewuøt. Von laooo Juden verden an dieaetn Tage blofl 1475, mithln bloft 14*/* Prozent zur Wahlurne schreiten dørfen und unter diesen 1475 befindiet sich eine stattliche Za'nl derer, die uns mit ihrem gløhendsten Hasse beehren und es verstehen, før ihre Wahlzwecke bestehende wirtschaftliche Abhøngigkeitsverhøitnisse in ausgiebig* ster Weise auszuniitzen. Und in diesem KraftbewuBtsein finden es diese Herren nicht einmal der Mtihe fOr wert, .sich Qffentlich um das Vertråuen ihrer Wåhler zu bewerben. sondern sie schicken ihre Kreaturen zu den von ihnen wirtschaftlich abhlnglgen Existenzen, um sich ihre Stiminen unter Abnahme des Ehrenwortes før den Wahltag zu sichern. Oleichwohl sind wir nicht kleinmøtig. Auf der einen Seite der Geldsack, eln zusammenhangloser Haufen ohne jedwede innere Verbindung — auf der anderen Seite vir, infolge des reaktionlrsten Wahlrechtes wohl schwach an der Zahl, aber jeder Einzelne von uns durchdrungen von dem Eriiste und der Heiligkeit der ihm obliegenden Pflicht, unser Augenmerk auf ein bestimmtes Ziel unabwendbar gerichtet und entschlossen, mit vollem Freimute ohne jedwede RØcksichtnahme før seine Ueberzeugung einzustehen. Juden! Erscheinet vollzøhlig am 14. Mørz d. J. bei der Wahlurne und entscheidet zu unseren Gunsten! Dr. A. F. Dis Arbeit im Golus. J. K. B. (London.) Dr. Leo Motzkihs Referat bei der Sitzung des Groøen Aktions-Komitees. Eines der interessantesten Referate bei der Sitzung hielt Dr. Leo Motzkin, „iiber die TØtigkeit der iUdischeti Friedensdelegation." Dr. Motzkin ftihrt den Qedanken aus, ’daB sich die Zionisten mit ihrer ganzen Kraft mit der Gegenwartsarbeit der Galuth beschlftigen miissen, tøur wøre die Frage offen, wer eigentlich diese Arbeit zu Ubernehmen hitte: die einzelnen Zionisten, die zionistischen Landesorganisationen oder die Zentralorganisation. Die Notwendigkeit, dieser Arbeit hitten jetzt schon wenigstens die Zionisten Mitteleuropas begriffen, und darob gebe es nicht mehr verschiedene Meinungen. Die Forderungen der zionistischen Organisationen der einzelnen Linder haben sich in den Beschløssen der Londoner zionistischen Konférenz im Februar-Mårz 1919 abgespiégelt. Dort wurden Fundamentalbeschliisse in Hinsicht der Gegenwartsarbeit gefaøt. Insbesondere wegen Forderung der biirgerlichen und nationalen Rechte. Die zionistische Konferenz hat damals 2 Vertreter gewåhlt, die zusammen mit ejen Nationalriten und der' Delegation des jiidischen, amerikanischen Kongresses, das „Koinitee der jiidischén Delegation“ gebildet haben. Der Referent sagt, es wire ein groBes Verdienst der zionistischen Konferenz in London gewesen, daB ihre Beschlusse zur Plattform geworden sind, auf der sich die einzelnen Delegationen vereinigt hitten. An der Arbeit des Komitees hatten regen Anteil genommen: die Delegationen von Amerika, Erez- Israel, ZentralruBland, Ukraine, Bukowina, Kaukasus, Rumlnien, Polen, Ostgalizien, Cechoslovakei, Jugoslavien, Siebenbiirgen, Italien und die Tilrkei. Der Referent ftthrt weiters aus, daB man daran geht, einen „Waad haarazoth" zu grUnden, der die Recbte, welche die Frledenskonferenz den Juden zugesprochen hat, erweltern und schiitzen soli. Endlich wønscht Dr. Motzkin, die schnelle Einberufung einer Welthilfskonferenz und beendet sein Referat mit den Worten: „Der Geist, der in dem Koinitee der Delegation herrscht, ist derselbe wle der im Zionistnus. Um Palastlna zu errelcUeu, muø daB liidlsche Volk derart erzogen werden, daB Paløstlua lUdlsch gemacht wird.“ An der Debatte beteiligen sich die Herren: Ing. Strleker, Dr. Klee. Podlischeffsky driickt im Namen des polnischen zionistischen Zentralkomitees der jiidischén Delegation den wørmsten Dank fur die tmermildliche Arbeit aus. Daraufoin wurden folgende Resolutionen Dr. Mo tzki ns einstimmig angenommen: 1. Das Aktionskomitee begrilBt den BeschluB der Londoner zionistischen Konferenz von Februar-MIrz 1919, nach Paris eine Delegation zu entsenden, die mit den anderen Kfirperschaften bis zum FriedensschluØ arbeiten soli. 2. Das A. C. anerkeont die biaherig* Tfetigkefl der „Delegation**, insbesondere die Abmachungen mit Polen, Rumlnien, Jugoslavien und die Deklaration der littauischen Regierung. 3. Das A. C. nimmt mit Befriedigung die Tatsache entgegen, daB sich die „Delegation" den Forderungen der zionistischen Organisationen bezttglich Pailstinas angeschlossen hat. 4. Das A. C. fordert die zionistischen Federationen auf, darauf zu sehen, dafi dér „Waad haarazoth" zustande komme. Das A. C. steht auf dem Standpunkt, daB dfese KSrperschaft aufgebaut sei auf demokratlschem Wahlrecht, und bestimmt sei, zum Schutze der nationalen Aufgaben im Golus. 5. Das A. C. begriiBt mit Sympathie die ldee der Einbkrufung einer Welthilfskonferenz. RUNDSCHAU. ner I. liidlsche Frauentag in Prag. Bei dem ungeheuren Komplex von Fragen, vor welchen die neue Stellung die Frau und ganz besondérs die j U d i s ch e Frau gestellt hat, tauchte im, Sffentlichen Leben schon wiederholt der Gedanke éiner Zusammenkunft von jiidischén Frauen aus allen Teilen der Cechoslovakei auf, um Gelegenheit zu einer Besprechung dieser Fragen zu geben. Der Verband jildischer Frauen im dechoslovakischen Staate in Prag und die Jødische Frauenorganisation fur Mlhren in B;ønn hat nun in dieser Sache die Initiative ergriffen und før den 13. und 14. Mlrz $amtliche Frauenorganisationen und Frauenvereine zu der ersten' jUdischen Frauentagung nach Prag eingeladen. Mit Røcksicht auf die auBerordentliche Wichtigkeit dieser Takling ist vorauszusehen, daB sie gut beschickt sein wird, und d^B sich atich die Frauen aus entfernter gelegenen Orten nicht durch die Reiseschwierigkeiten abhalten lassen werden. Es handelt sich nicht darum, nur in irgendeiner bestimm-, ten Richtung EinfluB auszuøben, sondern darum, alleFragen zu besprechen, die die jødische Frau irgendwie betreffen. Bei der Auswahl der Referate wurde in diesem Sinne vorgegangen; aber ebenso wiohtig, wle die Referate, werden die Anregungen sein, die von Frauen gegeben werden, welche durch ihre bisherige Tltigkeit und ihr Interesse før irgend-' eine die jødische Frau betreffende Sache in der Lage sind, wertvolles Material und wertvolle Vorschllge vorzubringen. Hiezu wird bel der Debatte Gelegenheit gegében werden und es ist sehr zu wunschen, daB eine Einigung bezøglihc der Richtlinien herbeigeføhrt werde, die speziell før soziale und kulturelle Arbeit gelten sollen. Jeder Antrag ist willkommfen. . Von ganz besonderem Interesse ist das Referat, das die bekannte Vorklmpferin jødischer Frauenarbeit und Grønderin des -Jiidischon Frauenbundes in Deutschland, Frln. Bertha Pappenhe.im aus Frankfurt am Main øber „Jødische soziale Frauenarbeit" halten wird. Der Frauenverband in Prag und die Frauenorganisation in Brønn werden øber ihre bisherige TØtigkeit, seit ihrer Grøndung im Anfange des Jahres 1919, Bericht erstatten. Es braucht nicht darauf hingewiesen zu werden, daB bei den ersten Schritten zu einer Organisierung von Frauen eines ganzen Staates ungeheuere Schwierigkeiten auftauchen, die høufig Enttøuschung und Mutlosigkeit im Gefolge hatten. Die beiden Verbønde haben jedo:h den Kampf nicht aufgegeben und konnen jetzt auf gewisse positive Leistungen zuriickschauen, die sie im Hinblick auf die groBe Arbeit, die noch zu leisten ist, gewiB nicht mit Genugtuung, immerhin jedoch mit tøoffnung fur die Zukunft erføllen. Før eine ersprieflliche Zukunftsarbeit ist vor allem der AnschluB sømtlicher Frauenorganisationen und Frauenvereine an die beiden Verbønde, ein enger ZusåmmenschluB der beiden letzteren und Grundung von Ortsgruppen in Orten notwendig, wo keine Frauenorganisationen bestehen. Die Tagung zerfållt in drei Teile: in die Eroffnung am Samstag, den 13. Mørz um 8 Uhr abgnds, bei der auBer Frøulein Pappenheim aus Frankfurt auch die Prøsidentin des Brunner Verbandes, Frau Ernestine Rotter und Frau Irma Pollak, P^ag, sprechen werden. Von besonderem Interesse ist auch, daB eine* Dame der Amerikanischen Kinderhilfsaktion, Miss Dorothy Gerberding, sich bereit erklørt hat, am Erbffnungsabende øber ihre Erfahrungen hinsichtlich sozialer Arbeit zu sprechen. Am Sonntag, den 14. Mørz, um 9.30 vormittags, findet die Arbeitssitzung mit den Arbeitsberichten, Vorschløgen und der Debatte statt, W« Mtzimf« werd«* fm Jfldtsehen R«thause abgehalten. Um auch Gelegenheit zu zwangloser Aussprache zu bieten, werden alle Delegierte und Gøste zu einern Five o’clock Tea geladen, der anschlieBend an die Arbeitssitzung Sonntag nachmittags stattfindet. Weltkonferenz der Hapoel Hazalr. Das Vorbereitungskomitee der Weltkonferenz des Hapoel Hazair in Prag fordert neuerlich die Organisationen des Hapoel Hazair und der Zeire Zion in allen Løndern auf, sofort dem Børo der Konferenz (p. Adr. Zionistisches BU ro, Prag IL Rfiiova 24) die Zeit und mutmaBliche Ankunft ihrer Delegierten zu telegrafiercn und das Børo støndig øber die Vorbereitungen, Abreise der Delegatierten etc. am Laufenden zu halten. — Insbesondere ist dem Børo unverzøglich dfer genaue Stand der PaBbewilligungen fur .die Delegierten mitzunehmen, damit das Biiro in der Lage ist bei eventuellen Pafischwierigkeitén sofort intervenieren zu konnen. AuBerdem werden alle G øs te aufmerksam gemacht, sich spøtestens bis 12. Mørz zu melden, soferne sie auf Wohnungszuweisung und Eintrittskarten flir die Konferenz reflektieren. Heraus mit Namen und Bewei&en! Der „Hammer" des Herrn Theodor Fritsch beschøftigt sich in seiner Nummer vom 15, Jlnner mit der amtlichen Umfrage, die der Erste Staatsanwalt beim Landgericht I in Berlin behufs Feststellung der Vereine und Personen veranstaltet hat, die sich an der Verbreitung antisemitischer Flugbløtter beteiligt haben. In dem Artikel heiBt es: „Wer will bestreiten, daB es vorwiegend Juden waren, die bei Ausbruch des Krieges die Warenvorrate und die Heereslieferungen an sich zu rqiBen suchten und durch wucherische Preistreibereien die Gesamtheit benachteiligten? Ist der schamlose Schieber- und Kettenhandel, der unser Volk um Milliarden betrogen, nicht zum weitaus groBten Teil eine Frucht jiidischer Machenschaften? Unzlhlige Beweisstiicke liegen dafør vor, daB die von Juden begrøndeten und geleiteten Kriegsgeséllschaften nicht die ihnen zugewiesene Aufgabe erføllten, die gerechte Warenverteilung im Lande, zu sichern und unnotige Verteuerung zu verhøten, daB sie im Gegenteil den Warenumlauf hemmten, durch Aufkøuferei die Préise iibermøBig steigerten, durch unsinniges Umheriahren der Vorrate diese verteuerten und viel Nahrungsmittel dem Verderben preisgaben. Ja, wir haben die Ueberzeugung gewonnen. daB die Leiter gewisser Kriegsgesellschaften im Interesse unserer Feinde darauf bedacht waren, das deutsche Wirtschaftsleben wøhrend des .Krieges zu hemmen und zu zerstoren und an der Aushungerung des deutschen Volkes behilflich zu sein. Wir sind bereit, erschopfende Belegstiicke dafiir zu erbringen. Es besteht heute kein Zweifel mehr, daB ein grofier Teil unserer Juden mit seinen Sympathien auf seiten unserer Feinde steht und mit allen Mitteln den deutschen Sieg zu verhindern strebte. Ja, wir beschuldigen einfluBreiche Juden in hervorragenden Stellungen durch Begunstigung der Feinde. Landesverrat veriibt zu haben. Sie leisteten Kundschafte'*- dienste fur, den Feind, entzogen unserem Lande Geld und Waren, vor allem aber benutzten sie die in ihren Hånden befindlichen Zeitungen dazu, unser Volk zu verwirren und zu entmutigen, seinen Siegeswillen zu brechen." Antlsemitische Heldentaten und „Frankischer Kurier". Am 20. Feber abends wollte der Bund „Neues Vaterland" in Charlottenhurg eine Versammlung veranstalten, in der Exzellejiz v. Gerlach øber die Auslieferungsfrage sprechen wollte. Unter den Zuhorern befanden sich eine groBe Anzahl ehemaliger Baltikumkampfer, Offiziere in Zivil, Studenten und aus der Gefangenschaft zurøckgekehrte Soldaten. Kaum war die Versammlung durch den Vorsitzenden er- 6ffnet,' so setzte ein unglaublicher LØrm eln. Die Soldaten, die zum Teil mit Revolver und Seitengewehr bewaffnet waren, sturzten sich auf die Tribiine. Ein Soldat hielt eine Andprache, die in scharfen, personlichén Angriffen gegen Gerlach gipfelte. Dann forderte er seine Soldaten auf, die im Saal befindlichen Juden hinauszuwerfen. Darauf størzten sich die Soldaten und mehrere Zivilisten auf eipzelne Zuhdrer, verprøgelten sie und verwundeten einige nicht unerheblich durch Schløge und Messerstiche. Herr v. Gerlach selbst wurde zu Boden geworfen und mit FuBtritten behandelt. Er wurde sehwer verletzt in einer Droschke fortgeschafft. Die Mann-

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