Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 10 (4.3.1920)
- Date
- 1920-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NrJlO. jmmm votxmrnms Sent 3. erheben und auf ihm prangen, åls Trøsterin und Helferin fiir ihr Volk, das von Haman verraten und verschachert wurde. Das Weib im Judentume! Es hat eine hehre Aufgabe, es hat groBe Pflichten zu erfiillen. Nicht sich aufdrangend, nicht dem Flitter und Tand eines eitlen Weltgetriebes soli es nachjagen, sortdern Werken edler Menschlichkeit', wie eine Priesterin sich weihen, dent Armen und Hilflosén die stiitzende Hånd reichen, Thranen trocknen, betriibte Herzen trosten und krtiftigen, und insbesondere ein edles, fiihlendes Herz zeigen fur die Leiden unseres Volkes. Esther soli das weibliche Qegenbild Mardechais sein. Nennt mir ein Volk, in dem schon vor Jahrtausenden ein Dichter ein solch’ bohes Lied auf die wackere, edle Frau auf die „Escheth Chajil" angestimmt håtte, wie es unser Spruchdichter getan, dieser Dichterkonig, mag er nun Salomoh heiBen oder ein anderer gewesen sein. Griechen und Romer und Germanen singen und sagen von ihren edlen Frauen und Huldinnen, wir Juden konnen auf eine glånzende Reihe edler Frauengestalten hinweisen, nicht nur auf die, „welche schon waren vom Antlitz und von schoner Gestalt", sondern auch auf die, die von schoner Seele waren und wahrhaft starken Geistes, und, was mehr sagen will, edlen Herzens. Die ergliihten filr ihr Volk und sich filr dessen groBe Ziele und erhabene Zwecke opferten. Wie miissen wir spotten jener Judenfrauen unserer Zeit, die unter dem Hohngelachter unserer Gegner,, sich jenen anzubiedern trachten, die ja doch von ihnen nichts wissen wollen und mit veråchtlicher Gebarde sie von sich stoBen. Esther, welch’ ein Wahrzeichen fiir unsere jiidischen Frauen, die auf eine Alinenreihe sondergleichen, hinweisen konnen. Noch ist es nicht geschrieben das jiidische Frauenbuch, noch harrt es des Griffels unseres Geschichtsschreibers. Er wird im grauen Altertum anfangen miissen, wird rilstig fortschreiten bis zur Hasmonåerzeit, und dann wird sich vor ihm entrollen jene Zeit, da eine Beruria lebte und Akibas Gattin vor uns sich erhebt, die gelehrten Frauen des Mittelalters voriib.erziehen vor unserem Auge, dann die wackere Glfickel von Hameln erscheint, die ihr Leben im trauten Jiddisch- Deutsch sohildert und von ihrer Zeit erztihlt. Und dann die zahlreichen edlen Frauen unserer Zeit, die den Ruhm und die Ehre edlen Frauentums im Judentum ktinden. Auch filr Esther kam der gliickliche Loostag, der Purimtag, an dem sie mit ihrem „Omen", ihrem Nahrvater, triumphierte iiber die Tiieke Hamans. Edle, hehre Frauentugend, Heldenmut der Frau und geistige GroBe, sie begleiteten uns auf dem Dornenpfade unserer Geschichte. Und zwischen den Dornen erbliihten die Rosen und Lilien Sarons, und aus dem Dunkel leuchtete der Stem, der Stem der Frau — Esther. Purim, 5680. D r. M. G ru n f e 1 d. Die Sitzung des groBen zion. Aktionskomitees. Die vierte Sitzung. Die vierte Sitzung wurde Donnerstag, den 12. Feber nachmittags von Sokolovv eroffnet. Sokolow berichtete, daB soeben vom Zionistischen Bureau in Paris telegraphisch das Einfreffen eines Schreibens des franzosischen Ministerpråsidenten Millerand avisiert wird, welches folgenden Wortlaut hat: „Ich håbe von Ihrer mir freundlich gemachten Mitteilung vom 9. d., betreffend der Errichtung einer nationalen jiidischen Heimstatte in Paliistina Kenntnis genommen. Es bedarf keines Zweifels und es freut mich, Ihnen erneut das Interesse der franzosischen Regierung an diesem Werk im Ursprungslande Ihres mit so viel Widerstandskraft und Intellekt ausgestatteten Volkes zu versichern. Alles, was getan werden kann, um bei der Schaffung einer derartigen Organisation — unter Beriicksichtigung der gerechtfertigten Anspriiche und Interessen der in Ursprung und in Religion verschiedenen Volkerschaften, welche die Geschichte in Vorderasien vereinigt und vermischt hat — behilflich zu sein, wird die Unterstiitzung Frankreichs génieBen." Hierauf wurde die Fortsetzung der Generaldebatte durch Dr. Katzenelson eingeleitet. Er erkltirte, aus den Ausfiihrungen Dr. Weizmannsi vollkommene Beruhigung fiir die kiinftige Entwicklung der Arbeit geschopft zu haben. Josef Cowen, brachte kr^tische Bemerkungen zu den zionistischen For der ungen vor. Herr Dr. Daiches sprach als Vertreter der englischen Zionisten, welche die groBe Arbeit Dr. Weizmanns, Herrn Sokolows, speziell in England haben beobachten konnen. Er wendet sich hierauf gegen die Redeu, die als Opposition empfunden werden muBten. Er spricht der Leitung den Dank der englischen Zionisten aus, welche auf Grund der Erfolge Dr. Weizmanns und Sokolows zum ersten Mai die Zionistische Organisation Englands stark und bedeutend machen konnten. Hierauf sprach Herr Cicurel iiber die Entwicklung der zionistischen Arbeit in Aegypten, welche ebenfalls infolge des Einflusses Dr. Weizmanns eine auflerordnetliche Stårkung erfahren hat und speziell in finanzieller Hinsicht jetzt und fiir die Zukunft auflerordentliche Moglichkeiten bietet. Dr. Klee, der Vorsitzende der Zionistischen Vereini^ung fiir Deutschland, beschtiftigt sich in eingehenden Ausfiihrungen mit der Politik des AK., der er die volle Zustimmung der deutschen Zionisten ausdriickte. Die deutschen Zionisten wollten mit aller Kraft an der Errichtung des jiidischen nationalen Heims in Paltistina mitarbeiten. Er spricht von den Fortschritten der Bewegung auch in Deutschland, der Jugendpropaganda und ihren Erfolgen und dem EinfluB, den der Zionismus im jiidischen Leben Deutschlands gewonnen hat. Er wiinscht, daB die Propaganda irr allem unter den intellektuellen und politischen fiihrenden Persdnlichkeiten eine Atmosphare der Sympathie fiir den Zionismus zu erwecken, fortgesetzt werde. Es ist notig, daB wir die offentliclie Meinung in allen- Ltindern auf unseTer Seite haben. Vielleicht miissen hiefiir besondere zionistische Aemter in den verschiedenen Ltindern geschaffen werden, die auch gleichzeitig die dauernde Fiihlung mit der Presse und den jiidischen Organisationen dieser Ltinder unterhalten und ausbauen. Zum SchluB seiner Ausfiihrungen bringt Dr. Klée folgende Resolution ein: Das GroBe A. C. spricht nach Anhbrung der Berichte der Herren Dr. Weizmann und Nahum Sokolow und nach erfolgter eitigehender Ausspracfte dem E. A. C. und insbesondere den Herren Dr. Weizmann und Nahum Sokolow angesichts der geleisteten hingebungsvollen und erfolgreichen Arbeit im Dienste des zionistischen Ideals sein ' uneingeschranktes Vertrauen aus und beauftragt das E. A. C. nach den gleichen politischen Richtlinien seine Arbeit fortzusetzen. Motzkin analysiert die ganze Wirksamkeit der letzten Jahre und meint unter anderem, daB die politischen Zionisten vom Schlage Marmorak—Jean Fischer in Bezug auf die Richtlinien, welche die Leitung in ihrer Politik zu befolgen håbe, mit ihren Prophezeiungen recht gehabt haben. Es ist jedoch leider zugleich festzustellen, daB diese VorauSsagungen von ihren Vertretern nicht iiberzeugend begriindet waren, ebenso daB sie nicht die Konsequenzen zur Vorbereitung entsprechehder politischer Beziehungen oder Machtfaktoren gezogen haben. Wenn wir das, was uns gegeben werden soli, des naheren in Betracht ziehen, so miisse er personlich folgendes sagen: Wir waren verpflichtet, unsere Maximalfordé^ rungen entschieden zu deklarieren, ohne Riicksicht darauf, oh diese Forderungen bereits jetzt ein positives Ergebnis erzielen werden. Das bezieht sich nur auf unsere Forderungen, nicht auf das Ergebnis. Stellt man sich ntimlich die Frage, ob die erreichten politischen Erfolge die Moglichkeit schaffen, in Zu> kunft unser Ziel zu erreichen, ein jiidisches Gemeinwesen in Paltistina zu schaffen, so muB diese Frage bejaht werden, so muB gesagt werden, daB der Weg gebahnt sei unter der Voraussetzung, daB heute alle zionistischen Kråfte geeint auf das gleiche Ziel hinarbeiten. Prof. Ornsfein erkltirte, daB die holltindischen Zionisten mit der Arbeit der Leitung durchaus einverstanden seien. Die holltindischen Zionisten haben die Wirkung dieser Arbeit auch als Sttirkung ihrer eigenen Arbeit in Holland empfunden und verwertet. Naiditsch wiederholte, daB die Leitung an ihrer ganzen Arbeit im engsten Einversttindnis mit den russischen Zionisten gearbeitet haben. Sie haben tatsachlich die Balfoursche Deklaration zum Siege des zionistischen Gedankens in RuBland ausgenutzt. Naiditsch spricht im Namen der zionistischen Organisationen RuBlands, dem E. A. K., den wtirmsten Dankt und uneingeschrånktes Vertrauen aus. Dr. Bemstein- Kogan erkltirt das gleiche im Namen der Zionisten BeBarabiens. Dr. Schmarjahu Lewin berichtet iiber die ungeheueren Fortschritte der zionistischen Organisation in Amerika, ihre unausldschbaren Verdienste um das zionistische Werk. Er beantragt, eine Dankesresolutlon (tir die amerikanischeti Zionisten.* Nicht der politische Zionismus, sondern der synthetische Ztontemrø ha« gwteff. Sk tst Uter itdffr« Von den amerikanischen Zionist«! zu vtfrlaftgetr, dif sie sich wenigstens mit zwei Vertretern an (ter ziotrtstischen Leitung und ebenso an der zionistischen Kommission beteiiigen. Herr Dr. Lewin bringt folgende Resolution ein: Das versatnnteite groBe A.4C. fordert die zionistische Organisation Amerikas auf, in die Exekutive und in die zionistische Kommission znmindest je zwei Vertreter zii erttsefldetr. Dte liinite Sitzung. Die ftinfte Sitzung begann Freitåg, den 13., vormittags. In der Sitzung waren als Vertreter der zionistischen Organisationen Bukowinas Herr Dr. Diamant, als Vertreter der zionistischen Organisation Skandinaviens Herr Berlis erschienen. Herr Kaptan wandte sich gegen die an den zionistischen Forderungen geiibte Kritik, indeni er darstellté, wie weit sie von prinzipiell unrichtigen Anschauungen ausgeht. Im Ubrigen hatte ein grotter Teil der féstzusetzenden Sicherheiten noch in die VeréinbarUrtgen zwischen den zionistischen Organisationen und der Mandatarmacht hineinfcommen miissen. Das wicfytigste sei aber, daB in den zionistischen Réihefr sfcfbst Klarheit iiber die Prinzipien herrsche, welche die eigene Arbeit bestirnmen. Dies glit vor alletti fiir die Ausgestaltung der Selbstverwaltung. Die zioifistische Arbeit muB nach dem sozialen Prinzip reguliert Werden. Die politische Arbeit darf nicht nur auf die Gewinnung,einzelner Klassen der Gesellschaft und der Staaten aufgebauf werden, sie muB sich vor allem um die Machte der Zukunft kilmmern. In Bezug auf die Araberfrage muB darauf gesehen werden, dåB die Aufrechterhaltung eines guten und sicheren Verhaitnisses zwischen dem jiidischen und dem arabischen Volk, zwischen diesen Faktoren selbst geregelt wird, weil das Eingreifen dritter Faktoren das Verhtiltnis auf die Dauer nicht erleichtert. Das jiidische Volk verlangt, daB mit der konkreten aufbauenden Arbeit begonnen wird. Wenn dies geschieht, wfrd alle Depression weichen und die Leitung kann der Mitarbeit und der Hilfe dés ganzen Volkes sicher sein. Herr Sprinzak betont, daB es nicht darauf'ahkommt, ob femand prophetische Einfållé gehabt hat, sondern daB die wichtige- Grundlage aHeb weitbren Entwicklung die Arbeit ist, welche1 aus Vertrtigen erst etwas Reales machen. Der Aufbaudes Landes darf nur nach den Grundstitzen gebaut wterdén,: dfe von jiidischen Gesichtspunkten diktiert sind; Wir dtirfen bei unserer Arbeit nicht Vergesseni daB sie im Orient geleistet wird. Die orientaljschen Volker, in deren Mitte wir unser Heim aufbauen, miissen wissen, daB wir nicht eine ihnen feindliche europtiischc Politik treiben1 wollen. Dr. Jacobsen wirft eifibn Rtickblick auf die Arbeit der jetzigeh Leitung, die die Verantwortung seit dem Jahre 1911 hat. Die VoHréreitungen fiir die groBe Arbeit der Gegenwart konnte sie eigentlich nur in der kurzen Zeitspanne zwiseftén 1911 und 1914 treffen. Wfihrefld-des Krieges håF sie die ungeheure Arbeit votlbracht, die Organisation und unser Werk in Paltistina intakt zu halten, so daB der Eintritt normaler Zeiten die Organisation wieder tatbereit und auBerordentlich gestftrkt findet; Dr. Jacobson betont, daB unsere Arbeit darauf gerichtet sein muB, das jiidische Gemeinwesen in Paltistina in Freiheit, Schdnheit und Gerechtigkeit aufzubauen. Benjamin Cohen dankt als Vertreter der amerikanischen Zionisten fiir die Wertschtitzung-und* Anerkeilnung, die von Dr. Weizmann und .Dr. Lewim und der ganzen Sitzung der Arbeit der amerikanisohfen' Zionisten zuteil geworden ist. Kann stellt fest, daB* es miBverstanden worden ist, wenn seiner frflheten Rede oppositionelle Tendene zugrunde gelegt wurde. Er untersttitzt die von Herrn Dr. Klee vorgeschhageiie Dank- und Vertrauensresolution. Goldberg schltigt vor, eine Finanzkommission zu wtihlen, welche1 tiber die Finanzinstitute berichten soli. Dr. Hantke schltigt vor , als diese Kommission die Direktoren und Aufsichtsrate des Jewish Colonial Trust eiiizusetzen. Die beiden* Åntrtige werden angenommem Mr. Abrahams erkltirt, daB dte siidafrikanisbhen Zionisten vollstes Vertrauen Dr. Weizmann und Herrn Sokolow entgegenbringeh. Jetzt sind nicht Worte, sondern Taten notwendig. Die ZukUflft liegt in der Hånd des jiidischen Volkes. Jean1 FiscHér erkltirt, daB keine durch bestimmte' Tendetizen geleltete Opposition vorhanden ist. Dr. Mferttførøk fåfit seine Einvvtinde nochmals zusammen und er> hofft, auf sie eine Antwort vom Dr. Weizmann. Dr. Halpern verweist darauf, daB die politische Arbeit nur mtiglich gewesen ist, weil einef jUdische Position in Paltistina schon* besteht. Mit Bezug auf dte AUswanderung wird groBe Vorsichtf notwendig1'sejm damit