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Jüdische Volksstimme · 1920-02-26 · Heft 9 (26.2.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 9 (26.2.1920)
Date
1920-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9. wltUNSCHB V0LKS8TIMME.' SdM S stanze Welt wird davon Nutzen haben. Er hege festes Zutrauen zum jiidischen Volke. daB es mehr als die heanspruchten 10 Millionen Dollars spenden werde. Nur in Palåstina werden die Juden wiedéraufleben konnen und den Feindett des jiid. Volkes beweisen, was sie in Wirklichkeit sind. Zum SchluB driickte Bryan seinen festen Qiauben aus, daB aucb die christiiche Welt dem jiid. Volk mithelfen werde, sein historisches Land wiederaufzubaueu. Er hoffe, noeh die Feier der Verwirkiichung des zion. Ideales zu crleben, das seiner Ansieht nach allen Volkcrn Gliick bringen wird. Voraussichtlicher baldiger Zusammentritt des ]iid. Kongressus in Amerika. Die Iebhafte Agitation fiir den baidigen Zusammentritt des jtidischen Kongresses in Amerika, war von Erfolg begleitet. Bekanntiich warcu bisher fiilirende Persdnlichkeietn des jiid. Kongresses, imter ihnen auch Julian Mack und Louis Marshall, gegeri den Zusammentritt des Kongresses vor der Unterfertigung des Frieder.svertrages clurch Amerika. Die von einer Rethe von Kongrefidelegicrten eingeleitete Bewegung, die Einberufung des Kongresses zu beschleunigen, (s. „J. P. Z.“ Nr. 76 u. 77) war von Erfolg begleitet. Der KongreB wird aller Wabrsclieinlichkeit nach spåtestens im April und zwar wahrscheinlich in Boston zusammentreten. Auf einer im Office von Mack abgehaltenen Beratung wurde nach langeren Debatten beschlossen, im Verlaufe der nåehsten zwei Wochenein Spezialmeeting einzuberufen, w^elches Zeit und Ort des Kongresses bestimmen soli. Es wird allgemein erwartet, daB Amerika in nicht allzuferner Zeit, allen Hindernissen zum Trotz, den Friedensvcrtrag imterfertigen diirfte, in welchem Falle der jiid. KongreB sofort nach der Unterfertigung einberufen werden soli. Falis es Jedoch nicht zur Uuterfertigung des Friedensvertrages kommen solitc, diirfte der KongreB nichtsdestoweniger nicht spater als im April zusammentreten. Zlonlstlsche Jugendbewegung In Amerika. Die zionistische Erziehung der jiidischen Jugend von Amerika umfaBt ein breites Programm padagogischer Tatigkeit. In den Vereinigten Staaten diirfte es schatzungsweise etwa 700.000 jiidische Kinder im Volksschulalter und zirka 500.000 junge Leute geben. Wahrend des Ietzten Jahres hat das Erziehungsdepartement der- Organisation sein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, die jungjiidische Bewegung zu entwickeln. Im Laufe des Jahres ist „Young Judea“ auf 716 Klubs gewachsen, mit einer totalen Mitgliederzahl von ungefahr 15.000 Knaben und Mådehen. Die Veroffentlichung hebråischer und palåstinensischer Lieder hat begonnen und finuet bsi den „Young Judeans" groBen Beifall. Im Laufe des Jahres ist ein „Klubbuch fiir Jiingere“ vom Erziebungsdepartement vorbereitet worden, das^ Vorschhige fiir Klubprogramme fiir Jede Woche im Jahre enthait. Die wichtigste Arbeit, Flihrer herauzuziehen, auszubilden und ihnen Direktiven zu geben, wurde Rabbi Eugen Kohn anvertraut. 16 Ausbildungsgruppen, die eine Gesamtzahl von 309 Schiilern umfasseu, waren in den verschiedenen Teilen des Landes in Funktion. Von der Vereinsleitung wurde diesen Gruppen ein Leitfaden mit den Grundsatzen der Jugendarbeit iibergeben. Es Iiefen 162 Gesuche um Erteiiung von Fiihrer-Zertifikaten ein und taglich werden neue Gesuche gestellt. Ein spezieller AusschuB von Examinatoren wurde gewahlt, der die Qualifikationen der Kandidaten prUft. „The Young Judea Leader", ein Monatsbulletin, wird regelmaBig herausgegeben und hat den Fiihrern wertvolle Dienste erwiesen. Das Monatsbulletin „Hamnahel" enthait Berichte und Ratschlage fiir Mitglieder und Leiter der hebraischen Jugendvereine. Die Gewohnheit, Wanderarhei'er (Field workers) zu senden, um „Young Judea"-Gruppen zu besuchen, ist als ein beståndiger Faktor in die Tatigkeit der „National-Judea“ aufgenommen worden. (W. M. Z.) Die Sitzung des groBen Aktionskomitees der zionist. Organisationen, Die vom Engeren Aktionskomitee einberufene Sitzung des GroBen Aktionskomitees wurde Mittwoch, den 11. Februar im Konferenzsaal des Zionistischen Zentralbtiros in London, 77, Great Ruessel Street, in feierlicher Weise durch Herrn Sokolow in einer hebråischen Ansprache erdffnet. in welcher Herr Sokolow der groBen Freude Ausdruck gab, daB nun zum ersten Mal seit Kriegsausbruch wieder eine Sitzung des OroBen Aktionskomitees zusammenberufen werden konnte, an der sich mit wenigen Aus* nahmen einiger durch personliche Umstande an der Teilnahme verhinderter Mitglieder des Aktions-Ko* mitees beteiligen konnen. In Worten tiefer Trauer und mit dem Ausdruck unauslbschbarer Dankbarkeit fiir ihre Mitarbeit nnd ihre Verdienste gedachte Herr Sokolow des Hinscheidens David Wolffsohns, Echiel Tschlenows, Dr. Heymanns und Adolf Stands. Herr Dr. Hante gab hierauf bekannt* daB aufler allen Mitgliedern des Engeren Aktionskomitees, den Herren Prof. Warburg, Dr. Weizmann, Nahum Sokolow, Dr. Lewin, Dr. Jacobson, Dr. Hantke, die nachfolgenden Mitglieder des Aktionskomitees schon in der ersten Sitzung anwesend seien: Dr. Bodenheimer, Jean Fischer, Dr. Friedemann, Boris Goldberg, A. Idelsohn, Jakobus Kann, Dr. Kiee, Dr. Marmorek, Leo Motzkin, J. A. Naidiksch, Abraham Podlischewski, J. A. Rosoff, Dr. Schbnfeld, anwesend seien.Die Herren Julius Simon und Ing. Robert Stricker wilrden in den nachsten Stunden eintreffen. Anwesend sind terner die Herren Dr. Max Nordau, Dr. Feiwel und Hermann Struck, wahrend die als; Fachmånncr fiir verschiedene Beratungsgegcnstande I cingeladene Herren Dr. Ruppin, Dr. Georg Halpern und Adolf Bohm fiir die nachsten Sitzungen erwartet werden. Der Jewish Colonial Trust ist durch Herrn Dr. Katzenerson, die Anglo Palestine Company, durch Herrn Josef Cowen, der Jiidische Nationalfonds durch i Herrn de Lierne vertreten. Herr Dr. Hantk§ begriiBt fenter in der Sitzung Frau Weizmann, Herrn Chilek Weizmann und den alten Freund der zionistischen Bewegung Rev. Hechler. Herr Dr. Hantke beantragte hierauf namens des Engeren Aktionskomitees, das Aktionskomitee moge die vom Engeren Aktions-Komitee ausgegangenen Einladungen sanktionieren, selbstverståndlich haben die Vertreter der einzelnen Federationen nicht das Stimmrecht. Hierauf wird ein Begriifiungstelegramm von Herrn Ussischkin aus Jerusalem verlesen, welcher mit seinen lierzlichsten GriiBen an die Sitzung die Ueberzeugting ausspricht, daB sie fruchtbar sein wird durch die Schaffung der fiir unsere Arbeit in Palåstina unentbehrlichen Mittel. Schon jetzt sei Platz fiir eine ausgede’nnte Tatigkeit auf allen Arbeitsgebieten des Jischuw. Dr. Weizmann ergreift das Wort zu einem politischen Bericht. Er stellte fest, daB in der allernachsten Zeit inlt der Erteiiung des Mandats zu rechnen i isf, dessen Prazisierung das Ergebnis eingehender wahrend der Ietzten Jahre ununterbrochen gepflogener Beratungen und Verliandlungen mit allen zionistischen Organisationen und Reprasentanten ist, welche zur Arbeit herangezogen werden konnten, aber auch das Ergebnis eingehender Verhandlungen mit den Vertretern der englischen Regierung, welche sich mit dem vorliegenden Mandatsentwurf einverstanden erklårt haben. Die wichtigste Frage, deren Erledigung noch in der Schwebe ist, ist abgesehen von dem Mandat an sich die Frage der Grenzen. Ueber dicse Frage sind von Seiten der Zionistischen Organisation Verhandlungen mit allen in Betracht kommenden Regierungen gepflogen worden, und es steht zu hoffen, daB das Resultat den Lebensnotwendigkeiten des Jiidischen Nationalheims und einer gesunden okonomischen Entwicklung des Landes entsprechen werden. Dr. Weizmann betonte insbesondere, daB die wider alles Erwarten ausgedehnte Uebergangszeit infolge der mit dem System der Okkupation verbundenen Folgen zu einer auBerordentlich schwierigen okonomischen Situation in Palåstina gefiihrt hat. Es ist aber in der Ietzten Zeit gelungen, die Administration in Palåstina zur Annahme bestimmter Plane zu gewinnen, welche schon jetzt, also vor der endgiiltigen Regelung der politischen Fragen, die fnangriffnahme eines ausgedehnten Wiederaufbauwerkes gestatten. Dadurch wird dem bisherigen unbefriedigenden Zustand ein Ende bereitet. Ein anderes Zeichen fiir die Wendung zum Besseren, die in dem Stagnierungsprozess eingetreten ist,' ist die Mission Herbert Samuels, deren grofie Bedeutung Herr Dr. Weizmann ausfuhrt. Die bisherigen Debatten. Das Grofie Aktionskomitee hat bisher die erste Hålfte der Tagesordnung erledigt. Es wurden die Debatten t iiber die allgemeine politische Lage im AnschiuB an die Referate Dr. Weizmanns und Sokolows fiber die Kolonisation in Palåstina (Referenten Ju- 1 bus Simon, Dr. Artur Ruppin und Boris Ooldberg) und Aber die Kulturfragen (Referenten Dr. Schemariahu Lewin und Dr. Weizmann) zu Ende gefiihrt. Sodann folgten die Berichte der Herren Hillei Zlatopolsky aber die Kulturarbeit in RuBland, Adolf B6hm fiber die Kulturarbeit in Oesterreich und Podlischewsky iiber die Kulturarbeit in Polen. Jiidische Massenversammlung. — Eine Rede Strickers. — Am 17. Feber fand In der Great Assembly Hall eine von mehreren tausend iiidischer Biirger besuchte Versammlung zu Ehren der in London anwesenden Flihrer des jiidischen Volkes statt. Den Vorsitz fiihrte Herr Sokolow. Er begrUBte unter groBem begeisterten Beifall die Repråsentanten der zionistischen Bewegung. In der Versammlung, die einen erhebenden Verlauf nahm, sprachen Dr. Bernstein-Kogan (Kischinew), Dr. Israel Caleh (Konstantinopel), Abrahams (Sudafrika), Sprinzak (Hapoel Hazair). Podlischewsky, Dr. Leo Nlotzkin, Dr. Weizmann, Dr. Schemarjahu Lewin, Dr. Alfred Klee (Berlin) und Abgeordneter Robert Stricker. Stricker ilberbrachte die Griifie des Wiener Judenttims, das, obwoht selbst in Not, die vor dem Krieg gefliichteten ostjudischen Briider bei sich aufgenommen und geschiitzt hat. Im Judentum Wiens hat sich der nationale Gedanke siegreich durchgesetzt, die bisherigen assimilatorischen Fiihrer wurden zum Verzicht auf ihre Stellung gezwungen. Das jiidische Volk in Wien trete fiir ein geschlossenes jiidisches Palåstina ein. Die Rede wurde mit sturmischen Ovationen fiir Stricker aufgenommen. (W. M. Z.) Jiidisches Kapital fiir christiiche Erneuerung. Die „christiiche Erneuerung Ungarns" flberschreibt die Miinchener „Post" einen Bericht iiber die Verhåltnisse in Ungarn, der dem christlichsozialen Blatte „Uj Nemzedel" entnommen ist. Ueber die vornehmste Budapester Gesellschaft, die absolut judenrein ist, schreibt das Parteiblatt in einem Bericht aus der Gesellschaft: „Die Gesellschaft war erstklassig. Frauen und Tochter der besten Oesellschaft waren da anwesend. Sie suchte ich, sagte ich zu mir, sie bilden die Grundlage der christlichen Erneuerung. Wessen ich aber hier ansichtig wurde — das zu beschreiben, fåilt mir wirklich schwer. Die Herren benahmen sich den Damen gegeniiber so unverschåmt, daB dem abgehårtetsten Ochsenziemer die Schamrote ins Gesicht steigen mufite. Ich wollte meinen Augen nicht glauben, als ich die einander kiissenden und beifienden Pårchen sah. Zu den E’-- rungenschaften der christlichen Erneuerung muB wohl auch die Gewohnheit gerechnet werden, daB die Damen mit den Herren imf die Wette saufen." Die „Post" fåhrt fort: „Diese Bande hå!t sich eine weifie Garde; die Gelder zu deren Unterhaltung werden vorwiegend von Juden abgepreBt. Die „Oedenburger Zeitung" vom 14. Jånrer enthålt folgende Liste der Spender: Mattersdor r israelitische Kultusgemeinde 12.000 K, Romiscl« '-.atholisches Pfarramt Biick 1844 K, Laenbacher isr elitische Kultusgemeinde 981 K, Romisch-katholisch Pfarramt RuBt 460 K, Romisch-katholisches Pfarramt Warrasdorf 400 K, Cscpreger israelitische Kultusgemeinde 297 K, Romisch-katholisches Pfarramt Lutzmannsburg 120 Kronen, Romisch-katholisches Pfarramt Hagertdorf 70 K, Romisch-katholisches Pfarramt Oszlip 50 K, Sammlung der israelitischen Kultusgemeinde (offenbar Oedenburg) 99.000 K. Woher kommt deise Geberlaune der ungarischen Juden, deren Leistungen, wie man sieht, die der katholischen Pfarråmter wei* iibertreffen? Nur zwei Antworten sind moglich: Entweder ist sie eine ungekiinstelte aus dem Herzen kommende, und dann ist die ganze Geschichte von‘ der christlichen Wiedergeburt Ungarns, die unsere Christlich-sozialen auftischen, ein blofier Schwindel, oder die judische Freigebigkeit ist das Werk von Erpressungen, und ein Regime, das sich auf diese Weise erhielte, wåre damit schon verurteilt. Wir wissen nicht, welche Autwort zutrifft, aber jedenfalls konnte man nach der einen Kostprobe das eine sagen, daB die Restauration in Ungarn eine kostbare Restauration ist. Die „christiiche Erneuerung Ungarns ist eine abgriindig gemeine Heuchelei." Hilben wie drtiben, bei den Antisemiten ist es iiberall gleich. Auch unserer Deutschnationalen Volkspartei ist das jiidisches Geld stets wiltkommen.

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