Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1920)
- Date
- 1920-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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8**4 jmmcm volksstimm^ Nr. §. rer Zeit ausgruben? Wfr glåuben nicht. Die soziali* stischen Einrichtungen, auf die wir in unse rer Demokratie so stolz sind, waren allerdings nicht immer nach dem Sinne unserer Geldgewaitigen und Herrschenden. Die alten Lehrer jedoch, wie wir aus unserem Responsum ersehen, mågen sie im Aitertum gelebt und gewirkt, oder im Mittelalter und in den folgenden Jahrhunderten gelehrt haben, sie alle lehrten und entschieden im Geiste der Thorah, im Geiste Jener demokratischen Lehre, die Gereclitig« keit und Oleichheit vor dem Gesetze fiir jedermann schon damals verlangte, als selbst in den demokratischen Republiken Griechenlands der Fremde als parbar bezeichnet und als soleher behandelt wurde. Zeigen wir Juden uns der Demokratie wiirdig; wilrdig, Nachkommen zu heifien unserer groBen, leider wenig gekannten Lehrer, die, in ihrer Schlichtheit, Lehren verkilndeten in der Vergangenheit, deren wir uns, als bewuBte Juden, nicht zu schåmen haben in der Gegenwart. Zitm 7. Adar, Moses’ GeburtSr und Sterbetag. „MOSCHEH RABBENtI“. Unser Lehrer Moses. Wer kennt den groBen Lehrer nicht, Den „Vater der Propheten"? Hell glånzt seiner Thora Licht, In deren Sprach’ wir beten. Der „Diener Gottes'* schrieb das Wort, Das uns der Herr gegeben, Wir trugen’s mit von Ort zu Ort, Es gibt uns ew’ges Leben. Moritz Antscherl-Wien. RUNDSCHAU. Anerkennung der Juden als Nation. Dr. KrejSf (cechischer Sozialist) berichtet iibei eine Petition namens des KulturaUsschusses. Der KongreB der jiidischen Volks- und Mittelschullehre* welcher im Jånner vorigen Jahres in CJImfltz stattfand, richtete an das Pråsidium der Nationalversammlung ein Telegramm, worin er ersucht, die Bestrebungen des jiidischen Volkes betreffend die Verwirklichung der Rechte auf eigene Schulen zu unterstiitzen. Der Berichterstatter erinnert daran, daB die Rechte der nationalen Minderheiten im St.- Germainer Vertrag ausgesprochen und dem Schutze des Volkerbundes anvertraut wurden. Damit sei gleichzeitig unser Rechtsverhåltnis zu den Juden auch vom Nationalitåtenstandpunkt bestimmt und wir haben da die Losung unserer speziellen Sechischjiidischen Frage formuliert. Bei dieser Frage handelt es sich nicht nur bei uns, sondern auch anderswo hauptsåchlich darum, ob die Juden ein eigenes Volk sind, oder in ihrer Assimilation soweit gegangen sind, daB sie mit dem Volke, in dessen Staate sie leben, eins geworden sind. Diese Entscheidung fåilt der Wissenschaft zu. In der Politik muB aber sofort entschieden werden und da ist mit der T^tsache zu rechnen, daB es da Biirger gibt, die sicli zum jiidischen Volke bekennen und daB sie ein Recht auf Anerkennung ihrer Nationalitåt besitzen, die ihnen in einer ganzen Reihe von Staaten zuteil geworden ist. Diese Anerkennung ergibt sich aus dem Prinzip, daB jeder Mensch iiber die Angehorigkeit zu einer Nation selbst entscheidet. In der Politik milssen wir mit dpn Juden als mit einer Nation rechnen. Auf diesen Standpunkt stellte sich auch der KulturausschuB und infolgedessen glaube ich, daB auch in der Schulfrage in gleicher Weise entschieden werden wird. Bei der Abstimmung wurde die Petition im Sinne des Berichtes des Kulturausschusses angenonimen. JUDISCHER NATIONAL-FONDS. GroBere Zuwendungen. — Ausbau der Sammelorganisation. — Beschllisse zu Gunsten der Nationalisierung des palåstinensischen Bodens. — Aktionen. —- Nordaugartenstadt. — Palåstinanachrichten. Dem Hauptbiiro des Jiidischen Nationalfonds ist kiirzlich durcli eine englische Bank ein Scheck iiber 10.000 L von einem Spender, der nicht genannt sein will, zugekommen. Gleichzeitig wurde dem Hauptbiiro mitgeteilt, daB bei einem Londoner Rechtsanwalt ein Testament zu Gunsten des Jiidischen Nationaifonds in Håhe von ca. 25.000 L fållig geworden ist. Ungeachtet der gelegentlichen gråfleren Zuwendnugen und Spenden erfordern die Aufgaben des JNF in Palåstina einen derartig planmåBig^n Ausbau seiner gesamten Organisation, daB er auf regelmåBige Einnahmen zur Deckung seiner Erfordernisse rechnen muB. Zu diesem Zwecke sollen jetzt Landeskonferenzen der N.-F.-Kommissåre und Vertrauensleute einberufen werden. In Deutschland hat im lånner eine solche Konferenz sattgefunden, auf der ein genaues Arbeitsprogramm fiir die Aufbringung von 4 Millionen Mark in Deutschland im Jahre 1920 aufgestellt wurde. In Bohmen, Måhren, Schlesien, der Slovakel sind fiir den Monat Februar alle Vertrauensleute zu gleichen Zusammenktinften aufgefordert worden. Ebenso diirfte in Deutsch-Oesterreich, Galizien und Palåstina in den nåchsten Monaten NF-Konferenzen stattfinden. Nachdem sich bereits eine Reihe zionistischer Landeskonferenzen fiir die Nationalisierung des palåstinensischen Bodens ausgesprochen hat, wurde auf der Ende Dezember in Kowno stattgefundenen Konferenz fiir ganz Litauen folgende Resolution gefaBt: „Die Zionistische Konferenz in Litauen wttnscht die Nationalisierung des Bodens in Palåstina als Grundlage sozialer Gerechtigkeit beim Aufbau unserer Heimat.“ ' , Es wurde ein besonderes NF-Biiro fiir Litauen errichtet und die Vorbedingungen fiir hine groBziigige Sammelaktion in allen jiidischen Zentren des Landes geschaffen. Auf der Konferenz der argentinischen Zionisten in Buenos-Aires wurde beschlossen, dem JNF in diesem Jahre mindestens 100.000 Pesos zuzufiihren. Die Selbstbesteuerung und die Landspende sollen besonders propagiert werden. AuBer der allgemeinen Palåstina-Woche in ganz Argentinien wurde jeder zionistische Verein verpflichtet, mindestens einmal jåhrlich eine Veranstaltung zu Gunsten des JNF zu organisieren und letzterem 10 Prozent seiner Einnahmen zuzufiihren. Die Konferenz der Zionisten aus der Bukowina, die vor einiger Zeit in Czernowitz tagte, faBte folgende Resolution: „Die Bukowinaer Zionistische Landeskonferenz anerkennt die Arbeit fiir den JNF als die einzige Moglichkeit, den Grund und Boden in Palåstina als unveråuBerliches Eigentum des jiidischen Volkes zu erwerben.“ Die Amsterdamer Tagung der Federation „Misrachi" verpflichtete in einer Resolution alle Mitglieder des „Misrachi", in ausgedehnter energischer Tåtigkeit fiir den JNF die Gelder zum Erwerb des Landes aufzubringen. AnlaBlich der Chanukkahtage fanden in einer Reihe von Låndern besondere Veranstaltungen zu Gunsten des JNF statt. In allen Stådten Polens wurden groBe Sammelaktionen unternommen. In Palåstina wurden in Stadt und Land Sammlungen fiir die Nordaugartenstadt eingeleitet. In Smyrna wurde beschlossen, 40.000 Frcs. fiir die Nordau-Gartenstadt aufzubringen. Die Aktion fiir die Durchfiihrung der Selbstbesteuerung zu Gunsten des JNF in Palåstina macht weitere Fortschritte. Es haben sich nunmehr auch) die Koloniebewohner von Chederah und Nachlath Jehuda zu regelmåBigen Beitrågen verpflichtet. Die jiidischen Magistratsbeamten und Polizisten in Tiberias zahlen monatlich von ihrem Gehalt einen festen Beitrag fiir den JNF. Die amerikanisch-medizi-1 nische Gesellschaft „Hadassa" hat die NF-Marke als Stempelmarke flir ihre Krankenkarten eingefiihrt. j In Damaskus wurde eine groBere Aktion flir die Nordau-Gartenstadt unternommen und in einer sehr ( sark besuchten Volksversammlung die Ziele des : Jiidischen Nationalionds und seine Bedeutung fiir die | Kolonisation Palåstinas erortert. i Ein« Ehrung fflr Johann Kremenetzky. In der Urania fand am Sonntag, den 15. d., vormittags, eine von der Beamtenschaft der Kremenetzkysehen Fabrik veranstaltete Feier zu Ehren des 70. Geburtstages des Herrn Kremenetzky statt. Mening. O. Jellinek gab in einem Vortrag iiber „die Elektrizltåtsindustrie und Kremenetzky" eine eingehende und liebevolle Wiirdigung des Wirkens des Jubilars. Fiir die technische Hochschule riihmte Professor Hochenegg die Tåtigkeit Kremenetzkys. Unter den zu der Feier Erschienenen befanden sich als Vertreter des Gewerbeforderungsamtes Sektionschef F.xner, als Vertreter des technologischen Gewerbemuseums Hofrat Grau, ferner die Professoren Sahulka und Reithoffer der Wiener Technischen Hochschule, Direktor Beroun vom stadtischen Elektrizitåtswerk, Sektionschef Brunner, Patentanwalt Baumann, Vertreter der groBen elektrischen Gesellschaften wie A. E. G., Braun und Bowery, Vereinigte Elektrizitfitsgesellschaft usw. Am Sonntag nachmittags fanden sich die Vertreter der zionistischen Organisationen Wiens sowie die Zionisten, die mit Kremenetzky zusammen an der Seite Theodor Herzls die Bewegung in Wien geleitet hatten, in der Wohnung des Herrn Kremenetzky ein, um ihm die herzlichsten Sympathien und Wtinsche aller Jiidischnationalen der Hauptstadt auszusprechen. Es waren erschienen: fiir das zionistische Landeskomitee Frau Erna Patak und die Herren Dr. Schalit, Amtssekretår Tussig, Dr. Soffer (Palåstinaamt und Nationalfonds), Ing. Kramer, ferner die Herren Dr. Schnierer, Ing. Seidener, Professor Dr. Kellner, Herr WeiB und viele andere ein. Herr Dr. Sofer iiberbrachte als Zeichen der tiefen Dankbarkeit des Palastinaamtes das Diplom iiber die Stiftung cines Oelbaumheines in Palåstina auf den Namen des Jubilars. Ein kteiner Khabe und ein kleines Mådehen hielten ruhrende hebråische Ansprachen an Herrn Kremenetzky, womit die herzliche Ovation ihren schonsten Ausklang fand. (W. M. Z.) AMERIKA. { — Amerika und die Balfour-Deklaration. — (Reuter.) Der amerikanische Staatssekret^r Daniels hat auf einem Bankett der zion. Organisation seitens Amerikas erklårt, daB er die im Namen der engiischen Regierung gemachte Balfourscne Versprecluing vollkotnmen unterstiitze. Diese heiligc Bewegung besitzt unsere besten Wiinsche und unseren Segen fiir alle daran Beteiligten. Das letzte Jalir sei ein Jahr der Tragodien gewesen. Amerika beteiligte sich am Kriege, um den kleineti Nationen das Selbstbestimmungsrecht zu verleihen, und halte auch jetzt noch daran fest. — Die Kampagne fiir den 10 Millionen Wiederaufbaufonds. — Der am^rikanische Korrespondent der „Jiidischen PreBzentrale Ziirich44 berichtet: Die Kampagne flir den 10 Millionen-Dollar-Fonds hat seitens der zion. Organisation mit voller Wucht eingesetzt. Es besteht begrundete Hoffnung, daB die Riesensumme tatsåehlich in der angesetzten Zeit aufgebracht wjrd. GroBztigig wie die Amerikaner von jeher sind, beschrånken sich die Zionisten nicht auf die Agitation durch ihre Parteigenossen, sondern haben auch eine Reihe prominenter christlicher Personlichkeiten fiir die Agitation gewonnen. An den Spenden diirften sich in betråchtlichem MaBe auch Nichtjuden beteiligen. So hat auf einer der veranstalteten Versammlungen der gewesene Staatssekretår William Jennings Bryan, dessen politische Bedeutung neuerlich im Steigen ist, einen warmen Appell an die Versammelten gerichtet. Er sagte li. a.: Es gibt kein grofleres Ideal als den Wiederaufbau eines Landes und eines Volkes. Die zionistische Bewegung beabsichtigt mehr als manche denken. Es ist kein Traum, sondern eine Notwendigkeit diese Wiederauflebung eines Volkes, und die 9! ,B oh em la" Fhlaløi Aktienbank In Prc In BrOnn vis-a-vis Bahnho f® Zahlungen las Ausland Flaanslerungan und Kredlte Bdrsen-Transaktlonen Zwiiiamtclttii s Naw-York, Paris, Brat Islava, Oablons a/N., Halda