Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1920)
- Date
- 1920-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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„JtDWCHE VOUCSSTIMMEsttsf, wlfd nach Dr. Sotktø hustande seffl, afnen tto- Ben Teil Palæstinas in einen gewattigen Obstand Gemiisegarten zu verwandeln. Dieser riesige Oarten soli die Nachbarlånder, Aegypten, Syrieij, aber ga.iz besonders die Lænder der gemftBigten Zone, mit frischem Qemiise und Obst, wie auch mit Gemilse- und Obstkonserven versehen. Dr. Soskins Ziel!st, Palæstina in eine „Landwirtschaftliche Fabrik** zu verwandeln. Der Absatz der Produkte wird dabei durch eine genossenschaftliche Produzentenorganfsation bewerkstelligt. Auch sonst soli fiir eine genossenschaftliche Zusammenfassung der Kolonisten und der Kolonien nach allen Richtungen hin gesorgt werden. Die Vorziige, welche der Verfasser in seiner Siedlungsform sieht, sind folgende: 1. Der Bodenbedarf eines jedeh Kolonisten wird au! das geringste MaB, etwa auf ein halbes Hektar herabgemindert, 2. Der geringe Bodenbedarf fiihrt zu einer bedeutenden Herabminderung der Ansiedlungskosten, 3. Die Zahl der Ansiedler kan auf ein Vielfaches der bis jetzt angenommenen Zahl gesteigert werden. 4. Die Arbeiterfrage wird eliminiert, da die Parzelle, welche jeder Kolonist bekommt, wohl vollauf seine und seiner Familie Kråfte in Anspruch nehmen wird, jedoch keine Verwendung fremder KrSfte zulSBt. * 5. Die Ueberfiihrung der Juden aus den stådt. Berufen in die Landwirtschaft wird erleichtert, da diegårtnerische Tåtigkeit geringere Anforderungen an die rein physischen Leistungen des Kolonisten stellt und der geistig individuellen Veranlagung der Juden groBeren Spielraum gewBhrt. Allerdings setzt der Verfasser voraus, daB der Ansiedler tlber den notigen FleiB wie auch die notigen Kenntnisse der g&rtnerischen Kunst verftlgt. ' , Zur Verbreitung der Kenntnisse des Oartenu. Gemiisebaues unter dem jiidischen Ansiedlermatenal schlågt Dr. Soskin verschiedene MaBregeln, wie die Griindung von Versuchskolonien, Ansiedlung von Lehrmeistern usw., vor. Dr. Soskin bespricht in dieser Schrift auch die technischen Einzelheiten der Anlegung elner solehen Siedlung wie auch der einzuftihrenden Wjrtschaflsweise. Er bringt auch dabei den Entwurf einer solchen Kolonie, die den Vorzug hat, auf einem relativ kleinen Raume, etwa 300 ha., 500 Familien zu umfassen. Durch eine solche Bevblkerungsdichtigkeit werden die Kultus- und Gemeindekosten, die die Gemeindemitglieder selbst zu tragen haben, auf eine der Leistungsfahigkeit der Siedler entsprechende Ho'ie herabgemindert. Die Wichtigkeit der von Dr. Soskin behandelten Protierne und die von ihm erwarteten Folgen seiner Siedlungsform sind von so eminenter Bedeutung flir unsere Kolonisation, daB seine Schrift dem eingehenden Studium aller derer, die sich fiir die Palastinakolonisation interessieren, nicht dringend gcnug empfohlen werden kann. I Schaffung elner standlgen Jiidischen Legion. Der grdBte Teil der jfid. freiwilligen Legionare, deren Dienstzeit schon abgelaufen ist, hat sich erboten, fiir begrenzte Zeit noch im Dienst zu bleilpen. Sie bezweckeri damit, die Schaffung einer ståndigen jiidischen Legion in Palæstina zu ermoglichen. Vor der Abreise Prof. Weizmanns wurde auf einer Beratung, die in Jerusalem stattfand, beschloBen, daB Prof. Weizmann, Colonel Patterson und Colonel Samuel in London zugpnsten der Griindung einer jiidischen Legion in Paiastina gemeinsam wirken sollen. Sette 5 Vertretem der ffidftchen Gemeinde fand am 31. Ilnner auf Einladung des Verbandes der Ostjuden im Verwaltungsgebåude ‘der Jiidischen Gemeinde eine Zusammenkunft namhafter Pérsonlichkeiten statt. — Anwesend waren u. a. die Herern Hermann Abraham, Dr. N. Birnbaum, Eugen Caspari, Heinrich Freirich, Dr. Jacobus, Dr. Arthur Kahn, Ing. Hermann Kahn, Rabbiner Dr. Liebermann, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Rabb. Dr. Loewenthal, Dr. Paul Nathan, Rabb. Dr. WeiBe; ferner die Vorsitzende der Ortsgruppe GroB- Berlin des itid. Frauenbundes, Frau Ollendorf, Frau Schwarz und Frau Lina Wagner-Tauber. Der Vorstand des Verbandes der Ostjuden war durch die Herren Brenner, Lewit, Dr. Wilhelm Lewy und Lin vertreten. Nach langeren Verhandlungen wurde das Verwaltungskomite fiir die Herberge konstituiert, dem faflt sSmtliche Anwesenden beigetreten sind. Ferner hat Herr Prof. Carl Lewin seinen Beitritt zum Komité schriftlich erkiart. Diesem HilfsausschuB beira Verbande der Ostjuden in Deutschland, Berlin, AuguststraBe 17, fållt die Aufgabe zu, das Hilfswerk des Verbandes zur Verpflegung und Beherbergung der ostjiidischen Fliichtlinge zu fbrdern. Geselfschaft -rør Orlentforschung!n Patfistfna. In dem dominikanischen Kloster zu Jerusalem hat unlångst eine Versamnflung von Vertretem verschiedener Gesellschaften fiir Orientforschung stattgefunden. Von der jiidischen Gésellschaft waren Ben- Jehuda, David Jellin und Prof. Dr. Slousch anwesend. Auf dieser Versammlung wurde beschloBen, eine allgemeine Gesellschaft fiir'Orientforschung in Paiastina zu griinden. Die Gesellschaft wird von Zeit zu Zeit Sammelsch riften in englischer und franzosischer Sprache herausgeben, auch werden Artikel in anderen Sprachen wie arabisch, hebråisch usw., in diesen Sammelschriften Aufnahme finden. Als Præsident ist ein Franzose, als Vize-Prasident ein Englander und ein Amerikaner gewåhlt worden. Prof. Dr. Slousch ist der Sekretar dieser Gesellschaft. Colonell Storrcs, 1 Ben-Jehuda und ein Grieche sind. als géschaftsfUhrende Mitglieder gewahlt worden. * Achad Haam, der bekannte geistvolle Schriftsteller, hat sich aus London nach der Schweiz oegeben, wo er wåhrend eines zweimonatlichen Aufenthalts Erholung nach schwerer Erkrankung zu finden hofft. Moge er bald die vollige Wiederherstellung seiner Gesundheit finden. Italien. Bei den Wahlen d.jlid. Gemeinde in Florenz wurden bei einer Wahlbeteiligung von 81 Prozent alle 11 zionistischen Kandidaten gewahlt. Forenz ist hiemit die erste jiid% Gemeinde Westeuropas, die ein rein zion. Gemeindekollegium hat, wie es auch in einer Stadt, in der Prof. Chajes lehrte, nicht anders moglich ist. Newyork. Fiir den Palastina-Restauraiionfond wurden eine lialbe Million Dollers gesammelt. Nathan StrauB und Frau Fels gaben je 50.000 Dollars. K0RRESP0NDENZEN. Ung.-Hradlsch. Der hiesige „Jiidische Fraueu- und Wohltåtigkeitsverein** veranstaltet Sonntag, den 29. Feber I. J., aniaBlich Purim im hiesigen Redoutensaale eine weiB-blaue Dominoredoute. Jedoch kein Dominozwang. .Reklamationen sind zu richten an Herrn Dr. Paul Mårz, Ung.-Hradisch. N.ich langen Vorarbeiten ist es dem Komitée gelungen, diese Veranstaltung im erstklassigen Stile zu arrangieren. Nr. & Dfe Verwalttrag des JNF bat ntm auf diaser Grundlage die AusfBbrnng eines groBzflgigen Planes fUr die Aufforstung Palæstinas in Angrif? genommen. Nach diesem Plan, der sich auf drei Jahre verteilt, sollen angepflanzt werden: 1.700.000 Eukalytus- und WaldbSume anderer Art auf einem Komplex von 2125 Dunam. Hiervon enfallen: 1. auf Merchaviah im Zusammenhang mit der Sanierung der SiédJung 20.000 Eukatyptusbdume auf 200 Dunam. 2. auf Kinereth und Daganiah an den Abhången des Berges neben der Farm Kinereth und an den Ufern des Jordan und des Kinerethsees 42.000 Eukalyptus- und Waldbfiume anderer Art auf 175 Dunam. 3. auf Benschemen ca. 700.000 Båume auf 230 Dunam. 4. auf Hulda 425.000 B&ume auf 140 Dunam. 5. auf Ber-Tobiah (Kastini-) 27.000 Båume auf 380 Dunam mit Ausnahme der bereits oben erwfthnten. 6. In der Umgebung der Kolonie Chederah haupts&chlich Eukalyptusbåume auf 1000 Dunam, insgesamt 500.000 Båume. Hinzu kommen letztens die^ufforstungsarbeit in Rischon-le-Zion. In der General-Versammlung dieser Kolonie ist beschloBen worden, dem JNF zum ewigen Eigentum 500 Dunam von den aftgrenzenden Sanddiinen zu iiberlasen. An die Schenkung ist die Bedingung gekniipft, daB der JNF im Laufe von drei Jahren dieses Land bewalden læBt. Diese Tatsache zeigt, welche Wichtigkeit die Bevolkerung der jiidischen Kolonien Palæstinas dem JNF beimiBt. — Die Verwaltung des JNF hat bereits die Aufforstung der Diinen von Rischon-le-Zion einer Arbeitergruppe von 18 Mann aus den Arbeitern Nachlath-Jehudas iibergeben. Die Arbeitergenoflenschaft hat mit den Pflanzungsarbeiten sofort begonnen, und es wurden ungefåhr 35.000 Båume angepflanzt. In den ersten zwei Monaten werden auBer dieser GenoBenschaft noch 25 Arbeiter beschSftigt werden, die zusammen unter Leitung des landwirtschaftlichen Departements des Palåstinaarntes die Arbeiten ausfilhren werden. Diese Aufforstungsarbeiten diirften dem Anspruch des JNF, ihm alles Qedland in Palæstina kostenlos zu iiberlasen, erhohte Berechtigung geben. Sie werden. auch d$m JNF die Moglichiceit geben, in sehr kurzer Zeit seinen Verpflichtungen nachzukommen und alle gespendeten Bæume zu pflanzen, deren Zahl sich zur Zeit auf etwa 400,000 belåuft. Eines der Hauptprobleme, die die gegenwartige Kolonisation Palæstinas zu losen hat, ist die Anpassung der Aufnahmefæhigkeit Palæstinas an die BedUrfnisse des jfidischen Volkes. Die Aufnahmefahigkeit Palæstinas fiir neue Ansiedler hangt wie die eines jeden Landes nicht so sehr von den geographischen Grenzen ab, wie von der Dichtigkeit der Besiedelung, die zu erzielen ist. Letztere aber hångt ihrerseits von der Intensitæt der Produktionsformen, die in Palæstina herrschen werden, ab. Denn je intensiver die landwirtschaftlichen Produktion ist, umsoweniger Land braucht der einzelne Ansiedler und umso groBer ist die Zahl der Juden, die in Palæstina angesiedelt werden kann.. Die Schwierigkeit der Losung des oben angefiihrten Problems wird durch die notorische Mittellosigkeit der« meisten Ansiedler gesteigert. Die Aufgabe, die unserer jiidischen Kolonisation gestellt wi*d, ist, Methoden ausfindig zu machen, welche die Inten- < sitæt der Wirtschaftsweise erhohen und gleichzeitig die Kosten der Ansiedlung nach Moglichkeit verm;ndern. Da næmlich eine der Hauptausgaben die Aufwendung fiir den Boden bildet, so fiihrt jede Methode der intensiven Bewirtschaftung, welche an Boden spart, indirekt eine Verminderung der Ansiedlungskosten herbei. Die yom Hauptbureau des Jiidischpn Nationalfonds herausgegebene Schrift des Herrn Dr. S. E. Soskin, „Kleinsiedlung und Bewasserung — Die neue Siedlungsform fiir Palæstina**, behandelt eine solche intensive, in Palæstina noch wenig bekannte und nient angewandte Form der Siedlung. Doktor So sk in fiihrt in der Schrift die groBartigen Resultate an, zu denen man mit Hilfe der kiinstlichen Bewåsserung in Lændern gelangt ist, die ihrem Klima nach viel ungttnstiger dastehen als Palæstina. Die Mdglichkeit der kiinstlichen Bewæsseru.ig eines groBen /Teiles der unbaufæhigen Flæchen Palæstinas wird vom Verfasser unter Berufung auf die saehverstindigen Beurteiler der Wasserverhaltnisse Palæstinas ^dargetan. Eine groBartige kiinstliche Bewæsserung* in Verbindunsr mit dem hervorragenden Reichtum Palæstinas, an Sonnenlicht und Sonenwærme, FleiB und Gartenkunst der Ansiedler vorausge- Sabbathruhe In England. Rabbiner. Dr. Jung fordert in „Jewish Times" unter Hinweis auf die 48stiiqdige Arbeitswoche die jiidischen Arbeiterverbænde auf, ihre Arbeit so einzuteilen, daB der Sabbath wieder zu Ehren komme. Sie mogen Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 36 Stunden arbeiten und die iibrigen zwolf Stunden auf den Freitag und Sonntag verteilen. Das Hilfswerk fiir die ostjiidischen FlQchtllnge. Berlin, Der Verband der Ostjuden in Deutschland verhandelt mit dem Vorstand der Jiidischen Gepieinde wegen Errichtung einer Herberge zur Unterkunit und Verflegung der sich hier voriibegehend aufhaltenden obdachlosen jiidischen FlQchtlinge. Zwecks Bildung eines AusschuBes zur Verwaltung und Bewirtschaftung dieser Herberge in Gemeinschaft mit VON W0CHE ZU W0CHE. Albert Einstein. Seit einigen Wochen gelit ein Kampf fiir und gegen Einstein, heute Deutschlands grSBter Mann. Hochbedeuténd als Physiker. Kepler, Galilei, Kopernikus, Namen schwirren durch die Luft, oder durch die Biætter. Die einzelnen deutsche Stadte reiBen sich darum, Heimatsorte Einsteins zu'sein. Hepta Poleis! Bald druckt „Tante Voss", bald das „Berliner Tageblatt", was Einstein iiber oder gegen den Zionismus gesagt, hier ist er zukiinftiger Professor der Jerusalemer Universitæt, dort negiert man es; hier tritt er fiir die Ostjuden ein, dort widerlegt man es. Ein gutes Zeichen fiir das aufstrebende neue deutsche Reich. Man legt wieder groBes Gewicbt auf geistige GroBe, Deutschland will in der Gelehrtenwelt wieder eine hervor-