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Jüdische Volksstimme · 1920-02-19 · Heft 8 (19.2.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 8 (19.2.1920)
Date
1920-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sdtt 4 * .jum«ire * o«*mM*E.* Hr. & mtaMcHIfcftea Tefipet erbau« witi, dår! «ieht damli anfangea, dåA ar die Bausteine pulverisiert. Bie Ban* steine polieren, aaetøanderffigen, — das allerdings ist eiae Aufgabe, des SchweiBea der Edlen wert. Wiener Brief.; Anfangs Februar 1920. Randbemerkungwi zur zionistischen Lage. — Die verschobene Jahreskonferenz und ibre Foigen. — Ueber Dr. WelziuamPs Interview in „Haarez". 1 Man kann bel atter Wlirdigung der Beweggriinde, die'2ur Verschiebung der Baseler Jahreskomerenz geffihrthaben, fiber das tief Bedauerliche der Tatsbche nicht hinwegkommen. Man empfindet es dårum vvie einen notwendigen Ausdruck der allgemeinen Mifistimmung, daB wenigstens von einer Seite ofiiziell dazu Stellung genommen wurde. Wir meinen das Antwortschreiben nach London, welches vom Zionistischen Landeskomitee fttr Deutschosterreich ilber Vorschlag Robert Stricker’s beschlossen wurde, und worin „auf’s nachdrttcklicnste'* verlangt wird, daB sofort eine Jahreskonferenz oder eine Sitzung des grofien ^ktionskomitees einberufen werde; und fiberdies, „daB die Leitung durch Entsendung geeigneter Manner aus dem Aktionskomitee dafUr Sorge trfigt, daB die groBen zionistischen Fdderationen Mittel- und Osteuropas fiber ihre Intentionen und Arbeit åufgeklårt werden und daB ... die Leitung auf demselben Wege Aussprav che pflegt mit den Massen des jfidischen Volkes'*... um „den K o n t a k t“ mit ihnen und „ihren Vertratern“ herzustellen. In der Tat, es ist die dringlichste und minimalste Forderung, die hier erhoben wird: denn die Folgan der Verschiebung sind bedenklich genug. Auf die schlimmste derselben, die U n r u h e der Kidischen Volksmassen hat das Schreiben nach London mit besonderer Betonung hingewiesen. Nun aber treten auch schon andére zutage, die nicht weniger bedenklich sind, in erster Linie die in auffattender Weise sich kreuzenden Stimmen fiber den gegenwfirtigen Stand der zionistischen Sache. Es ist jetzt gar nichts seltenes, daB widersprechende Botschaften aus einer und derselben Quelle stammen, von denselben Personen ausgehen. So droht eine vollige Verwirrung einzureiBen in der Beurteilung der faktischen Lage. Und sonderbar genug, die so sehr eiaander widersprechenden Nachrichten kommen von dort her, von wo her man gerade eine Klfirung der Situation erwartet: von den offiziellen Trågern und "Yertretern des Zionismus. Es ist anmerkenswert, daB zwei unserer wichtigsten publizistischen Organe, die Berliner Jfidische Rundschau und die jViener Jfidische Zeitung sich veranlaBt sehen, die widerspruchsvolle Haltung Max Nordaus sowohl gegenfiber programmatischen Punkten des Zionismus als auch gegenfiber der zionistischen Leitung einer åuBerst scharfen Kritik zu unterziehen.*) Es muB aber gesagt werden, daB Nordau nicht der einzige ist, bei dem eine „Klarstettung“ nottut. Man lese aufmerksam die letzten, in ihirer Ausffihrlichkeit dankenswerten Berichté fiber Dr. Weitzmanns Reden und Interwiews — man wird den Eindruck nicht los, wie gerade jetzt eine offentliche Konferenz und offentliche Aussprache nottue, damit aus den blitzartig wechselnden Stimmungen, die sich in ihnen — menschlich nur zu begreiflich — refJektieren, doch auch der schlichte, „tat—såchliche" Inhalt klar und deutlich herausgehoben wiirde. In ganz besonderem Grade kommt hieftir das Interwiew in Betracht, welches die Prager „Selbstwehr“ aus der Jerusalemer „Haarez“ zum Abdruck bt ingt und das Weizmann unmittelbar vor seiner Ah-* reise aus Palåstina einem der Redakteure der herr. Zeitschrift gewåhrte.**) Man kann wohl sagen: fiir die bedeutsame Phase der jfidischen Bewegung seit der Balfour'schen Deklaration wohl die aufschluBreichste Darlegung derselben — trotz der seltenen Mischung der sachlichen Inhalte mit personlichsten Momenten, ja vielleicht gerade aus diesem Grun 'e. Dieses Interwiew ist ia ein Stttck Geschichte; Geschichte freilich von personlichster Form und Ffirbung — gemåfi dem Anteil, den Weizmann an ihr hat. Und fiberdies ist es ein Programm, und ein Mahn- *) Vergi. Jfidische Rundschau Nr. 5 vom 20./1. 19120 „Eine notwendige Klarstellung“, und „Jfidische Zeitung“ Nr. 4 vom 30./1. „Die aufgeschobene Konferenz". **) Auch in. der Berliner Jfidischen Rundsdhau liegt bereits der Text des Interwiews vor, in Nr. 4 vom gleichen Datum. rød Weckruf zugleich, im To« bewegt, pathetisch vielleicht schon um einen Orad zu viet Vielleicht ist hier schon die Grenze. wo A’ug' und Ohr mit Neugier, mit Spannung, mit.Mifltrauen foigen, was nun wohl irt nåchsten Augenblick kommen werde: ob der Sprecher mit instinktiver Sicherheit auf der schmaien, geraden Linie des noch ZulåBigen.verstandnismSBig ZuISBigen ausharren, sich im Gleichgewicht erhaiten wird, oder — ob er vom Ueberschwang des Geffihles erfaBt, schwindllg gemacht, .... entgleisen wird. Es ist kein Zweifel, der unbefangene Sinn wird in und aus den Worten Weizmanns beides empfinden und nachempfinden und gerade deshalb — schwnnken. Denn eines fehit: die Klårung. Die wttrde sich — wir sind davon fiberzeugt — in offentlicher Aassprache von selbst einstellen, in Rede und Wechselrede, von Angesicht zu Angesicht. Hier aber fehit sie, den monologen Worten fehit sie. Sie wirkén wie eine ErklSrung, worfiber sofort die — Generaldebatte eioffnet werden mfiBte. Aber unser Haus unser KongreB tagt nicht. Es ist, wie Stricker es im Schreiben nach London formulierte, ein unhaltbarer Zustand, unhaltbir auch ffir die Leitung. Und er wird unertrSglich, denn die Spannung wachst, und wir sollen bis zum Juli — warten. Auf irgend einem Wege muB die KIårmg jetzt schon versucht werden, beginnen. Das Wesentliche, das im Interwiew Weizmann's enthalten, wird man nicht fibersehen dfirfen. Es ist in prågnanten Satzen zusammengefaBt. Der wichtigste darunter betrifft die Balfour'sche Deklaration und lautet: „Die Erklårung und das Mandat werden diejenige Bedeutung erlangen, die wir ihnen geben werden. Ffir den Erfolg ist wichtig, daB wir bereits jetzt das Mandat als gegeben betrachten und die mSchtige Bewegung entfachen, die ffir die Verwirklichung n5tig ist.“ Um dieses zentraje Stfick gruppiert sich der ganze Inhalt des Weizmann'schcn Interwiews und zwar in die besonderen Punkte, die das betreffen, „was erreicht wurde**, politisch nnd positiv, und die gleichsam die Voraussetzungen bliden ffir ein Arbeitsprogramm in Palæstina, — sei es daB die Arbeit sofort in Angriff zu nehmen ist, sei es, daB ffir eine erfolgreiche in naher Zukunft die Moglichkeiten und Vorbereitungen noch erst zu schaffen sind. Die schwersten Hemmungen betreffen gegenwfirtig die Friedensbedingungen mit der Tfirkei und — die arabisdie Fråge. Auf den kritischen Zusammenhang mit der allgemeinen politischen Lage und Weltkonstellation braucht wohl nicht besonders eingegangen zu werden. pann kommen die Schwierigkeiten innerhalb des Judentums selber. „Wir brauchen**, heiBt es im Interwiew, „eine Koalition aller Arbeitskråfte. Wir haben nicht nur wissenschaftliche Plåne zu entwerfen, sondern auch noch unsere groBte Kraft mobil zu machen, von unserer stårksten Waffe Gebrauch zu machen — vom Prophétismus, wenn anders diese Kraft no'ch im Iudentum wach ist... Ffir mich war die Balfour‘sche Erklårung eine Fanfare, die die Massen aufrtttteln utid eine Art messianische Bewegung auslosen soilte**. Den Eindruck eben dieser Stellen, haben wir oben angedeutet. Zum SchluB noch einige Worte Uber die weiteren Foigen der Verschiebung der zionistischen Jahreskonferenz. Mit ihr gleichzeitig soliten in Basel abgehalten werden: die Weltkonferenz der Hapoel- Hazair und der Zeire-Zion, und die jfidische Gelehrtenkonferenz, deren wichtigsten und einzigen Beratungsgegenstand die Frage der Errichtung einer Universitet in Jerusalem hatte bilden sollen. Bei der ungemeinen Bedeutung, welche dieser Frage zukommt, bei dem regsten Interesse, welches sie zweifellos wecken wird im gesamten Judentum, ja darfiber hinaus, wo immer in der ,Welt Geistiges geehrt und gefordert wird, ist es nur umsomehr zu beklagen, daB die jfidische Gelehrtenkonferenz gegenwårtig unterbleiben muflte. Nach vorliegenden Mitteilungen wird die Konferenz der Hapoel-Hazair und Zeire-Zion — was nur zu begriiBen ist — dennoch stattfinden. Man weiB, welche Hoffnungen an diese Tagung sich kniipfen. Der jfidische Volkssozlattsmus, dieser jttngste Trieb in der national-jfidischen Bewegung, ist moglicherweise berufen, die Einigung der zersplitterten jtidischen Kråite anzubahnen. Wir wollen den Namen Volks-Sozialismus als eine gute, verheiBungsvolle Vorbedeutung ansehen. Die positiv kritische Klårung, die der jfidischen Bewegung so sehr nottut, — sie kdnnte am Volkssozialismus einen naturlichen, in gutem Sinne folgenreichen Ausgangspunkt nehmen. Bernard Tag. Jiidischc fildbler ■ und (Uabkrinnen s wlhMl dl« JUdlsch-nationale Liste dl« mit Dr. JIrtbur feldmann beglnnl. RUNDSCHAU. Aufforstyng In Palastina durch den Jfidischen Nationalfonds . (Korrespondenz des Jfidischen Nationalfonds.) Die Erwerbung des palfistinensichen Bodens als ewiges unverfiuBerliches, Eigentum des ifidischcn Volkes ist die Hauptaufgabe des Jfidischen Nationalfondes. Aber auch die Aufforstung Palåstinas ist von nicht geringer Bedeutung fur den Wiederauibau des Landes. Ob diese dem JNF tibertragene Aufgabe von ihm allein durchgefiihrt oder ob auch Regierungs- Instituionen bis zu einem gewissen Grade sich beteiligen werden, steht noch nicht fest. In jedem Falle obliegt es dem JJtfF die sich bietenden Gelegenheiten .schon jetzt auszunutzen und mit der Bewaldung dort zu beginnen, wo dies im kolonisatorischen und auch sanitfiren Interesse notwendig ist. Schon vor dem Kriege wurde bekanntlich beschloBen, daB sich die „Baumspende" kfinftig nicht mehr auf die Pflanzung von Fruchtbåumen beschrfinken, sondern vielmehr Nutzbåume aller Art, also Waldbåume, anpflanzen moge. Durch dfe praktischen Erfahrungen in Palfistina war man zu der Uebeczeugung gelangt, daB die Anpflanzung von Fruchtbafimen, die einer individuellen Pflege bedfirfen, zweckmåBigerweise der Privatinitiati^e zu tiberlassen ist. Andererseits ergab sich immer mehr die Notwendigkeit, Sfimpfe, Sanddunen und sonstige Od- Ifindereien mit Waldbfiumen, besonders mit dem schnell wachsenden Eukalyptus zu bepflanzen. Die Aufforstung soleher Gebiete erschlieBt der Kolonisation weite Strecken Landes, bildet eine wichtige Voraussetzung fur die Sanierung des Landes und bietet die Moglichkeit, dringend notwendiges Holzmaterial fur Bauzwecke usw., im Lande selbst zu beschaffen. Es war indessen nicht moglich, solange die tfirkische Herrschaft wåhrte, die Aufforstungsarbeit ernstlich in Angriff zu nehmen. Es fehlte auch an den notigen Erfahrungen beziiglich der Auswahl von geeigneten Baumgattungen und der * richtigen Pflanzungsmethoden. Die Mittel der Baumspende wurden daher vornehmlicli in die Pflanzungen von Benschemen und Huldah investiert, die unter den vorhandenen Umstfinden keinen befriedigenden Erfolg aufwiesen. Neben den Schwierigkeiten, die die Anfånge jeder Kolonisationsarbeit begleiten, kamen Elementarereignisse hinzu, "wie die Heuschreckenplage, die in den Pflanzungen schweren Schaden anrichtete. Zuletzt wurden die Pflanzungen in Benschemen zum Kriegsschauplatz, wo das, was die Heuschrecken fibrig lie- Ben, durch die Kåmpfe faBt vollstfindig zerstdrt wurde. In der Kriegszeit wurden durch die Arbeiter- Genossenschaft in Ber-Tobiah versuchsweise 100 Dunam mit Eukalyptusbåumen auf NF-Boden angepflanzt. Dieser Versuch ist in jeder Weise geglfickt. Im vergangenen Jahr lieB auch die Anglo Palestin- Company und die Immobiliengesellschaft „Ralfistina'* 200 Dunam auf den Abhången des Karmel in Haifa mit Felsenfichten durch eine Arbeitergenossenschaft bepflanzen. Auch diese Anlage verspricht nach den Gutachten von Fachleuten einen guten Erfolg. Diese Versuche haben der „Baumspende** einen neuen Weg zur Verwirklichung ihres Programmes gewiesen: die Aufforstung durch Vermittlung von Arheitergenossenschaften. Diese Methode ist nach dem Urteil der Fachleute von groBer Wichtigkeit fttr den Wiederaufbau Palåstinas, die Sanierung des Landes und auch ffir die Losung des Arbeiterproblems.

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