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Jüdische Volksstimme · 1920-02-05 · Heft 6 (5.2.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 6 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. JTODfSCHE VOUCSSTf MM&* Nf. 6. ■ I ..I, gewåhlt, Herrn Vasszony; den Demokraten. Die Aber sie zu schreiben. Herzl wurde als Zionist Die Ueberschrfft, die einer Zeitungsnotiz oftmals anderen Jiidischen GroBen sind gefallen, so der in demselben berQch tigtén Blatte totgeschwiegen, in gegeben wird, ist so kindisch und låppisch, so ver- Tiszasatellit Sandor Pdl. Und Franz Kossutirs dem ihm die reizendsten Feuilletoris zu schreiben hetzénd, die nationalen and sonstigen Gegens&tze so Staatssekretår Stern, der aus der Taufe neugeborene I oblag! Dieselbe „jfidische Presse", die fiber den schflrend und verschSrfend, daft man sich oftmals Sztereny fiel gegen Szemere, des beruhmten Niko-! eucharistischen KongreB spaltenlange, gerade infol- die Frage vorlegen muB, wie sich das lesende, den* laus Szemere's Bruder, welch’ letzterer allen i ge ihres Ursprunges ekelerregendé Artikel brachte, kende Publikum, dessen Interessen auf diese Weise wuBte nichts zu berichten, als der erste zionistische | in einer so leichtsinnigen Weise. preisgegeben wer- KongreB in Basel zusammentrat Sportsjuden und Jockeyklubmitgliedern dadurch bekannt war, weil er dem Roman Potocky 1 Millionen Kronen im Hasard abgewann. Sonst sind sie wieder alle gewShlt, die Andråssy’s, Esterhazy, Friedrich, Huszar und Appony. Ja Appony will sogar Al tersprasident werden. Qliickliches Ungarn, das Du nun eine christlich-nationale Mehrheit hast und gldcklich Ihr magyarischen Juden, die Ihr die chi;istIich-sozialen Abgeordneten gewåhlt håbet. Die Budapester Leopoldstadt hat — man hore und statine — christlich-sozial gewåhlt. Wenn das der selige Ltieger erlebt hatte! Polen ist ein edles Land. Es wird von der edelsten Nation bewohnt. Das -hat schon Heine gewuBt, und jeder polnische Szlachziz tat sich besonders viel auf seine auserwåMte Nation zugute. Und es ist uns in der Schule des tferrotteten Oesterreich soviel davon erzåhlt worden, daB wir alle es glaubten. Denn noch heute hort man in jtid. Kreisen, die vom Polentum gar keine Ahnung haben, den Satz aussprechen, welche hohe Kultur die Polen hatten. Ja es gibt sogar stehr viele Ostjuden, die das behaupten. Wir, die wir es nicht glauben, wollen uns angenehm enttåuschen Iassen, weil wir auf dem Standpunkte stehen, daB ein Volk seine Kultur zeigen kann, wenn es die Fesseln der Knechtschaft abstreift. Und Polen hat seine Kultur gezeigt. Die 100.000 Pogromopfer werden den polnischen „Edlen" flir alle Ewigkeiten Lorbeerkrånze um* die kiihneh Stimen winden. Polen hat auch Kultur, die einzigen Kulturmen schen sind aber die Juden; und als nun einer dieser wahren Kulturtrager der Menschheit im polnischen S e i m — der jiidische Abgeordnete O r ii n b a u rr — Uber die Rechte der Juden sprach, da erhob sich ein derartiger Lårrn, daB kein Wort verstanden werden konnte. Man larmte, drohte dem Redner mit ,den Fåusten und zeigte der Welt ein Bild der Kultur. Aber es muB tatsåchlich schon sehr arg gewesen sein, denn ein Pfarrer Okim verlieB den Snal mit dem Rufe: „Das ist eine Schande fiir den polnischen Seim." Nun diese Schande in polnischen Landtagen hat man schon vor mehr denn 100 Jahren bewundern konnen und, wir wollen. nicht prophezeien, wir werden sie noch des ofteren zu bewundern Gelegenheit haben. Leider! VOLKSWIRTSCHAFTLICHES. Die Pres,se lu ihrer Beziehung zur Politik und Volkswirtschaft. Qelegentlich der Beratung der Kreditvorlage in der osterr. Nationalversammlung hielt der zionistische Abgeordnete S t r i c k e r eine von allen Parteien des Hauses und der Regierungsbank in gleicher Weise mit Aufmerksamkeit, Interesse und Verståndnis angehorte Rede, in deren Verlaufe er mit schonungsloser Offenheit und beiBender. Schårfe iene unsichtbaren Zusammenhange geiBelte, in denen die Tagespresse zum Finanzkapitale und einer politischen Clique steht, und in uberzeugungsvoller Weise darlegte, wie sie Unruhe und Verwirrung stifte, wenn es sich darum handelt, durch diese die Interessen der Borsenjobber und ihrer Hintermanner zu fordern, wie sie alles herunterdriickt, beschmutzt und besudelt, was ehrliche Menschen schaffen wollen, bezw. verschweigt, soierne dies den Absichten einer gewissenlosen Clique entspricht. Diese Abrechnung und Brandmarkung, diese strenge, reinliche Scheidung im Lichte der Oeffentlichkeit war diesem Abgeordneten ein Herzensbediirfnis und ein Gebot der politischen Klugheit zugleich. Denn nur zu oft werden wir fUr die Sunden dieser Clique. die uns mit den schårfsten und gemeinsten Walieu iiberall entgegentrjtt, mit der uns nicht die geringste Gemeinschaft verknlipft, verantwortlich gemacht und dieselbe Presse, hinter der diese Clique steckt, sucht sich im eigenen und im Interesse* dieser Clique der allgemeinen Judenhetze dadurch zu entziehen, d3B sie gerade die Aermsten der Armen dieser Hetze in gewissenloser Weise zum Opfer hinwirit. Was hatten wir Jiidischnationale zu einer Zeit, wo uns eine Presse nicht zur Verffigu'ng géstanden war, unter dieser Presse zu leiden! Entweder schwiegen sie unsere Bewegung tot, oder sie verunglimpften sie, wenn sie schon gezwungen waren, und den ersten Grundstein fiir die Wiedergeburt des jiidischen Vol kes legte, dieselbe Presse, die in breitspuriger Wei se jede noch so bedeutungslosef Stellungnahme die ser oder jener Persdniichkeit zu diescr oder jener keineswegs welterschutterndeit Frage brachte, tin terdriickte die Balfour’sche Deklaration Uber die fUr die Juden zu schaffende Heimstatté in Paiastina, die selbe Presse, welche uber die Minoritatsrechte éines jeden der in Betracht komtttetidcn kleinen Volker ellenlange Abhandiungen brachte, verschwieg bisher die Tatsache der unmittClbar bevorstehenden Aner kennung der jiidischen Nationalitet und der sich aus dieser fiir die Juden ergebenden Konsequenzen in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht, Wir wollen das Verhåltnis der Presse zu den verschiedenen, sei es politischen oder volkswirt schaftlichen Fragen nicht attsschlieBlich vom rein jfidischen Gesichtspunkte aus behandeln. Es gibt keine objektive Presse. Die Tagespresse ist ausschlieBlich auf den Standpunkt jener Partei, deren Sprachrohr sie ist, eingestellt, und nimmt von diesem Gesichtspunkte aus zu den einzelnen Tagesereignissen, zu den politischen und volkswirtschaftlichen Fragen Stellung. Die einzelnen Organe der Presse bringen tiiemals die communis opinio, wenn sie ihnen auch noch so gut vertraut ist, zum Ausdrucke, sie erwågen immer, inwieweit sie das, was sie schreiben, der Interessengruppe, die sie vertreten, am besten dienstbar machen konnten und priifen daher stets vorerst, ob etwas veroffentlicht werden soli und im bejahenden Falle, wie es veroffentlicht werden soli. So geschah es auch mit der beachtenswerten Rede des Abgeordneten S t r i c k e r, welche von den meisten Tagesblåttern unterdrflekt wurde, und auch die „Arbeiter-Zeitung", eines der wenigen Blåtter, die diese Rede gebracht hatten, weil sie sie von ihrem Parteistandpunkte aus betrachtet bringen muBte, konnte es sich nicht versagen, die auch von ihr anerkannte Bedeutung dieser Rede einigermaBen dadurch abzuschwiichen, daB sie ihrem Berichte die vielsagenden Worte hinzufilgte: Aber auch so war die Brandmarkung gerade aus diesem Munde sehr ntitzlich. Die groBen Massen, die Ungebildeten und Halbgebildeten, die Sich die Schlagworte der von ihnen gerade gelesenen Presse zu eigen zu machen pflegen, konnen daher von einer schlechten Presse in ein Fahrwasser gelenkt werden, das fiir ihren Geist und ihre Seele und mithin auch fiir die Allgemein- Iteit die nachteiligsten Folgen bringen kann. Wir sehen es gerade jetztwiederum in unserem Staate. Man mag uber die Berechtigung der Nationalver- sammlung zur Gesetzgebung in ihrer gegertwårtigen Zusammensetzung verschietlener Meinung sein, man braucht sich durchaus nicht mit allem zu identifizieren, was dort geschieht, wenn man sich aber die volle Objektivitet bewahrt hat, muB man andererseits zugeben, daB in der Nationalversammlung auch Gesctze geschaffen wurden, die von echt demokratischem Geiste und weittragender vofkswirtschaftlicher Bedeutung erfiillt sind. Hat, sich die der Regierung abholde Tagespresse zu dieser objektiven Auerkennung jemals émporSChwingen konnen, wird von ihr nicht geflissentlich das, was geschaffen wird, soweit es gut ist, entweder unterdrilckt oder kritiklos bios registriert, um ja nicht in der offentli chen' Meinung die richtige und so notwendige Erkenntnis von etwas wirklich im Interesse der Allgemeinheit Geschaffenen aufkomnten zu Iassen, w8hrend andererseits vermeintliche Fehier und volkswirtschaftliche Schåden mit einer BreitSpurigkeit und mit einer ieder Sachlichkeit baren Tendenz ver« wertet werden, um die Volksstimmung zu verhetzen, sodaB der Bliak fiir Gutes oder Schlechtes, fUr Ehrlickes oder Unehriiches getrlibt und geschwåcht werden muB! Das Gesaintinteresse spielt hiebei gar keine Rolle. Es geht sogar so weit, dafl ein Teil miserer Presse mit einem gewisseti Behagen beispielshalber leden Kursruckgang der C.-st Krone registriert, ledes Panama als eine regulåre Erscheinung unscres Staates andeutungsweise hiostellt, jede Unterbrechung der Einfuhr von Rohstoffen, jede Stdruug in -jv Versorgung der Bevdlkerung mit Belriedigung empfindet. den, eine derartlge Presse bieten Iassen kann. Wenn unsere wirtschaftlichén Verhaitnisse, fiir deren Gesundung in unserem S.taate .alle Vorau.?- setzungen vqrhanden sind, im Auslande und im Inlande viel schleclitér beurteilt werdpn, als sie cs \virklich sind, tragt hieran nicht ,in letzter Linie ein Tcil unserer Presse die Schuld, Die Presse hatte die Verpflich|ung, die Krafte unserer Volkswirtschaft vor dem Auslande in, objektiver Weise zu ergriinden, in systematischer Weise darzulégen,, daB wir alles das besitzen, was ein Staat zu seiner Entwicklung braucht, sie hatte, ohne auf eine gesunde notwendige •Kritik verzieftten zu mUssen, den Mut. und das Vertrauen in die Mpglichkeiten d?r Entfaltung unserer Wirtschaft zu heben und die entschieden »vorhandenen Krafte anzueifern und zu beleben. Kqmmt die Presse dieser ihrer natiirlichen Aufgabe nach? Weit gefehltl Sie. raunz.t, setzt herab, sie reitit. nieder, baut nicht auf.! Sie schadigt auf diese Weise die allgemeine Wirtschaft unseres Staates, indem sie das MiBtrauen gegen sie sået, und auf diese Weise die Kreditiahigkeit^ die, in dem, Kujse der C.-sl. Krone zuni Ausdrucke konjmt, herabsetzt. Aber auch im .Inlande erfiillt si,e. in , vplkswirtschaftlicher Hinsicht nicht die ihr Qjbliegenden Aufgaben! Auf .der eipeq Seite eine, systepiatische .gegenseitige Verhetzupg, ,ein,Åupspielen.^ll,er an der Volkswirtschaft interessierter Krafte, gegen einqndpr, auf der anderen Seite ein. imaufricjitiges. Sichherumdrucken um Fragen, die mit elementårer Kraft, nach ihrer Losung sitreben, ,ein uA|nsichher^ntreienlassen aller Ereignisse, ,ein vollstandig jpassiyes Verhalten trotz der. richtigpn ^rkenntnis,, daB die gegenwartigen Zustånde unhaltbar sind und ein(jaktives Eingreifen notwendig ware. Die Presse båtte .die Aufgabe jene Wege zu weisen, die^aus^diese^ sQ^iaien Kj;a.ekheit zur Gesundung. ffiiu-en, sie håttp die Erkenntp.is von der, Notwendigkeit „der Forientwickiung, ihrem Leserkreis.e jsu erschliefien. t un$, „nicHt (zut yer^chlier Ben, $ie ,h&t{e zju' ftthr,en? ^ich ab,er .ni/cj(it ins Schlepptau selbstsiichtiger Interessen néhimpii zu .Jassen. , Dies ist das Niveau^ .des gr6Bten,.Teiles qnserer Tagespresse und es ist entschieden einJVérdienst des Abgeordneten S t.r icke r, die Anregung zuip ,^achdenken fiber, diese Frage gegjeben,. und sp yielleicht zu einer Gesundung der allgemeinen Verhaitnisse mit beigetragen zu haben. Zum SOsemøstrlgen Bestande der. „Verltas". Wenn.man 25 Jahre lang auf ein und demselben Wege einem bes’timmten Zfelé nachstrebt, ist esan der Zéit, eirifen Augenblick zu verweilen, um Ruckschau zu halten, auf das zurficKgéleifté Wegsgilick. Zu einer Zeit, Wo sich dfe J:udenheit im alten osterreichischen LiberåHsmUs soniite und ångstlioi darauf bedacht war irilt defh Wirfsvdtkérn Ja nur eines Sinnes uifd einés Geda'nVerls zu sein, taten sich einige Akademiker zushfhftfén. Junge Menschen, in deren Herzen die Saint atffge'gangéii war, die unser verstorbener Theodor HérZt défti fruchtfaarsten Boden, den Herzen der StuddhfénSéhaft ii'bergeben hatte. Sie war es, die den grtfBeri Oeda'nkén zuerst aufgenoftimen, ihn zu ihr dr Wéltlrfséliauifng gemacht hat, durch alle Féthrnfsse trug tfnd den ddrnénvollen Weg einscHlug, dér jédém b’ev^uBtdn, jungen Juden vorgezeichtiet war. So entsttand die „Véritas". Ein Schutz- und Tnitzbund gegen die AnfeiddUngéri der Anderstnationaten und nicht zuletzt gégé'n den gefahrlichsten Feind, der im damaligen und he'Utigen Assimilantentum zu sucttén ist. Langsam giitg die ziéttfstische Bi^Cgung bel uns im Westen vorwfirts und dft woHte és scheinen, als ob das kfeine Hfiuffein dér Befcerinér un'ter der groBen Biir de zusamménbréélten miiBte. Dbch Stark im Herzen und klar im Denkfcn stånd die Front da. Unentwegt wurde ein Stein nach détn aHdferén tveggerfiumt, ein Hindernis nach dem anderen beséitigt. Der so schwer gangbare Pfad brauehte tttchtlge, unverzagte W^nderer. Und hier setzt die Tfitigkelt der Verbindung ein, hier offenbart sich ihr Zweck. Sie soli iedem der aus ihr hervorgeht, das notwendige RQstzeug mitgebin, den Zionsgedanken weiterzutragen und gegen den Ansturm der anderen Anschaunngen siegreich zu verteidigen. Birte Schar von

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