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Jüdische Volksstimme · 1920-02-05 · Heft 6 (5.2.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 6 (5.2.1920)
Date
1920-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf. 8. JCMBC1R VOUUSTUME.' *-«<- m ocnc <j, sich in den letzten Tagen innerhalb der p.-z. Partei abgespielt haben, wirklich nahe gegangen, nahegegangen vom Standpunkte der gesamtjiidischen Interessen, die wir stets tiber dem einseitigen Parteistandtpunkte hochgehalten haben. Nun, da sich uns die Qesinnung dieser unserer ehemaligen Bundesgenossén in ihrer nackten Wirklichkeit enthiillt hat, sind wir etwas ruhiger geworden und konnen zu den abgelaufenen Ereignissen viel objektiver Stellung nehmen. Linser Standpunkt zur proletarischen Bewegung innerhalb der zionistischen Oesamtorganisation war stets ein klarer und unverriickbarer und an dieser unseren Ueberzeugung wird die derzeitige Taktik der C.-sl. p.-z. Partei nichts andern: Wir halten eine Itarke proletarische Partei innerhalb der zionistischen Oesamtorganisation fiir eine Notwendigkeit, weil wir die richtige Empfindung zu haben glauben, daB die Existenz einer solehen Partei die kilnftige politische und wirtschaftliche Struktur unseres Neulandes giinstig beeinfluBen wird, giinstig in dem Sinne, daB sie berufen sein wird, dahin zu wirkeir, daB die von uns jederzeit ofien anerkannten ScMden der bestehenden Wirtschaftsordnung der kiinftigen Heimståtte der Juden nicht anhaften werden. Wir sind einsichtig genug, um zu wissen, daB Versuche zur Etablierung einer mehr oder weniger kapitalistischen Wirtschaftsordnung auch im Neulande einsetzen werden, und daB infolgedessen in einer stark proletarischen Bewegung ein Oegengewicht segen derartige Bestrebungen geschaffen werden muB. Was uns von der p.-z. Partei trennte, war einzig und allein der von dieser Partei in die zionistische Oesamtorganisation getragene Klassenkampf, den wir aus dem Grunde miBbilligen muBten, weil wir im Interesse der Propagierung unserer Ideen auf einer breiten alle Schichten der jiidischen Bevolkerung umfassenden Basis stets das Einigende im Judentume suchten und alles Trennende im Interesse der Erstarkung unserer Bewegung hintangesetit wOnschten. Wir sind von Oegnern ilberall umgeben und konnen uns den Luxus der Zersplitterung nicht gestatten. Nach diesen Darlegungen fiber unser Verhåltnis zur proletarischen Bewegung innerhalb der zionistischen Oesamtorganisation werden wir wohl gegen tten Vorwurf gefeit sein, in einen Kampf gegen jene Parteien getreten zu sein, welche ausschlieBlich proletarische Interessen vertreten, wenn wir uns mit den Verhåltnissen eingehend beschåftigen, wie sie sich in der Brunner Poale-Zion gestalten. Die Briinner p.-z. Bewegung ist sehr Jungen Datums und hat in der kurzen Zeit ihres Bestandes die sonderbarsten Wandlungen durchgemacht Schuldtragend an diesen vielfachen Håutungen ist die wahllose Zusammensetzung dieser Partei. Um den gesunden Kern der p.-z. Partei haben sich bedauerlicher Weise Elemente gruppiert, die erst seit kurzem in der zionistischen Bewegung stehen, desen Speisen essen und Qott wird dir Heilung senden." Ein Hoffnungstrost leuchtete aus Saras Augen. Mit Aufraffung der letzten Krafte griff sie nach dem Becher, Mutter und Qatte sttitzten sie und halfen ihr diesen an die Lippen fiihren; gierig trank sie den Wein schluckweise, dann aB sie auch von den Speisen, sank kraftlos in die Kissen zuriick und verfiel in einen sanften Schlummer. Die Qefahr war geschwunden! Allmåhlig kehrten die entschwundenen Lebensgeister und nach zwei Monaten konnte sie das Krankenlager verlassen. F. R i ch, H e i n s c h e 1. *) Ueberbleibsel, so werden im Osten die Speisereste genannt, von welchen der wundertåtige Rabbi genossen. Diese Schirajim werden unter den Getreuen verteilt. — 2) Rebbe, Bezeichnung fUr den Z*idik, oder Wunderrabbi, zum Unterschiede vom Ortsrabbiner, der den Titel „Raw“ tragt. — 3) Lehrer. — 4) Behelfer, ein jUngerer Lehrer, der die Kinder iiberwacht und das Qelernte einubt. — 6) Lehrzimmer. — Forschungshaus. — 7) Aufgeklårten. 8) Zettelchen, auf welche die Bittsteller ihre Namen und Bitten schreiben und nebst dem Pidjaun, dem LSsegelde, der Spende dem Rebbe iibergeben. — ®) Diener. 10) Benedeien, das Tiscbgebet verrichten,' n) Heilung. ren Charakter wenig gestfihlt, deren zionistische Qesinnung wenig erprobt ist, die aus dem Grunde mangelnder Befriedigung ihres Ehrgeizes in anderen Parteien sich der neuen jungen Partei in der Hoffnung, hier ihren Ehrgeiz befriedigen zu konnen, angeschlossen und mit diesen ungesunden Trieben gleichzeitig den Keim der Zersetzung in die p.-z. Partei hineingetragen haben. Anstatt ihre Reihen durch Heranziehung neuer jiidischer Krafte aus der deutschen, und Cechischen Sozialdemokratie zu stårken, erblickten die Briinner Poale-Zionisten die Hauptaufgabe darin, sich vornehmlich aus den sogenannten jiidischen biirgerlichen Kreisen neuen Zmzug zu verschaffen und da die Proselytenmacherei sich naturgemåB uur auf einen eng gezogenen Kreis beschrånken mufite, suchten sie in ihrem Bestreben, politischen EinfluB zu gewinnen, Beruhrungspunkte bald mit den deutschen, bald mit den Cechischen Sozialdemokraten, um nicht die kleine Partei zu bleiben, die sie tatsåchlich sind. Auf diese Weise entstand die von uns so oft gegeiBelte, wankelmiitige Zickzackpolitik, die schlieBlich dazu fiihrte, daB sie sich einem auch von uns unangenehm empfundenen Hohne bald seitens der deutschen, bald seitens der Sechischen Sozialde mokraten aussetzten, und wir nahmen diesen Hohn umso ernster, als sie sich iiberdies noch dadurch la cherlich machten, daB sie zu einer Zeit, wo die un flåtigsten Qemeinheiten Uber sie in den sozialdemokra tischen Zeitungen veroffentlicht wurden, stets nur von der deutschen oder Cechischen „Bruderpartei* spraclien, wåhrend sie gleichzeitig uns Zionisten, die nach dem wenigstens propagierten Parteiprogramme ihre Bruder sein soliten, sobehandelten, als wenn wir ihre groBten Widersacher wåren. Es méhrten sich in ihrer politischen Betatigung immer mehr Merkmale, welche wir unter dem Sammelnamen der „Assimilation" zusammenfassen, und die Fortent wicklung auf dieser einmal betretenen Bahn hat schlieBlich dazu gefUhrt, daB sie sich in ihrem Par teiorgane letzthin das offene Bekenntnis leisteten „Wir wissen, daB die Sozialdemokraten, die gewåhlt werden, nicht unsere nationale Interessen vertreten werden, aber wir wissen andererseits, daB sie So zialisten sind." Sie stehen mithin heute unserér An sicht nach auf demsalben Standpunkte, auf dem jene Juden stehen, die sich zu einer nichtsozialistischen Partei innerhalb des Deutschtums oder Cechentums bekennen. Wie lautete immer der SchluBrefrain aller ihrer Wahlreden, wenn sie in richtiger Erfassung der jiidischen Mentalitat um die Stimrne ihrer Wahler buhlten? „Wåhlet judisch! Wåhlet so, daB keine jtidische Stimrne verloren geht!" Als vor genau 14 Tagen Dr. B r o d und Dr. O o 1 d S t e i n in der Schwechater Bierhalle die erste Wåhlerversammlung abhielten, da glauben wir t von Seite eines ernst zu nchmenden Poale-Zionisten das gleiche Bekenntnis gehort zu haben. Zu gleicher Zeit hat der Prager Parteivorstand der p.-z. Partei in ernster, ehrllcher Weise an dem' Zusammenschlusse aller jiidischen Parteien zu einem einheitlichen Blocke unter dem Namen „Vereirtigte judische Parteien" mitgearbeitet. Und da wagt es der-„Jiidisch'e Sozialist" seinen Lesern weiB zu machen, wie g r U n d 1 i c h und ver antwortungsbewuBt alle Fragen geprUf t wurden, um zu dem Entschlusse zu gelangen, fiir die sozialdemokratische Partei zu stimmen und das ei gene nationale Empfinden vollstårtdig zu unWdrtikken! Sie wagen es zu behaupten, daB wir aus Grtinaen der Konjunktur unter nationaler Flagge segeln, wåhrend doch die Zugehorigkeit zu unserer Partei notorisoh nur Opferwilligkeit- und Freudigkeit, nur Verzichte zur Voraussetzung hat. „Selbstlos" nennen die Poale-Zionisten die Parole, die sie hinausgeben, eine\ Zuriickstellung des Parteiinteresses, Entsagung, Verzicht auf eine Vertretung der Partei in der Nationalversammlung! Und in einem Atem erklåren sie, warum sie sich zu ihrer Neuorientierung entschlossen: „Nie konnen jUdische Biirgerliche die Vertreter des jiidischen Proletariatés sein und darauf wåre letzten Endes das kompromitierte KompromiB herausgekommen." Also war das angebotene Kompromis zu ungiinstig?! Oder glauben sie, daB die Zionisten wenig Aussicht haben, in die Nationalversammlung gewåhlt zu werden, und dafl es besser ist, die Konjunktur reehtzeitig auszuniitzen und anderswo AnschluB zu finden! "Die Briipner Poale-Zionisten haben jede ihrer Handlungen auf die ZweekmåBigkeit eines engherzigen lokalen Parteistandpunktes eingestellt. Sie wissen ganz genau, daB unsere Bewegung aui den Schultern des Mittelstandes aufgebaut ist, der wie sie selbst sagen, proletarisiert ist, daB das Kapital unsere Reihen fliebt, daB in Miseren Reihen vielleiuht weniger Kapitalisten sind als in den prz. Reihen, daB wir in dem Briinner Kapitale serade unsere groBten Gegner haben und, gleichwohl haben sie uns mit einer besonderen Vorliebe einzig und allein aus wahltaktischen Grunden die Partei der Bourgeoisie oder der Biirgerlichen genannt. Sie ziehen gegen dasselbe Kapital los, mit dpssen Upterstiitzung sie ihr Parteiorgan erhalten. Ist das eine aufrichtig* Politik?! „Wir freuen uns? Wir verteilen bereits im Geiste die Beute nach dem Zusammenbruche der p.-z. Partei? Wir schiiren den Meinungsstreit? Wfr' operieren langsam aber konsequent? Wir heben ein Ziel vor Augen, die Vernichtung der p.-z. Partei? Unser Schachzug ist klug, aber gemein?" Der Schreiber dieses Artikels, steht entweder erst seit dem 28. Oktober 1918 im zionistischen Lager, oder er hålt es taktisch fiir richtig, seine eigene Gesinnungslumperei durch Angriffe zu bemånteln, i die er von denjenigen erwartet, die ihn durchschauen, und die er daher von vornherein in der dffentlichen Meinung veråchtlich machen muB, um "die Wirkung der von dieser Seite erwarteten Angriffe abzuschwåchen, oder es treffen bei ihm beide Voraussetzungen zu. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daB die Briinner Poale-Zionisten jede ihrer Handlungen auf die ZweckmåBigkeit eines engherzigen lokalen Parteistandpunktes eingestellt haben. Die Wahlen waren immer fUr sie das Primåre u. diese Tatsache hat die in ihren Reihen eingerissene Verrohung herbeigefiihrt. FUr uns waren *die Wahlen stets das Sekundåre, eine unangenehme Notwendigkeit, der wir uns bedauerlicher Weise mit Hintansetzung wichtigerer ernsterer Arbeit aus Grilnden der Parteidisziplin nicht entziehen durften und von diesem Gesichtspunkte aus lautete unsere Parole stets: „Wåhlet judisch, entweder zionistisch oder poale-zionistisch, aber nur jUdisch"! Deshalb kannten wir nur Teine Wahlen. Die Poale-Zionisten wissen ganz genau zu beurteilen, ob sie sich bei den Wahlen vom gesamtjtidischen oder ausschlieBlichen Parteiinteresse leiten lieBen! Die Poale-Zionisten i gedenken im „Jtidischen Sozialisten" ihrer Tåtigkeit im Volksrate und sprechen dem nach ihrem Austritte verbleibenden Rumpfe jede Existenzberechtigung ab. Mit der ihnen angeboren Bescheidenheit stellen sie mit Befriedigung fest, daB der gr68te Teil der bezUglichen Erfolge ihrer Mitwirkung zu verdanken sei. Wer Gelegenheit hatte, den Verhandlungen im Volksrate zu fpigen, wie stundenlang an der Tåtigkeit des Volksrates von p.-z. Seite Kritik getibt wur,de, sodaB man schlieBlich mit wtistem Kopfe, angeodet durch das leere Geschwåtz, nach Hause kam, ohne positive Arbeit geleistet zu haben; wie in selbstloser Weise wirklich geleistete Arbeit stets herabgesetzt wu^de, ohne jemals selbst den Finger geruhrt zu haben, der wird dieses Eigenlob selbst richtig einzuschåtzen wissen; Wenn die Herren vom „Jtidischen Sozialisten" der Ansicht sind, daB durch den 'Austritt der p.-z. Vertreter der Volksrat den letzten Rest der Existenzberechtigung eingebuBt hat und in Zukunft nicht mehr ermåchtigt ist, im Namen des jiidischen Volkes zu handeln, so sagen wir diesen Herren mit ebensolcher Bestimmtheit, daB wir gerade jetzt im Namen des jtidischen Volkes und fur dieses unsere Kraft umsomehr einsetzen mtissen und werden, als ein Teil seiner Sohne es ftir gut befindet. in der schicksalsschwersten Stunde „das eigene nationale Empfinden vollståndig zu unterdrticken". II. Die Juden Altu. Neurun)Iniene< Von Dr. Marcus Kraemer, Mitglied der jtid. Delegation in Paris. So hatte sich denn das Schicksal erfullt. Judenschaften aus vier verschiedenen Låndergruppen, aus vier verschiedenen Staatsformen hat das Kriegsende zu einer Einheit zusammengeschmolzen, vier Judenschaften, die trotz aller Gemeinsamkeit doch wegen ihres besonderen historischen Erlebens gewisse Versehiedenheiten aufweisen. Die Besonnenen konnten das Endergebnis voraussehen und niemand wird dem Bankrott der leben,sunfåhigen Doppelmonarchie oder Mern Zarismes eine Tråne nachweinen, auch der ersteren nicht, die schctn mit Recht der „kranke Mann von Europa" genannt wurde, der nicht einmal ordentUeh sterben konnte. Ich glaube, ich irre nicht. denn selbst Deutsch-Oesterreich beklagt wohl kaum den Untergang einer korrupten und kurzsichtigen Jureaukratie* Es våre iiberbaupt verfahlt hente Be-

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