Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1920)
- Date
- 1920-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2621806-2622069-2622074--4220-2625495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sefte 5 •JUDISCHE VOLK99T1MME.' Nf. 5. Kommission, die di« Aufgabe hat, mit d«n entiprechenden Institutionen zwecks Uebernahme des geeigneten Bodens in Besprechungen zu treten. Ferner soli die Kommission mit den Arbeitern in Verliandhmg treten, die sich zum Eintritt in die erste Landri rbeitersiedlung bereit erklåren. In den jiidischen Arbeiterkreisen miflt man dem Projekt dieser neuen Grtindtmg groBen Wert bei. Fin franzosisches VVeIBbuch iiber die iiidischen Forderungeu an die Friedenskonierenz. Das franzosische Ministerium des AeuBern har, \vie „Haolam" meldet, ein „WeiRbuch" herausgegcben, in welchem alle Dokumente betreffend die Wiinsche des jiidischen Volkes an die Friedenskonierenz enfhalten sind. In dem Buche werden die von den verschiedensten jiidischen Parteien und Gruppen an den Obersten Rat gerichteten Denkschrirten, die Erklårung Balfours iiber Palåstina, die Resolutionen der .,Internationale“ zur Judenfragc, ebenso der Vortrag Dr. Weizmanns als Vertreter der Zionisten vor der Friedenskpnferenz im Februar 1919 vollinhaltlich ve - offentlicht. Die Aiiswanderung aus Odessa nach Palastina. Der Stadthauptmann von Odessa hat. dem „Prisyw“ vom 17. Dezember zufolge, von der Denikin- Rcgierutig die Weisung crhalten, den Juden die Ausreise nach Palastina iiber Konstantitiopel zu erlciclitern. Die auswandernden Juden stehen unter dem Schutz einer .besonderen amerikauischen Kommission. Die Mlsrachi-Weitkonierenz in Amsterdam. (Eigenbericht.) Mittvvoch, den 14. cl., um 11 Uhr, haben die gewohnlichen Sitzungen der Konferenz begounen. Anwesend waren 38 Delegierte aus folgenden Laudern: Amerika, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, Holland, Palåstina, Polen, Schweiz und Siid-Afrika. Hermann S truck erbffnet die Sitzung und begriifit die Delegierten, wiinscht der Konferenz bei den Beratungen den besten Erfolg. Willi David (Berlin) beantragt ais Ehren-Pråsid. Oberrabbiner Landa u Zabrzce (Polen) und Ch a ch am-Basc h i Bezion Usiel (Jaf fa). Erster Vorsitzender ist: Rabbi Meier Berlin (Newyork). Beisitzer: Hermann Struck Berlin, Dr. V. Schonfeld London und Rabb. d e Vries Haarien. Sekretåre: Privatdoz. Dr. Adolf Frånkel Marburg (deutsch), Rabbiner Brod' Lipno (hebråisch). Rabbi Meier als Pråsideiit betont uie Ziele der Konferenz: Schaffun^r einer kråftigen Organisaiionszentrale; gedenkt der Hingeschiedenen: Rabbi Isaac Jakob Reines, Dr. Heinrich Barth Berlin, Dr. Jakob Moller Altona. Aus dem Palåstinareferate Fischmanii: Die Jaffaer Tachkemoni-Schule zåhlt 500 Schiiler; im ganzen besitzt Misrachi 13 Schulen. Tiberias und Kolonie Petach-Tikwah sind fast j vbilig misrachistisch. Rabbiner Dr. V. Schonfeld erstattet in gclicimer Sitzung Bericht iiber die politische Konstellation, Palastina wiirde innerhalb von 10 Jahren ein jtidischer Commonwealth (Republik) genannt werden. — Es wåre noch zu erwåhnen, daB Dr. H a n t k e, Mitglied des E. A. C., referierte und dann Berichte erstattet wurden iiber die Lage in den einzehien Låndern: Struck fiir Deutschland, Rabbi Meier Berlin fiir Amerika, aus .dessen Bericht hervorgeht, dafl sich das Etat des amerikanischen Misrachi auf 500.000 Dollars belief. Mit den Berichteu der Herren de Vries iiber Holland, Dimsou iiber England, M o e d Belgien und GroBvogel Frankreich, schloB die 1. Sitzung der Konferenz. Dr. EmU Stein. Die „Jiidische Zeitung" Wien schreibt: Palastina ist dazu berufen, unsere besten Kråite anzuziehen und festzuhalten. Und dennoch tut es uns, die wir noch in den Galuthlåndern zuriickbleiben, wehe, wenn diese Besten sich von uns losreiBen. In wenigen Tagen schniirt auch Dr. Emil Stein sein Rånzel. Die amerikanische Mission „Hadassa" hat ilm als Arzt nach Jerusalem berufen. Unser Stein, so heifit er in weiten zionistischen Kreisen, unser Chajim, in vertrauteren Zirkelu iiberall bekannt und beliebt! — Vor 18 Jahren war es, als er aus Gaya, der biederen tnåhrischen Kehila, gesåttigt mit der guten Jiidischkeit des Elternhauses, an die alma mater nach Wien kam — geradenwegs in die Verbindung „Unitas" und in die zionistische Bewegung. Gliick auf unser Chajim! Du wirst auch driiben und dort erst recht Deinem Namen Ehre machen. Leben wirst Du verbreiten unter unseren Briidern, tatkråftige Hilfe wirst Du ihnen bringen als Mensch, als Arzt, als Zionist und Deine iiberquelletide Liebe, die jeden Groil, jede Intrige entwaffnen muB. Du wirst uns Zionisten in Oesterreich als Wiener Marke der besten Art alle Ehre machen in Altneuland. Lehitraøt! Auf Wiedcrsehen! Michael. Hilfe fiir Deutsch-Oes.errelch. Die himmelschreiende Not in Deutsch-Oesterreich, insbesondere in Wien, wo ungezåhlte Tausende am Abgrund des Verderbens stehen, hat in Deutschland eine Hilfsaktion ius Leben gerufen, die fiir Bayern durch den „Hilfsbund der Miinchner Einwohnerschaft" zentralisiert ist. Einer der wesentlichsten Programmpuuktc ist die Unterhringung von osterreichisclien Kindern bei Familien, die in der Lage sind, ein oder mchrere Kinder einige Zeit, mindestens 6 Wochen bei sich aufzunehmcn, wobei Wiinsche beziigl. Alter, Konfession und Geschlecht der Kinder beriicksiQhtigt werdcti. — Es wird daher auch au clas briiderliche Herz unserer Glaubensgenossen appelliert, sich au diesem Rettungswerk zu beteiligen, insbesondere da zu erwarten ist, daB sich unter den hungernden Kinderu aus Wien eine groBe Anzahl von jiidischen befindet, die auf rituelle Verpflegung rechnen. In Miinchen hat sich, trotzdem hier die Schwie rigkeiten naturgemåB besonders groB sind, eine Anzahl von Familien zur Aufnahme bereit erklårt. .^o wird die Bitte ausgesprochen, daB der Hilferuf auch in der kleinereu Gemeinde Bayerns gehbrt und beherzigt werde. Es wird bemerkt, daB die Kinder årztncn untersucht und, soweit sie ansteckende Krankheiten haben, nicht nach. Deutschland gesandt werden. Såmtliche Kosten fiir Hin- und Riickfahrt der Kinder, sowie fiir deren Versicherung gegen Unfålle usw. werden vom Miinchner Hilfsbund bestritten werden. Dagegen konnen Sonderzuweisungen von Lebensmitteln nicht gewåhrt werden. Es wird gebeten, Atimeldungen nach folgenden Rubriken: 1. Name, 2. Adresse der Pflegefamilie, 3. Wiinsche betr. Alter, Geschlecht und Konfession, Dauer der Aufnahme, 5. ob Haushalt rituell? zu betåtigen und moglichst umgehend an das unterzcichnetc Rabbinat gelangen zu lassen. Rabbinat Miinchen, Richard Wagnerstr.. 16. Der Danielbund, der im Juni vor igen Jah res in Miinchen begriindete Vegetarierbund, hat in Berlin eine Ortsgruppe errichtet, die nach den Grundsåtzen des neuen Bundes alle Bestrebungen, die eine physische und sittliche Wiedergeburt des Judentums bezweckten, ibrdern will. Der Danielbund erstrebt Ermogiichung einer seinen Zielen entsprechenden Lebenswoise durch Griindung jiidischer kooperativer Landsiedlungen, moglichst auf gartenbaulich-vegetarischer Grundlage. Ih der Errichtung eines jiidischen Volkstums in Palastina erblickt der Bund nicht die Errichtung einer neuen Scheidewand zwischen Nationen, sondern die Losung bestehender, durch die tmnatiirliche Situation der Juden veranlaBter nationaler, wirtschaftlicher und religioser Spannungen. Neben diesen innerjiidischen Aufgaben fåilt dem Danielbund auch aie bedeutsame Mission zu, in den Kreisen der Vegetarier den dort immer stårker an Boden gewinnenden Antisemitismus zu bekåmpfen. Der antisemitische Geist, der in den vegetarischen Zeitschriften schon seit langem erkennbar war, wird vom Danielbund am wirksamsten bekåmpft werden konnen. VON W0CHE ZU W0CHE. „Deutsches Haus". Brunn. Alle Sale funkeln im gliihenden Lichte. Keii^ Tanz Ist modem genug, als daB er nicht getåhzt wiirde. Keine Jiidin reich genug, als daB mit ihr getanzt wiirde. So soli sich denn der Fali ereignet haben, daB einer jiidischen Dame — natiirlich aus bester Gesellschaft, denn zu einem Balle des deutschen Hauses werden nur ] Juden aus bester (!) Gesellschaft geladen — der Komiteeherr erklårt, sie moge sich einen anderen Tånzer zum Balle bringen, da er mit Jiidinnen nicht tanze.-Die Dame erschien mit einem anderen Tånzer! — Sie non evero e benetrovato! Selbst wenn dies nur Fabel wåre, so dokumentiert es den Geist, den Charakter unser „israelitischen" Damen. Die Jaden tragen zu allen Briinner Kunstinstitutionen sehr viel bei, sind an der Erhaltung *des „Deutschen Hauses" finanziell stark beteiligt, meiden jiidische Gesellschaft wie die Pest. Unsere israelitischen Assimilantenmådels konnen sich — wie das Beispiel lehrt — nur in christlicher Gesellschaft gut unterhalten, werden offenkundig vbr den Kopf gestoBeu, hald legt man ihnen den Austritt aus diesem oder jenem deutschen Verein nahe, das nutzt alles nichts. Sie kommen. Sie bleiben. Sie picken. Aber uns packt die Verachtung vor ihnen. * * * Ein orthodoxer Rabbiner. Der Oberrabbiner Koloman W eber aus P i s t y a n findet es der Miihe wert, in der „PreBburger Zeitung" gegen die „Jiidische Partei" Stellung zu nehmen, welche die Absicht hat, in der Slovakei selbståndigc jiidische Kandidaten fiir die kommenden Nationalversammlungswahlen aufzustellen. Man solite meinen. daB die slovakische Orthodoxie diese Absicht mit Freuden begriiBen solite. Aber mitnichten! Kciuc Dummheit der Geschichte bleibt vereinsamt. Immer wiederholen sich, bei gleichen Anlåssen, die Geschehtiisse. Jetzt sind es bald 26 Jahre, daB o r t h od o x e Rabbiner in Deutschland gegen den Zionismus protestierten und nun glaubt wohl Herr Oberrabbiner K. Weber aus Pistyan und Herr Katz aus Nyitra des gleichen tun zu miissen. „Wie ist es denn moglich", — ruft Rabbiner Weber aus, — „daB die slovakischen Juden, die vor einem Jahre noch magyarisch wåhlten, jetzt jUdisch fiihlen?" Diese Inkonsequenz sei unmoralisch. Nein, nein Herr Oberrabbiner, Ihr Beginnen ist unmoralisch, Sie wollen etwa die Juden noch immer zu den Magyaren zåhlen lassen? Wollen Sie wieder auf die Juden der Slovakei, das Odium laden, sie seien nicht staatsfreundlich. Geliistet es tatsåchlich den slovakischen Juden nach. ihr er Konsequenz, wollen die Orthodoxen die Juden weiter einer. Politik zuziehen, die das verkehrteste und verderblichste Beginnen ist. Doch nein. Herr Oberrabbiner Koloman Weber — heil ihm, daB er den Vornamen des groBen alten Tisza fiihrt — will ja nur haben, daB die Juden — da doch hochstens 2 bis 3 jiidische Kandidaten gewåhlt werden konnen - lieber Nichtjuden wåhlten, wenn sie den Wåhiern versprechen, fiir jiidische Interessen einzutreteu. Hochste Naivitat. Ja, bei Gott, warum schert sich denn ein Oberrabbiner um Politik, er solite doch lieber in seiner „Klaus" bleiben, bei Talmud, Thora und Schulcha-'-Aruch. Denn solche Ratschlåge geben uns doch unsere Assimilanten auch. Dazu brauchcn wir keine Rabbiner! Will uns tatsåchlich die slovakische Orthodoxie Opposition machen? Will sie zur ecclesia militais werden? VergjBt sie in ihrem HaB gegen Alles zionistische ganz darauf, daB sie als Schulerin Hillels den Frieden lieben und ihm nachjageu soli? Wie ist das zu verstehen? Die Zionisten kommen, um das Judentum zu stårken und die gesetzestreuen Ju'dr? schlieBen $ich aus? Al tifrausch min hazibur! leh-' und befiehlt der Perek. Schliefiet Eucli nicht aus der Gemeinschaft aus, Ihr orthodoxen Rabbiner, wenn cs gilt, mit Stolz und Matinesmut das Judentuip zu bckenrien! SAMBATION oder Der Sabbatflu6. (Vergi. Midrasch-Råbba I. 73.) Hast du gehort, mein lieber Sohn, Vom wilden FluB Sambation? Was in ihm schwimmt, er wirft’s empor, Die Wellen brausen laut im Chor, Am Ufer hort sein Wort man kaum, Das Wasser zischt, ist weiB von Schaum, Kein Schiffer kann durchqueren ihn, Umsonst sein Rudern und Bemiih’n — Doch, wenn der Sabbat eingezogen, Dann glåtten sich des Stromes Wogen, Der Sambation hålt Sabbatruh* — Am Sabbat ruh\ mein Kind, auch Du! O. S. R. Moritz Antscherl-Wien.