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Jüdische Volksstimme · 1920-01-29 · Heft 5 (29.1.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 5 (29.1.1920)
Date
1920-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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90(0 * Mmscm VOUCSSTfJHME.' Nr. von der Weineren Stødt in die ffrdBérc und vom Dorf in die kleinere Stadt zieht. 2. Wir lesen oft in den Zeitungen wegen verschiedener Auschreitungen und Ueberfållen auf Jaden, wie Bartabschneiden etc., begangen von Soldaten, die im Auslande einen sehr schlechten Eindruck machen. Haben diese Exzesse aufgehort oder nicht? „Leider haben die Ereignisse, von denen sie eben sprachen, nicht aufgehort. Natiirlich mochten die leitenden Kreise, dal) solche Ausschreitungen, welche, wie Sie selbst sagen, im Auslande schlecht wirken, nicht vorkommen lassen. Nur weii es durch Soldaten geschieht und meistenteils in der Nacht, wenn es keine Mdglichkeit gibt, ilire Namen zu konstatieren, ist die Regierung, wie es scheint, zu schwadi, ein Ende damit zu machen. Es ist eine schreckllcne Erscheinung, die auch in den schlimmsten Zeiten m Ruflland nicht zu Tage trat. Sie konnen sich die Panik vorstellen, die ausbricht in einem Zuge, der meistenteils unbeleuchtet ist, in dem Moménte, wenn die unschuldigen Juden iiberfallen, geschlagen, vcrwnndet und beraubt werden. 3. Welchen Eindruck macht das Qesetz iiber die Sonntagsruhe auf die Juden? Was zwang die Polen dazu, welchen Nutzen hoffen sie davon zu haben und welche Folge wird dieses Qesetz fiir die Jaden in Polen haben? Die Annahme des Sonntagsgésetzes macht den denkbar schlimmsten Eindruck auf die ganze jiidische Bevolkerung, denn es ist doch klar, daB die Juden vor die Alternative gestellt werden, entweder sich von den tief eingewurzelten religidsen Geftihlen abzusagen oder gutwillig auf einen dkonomischen Untergang einzugehen. In dem Falle handelt es sich nicht mehr um nationale Rechte, sondern einfach um Toleranz bezilglich der Religion. Die Polen selbst werden iiber kurz oder lang selbst einsehen, daB sie es ganz åndern miissen. Es ist sehr charakteristisch, obwohl auch sehr traurig, daB die jiidischen Assimilanten aus Qalizien im Parlament nur dank dem. daB in Qatizien keine Wahlen zum Sejm stattfinden konnten, zusammen gegen die brennendsten Interessen des jiidischen Volkes gestimrat habeg. 4. Sind Aussichten auf . eine Verstandigung zwischen Polen und Juden vorhanden? „Wir jiidische Deputierte stehen immer mit atisgestreckter Hånd zu elner Verståndigung bereit. Sowohl als Juden wié auch als, Biirger -des Landes empfinden wir die Wichtigkeit dieser Verståndigu-ig fiir das Aufbluhen des alt-neuen Polens. Der Moment muB und wird kommen, indem die Polen verstehen werden, daB sie nicht mehr. unsere ausgestreckte Hånd abstoBen sollen,, und daB nur ein iriedliches Zusammenlebén das ganze Land begliikken kann. Ob es’eine Regierung oder eine’ Parlamentsmehrheit machen wird, welche aus einer sehr groBen Majoritåt von rechten Elementen besteiit oder ob man warten muB auf ein Parlament, wenn die linkeren Elemente ans Ruder kommen werden, ist heute sehr schwer abzuschåtzen." RUNDSCHAU. Weizmann iiber die Lage. Das Bureau der zion. Organisation meldet: Prof. Weizmann hat am 7. Jånner vor dem Aktionskoraitee Bericht erstattet, der eigentlich fiir die geplante Jahres-Konferenz in Basel bestimmt war. Weizmann erklårte, daB der Weg fiir groBe Arbeit in Palåstina jetzt offen sei. Die Verwaltungsbehorden in Palåstina sind jetzt der Ansicht, daB sie gemeinsam mit der zion. Organisation fflr die kiinftige Entwicklitng des Landes arbeiten miissen und sind auch dazu bereit. Die jiid. Kolonisten leisten ausgezeichnete Arbeit und die Kolonien sind Burgen der hebråischen Sp^ache. Bedeutende Verbesserungen seien jedoch nfltig. Die friiheren Kolonisatlonsmethoden sind veraltet., Die jiid. Bodenpolitik muB auf dem System der Nationalisierung aufgebaut werden. Die zion. Schulen in Palåstina werden, jetzt von ca. 30.000 jiid. Schfilern besucht, die gute Fortschritte machen. Trotzdem sei uoch eine groflere Anzahl von Schulen notig und das zukiinftige zion. Budget musse fiir diesen Zweck reichliche Summen bereitstellen. ' Weizmann berichtete auch iiber seine mit dan Resultaten unabhångiger Experten verglicheuen Studien iiber . die baldigen praktischen Mtiglichkeiten in Palåstina. Sie alle sind iiberzeugt, daB man im Laufe des kommenden Jalires ca. 30.000 Juden in Palåsthta ansledeln kdnne. Solange nicht genilgend Knuser vorhanden sind, kann jedoch von einerMassen- Immigration nicht die Rede sein. Es miissen mindestens 5000 Håuser gebaut werden, wobei 5000 Leilte Arbeit finden werden. Weitere 2000—3000 Arbeiter konnen bei kleineren Unternehmungen Beschåftigung finden, die sogleich fUr die Entwicklung des Landes notwendig sind. Auch in den verschiedenen Industrien konnen ca. 2000 Leute beschåftigung finden. Zum SchluBe erklårte Weizmann, daB die in Palåstina gewonnenen Eindriicke ihn iiberzeugt hatten, daB die englische Regierung fest entschlossen sei, ihre in der Balfour-Deklaratlon gemachten Versp.echen einzuhalten. Konferenz der iiidischen Mittelschullehrer in Polen. daB seit der Rftumung dqr Provinz Posen durch die Deutschen ungefåhr 1000 jiidische Familien, das sind etwa 10 Prozent der jiidischen Bevolkerung Posens, nach Deutschland emigriert sind. Dieser Abwandcrung steht allerdings eine ziemlich betråchtlichc Imigration von Juden aus KongreBpolen nach Posen gegeniiber, so daB die Zahl der in Posen wohnhaft-cn Juden nicht wesentlich vermindert sein diirfte. Zlonistenverfolgungen in Moskau. Wie „Das jiidische Volk“ in Warschau mitteilt. ist der jiidische Gemeinderat in Moskau von der Regierung aufgeldst worden. Die ziotiistischen Fiih'er Salkind und Tscherikower sind verhaftet. Es sollen noch manche andere Zionisten verhaftet sein, unter Mitglieder der Leitung des „Hechaluz“. Auf der vom 28.—31. Dez. stattgefundenen Konferenz > der jiid. Mittelschullehrer wurde eine Reifie von wichitgen Beschltissen gefasst, so u. a.: Die Konferenz der Vertreter der jiid. Mittelschulen, die auf jildisch-nationaler Grundlage stehen, erkennt, daB ■ der einzige konsequente Typ der jiid. Mittelschule die Schule mit hebråischer Unterrichtssprache ist, bei voller Beriicksichtigung der fiir die Staatsbiirger notwendigen Gegenstånde, d. h. polnische Spraciie und Literatur und Geschichte und Geographie Polens. In Mittelschulen mit polnischer Unterrichtssprache sollen die Judaistika hebråisch gelehrt werden. Irn ganzen Lehrsystem soli stets das jiid. Moment beriicksichtigt werden. Die gegenwårtige Mittelschule soli in eine 7klussige allgemeine Schule und in eine 5klassige Mittelschule geteilt werden. Am geeignetsten ist a) der mathematisch-naturwissenschaftliche Typus und b) de;r humanistische Typus mit dem Lateinischen. In den jiidischen Mittelschulen mit polnischer Unterrichtssprache soli der Unterricht in Judaistika mindestens 8 Stunden betragen. Leiter einer jiid. Mitteischule kann nur ein Nationaljude sein. Kenntnis der jiid. Kultur und der hebråischen Sprache ist unerlåBliche Bedingung bei Besetzung dieses Postens. Landtagsabgeordneter Dr. Rosenblatt in ‘Amerika. tDer bekannte Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Lodzer Zionistischen Organisation, Dr. I. Rosenblatt, ist in Newyork eingetroffen. Der Zweck seiner Reise ist eine grSBere Hilfsaktion der amerikanischen Juden zugunsten der Hinterbliebenen der Pogromopfer ins Leben zu rufen. Sonntagsruhe in Polen. Das „Judisze Folk“ veroffentlicht einen Autrui der jiidischen Abgeordneten beziiglich der vom Seim beschlossenen Sonntagsruhe, worin die jiidische Bcvolkerung zum tapferen Ausharren in diesem ih ren gerechten Kampfe aufgefordert wird. Dieser Aufruf soli nach in Warschau kursierenden Geriichten Veranlassung geben, die jiid. Abgeordneten wegen Aufreizung der Bevolkerung zur Nichtbefolgung der Gesetze und zum Widerstand gogen die Behorde, atizuklagen. Bolschewlsmus und Zionlsmus. Die „Jiidische PreBzentrale Ziirich“ teilt mit: In einem Funkenspruch wenden sich die russischen Bolschewisten an alle Juden der Welt, sich nicht der zionistischen Partei anzuschlieBen, da diese mit der Entente Hånd in Hånd arbeite und keine freiheitlichc, sondern imperialistische Politik betreibe. Die Juden wiirden ihre Gleichberechtigung nicht durch den Zionismus, sondern nur durch den Sozialismus erreicheo. Jiidische Emigration aus Posen. Die „Posener Neuesten Nachrichten“ berichteii, Die Stadtratswahfen in Minsk. Am 23. November fanden in Minsk die Stødtratswahlen statt, denen insofern besondere Bedeutunx zukommt, als die Polen sie als Gradmesser fiir das Plebiszit iiber die Zugehorigkeit der Ostgebicte betrachten. In Anbetracht dessen, daB verschicdenc Parteien, so die WeiBrussen, sich der Wahl enthiclten, kann man die Wahlbeteiligung, die gcgeu 4.s Prozent der Wåhler betrug, als nicht gering bezeichnen. Genaue Wahlresultate liegen noch nicht vor, Nach dervorlåufigen Zåhlung sollen 19.611 Wåhler gestimmt haben, wovon die jiidische Liste 7532 Stimmen (17 bis 18 Kandidaten) und die polnische Liste 7436 Stimmen (17 Kandidaten) erhalten hat. Auswanderung kaukaslscher Juden nach Palåstina. Im Kaukausus haben sich, wie „Haolam“ bericlitet, bisher 12.000 Juden zur ehebaldigen Auswanderung nach Palåstina gemeldet. Der iiberwiegendc leil von ihnen besteht aus Bergjuden, die in der Landwirtschaft gut bewandert sind, den Rest bildeu Handwerker. Eine in Baku abgehaltene zionistische Versatnmlung hat behufs Regulierung der Auswanderung weitgehende wichtige Beschliisse gefajjf, darunter auch die Errichtung eincs Zentralbureaus in Baku und eines Informationsbureaus in Batum, welches die Verbindung zwisclien dem Zentralbureau einerseits und Konstantinopel und Palåstina anderseits aufrecht erhalten soli. Zur Atisfiihrung der gefaBten Beschliisse wurde ein Budget von 210.000 Rubel angenommen. Griindung einer Kolonle des Hapoel-Hazair. Die landwirtschaftliche Kommission des Hapoel- Hazair beschloB, unverziiglich zur Griindung der ersten Siedlung zu schreiten, fiir welche folgende Statuten grundlegenden Charakters angenommen wurden: 1. Mitglied der Landsiedlung kann jeder lanciwirtscliaftliche Arbeiter ohne Unterschied des Cieschlechts werden, der sich zu folgenden Prinzipien bekennt: a) unhedingt eigene Arbeitskraft (ohne Zuhilfenahme fremder Lohnarbeit); b) der Boden als das Eigentum der Nation; c) absolute Durchfiihrung der hebråischen Sprache. 2. Die Zahl der Mitglieder der Landsiedlung soli 50 bis 70 betragen, abgesehen von den Vertretern anderer Berufe, wie Lehrer, Handwerker, die im Interesse der Siedlung notwendig sind. 3. Jeder landwirtschaftliche Arbeiter erhålt auBer dem Platze sein Haus und ein Feid von 60—70 Dunam Flåche. Sollte der BeschluB gefaBt werden, einen Teil des Bodens fiir Pflanzungen zu bestimmen, so soli hierftir ein Maximum des Bodens bestimmt iverden. 4. Die okonomischen, hygienischen und Erziehungseinrichtungen innerhalb der Siedlung miissen offentlicher Natur sein und die Beteiligung an ihrer Erhaltung ist fiir såmtliche Mitglieder obligatorisch. Privatpersonen ist es verboten, Einrichtungen gleichen Charakters in der Siedlung zu grunden. Die Versammlung wåhlte eine siebengliedrige „Bohemla" Aktienbank In Pra Flllales In Brllnn vis-a-vis Bahnho iø Zehlungen Ins AuslanS flnenslerunsen und Kvedlte Barsen-Transaktionen Zweløanitalten: New-York, Paris, Bratislava, Qablonz •/&, Haida

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