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Jüdische Volksstimme · 1920-01-29 · Heft 5 (29.1.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 5 (29.1.1920)
Date
1920-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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eint (teutsches Haus mit diesem Tantfeete einé'ri'grd* Beren geldlicheti Ertrag zuzufflbreb”. Auf dleæ Weise scheint — wtfltøftens b^n zum erstefcma! — das heufesté Reliitf **$er . ei Rfij ^rakf mkk^m deutschen Nati 2u sein: Jple J in si$h Ifhien, dreinrroéh in ihnen nft&t mehf „ wollen é'fiiflich (Pir ^nne^if &n iifUs tt stUn". ftél« der rigftieif&r ^ach^Hd __ der TCtååchen rønnen és einige idmnnen mit titrér Ehre fflr vereinbar, den stolzen Namen einer Schutzherrin.anzunehmen. Beglttckt ob dieser „Auszeiehnune'' empfandeji sie das Bedurfnis, ihrer iniieren Freude auch kuBerlich Ausdruck zn verleihen: In den .ersten Damensalons wurdcn die sinnreichsten Toiletten gebaut,, tun durch strahlende Schonheit und |ufieren Qlanz zur Fcier dieses Festes beitragen zu kflnnen. Hier setzt die lama ein: Ein arischer Schutzherr sollte nafch dem entworfenen Programme mit einer Jttdjschen Schutzlierrin beim Einzuge unter den Klåbgen des Jubellestmarsches ein Tanzpaar bilden. . Der. arische Schutzherr, der sich die neuesten Tiiesen der neuen deutschen Nationalpartei zu elgen gemacht zu haben scheint, soli seiner iiidischen Kollegin im letzten Augenblicke in einer nicht miBzuverstehenden, aber ritterlichen Weise zur Kenntnis gebracht haben, daB sie mit ihm an diesem Abende nicht rechnen diirfe. Darob ungeheuere Panik unter den deutschen Jiidinnen, arge Verlegenheit und Zweifel, was nun zu geschehen håbe, Besorgnis wegen der Verwendungsrrtdglichkeit der kostbaren Toiletten! lier ZusfcSrifl zu parier en gestattet, in der sie. mcIi dardber beklagen, daB gegen sie der Vorwurf des „fflStumSSOTtøåi'Mzens" jhffir bei gewissen OclegénhcitAl^erhobetl, dagegen Tlafin unterlassen wird, ‘titen fi 4>n Deutschen gébrafucht, oder besser gtflkgT iffratiraucht herden. Man ffittfi die Naivltfit dieser Zuschrift anSfått- und in diesem Ståhhen an einer Gcsundung tflfe* sérOeistesrichtung véfzxVfclfeln 1; rSehen"denn diese Juden nicht, wohin die Entwicklung steuertl Wie die Zahl derer, die sie scheinbar stiitzen, von Tag zu Tag kleiner wird und mit mathematischer Qenauigkeit der Zeitpunkt heratiriickt, an dem sie, aus der von ihnen so heifigeliehten Geselischaft ausgestoBen, vollstandig isoliert dastehen werden! Konnen gesellschaftlichc Bediirfnisse soweit wirken, daB jeder Funke Ehrgefuhl erlischt, daB jedes Schamgefuhl verloren geht und nichts anderes Obrig "Slcfbt, als die HOBlichkeit der Gefiihlslosigkeit! Sie wollen nicht eiris'ehen, daB die Voraussetzung der Achtung durCh andere die Selbstachtung'ist. Sie durfen nicht wart^n, bis man sie gesellschaftlich vollends boykottiert, sie miissen sich von dem Vorurteile bélreien, daB die jiidische Geselischaft ihnen nicht da& bfetén kanti, was ihr „verwohnter" Geschmack erfordert. Erst bis sie sich von rillen Schlacken teltÅridpiert habén werden, wird ihre Avirkliche mo- Yålische Ettirincipåtion naichfolgen und sie werden dann ‘ ^lederum zu einem ' lråncfføngsfahigen Faktor werdeh. Bik dahiri werden sie wie Figuren auf dem Sdhåchbrette hin1 und herb'éwégt werden, ohne Widerstand Teisten zu konnen. Die einen empfanden Scham uber das Géschehene, warfep noch eirien lefzten tradrlgéh Blick auf die fertiggestellte kostbare Toilette und blieben zu Hause; die anderen setzten sich aber diesen rinangenehmen Zwischenfall mit dem tfdstlichen Gedanken hitlweg, daB es sich ja ri ur um einen Veréinzelten Fall handle, flir deri'mhn doch das deutsche Volk nicht verantwortlich machen kdnne und girtgen zuin Ball. ^Auch Jie belejdigte Schutzlierrin fehlte nicht! Dieser kleine Zwischenfall mit allen seineti Einzelheiten, die ihm vorangegangén und nachgefolgt waren, stellt das Spiegelbild der Geistesrichtung eines Bruchteiles unserer Juden dar, gerade lener Juden, die lede Gemeinschaft mit uns Jiidisch-Nationaien ablehnen. Sie haben fedes Urteilsvermogen iiber das, was sich ziemt oder nicht ziemt, was Ehre und Takt gebieten oder verbieten, eingebiiBt, sie sind abgestumpft gegen den Hohn und das Gesp5tte,( dem sie sich durch ihre Kriecherei, durch ihre Uncrripfindlichkeit aussetzen, man wagt es sogar jetzt schon s|e an ihrer yerwundbarsten Stelle zu fassen, sie ob ijjrer uncn^wegten von allen fur sie noch so nnan^eriehmen ’ ZwischénfåHen uoabhångigen Hilfs-, bereitschaft, „zu grdBeren Gél*dopfern“ zu frotzejn. Ond, sie sind wiederum yersohnt, wenn der „Tagesbote“ einen in .dieser Hinsicjit gegen sie g’erichteten Angriff „eines hiesigen Lokalblattes in einer '... . Boden in den Topi zu legen. Dann schichtete sie auf diesen Boden; Kartoffelschalen, Åepfelschalen, einc Hånd voll Lauch. und sechs Zwiebeln. Oben darauf kam nun die andere HSlfte des Teigbs ais Decke und fertig \yar der .Lokschen, d. h. bis auf s Braiten, das aber in deni herrlichen! Mengfett —• n. b. eine Spe^iglitåt, ^der Stoteler — vorziigiichgelang. Aych §åi)bath kam. Und auch Lotheim kam. Leise ^chiich. er, nachdem er ausgespåht hatté, daB Meier Goldberg auf dem Sopha lag, in die KUche. Die Qofdbergs glichén aber einem schlafenden Frichsf sie taten nur, gis, ob sie .schUefen und merkten' sehr wohl,. was in dpf, ^iiche yrging. Die Mpus war ricfitig in die Falle geigWen. Dlpsmal griff Lotheim deri Loksphentopf bei den Oh ren und — hast dumich nicht gese^yn *— rannte er spornstreichs mit dem^ seib$j, p,ach Ijlause... Ooldbergs lachten sicp an diesem Sabbat bpld krank, und hiipften vor Freude,d aB ihnen ihr Strélch geiungen war. , #I|i der nun folgenden Woche sahen sich die . .Naghbarsl^ute gar nieht., A|s aber der Sabbat wleder- , kfjirte,. piachtsin.die Qoldbergschen Eheleute bei Lotheigis yfieder ^ipen Sabbatbesu^h. Sie wurdenjzwar „ kiihl eippfangen, abpr Lotheini beherrschte sich und schwieg Qber den Lokschen, und Rieke sagte ‘iiber- ... . kPI* 4#ier^..Opldberg ^etø . .arntki »i-Gitøigh KWest du uns vieUeicht éiunai •isen Lokschenfopf borgen?*' Ist tTas riOch ZNmTstnus? Von Max Brod. „Der Jiidische Sozialisl" (Briinn, 16. I. 1920) bringt einen Leitartikel „Der Nationalismus" von Dr. Otto Schiitz. Man liest und staunt. Ist das noch Zionismus? Wie^ ,ist moglich, daB eine zionistisene Redaktion diesen Béitrag ohné Protest abdruckt ohne anzudeuten, daB sie mit dem Essaisten nicht iibereinstimmt? Oder, sollte der traurige ZersetzungsprozeB, den der Poalezionismus heute durchmacht, schon so weit fortgeschritten sein, daB die ånfinationalen Ausfi'ihrungen von Dr. Schiitz mit den Maximen der Parteileitung sich decken? — Dann aber bitte ich um Aritwort auf Folgerides: Welcher Satz dieses Artikels ist nicht aus dem Geiste der assimilatorischen „Arbéiterzeitung“ geschrieben? Welcher Såtz kbnnte nicht von Austerlitz sein? Und wenn die Partei, mit ihrem Mitarbeiter Dr. Schiitz ubéreihstiiiimend, vom Natiorialismus nichts arideres zu sagen weiB als „Er triibt den kritischen *BUck“, — woråus leitet sie das Recht ab, ihren schonen Namen „Poale-Z i o n“ weiterfilhren zu diirfen, warum nennt sie sich nicht einfach „Partei der Jetzt entTud sich das iang ve'rhaltetie Gewitter. Wie Lavastr&mé ergoB sich Lotheims Z^rn iiber den „langen Meier“ urid das „kleine Mlnchen". „Zwei Loksctientdpfe kfinnt Ihr kriegen.'lhr mechante Menschen; Du bist ein ganz gemeiner Kerl,r Meier, und ich bitte Dich, riiach’ mir nit nochmaf solche StuB! schric das bébende Lotheimchen!“ „FaB Du ah Deine eig’ne Kapp, Herschle Ganef", gab Meier ’ in aller Gemiitsruhe zuriick. „Und nun, Ifebe Nachbarsleute, riehmt nix nicht vor iiber, fuhr Meiér fort, wft haben noch einen groBen Lokschentopf 'iu Haus, und Mfhchen hat flir heut’ einen Extraidkséhen gebraten, in dem keine Kartoffelschalen rslhd. Wfi ’brefgen (laden ein) Euch von Herzen, bei tins heute zu 'Mittag zu åpeiseft. Macht nur so keine Umstande — rind geht mit hinuber!" Und dér „lange1 Meier" saBte den „kleinen Lotheim" und dié „kleine Minchen", die „lange Rike" unter den Arm. Halb gezwungen, halb freiwillig folgten die Lotheimschen Eheleute den Goldbergschen und driiben bei diesen gab’s einen Lokschen wie seit Adam, dem Ersten, noch keiner gemacht worden war. Gegenseitig aber versprachen sich die Nachbaren, daB sié solehe Witze und IStreiche nicht mehr machen wollteri. 'Sie ‘ reichten sich dié HSride und riefen sich gegenseitig zu: „Out Schabbos"! gie oichf mehr paBt, ganz klar: „Internationale Arbeiterpartei mit jfldisclien Mitgliedern"? Fur Dr. Schiitz ist der Nationalismus ein notwendiges Ufetl und zwar: mehr Uebel als notwendig - er sOTtnamlich mSglichst schriell und griimihch uberwtffMen werden. Vdllig nach Art der Assimilanten erlfflfrt SchUtz als MerkMt der Nation: geographischu Beschaffenheit der Wttfctoitze, die pohtischen VertHUtnisse, die Sprache ^um leichter hibghchen, dSdurch engeren Verkehr". — Die Juden tind die hébrfiische Sprache mogen Zttsehen, wo sie bei einer solehen Definition bieiben! Dieses Nichtbedachtnehmen auf die besondern Bedinff ti n g e n, unter denen das jiidische Volk lebt, ist stets das Hauptmerkmal der assimilantischen Argumentation gewesen, es charakterisiert auch die vollig unjudische Einstellung des Leitartikels im „Jiidischen Sozialisten". — DaB es eine nationale Eigenart gibt, wird glatt geleugnet. Gemeinsamkeit des Gefiihls der Nationsgenossen ist nach Schiitz nicht angebor.en, sondern nur anerzogen. Das ist der springende Punkti Wir Jiidischuationaien und Zionisten glauben nåmlich (von dem kleinen Griippchen Zollschans abgeseiien), dafl es eine jiidische Seele gibt. Wir fnhien sie, olme sie begriffiich definieren zu konnen, in unserer Geschichte und Tradition, in GesprSch und Sitte, in Blick und Haltung, im Guten wie im Bosen. Und wir wissen, daB die Verantwortung fiir die Vervoilkommang dieser jiidischen Seele auf uns liegt, daB nur durch Juden und durch Erhaitung des Judentums dahin gearbeitet werderi kann, daB unverlogen auf natiirgegebener Basis jiidischer Rasseninstinkte der jiidische Geist sich veredle, — zum eigenen Heiie wie auch zum Heiie der ganzen Menschheit. — Ich* bin ein Feind des Chauvinismus, daher auch ein Feind aller Auserwahlungstheorien. Ich glaube also nicht, daB der jiidische Geist v o r t r e f f 1 i ch e r ist als der Geist anderer Volker. Aber ebenso u n e r s e t z- 1 i c h ist er wie der Geist anderer Volker und, wer die Ménschheit liebt, muB dahin streben, daB nichts Von ihren volkischen Kulturmannigfåltigkeiten verlorert gehe. Denn das Ende der Kultur bedeutete es. wenn eirie einfbrmige abstrakte langweilig-technische Zivilisation alle feineren Instinktregungen der Menschheit unter ihrem Gallert erstickte, wenn statt niianciert reicher, natitrlich gewachsener Spraohen das blutleere kiinstliche Esperanto geredet wtlrde u. s. f. —* Das Ziél Ues idealen Nationallsmus Ist es: die Kiilturmannlgfattigkelt und Eigenart aller VUlker ztl erhalfen, dabei aber feden Imperialistisch-materi- ■elfen MlBbrauch der Natlonalgéftihls zu verhlndern. DaB es hiezu noch einer langen Erziehung der Menschen und Nationen bedarf, sehe ich ein, — gerade aus dlesein Grunde arbeite ich als Nationalist an den nationalen Qefiihlsgrundlagen meines Volkes, suche es zu beeirifluBen und seine Eigenart immer sclilakkenloser zu gestalten. Derjenige aber schtittet das Kind mit dem Bade aus, der aus gerechter Entrilstung fiber die heute imperialistisch verseuchten Nationalismen den Begriff der Nation und volkischen I Differenzierthelt iiberhaupt zu streichen versucht. Wenn nun Dr. Schiitz gegen den Nationalismus dér Juden anftritt und dies ausgerechnet in einem zionistischen Blatte tut, so weiB ich wirklich auf Ehre und Gewissen nicht mehr, wodurch sein Standpunkt von dem der extremen kosmopolitischen Assimilanten abweicht. Man lese etwa folgende Satze seines Artikels: „Das Schicksal hat die Juden an allen Kulturen teilnehmen lassen, hat sie gelehrt alle Sprachen zu sprechen, mit allen Volkern ohne HaB zu verkehren und hiedurch ihr Geistesleben nicht an die beschrankte Ideenwelt einer Nation (!), sondern an die ganze Menschheit zu knupfen. Es ist kein Zufall, daB der Jude Marx als erster . . . alle nationalen Schranken iiberschreitend u. s. f. . . . Der Sozialismus wendet sich an die Menschheit, urid weii der Jude immer mit der Menschheit gelebt hat und nicht befangen in nationalen Schranken war, ist er es u. s. f. . . . Soweit der „Nationalismus" der Juden eine Bewegung ist, die allgemein bedeutsamen (!) Kulttirwerte der Juden erhalten, die die soziale Frage Idsen will, mag er vieUeicht (!!!) zu billigen sein, er ist aber unbedingt zu verwerfen, wenn er sich u. s. f."-Das „vielleicht" des letzten Satzes spricht Bånde. Erstaunlicher als alles aber scheint es mir, daB ein jUdisches Blatt wenigstens dieses „vielleicht" nicht durch eine redaktionelle Glosse von sich abgeschiittelt ha-t* Wie grotesk mutet es an, daB gleich in dem darauffétgenden Wahlartikel die poalezionistische Partei nicht nur zionistisch zu sein, sondern sogar den wahren und echten 2ionismus vor den bdsen „bQrgerlichen" Zionisten retten zu mOssen praten- 3flliiWcr aSoIWfalcttlicr".

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