Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1920)
- Date
- 1920-01-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 4. -rtiwscra vowssnMMt- Selte S. Ichfilbio ZNflgwfllt and Norditii. Bel elner in London stattgefundenen zloti. Versammlung wurde ein Schreiben Zangwills verlesen, worin er sefti grofles Bedauern fiber den Aufschub der Baseler Konferenz ausspricht. Nach Abschlufi des Friedens mit der Tfirkei werdep die Zionisten vor Jnem fait accompli stehen und die weiteren Konferenzen oder Kongresse werden nichts anderes als eine relne Formsache sein, abgesehen natfirlich von der zu leistenden Arbeit, die den Charakter des „Chowewe Zionismus“ — nur in groBerem MaBstabe — tragen wird. Es wåre wichtig gewesen, daB die Richter des Friedensrates einen Begriff bekommen hatten, was dem JUd. Volk in der Wirklichkeit not tut, und daB die solange von einander getrennten Zweige der zion. Organisation gemeinschaftliclie Beratungen pflegen. Diese Moglichkeit wurde nicht ausgentitzt und dem kann nicht mehr abgeholfen werden. Nordau erklårte in seinem Schreiben, daB er mit dem Faktum rechne, daB Palåstina unser sein wird, unser nicht als „Homeland", nicht als Zentrum, sondern einfach als unser Land und unser Staat. Es ist kein Grund vorhanden, unklare Worte oder Methoden von Camouflage zu gebrauchen. * Wir miissen den Mut haben, klar, deutlich und offen zu sagen, was wir denken. Wer mit weniger zufrieden ist als einem jfid, Staat, der vorerst unter Schutz Englands als Mandatar und nachher in Unabhångigkeit dasteht, ist kein politischer Zionist, sondern etwas ganz anderes, ffir das er sich erst irgend einen belieblgen Namen erdenken und auswåhlen kann. VON WOCHE ZU WOCHE. Wien I Die stolze und schone Stadt ist zur Waise geworden! Vaterlos, mutterlos. Ins Elend versunken. Eine Katastrophe jagt die andere, eine Schrekkensbotschaft iiberstiirzt die zweite. Heute Brotsorgen, morgen Licht- und Kohlennot. Dr. R e n n e r, der Retter des Vaterlandes, ist jetzt tatsåchlich zum Renner geworden. Baid muB er die Notlage Oesterreichs in Paris auseinandebetzen, dann wieder in Prag. Was niitzt es ihm, wenn ihn stolze L i p i zzanerrosse fahren, was niitzen Empfånge, Begrfi- Bungen, schone Reden, wenn der Erfolg gleich Nuil / ist, wenn die Reisen nicht vom Erfolge gekront sind. Wird die Entente die schone Donaustadt mit ihren Millioneneinwohnern dem Hungertode preisgeben? Stråubt sich denn nicht jedes Haar auf den Kopfen der Ententepolitiker ob der Not der Wiener? Sind wir denn alle, alle schon so tief gesunken, daB wir ruhig zusehen konnen, wie hier vor unseren Toren eine der grandiosesten Kulturstatten der Welt mit dem Hungertode ringt? Ist denn schon gar kein Schamgefiihl vorhanden? AIs die Schreckensbotschaft durch die Welt lief, Messina wåre verschfittet worden, da war Wien — wiewohl ihm . Italien schon damals nicht hold gesinnt war — sofort bereit zu helfen und half. Wo in aller Welt ein Ungliick passierte, flberall griff das goldene Wiener Herz lindernd' ein. Und nun ist es so einsam um Wien geworden. Schnelle Hilfe tut not. Bis dat, qui cito dati Schnell miissen wir geben, wenn es auch doppelt sein solite. Es wird in kfirzester Zeit die BrUnner Judenheit ein Hilfsaktionswerk fik Wiener iiidische Kinder unternehmen. Es wåre hochste Zeit, damit wir nicht die Schande auf uns laden, daB wir ruhig zusehen konnten, als unsere Briider hungerten. * * Die ungarisc^ien Juden wurden vom slovakischen Minister Srobar in seiner Neujahrsrede apostrophiert, alle moglichen schonen Eigenschaften sagte er ilmen nach. Und wir wollen hoffen, daB Minister Srobar den slovakischen Juden jene Rechte einråumen wird, die ihnen gebfihren, wollen es deshalb hoffen, weil wir zu der Annahme berechtigt sind, daB die Juden der gesammten Cechoslovakei auf die Dauer nicht dulden werden und durfen, daB ihr stårkster und gesiindester Volksteil durch Knebelung und Drosselung gesehådigt werde. Wir werden fordern, daB das slovakische Ministerium die Slovakei nicht zu seiner Domåne mache, wie es im alten Oesterreich die polnischen Statthalter mit Galizien taten. Unsei groBtes Augenmerk ist auf die Slovakei gerichtet, jede Schmåhung, jede Schådigung ihrer Juden ist auch Schmåhung und Schådigung unser. Ihre Sache ist unsere Sache. Ihr Leid, ihre Not, sei auch unsere. Die kommenden Wahlen fur die Nationalversammlung werden uns auch ffir die Slovakei gerustet findeo. Graf Apponyi Albert —Mm alte« Arpadstaate elnes der grdBten und katholischesten Magnaten — muB, da er mit der ungarischen Frledensdelegation nach Paris fåhrt, — an der Grenze Oesterreichs angelangt, um die freie Schweiz zu passieren, denn doch sein politisches Måntelchen ein wenig åndern und demokratisieren. Eine Aenderung, die dem alten grauen, politischen Fuchs nicht schwer fållt. Und so ist er denn mit einer Entschuldigung gleich bei der Hånd, als ihn der Herausgeber der „Jfidischen PreBzentrale Zfirich" interviewt. Die Juden wfirden doch nicht als Juden in Ungarn verfolgt (Gott behfite, so etwas kommt doch in Ungarn nicht vor), sondern weil Juden an der bolschewistischen Bewegung in leitender Stellung waren. Wenn Kapuziner die Bolschewikenffihrer gewesen wåren, so wiirde man sie ebenso verfolgt haben. Na, na, lieber Graf Apponyi! Man muB doch nicht fiberall zeigen, daB man in seiner Jugend bei den Kalksburgern Jesuiten in die Schule gegangen ist. Wir wollen mit Albert Grafen Apponyi nicht rechten, sprechen nur die bescheidene MutmaBung aus, daB man Juden in Budapest sicherlich verfolgt håtte, auch wenn Kapuziner Bolschewiken gewesen wåren. Ehrlichkeit ist doch ffir Friedensdelegierte die erste Pflicht! * * * Rumanien. Es ist unglaublich, daB dieser Staat noch immer der Entente zu trotzen wagt; von rumånischen Staatsmånnern des Schlages Filipescu waren wir an Antisemitismus gewohnt, daB aber ein Va j d a - V o e v o d, der ungarlåndischer Rumåne war und als soleher mit Prof. Aurel P o p o v i c i von der magyarischen Regierung ob seiner rumånischen Nationalitåt hart bedrångt wurde, ins autisemitische Fahrwasser geråt und sich gegen die primitivsten Rechte der rumånischen Juden stråubt, ist sogar in unserem Zeitalter eine Gewalt. Die rumånische'Regierung denkt gar nicht daran, den Minoritåtenvertrag auszufiihren und nach Meldung dér „Jiid. PreBzentrale Ziirich“ hat der neue Ministerpråsident Vajda-Voevod erklårt, daB die Judenfrage Rumåniens durch den Gesetz-ErlaB vom 22. Mai 1919 gelost sei, — der aber unserer Meinung nach total ungenfigend ist. Die jfidische Friedensdelegation wird sich diese Frage angelegan sein lassen. Das Ehereforrogøsetz im tschachoslovakischen Staate. Von Dr. G. Rosenmann (Rabbiner in M.-Schonberg). (SchtuB.) III. Das neue Ehegesetz hebt vom interkonfessionellen Standpunkte das im a. b. G. B. § 125 statuierte besondere Ehehindernis der Verwandschaft und Schwågerschaft bei Judenehen, auf. Im § 25, Abs. 3, des neuen Gesetzes heiBt es: „Die Schwågerschaft ist nur insoweit ein Ehehindernis, daB der eine Gatte mit Verwandten des anderen Gatten in gerader Abstammungslinie, sowie mit votl- oder halbbiirtigen Geschwistern desselben keine Ehe schlieBen kann.“ Es ist hier nicht der Ort såmtlicher, d. h. die im 3. B. M. Cap. 18, im 5. B. M. 23 und 24, im Talmud, Traktat Kiduschin und Jebamoth, in den Dezisoren Maimon. H. Issure bia und Eben Haeser Kap. 4—16 enthaltenen Ehehindernisse, aufzuzåhlen. Aber das eine soli hier betont werden, daB diese Gesetzesgruppe von der Thora als O'pn d. h. als Gruppe tief einschneidender Naturgesetze bezeichnet wird, die fur uns Juden von ewiger Gfiltigkeit sind und daher stets als Richtschnur Sur die Zulåssigkeit der jfidischen Ehe bleiben mfissen. Nicht ohne Grund leitet die Thora ausnahmsweise die Eheverbote mit der eindringlichen Mahnung ein: „Wahret meine Satzungen und meine Vorschriften, die der Mensch tue, daB er lebe d u r ch s i e. Ich bin der Ewige“. (3. B. M. 18. V. 5.) Und im 20. Kapitel daselbst w^rd der Strafandrohung n'lD der Ausrottung und Kinderlosigkeit fur die Uebertretung der E h e v e r b o t e, ebenso dem Resume der Speisegesetze die Mahnung vorausgeschickt: „So heiliget euch denn, daB ihr heilig seid, denn ich bin der Ewige, euer Gott. Und wahret meine Satzungen .1Hl pn fi N und tuet sie. Ich bin der Ewige, der euch heiligt.“ Ebenso lautet im Kap. 19. V. 19 die Einleitung zu dem Verbote der Kilajim, d. h. Verbindung getrennter Arten im Tier- und Pflanzenreich, TlpH PR Meine Satzungen sollt ihr beobachten, wozu unsere Weisen erklårend im Sifri z. St. bemerken mpH Tlppnty Ihr sollet meine N a t u r g esetze befolgeti. 1« der Tat haben die neuesten Versuche dargetan, daB Bastardmischungen bei Pflanzcn und bei Tieren nur unnatiirliche und un- , iruchtbare Produkte erzeugen. Religionsgcsetz ist hi er Naturgesetz.! Wie oft ist das jfidische Volk, einem Granitfelsen gleich aus dem Strome der Vergånglichkeit cmporragend, mit seiner unverwiinstlichen Kraft als ein Råtsel der Geschichte bezeichnet worden. Dicses Råtscl ist nur unlosbar ffir die, die nicht v/issen, wclchen Anteil an der Unzerstorberkeit des jfidischen Volkes, dessen Jahrtausende lange strenge Einhaltung' dieser Ewigkeitsgesetze, hat. Die Thora hat auch mehrmals die Befolgung ihrer Vorschriften als Bedingung ffir die Langlebigkeit und den Bestand Israels eingesehårft. -pir "J1R1 "pn NTT '5 Dieser nationale Kardinalgedanke kommt auch ofters in den Dankgebeten zum Ausdruck: Geiobt sei Gott, der uns die Lehre der Wahrheit gegeben und ewiges Leben in uns gepflanzt hat. Mit ewiger Liebe liebtest Du Dein Voik, das Haus Israel. Du hast Lehre und Gebote, Gesetze und Rechte uns gelehrt. Darum o Ewiger unser Gott, denken wir, wenn wir uns niederiegen und wenn wir aufstehen, an Dein Gcrjetz und freuen uns der Worte Deiner Lehre und Deiner Gebote flir immer und ewig. Denn sie sind unser Leben und verlångern unsere Tage. •ptfi im an Aber auch nichtjiidische, mibefangene und ticfblickende Forscher haben den Zusammenhang zwischen der Unverwfistlichkeit der jfidischen Rasse und der Befolgung der Thoragesetze, insbesondere der obgenannten. die wir als biologische oder-auch rassenhygienische bezeichnen diirfen, klar erkannt und deutlich ausgesprochen. Ich will nur zwei Beispiele anfiihren. Leroy Beaulieu, der feinsinnige Beobachter jfidischen Lebens, bespricht in seinem Buche „Die Juden und der Antiseniitismus oder Israel unter den Nationen1* die Eigenschaften der jfidischen Rasse und meint, dafi die statistisch festgestelltc håhere Lebensdauer und Fruchtbarkeit bei den Juden als bei den anderen Kulturvolkern, ihre groBere Widerstandfåhigkeit gegen klimatische Verånderungen und geringere Empfånglichkeit bezfiglich gewlsser Krankheiten, hauptsåchlich dem Einflusse ihrer religiosen Satzungen zuzuschreiben sei, die nicht bloB ffir die Gesundheit der Seele sondern auch des Leibes, sorgen und das jfidische Leben in allen seinen Veråstelimgen begleiten und bestimmen. Mit Bewunderung bespricht er (S. 140 ff.) den hohen Wert der jfidischen Speisegesetze, deren Bedeutung im Lichte der neueren Wissenschaft immer mehr erkanut wird. So schlågt, sagt er, dem Judentum (•>. Frommigkeit zum Nutzen der Gesundheit aus. Die Thora wollte aus Israel ein gesundes und heiliges Volk machen. Sanus et sanetus, beide Begriffe sind fiir sie enge miteinander verkniipft. Moses hat den Stammen ein Gesetz fiir das Leben, das individuelle und das gesellschaftliche, das leibliche und das sittliche Leben gebracht. Er zitiert dabei die Stelle aus dem 5. B. W. V. 19.: ..Zu Zeugen rufe ich heute Himmel und Erde an; das Leben und den Tod håbe ich dir vorgclegt, den Segen und den Fluch; du solist das Leben erwåhlen, auf daB du lebest du und deinc Nachkommen. Zu liében den Ewigen deinen Goit, seiner Stimme zu gehorcheu und ihm anzuhången, clenn er ist dein Leben und deiner Tage Verlångerutig. Der deutsche hervorragende Hygieniker und Rassenforscher, Professor Max von Gruber, sagt in seinem Buche: „Ursachen und Bekåmpfung des Geburtenriickganges im Deutschen Reich“, auf S. 41: „Die Bedeutung der Konfession wird durch nichts schlagender bewiesen als durch das Schicksal der Juden. Unter der Herrschaft des mosaischen Gesetzes habea die Juden bekauntlich in grofiartiger Weise Jahrtausénde iiberdauert. Als die griechische Kultur noch in den Windeln lag, waren die Juden schon ein altes Kultur'volk, und bis in die jiingste Zeit lebten sie vollig unverwfistgter Lebenslust und Lebenskraft, v/åhrend die antiken Volker an ihrer Civilisation långst elend verreckt sind. Als H y P e rmoderne von heute sind sie mehr als die anderen Rassen vom Niedergange bedroht, heute wo sie nicht allein von den åuBeren Fesseln befreit sind, sondern sich auch von ihren eigenen religiosen Gesetzen losgerissen .... Diese brennende Wahrheit des groBen deutschen Gelehrten solite den hypermodernen Juden von heute die Augen offnen, die so oft aus Unkenntnis von den veralteten jfidischen Geboten faseln, daB sie einsehen, wohin sie mit ihrem Unglauben und Materialismus hinsteuern.