Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1920)
- Date
- 1920-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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90te 4. tafttBlil lir da* Wfllen, røfkllrec txi Jm*w, voraus*et*«a tonnen, wi« es fa bel den geebrten Kultasvorstånden wohl der Fall ist. . BO den Herren Funktionæren von der „Union \ Welche die Zirkulare versandt haben, ohne daB iraend eine Bewegung, Ja auch nnr irgend eine Organisation hinter ihnen stande, konnen wir diesen guten Willen alierdings nicht voraussetzen, sie wissen ganz genau, daB die Behauptung, die jiidischnationalen Forderungen deckten sich mit antisemitischen und mQBten eine BeeintrSchtigung der Staatsbilrgerrechte zur Folge haben, fiir ieden rechtlich Denkenden hundertfach widerlegt und durch die politischen Ereignisse der letzten Zeit — besonders durch die Friedensvertrage — ad absurdum gefiihrt ist. Trot2dem versuchen sie neuerlich mit diesem Argument auf die Kultusvorstande zu wirken, um auf diese Weise ihren politischen Bankerott zu verschleiern und sich wieder irgend eine Beachtung zu verschaffen. Zu diesem Behufe werden geg;en die Juden gerichtete VolksversammlungsbeschlUsse und Parteiprojekte, welche angeblich mit Berufung auf die jiidischnationalen Forderungen begriindet werden, aufgebauscht und sensationel! aufgemacht, obwohl doch nur boser Wille oder vollkommene politische Ahnungslosigkeit Qbersehen kann, daB es sich dabei entweder um Nichtigkeiten oder um Erfindungen handelt. Die Jiidischnationalen haben den Qrundsatz des freien Bekenntnisses zum jiidischen Volkstum proklamiert. Wer sich zu diesem Volke nicht bekennen will, mag sich als Deutscher, Ceche, als was er will erkiaren: wir zwingen niemand und iiben Toleranz, auch wo wir in der Mehrheit sind. Jeder Protest aber, zu dem die „Union" die Kultusvorstande verleiten will, wilrde den Versuch. zufailiger, lokaler Mehrheiten darstellen, die groBe Zahl der Jiidischnationalen Oesterreichs daran hindern zu wollen, daB sie sich zu ihrem Volke bekennen und zusammenschlieBen, also nichts anderes bedeuten, als Mangel an Freisinn und Toleranz. Ein derartiger Versuch, dem jiidischen Volke bei seinem bitteren Kampfe uiq seine Existenz und Ehre in den Riicken zu fallen, ware der Schadenfreude der Feinde des Judentums sicher, den Gang' der Ereignisse wiirde er nicht aufhalten. RUNDSCHAU. Rundschrelben des zion. Palastinadepartements. Erster. Anhang. Wegweisende Grundsatze fiir Ansiedlergruppem Die Flugschrift unterscheidet zwei verschiedene Gruppen von Ansiedlern, die sogenannten „Achusoth", d. h. Plantagenbesitzer, die bezahlte Arbeiter beschaftigen und „Meschek", die das Land selbst bebauen. Sie wendet sich znerst den Achusoth zu. Das Endziel unserer Bodenpolitik ist die Erwerbung und Verteilung allen in jildischem Besitze befindlichen Landes durch Vermittlung des Jiidischen Nationalfonds. Da jedoch die hiezu notwendigen gesetzlichen und finanziellen Grundlagen vorerst fehlen, kann man den privaten Landerwerb nicht entbehren, um fiir den jQdischen Ackerbau in kBrzester Zeit soviel Boden als moglich zu sichern. Es wird jedoch unser Ziel sein, den privaten Grundbesitz soweit als moglich den GrundsStzen unserer kilnftigen Kolonisation anzupassen. Als Resultat dieser Prinzipien mogen folgende Regeln fiber die Bildung und den okonomischeri Charakter der Achusoth niedergelegt werden. 1. Gegenwartig kann man den Anteil einer Achusah, die fiir den Unterhalt einer Familie ausreichen dilrfte, auf ca. 2000 Pfd. berechnen. Die Zahlung hat ratenweise zu erfolgen. 2. Um eine gleichformige Bodenpolitik zu sichern, muB der Bodenerwerb durch eine zion. Zentralagentur erfolgen. Bei der Festsetzung der Anteile muB auf die Anspriiche offentlicher GebSude, wie Synagogen, Schulen, Spitåler gebuhrende Riicksicht genommen werden. Es soli auch dafiir Sorge getragen werden, daB die Arbeiten der Achusoth‘ moglichst durch jttdische Arbeiter ausgeftihrt werden. 3. Bis das Stadium der Produktivitåt erreicht wird, ist es die Aufgabe der Achusah, die Præparation der Plantagen (Pflanzungen) durch jildische Arbeit zu bewerkstelligen. In erster Linie wird sie jildische Arbeitergruppen engagieren, die durch spezielle Banken in den Besitz geniigenden Betriebskaptttls gesetzi werdtn uod dtdurch imstaude sind, »JOrøCHE VOLKSSTIMME.« Arbeitikontrakte abzuschlieBetu tinter Garanti« sagter Banken. Als Primie fiir die ErfQllung eines solehen Kontraktes ware den Arbeitern ein Teil der Pflartzungen zu Oberlassen. Ein zu diesem Zwecke zu errichtendes Arbeitsbureau hatte das Verhaltnis zwischen der Achusah und den AVbeitern zu regein. 4. Auch die fertigen Plantagen sollten vorzugsweise, insofern sie nicht durch die Achusah-Mitglieder selbst bearbeitet werden, von der Bank unterstiitzten Arbeitergruppen iibergeben werden. 5. Då die Pflanzungen vor 5—7 Jahren keinen Ertrag bringen, so konnen diejenigen Mitglieder der Achusoth, die die Mittel fiir ihren Unterhalt wfihrend dieser Zeit nicht besitzen, nicht nach Palæstina auswandern. Dieselben Grundsåtze gelten auch fiir einzelne mit keiner Achusah verbundenen Pflanzer. Die jildisch-nationale landwirtschaftliche Kolonisation basiert auf einer arbeitenden Bauernschaft. Da die meisten Immigranten nicht aus Bauernkreisen kommen, so ist es fiir dieselben notig, erst eine geniigend lange Versuchszeit auf einer landwirtschaftlichen Siedelung durchzumachen, um ihre Anpassungsfåhigkeit fiir den neuen-Beruf zu erweisen. Die GroBe des Pachtgutes soli von solchem Umfange sein, daB sie dem Pæchter und der Familie erlaubt, sich durch ihre Arbeit zu erhalten. Der Grund des kleinen Pachtgutes soli dem Ansiedler als erbliche Pachtung gesichert werden. Das von dem Ansiedler beizutragende Kapital soli natiirlich so niedrig als moglich bemessen sein. Das Minimum muB mit etwa 200 Pfd. festgestezt werden. Ein soleher Anteil in einer Meschek-Vereinigung konne auch ratenweise gezahlt werden. Wer dieses Kapital nicht zur Verfiigung hat, soli ermutigt wer-; den, dasselbe als Arbeiter bei den PrtLparationsarbeiten zu erwerben. Die Schaffung kleiner Pachtgiiter soli so weit als moglich durch die Mitglieder des Meschek selbst vorgenommen werden, nachdem sie eine geniigend lange Lehrzeit als Landarbeiter dnrchgemacht haben. Ohne diese Lehrzeit soli keine Pacht endgiiltig vergeben werden. Die landwirtschaftlichen Kreditinstitute werden vorzugsweise denjenigen Ansiedlern, die ihr Land selbst bearbeiten, mit Hypothekén uitd anderen Krediten helfen; die anderen konnen erst in zweiter Linie berflcksichtigt werden. Wenn unter den Arbeitergruppen, die bei Vorbereitungsarbeiten beschSftigt sind, sich der Wunsch zeigt, sich auf kooperativer Basis nieder2?ulassén, so sollen solche Wiinsche in jeder moglichen Weise beriicksichtigt werden. Zweiter Anhang. Finanzielle Vorbereitungen. Die finanziellen Bediirfnisse fiir den Wiederaufbau von Palæstina werden sehr groB sein. Die durch existierende oder kiinftige Institutionen zu beschaffenden Kapitalien konneri je nach ihrem Zweck in vier Hauptkategorien geteilt werden: 1. Administration, 2. Erziehung, Unterricht und soziale Wohlfahrt in der weitesten Bedeutung, inklusive Immigrantenfiirsorge, 3. Gesundheitspflege, KrankenfUrsorge und Sanierung des Landes und 4. eigentliche Kolonisation. Die Kosten fiir die Administration mussen von der Organisation getragen werden. Um das fiir Erziehung und Unterricht notige Kapital aufzubringen, wird ein besonderer Érziehungsfond geschaffen werden miissen mit einer separaten Administration. Die Frage der Fonds fiir soziale Wohlfahrt wird noch studiert und die in Aussicht genommene Form der Geldbeschaffung kann noch nicht zur Diskussion gestellt werden. Das Geld fiir den Erwerb von nationalem Land muB aus freiwilligen Beitrågen aufgebracht werden, d. h. durch den Jiid. Nationalfonds, weil die Verwendung des Bodens und die Bedingungen seiner Vergebung an Kolonisten von volks- und nicht privatwirtschaftlichen Erwægungen bestimmt werden mtissén. Abgesehen vom Boden-Erwerb scheint kein Grund vorzuliegen, warum die Kolonisationsarbeit nicht durch Ausgabe von Aktien oder Anteilscheinen finanziert werden soli. Es ist schwer, bei einem so ungewohnlichen Kolonisationsplan irgend eine Ziffer anzugeben. Immerhin werden, fails wir als Basis eine Ausgabe von 25 Millionen Pfd. fiir die Kolonisation annehmen, die folgenden Zahlen eine ungefæhre Idee der Verteilung dieser Summe geben. Land-Ankauf 5,000.000 Pfd., Bodenvorbereitung 3,000.000 Pfd« Undlicher Hyaothekrøkredit 7 Mil* Nf. 4. lionra Pfd„ Stådtischer Ifypothekenkredit 3 Millioaen Pfd., Handels-Industrie und Kooperativkredit 3 Millionen Pfd., Oeffentliche Arbeiten 5 Millionen Pfd., Total Pfd. 25.000.0p0. Da in einem Lande wie Palæstina die offentlichen Arbeiten sich nicht von Anfang an aus der Verwaltung oder dem Betrieb der offentlichen Einrichtungen selbst bezahlt machen werden, wird es ndtig sein, zu priifen, inwieweit anderc Sffentliche Einnahmequellen fiir den Zinsen- und Amortisationsdienst herangezogen werden konnen. Die Jiid. Kolonialbank wird als Sammelstelle aller Gelder dienen, die im Laufe der Zeit fiir die produktive Arbeit aufgebracht werden. Die Statuten dieser Bank^sichern die Offentliche Kontrolle der geeigneten Verteilung. Das eingezahlte Kapital soli durch Aktienemmissionen auf 2 Millionen Pfd. erhoht werden. Mit diesem Kapital stehen der Jiid. Kolonialbank in erster Linie folgende Aufgaben bevor: Sie wird dazu beitragen, das Kapital der Anglo- Palestine Company auf 1 Million Pfd. zu erhohen, indem sie ihren Aktien-Anteil auf 501.000 Pfd. vergroBert. Wir hoffen, daB es uns gelingen wird, die 499.000 Pfd. des neuen Kapitals ohne Inanspruchnahme offentlicher Subskriptionen aufzubringen. Die kiinftige Aufgabe der Anglo-Pal. Comp. wird es sein, den Handel und die Industrie zu unterstiitzen, wæhrend alle anderen Geschæftszweige neuen Gesellschaften zuzuweisen sein werden. Die Errichtimg einer Hypothekenbank fiir stædtischen und lændlichen Kredit ist ebenfalls eine wichtige Aufgate. Diese Bank muB imstande sein, fiir 10 Millionen Pfd. Hypothekar-Darlehen zu geben, sobald die Gesetzgebung die notigen Bedingungen geschaffen haben wird. In diesem Falle ist es unsere Absicht, daB die Jiid. Kolonialbank das ganze Kapital Obernehmen soli, um von Anfang an den EinfluB privater kapitalistischer Interessen auszuschlieBen. Wir haben bereits erwahnt, daB unter Mitwirkung der Jiid. Kolonialbank eine Summe von 80.000 Pfd. beschafft worden ist, um Arbeitern und Handwerkern, die in kooperativen Gruppen organisiert sind, Erleichterungen zu verschaffen; Ferner wird die Errichtung von Oesellschaften oder Korporationen flir tdie Ausfiihrung von offentlichen Arbeiten in Betracht gezogen. Wir gluuben, daB die verhæitnismSfiig kleine Summe von 2 Millionen Pfd. fiir die Jiid. kolonialbank und fiir die Anglo- Palesfine Company genflgen wird, um uns in den Stand zu setzen, die gegenwærtige Arbeit der finanziellen Vorbereitung auszufiihren. Wir sehen es als auBerordentlich wichtig an, daB in dem Augenblick der Mandatserteilung dtese Summe bereits gesichert ist, um als Basis fiir unsere weiteren finanziellen PlSne zu dienen. Wir haben die Absicht, den Føderationen beziiglich der Ausfiihrung dieser wichtigen Plæne in der ntichsten Zukunft weitere Weisungen zukommen?u lassen. , Polen. „Hazefira" als Tageblatt. Mit dem 1. Jænner wurde „Dos Judisze Folk" mit dem „Tog", friiher „Hajnt" vereinigt und wird unter dem Namen „Nåles f y n H a i n t" als ziortistisches Organ erschelnen, unter Redaktion von Abg. Grimbaum und Dr. Gottlieb. Offizielles Organ der zion. Organisation wird der ab Jænner als Tageblatt erscheinende hebræische „Hazefira" sein. Redakteur ist Abg. Grilnbaum und Mitredakteuer Rosenfeld und Frank. L u b 1 i n, 31. Dez. Vor 3 Monaten war das „Tageblatt" infolge Abdruckes eines Artikels von Zangwill konfisziert worden. Der heute in dieser Angelegenheit vorgeladene Redakteur Nissenbaum wurde in Untersuchungshaft gesetzt. Verschiebungen der Konferenz der „Zelre Z!on“ und „Hapoel Hazalr". Aus London wird der „Jfldischen PreBzentrale Ziirich" gemeldet: Infolge der Verschiebung der zion. Jahreskonferenz wird die geplante Konferenz der „Zeire Zion" und des „Hapoel Hazair" nicht in Basel, sondern in einem Orte Zentral-Europas stattfinden und zwar voraussichtlich Mitte Februar. Fiir die Konferenz sind bereits in Palæstina, Polen, Litauen, Deutschland, Cechoslovakei und Oesterreich Delegierte gewShlt worden. Aus Palæstina kommen 9 Delegierte,. darunter A. D. Gordon, Josef Ahronowitz, Jakob Rabbinowitz, Elieser Jaffe und Twerski.