Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1920)
- Date
- 1920-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit 4. «EWMM» Nf. 2. Vergiftung und des gewohnheitsmäßigen DuchertumS wieder erneuert. Der neue Abgott dieser antiquitierten, altersgrauen Verbrechen trägt den Namen Bolschew i S m u S. »Horche auf, alte und neue Welt, höret ihr Völker der Erde! Alle Bolschewiki sind Juden und alle Juden sind Bolschewiki. Laßt uns darum unverweilt zu den guten alten Methoden zurückkchren! Laßt uns die Inden abschlachten und ihre Frauen vergewaltigen, ihre Kinder in Stücke hacken, ,ihr Eigentum stehlen und plündern und ihre Häuser zerstören! Das ist der einzige Weg, die Zivilisation von ihren tötlichcn Feinden, den Juden, das heißt den Bolschewiki, zu erretten." Wenn der Antisemitismus ertöten könnte, Schau! müßte ihn ob dieser seiner letzten Heldentat erfüllen. Es ist wahr, Trotzki ist leider jüdischer Abkunft. Desgleichen einige Führer der spartakistischcn Bewegung in Deutschland. Aber was für Juden sind cs? Sic haben längst alle Bande gewaltsam gelöst, die sie mH ihrem Stamm verbinden. Sie haben verachtungsvoll das In dentum abgeworfen. Als zu Beginn der bolschewist!- schen Ausschreitungen in Rußland eine Deputation Petrograder Juden mit dem Rabbiner an der Spitze bei Trotzki vorsprach und an ihn den Appell richtete, zugunsten der schiver gefährdeten Gemeinschaft zu iutervenieren, antwortete er eiskalt, daß er Intern at i o n a l i st sei und nicht das geringste Interesse für die Juden und das Judentum empfinde. Von den deutschen Spartakisten ist es bekannt, daß sic forim'll ' ׳Schoß des Judentums verließen und sich selbst als koufessionslos erklärten. Was haben wir Juden dann mit diesen Renegaten gemein? Welches Recht besitzt der Antisemitismus, uns ihre Taten, siemögen schlecht, bcdcutungslos oder gut sein, zur Last zu legen? Das Judentum hat Jesus hervorgcbracht. Ehren und achten uns seine Anhängür deswegen? Das Judentum hat Trotzki und manche andere der gleichen Art erzeugt. Wie tragt es der Antisemitismus, uns für sie verantwortlich zu machen? Wenn man eine Gemeinbürgschaft zwischen allen Söhnen unseres Stammes herstellt, dann muß man uns das Judentum Jesus', des heiligen Paul und solcher Vorkämpfer für Ordnung und Gesetz, wie Beaconsfield, Cremieux, Präsident- Simson, Luzzatti und Lord Ncading zugute halten. Wenn Ihr Antisemiten uns diesen Vorteil verweigert, dann verleugnet Ihr Euer eigenes Prinzip der Solidarität, und wir schleudern Euch die Trotzkis und den anderen Abfall des Judentums voll Verachtung an den Kops. Ich habearhne zu zögern, eingeräumt, daß manche Bolschewiki jüdischer Herkunft sind, wiewohl sie schon längst aufgehört haben, Juden in einem anderen als ethnographischen Sinne zu sein. Aber die Verleuiudüng, daß alle oder viele Juden Bolschewiki sind, ist eine solche freche und schamlose Lüge, daß Selbstachtung jede Diskussion und Bestreitung verbietet. Die Juden haben in allen Ländern den unerschütterlichen Ruf er-׳ worben, ein Volksbestandteil zu sein, der in vorbildlicher Weise Gesetze achtet. Sie sind überall die Hauptstütze der Ordnung. Sie sind fleißig bis zu einem Grade, daß es nahezuein Fehler ist. Sie verabscheuen Arbeitsscheue und Faulpelze, Müßiggänger und Großsprecher. Sie sind gleichmäßig und verständig, die wahre Verkörperung des gesunden Menschenverstandes und völlig unzugänglich für offenbare Absurditäten. Und mit solchen Eigenschaften sollten wir Bolschewiki sei״!s Wenn die Antisemiten es behaupten, weil sie daran glauben, dann sind sic die unverbesserlichsten und unglaublichsten Idioten, welche die Menschheit je gesehen bat. Behaupten sie es, ohne daran zu glauben,' dann sind sie die feigsten und erbärmlichsten Erpresser, die uns je geschmäht haben. Kunüsckau. 'Die Jahreskonferenz aufgeschoben. Wegen der beginnenden türkischen Friedens- Verhandlungen. London, 24. Dez. (Telegr. der »Jüd. Nundsch.") Das zionistische Zcntralbüro in London verlautbart:. In einer Sitzung des Aktions-Komitees unter Teilnahme S o k 0 l o w s, S ch e m a r j a L e v i u s, Max Nordaus, sowie aller hier weilenden Mitglieder wurde beschlossen, die Jahreskonfercnz alls folgenden Gründen zu verschieben: Erstens wegen der Tatsache, daß die Verhandlung über den Friedensvertrag mit der Türkei unmittelbar bevorsteht, und daß die zweite Hälfte des Jänner aller Wahrscheinlichkeit nach für die definitive Festsetzung des Mandates über P a l ä st i n a entscheidend sein dürfte, so daß die Leitung gegenwärtig London und Paris unmöglich verlassen kann; zweitens wegen des Umstandes, daß für die Ziotlisten Amerikas, Kanadas und Südrußlands die Teilnahme an der Jahreskon ferenz unmöglich wäre. SS wurde beschlossen, daS große Aktions-Komitee speziell wegen der Mandatsfrage für einen noch zu fixierenden Termin der allernächsten Zeit nach London einzuberufen. Palästina. Rechoboth. Tie Einnahmen aus der diesjährigen Ernte werden auf etwa eine Million Franken taxiert. Die Trauben- und Mandelernte war Verhältnismäßig gut. Die Mandclmenge beträgt gegen 700 Zentncr, während an Trauben 5300 Zentner, doppelt so viel ars im vorigen Jahre, eingebracht wurden. Die Obst- und Weinernte kam der Stadt nicht teuer, da die Beduinen des Südens sie während der ganzen Ernte überschwemmten und billig arbeiteten. Der maximale Tageslohn eines erwachsenen Mannes betrug 0 ägvpti-, sche Groschen. Mit der Einbringung der Ernte macht sich die Arbeitslosigkeit in den hiesigen Arbeitcrkreisenwieder fühlbar. Bei den Neubauten in Rechoboth ׳.st keine jüdische Hand beschäftigt; was in Jaffa bereits selbstverständlich ist, ist den Einwohnern von Rechoboth noch vollständig fremd. Haifa — der Z u k u n f t s h a f e n P a l äst i n a s. Unter obigem Titel veröffentlicht die ״Neue Züricher Zeitung" vom 14. Dezember cincrt Artikel ihre? palästinensischen Korrespondenten Dr. A. B. in dem es n. a. heißt: Haifa soll auch eine eigene Werft für den Bau und die Reparatur kleinerer Fahrzeuge erhalten. Dieser Tage wurde sogar der erste Schritt ^in dieser Richtung -getan. Ein jüdischer Unternehmer hat mit Erlaubnis der Küstenkommandatuc ein 100 Tonnen fassendes Motorboot bauen lassen, das für den Verkehr zlvischen den palästinensischen Häfen sowie mit Beirut und Aegypten bestimmt ist. (f. I. P. Z. Nr. 50/57 vorn 19. September 1019). Das Schiff, wird unter jüdischer Flagge (Blautveiß mit 7 Goldsternen) segeln und in der Hauptsache dem Lokal- und Warentransport dienen. Es wird das erste Fahrzeug sein, das in Palästina erbaut lvurde und dem einheimischen Verkehr dient, daS erste auch, das unter jüdischer Flagge in See sticht. Letzthin sind in Haifa 00 Pioniere, die zumeist dein ״Hcchaluz" angehören, ausgeschifft worden. Sie sprechen alle hebräisch und beabsichtigen sich in Palästina der Landarbeit zu widmen. Berthold Feiwel, Mitglied des Waad-Hazirim, ist laut ״Haaretz" ersucht worden, sich sofort nach Palästina zu "begeben, j, Vom 1. Dezember an nennt sich die Jerusalemer hebräische Tageszeitung ״Hadshoth-Haaretz" nur noch ״Haaretz". Allen Kaufleuten, die der Jerusalemer Handelskammer angehören, wurde die Erlaubnis erteilt, Reis, Mohn, Rosinen, Datteln und Alkohol cinzuführcn. Tie Handelskammer zählt 105 Mitglieder, darunter 85 Irrden, 53 christliche Araber und 27 muselmanische Araber. Polen. Anläßlich des ersten Jahrestages der Bestattung der Lemberger Pogromopfer!24. Kislew) fanden in Lemberg auf den! Friedhof und den Synagogen iniposaute Trauerkundgebungen statt. Die jüdischen Zeitungen erschienen schwarz umrändert. Mit Rücksicht auf die im Jänner in Basel stattsindende zion. Konferenz und deren Bedeutung für die auf der Konferenz der ostgalizischcn Zionisten zur Bcratung stehenden Fragen, hat das Exekutivkomitee der Zionisten Ostgaliziens die für den 28.—30. Dezember einberufene Konferenz (s. I. P. Z. Nr. 06) verschoben. Die Konferenz der ostgalizischcn Zionisten wird erst im Laufe des Februar stattfinden. Am 10. Dezember fand in Warschau ein großes Protestmeeting jüdischer intellektueller 51 reise geg^en die Einführung der Prozentnorm an der Posener Univcrsität statt. W a r s ch a u.Der bekannte Poale-Zionist R a f a lkes (Nir) ist am 11. Dezember nach Palästina abge- " Eine vorgenommene Enquete über die Parteizuge- Hörigkeit der jüd. Ratsmänner in den verschiedenen Stadtgemeinden hat das folgende provisorische Nesu!׳ ergeben: von 506 jüd. Ratsmännern in 73 Städten sind 173 Zionisten, 61 Misrachisten, 54 Poale-Zion, 90 Orthodoxe, 68 Bundisten, 20 Handwerkerpartci, 2" Volkspartcilcr, 10 Kanfleute, 7 Vereinigte, 6 Assimilauten und 78 parteilos. Laut Angaben des slatistischen Amtes gab es im letzten Schuljahre auf dem Gebiete des früheren Kongreßpolen 5220 Mittelschullehrer und Lehrerinnen, von denen 87.5 Prozent polnischer, 8.6 Prozent jüdischer, 3.7 Prozent anderer Nationalitäten und 0.2 Prozent unbekannter Nationalität sind. Dieser Tage traf Leutnant G e r sch t e nz a n k, Mitglied der amerikanisch-jüdischen Lebensmittelkon׳ Mission in Warschau ein. Nach seinen Mitteilungen Segibt sich eine aus 20 Personen bestehende Delegation unter Leitung von Dr. Boris Bogen am 1. Jänner wieder nach Polen, um dort eine große Aktion zugnnstcn der Juden Polens durchzuführen. Ungarn. I u den m o rd e in K ec s k e m e t. (27 Ermordete, 50 Verschleppte,) Der ..Jüd., Preßzentrale Zürich" wird telegra- Phiert: . ... y-y! Budape st, 10. Dezember. Der nach Kecskemcü entsandte Sonderberichterstatter des ״Az Est" drahtet seinem Blatte: Oberleutnant HejjaS, Kommandant von Kecskemet organisierte eine bewaffnete Antisemitenbande, ließ von dieser die im Gefängnis sitzenden 31 Kommunisten, von denen 23 Inden sind, holen und verschleppte mit ihnen noch lveitcre 28 Juden aus der Stadt. Von diesen Personen sind bisher 22 bereits er mordet aufgefunden tvorden, die anderen sind spurlos verschwunden. Es besteht dringender Verdacht, daß auch diese ermordet worden sind. Die Ermordeten wurden vollkommen ausgeraubt. Einige Tage darauf griff die Bande den von Lajosmizse nach Budapest fahrenden Zug an und zwang fünf jüdische Passagiere abzusteigen, die erschossen Und ausgeraubt wurden. Deutschland. Professor Albert Einstein, der neue Genius, den das jüdische Volk der Menschheit schenkte, ist in seinen Forschungen zu Ergebnissen gelangt, die, wie die w,ssenschastlicye Presse einstimmig erklärt, ״den Erkenntnissen eines Kopernikus, Newton und Kepler gleichwertig sind." ״Eine neue Epoche der Mcnschcngeschichte hebt an", sagt die Berliner Illustrierte Zeitunjg, die übrigens das Judentum Einsteins nicht erwähnt, ״ilnd sie ist unlösbar verknüpft mit dem Namen Albert Einstein." Einstein,das jüngste Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften, war vor kurzem in London, tvo in der königlich-astronomischen Gesellschaft die verblüffenden Resultate von jüngst unternommenen astronomischen Versuchen diskutiert wurden, welche die umwälzenden Theorien Einsteins über das Universum in glänzender Weise bestätigen. Die ״Times" brachte einige Artikel über Einsteins Theorien, deren Bestäiigung in London ungeheueres Aufsehen erregt. Sie berichtete auch über Einsteins Persönlichkeit; er sei Zionist und habe starkes Interesse an der projektierten hebräischen Universität in Jerusalem. Schweiz. Das Lavinenunglück in DavoS. Die jüd. Lungenheilstätte ״Etania" teilweise zerstört. Ein schwerer Lawinensturz, der über Davos herniederkam, richtete beträchtlichen Schaden an und zer- > störte u. a. auch teilweise die im Frühjahr erst eröffnete jüdische Lungenheilstätte ״Etania". Der Betrieb mußte in ein anderes Haus verlegt werden. Eine ausführlichere Nachricht lautet: Gegen 3 Uhr nachmittags ging die erste Lawine nieder. Bald darauf löste sich eine zweite ab. Beide forderten Menschleben und richteten bedeutenden Sachschaden an. Tie Schneemassen, die mit rasender Geschwindigkeit zu Tal sausten, drangen in einigen Häufern durch die Fenster in das Innere und erdrückten, was nicht sehr fest war. Die eine Hälfte der Lawine ging zum See hinunter und drückte die starke Eisdecke entzwei. Die zweite Lawine ging außerhalb des Kurortes nieder und zerstörte auf dem Wege zwei Wirts- Häuser. Zwei Bedienstete fanden hier den Tod. Die zweite Lawine, die im Bereiche des Kurortes niederging, kam vom Schia-Horn. Seit Menschengedenken wurden die Lawinen oberhalb des Dorfes anfgehalten. Diesmal aber war die Wucht so groß, daß die gewaltigeu Schneemassen bis auf die Torfstraße hinuntergewarfen wurden und dort in mehreren Läden bcträchtlichen Schaden anrichteten. Auch im Bergsanatorium und im großen Sanatorium TavoS-Dorf wurde großes Unheil angerichtet. Auch hier fielen zwei Menschenleben zum Opfer, eine Oberschwester in treuer Pflichterfullung und eine junge russische Frau. Die zweite Lawine tunrbe eine Stunde später vom Südhang des Schia- Harnes losgelöst. Sie durchsauste den Jungioald und bahnte sich in zwei gewaltigen Wellen eine breite Straße durch den Wald. Die zweite Welle wälzte sich auf die Talstraße hinunter und warf Fußgänger und Schlitten zu Boden und den Hang hinunter. Die Verheerung, die sie anrichtete, war ebenfalls sehr groß. Die jüdische Heilstätte ״Etania", die Villa Surlava und die Pension Hohenzollern wurden besonders schwer betroffen. Auch diese Latvine forderte zwei Mcnschenleben, es waren Personen, welch^an der ״Etania" grade vorbeigingen. Dagegen tourden sämtliche Patienten der ' jüdischen Heilstätte durch Feuerwehrleute in Sicherheit