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Jüdische Volksstimme · 1920-01-01 · Heft 1 (1.1.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 1 (1.1.1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Seils 8. Nf 1 ' Mss Bemühen Teweles' scheiterte. Dr. Rosenba beharrle bet seiner ursprünglichen Erklärung und wurde noch darin von einem „hervorragenden Schriftsteller"/ dem er das Manuskript Herzl'S übergab, bestärkt. Dieser „hervorragende Schriftsteller" war kein andere als Herr S. Kohn, der Verfasser des „GaöridFV Endlich wurde im Sommer nächsten Jahres daS 'niedergerungene Wagnis Herzl'S — nachdem es bereits in Men gegeben worden war — am Deutschen VolkstSeNter m Prag unter dem Titel „DaS neue Ghetto" bei arrsverkausten Häusern aufgeführt. Die Empfindungen Dr. Rosenbachers konnten nicht verallgemeinert werden und Teweles erzählte nun, wie ruhig und unerregt das Publikum sich verhielt und daß, schließlich wenn euch das Gegenteil eingetroffen wäre, Herz! wenig vom mißlichen Schicksal seines Stückes getroffen sein könnte, da er doch inzwischen seinen „Judenstaat" geschrieben, den Zionistenkongrcß installiert und europäische Staatsmänner mit der Judenfrage zu interessieren versuchte. Hier schließen die Theatererinnerungen an unseren Unsterblichen. Welche Fülle von menschlichen Schwächen und heiligen Tugenden! Arbeit, Sorge, Journalistenstrebertum. Sehnsucht, frühes Altern, aufflammender Idealismus. In den einfachen, aufrichtigen Morten eines Dutzendliteraten plötzliches Aufkeimen einer gigantischen Prophetie. Wie ihm das Schiksal seines Volkes, dem er eigentlich so ferne gegennberstand, so nahe ging. Aus der Wirrnis eines künstlerischen dramatischen Problems findet er den Weg zur politischen Tat, die den hohen Schwärmergeist der Kunst entzieht. Wie leicht können wir nun aus den hier gezeichneten kleinen Erlebnissen das größte Werk, die Idee des unvergeßlichsten Jridenineisters, beleuchten! Ein prophetisches Ahnen durchblitzt manche Zeilen dieser wenigen Briefe. Der Erwecker wird sich seiner Mission stets bewußter und erhebt sich über den Mißerfolg irdischer Kunst zur erhabenen Glorie eines Genius, der Millionen schlummernden Seelen zum frischen Aufbau zerstörten Lebens ruft. Lyanukah in der Wärmestube. Aärmestubc — heute bist Du es in doppeltem Sinne kleine sonst schmucklosen Wände, die viel verschwiegenes Leid schon sahen, scheinen heute mehr als je das Gute, das in dem kleinen Kreise, den sie umschließen. geschaffen wird, wiederzustrahlen. Die Wärme, die aus schaffensfrohen Herzen sich hier alltäglich mitteilt, läßt heute blasse Kinderwangen froher erglühen und scheue Kinderaugen erwartungsvoll aufleuchten. Aus schmucklosem Tische steht die Menorah. Nun erbrennt das dünne Lichtchen. Das kurze Gebet und warme Worte aus gütigem Munde Überdrücken Jahrhunderte düsterer Vergangenheit. Aus frischen» Kinderkehicn setzt das Lied der Hoffnung ein, die Hatikwah. Die Töne schwellen an — sind es Orgeln, die den Gruß in weste Ferne senden? Der Zukunft Schwingen berühren die Herzen und Tränen glänzen in den Augen. Ruhig ihr Kinder, Ihr sollt nicht umsonst gewartet haben! Die guten Geister dieser Stube eilen in freudiger Geschäftigkeit mit Päckchen herbei, gute Schuhe hat tvohltätiger Sinn für Euch vorgesehen. Viel dankbare Freude gibt dem Stimmengewirr frohen Klang. Chanukkahseicr in der Wärmestube, ein 'Lichtblick in vielen glanzlosen Kindertagen -- Dich, trauter Raum, soll der frohe Schimmer dieser Stunde über den düstern Alltag dauernd erhellen! O. H. In aller Stille, frei von jeder bei ähnlichen Anlässen sonst üblichen Feierlichkeit, in vollem Bewußtsein der Erfüllung einer sozialen Pflicht wurde am 1. Dezember d. I. durch unsere rührige »Jüdische Grauen- Organisation für Mähren" imHause Zeile Nr. 44a, der früheren Flüchtlingsstube, die Wärmestube für die jüdischen Kinder eröffnet. Durchschnittlich 30 der ärmsten Kinder kommen hier alltäglich um 4 Uhr nachmittags zusammen, erhalten ihr warmes Essen, vollenden in dem warmen Raume unter Aufsicht ihre Schulaufgaben und vergessen für 3 Stunden im .nachfolgenden heiteren Spiele des Leides und der Not, die sie zuhause wiederum erwarten. „Attische .mm" Adolf Stand. Am 20. Dezember 1919 ist im Cottage-Sanatorium zu Wien der langjährige Führer der galizischen Judenheit Adolf Stand nach langem und schweren Leiden im 50. Lebensjahre verschieden. Er war in Lemberg am 31. Mai 1870 als Sohn eines angesehenen Bürgers geboren und schloß sich schon als Student der zionistischen Bewegung an. Der Verstorbene lvar Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, seit Begründung der zionistischen Weltorganisation durch Theodor Herzl, zu dessen engsten und treuesten Freunden er gehörte. In den Jahren 1907—1911 gehörte Stand mit Dr. St rau che r, Gabel und Mahler dem österreichischen Abgeordnetenhause an. So ist nun auch Adolf Stand von uns geschieden. Eine der hervorrragendsten und prächtigsten Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung. Auch in jungen Jahren, nachdem ihm Herzl, Wolfsohn. Tschlenow, Gabei und Mahler vorangegangen sind. Als im Oktober 1918 der jüdische Parteitag nach Wien berufen wurde, sah ich ihm zum letztenmalc. Schon damals war er bleich und die Zeichen seiner Krankheit waren ihm ins Antlitz geschrieben. Als im Juli die Wiener Zionisten dem Herzlgrabe auf dem Döblinger Friedhofe die alljährliche Ehre eriviesen, Da fuhrest Du Adolf Stand im Wagen und alle ahnten wir, daß wir Dich zum letztenmale sahen. .Horeeponäenzen. Prag. Im letzten Halbjahr, da nun nach dem betäubenden langen Kreigslärm geistiges Leben der Jugend allmählich zum Vorschein getreten, erschien cs auch wünschenswert der ostjüdischen Kultur die bis zu den Umsturztagen in den Händen der Flüchtlingskolonicn geruht, sein Augenmerk zu schenken. Diesmal hat es die ostjüdische Studentenschaft, jeder Parteidissonanz fern, durch ein gemeinsames Jnnenempfinden vereint unternommen, das dankbare Werk fortzusetzen. Der am 23. d. M. im Hotel Bristol (großer Saal) veranstaltete ostjüdische Chanukkah-Abend, gestaltete sich zu einem richtigen Einweihungsfest, vielleicht das trefflichste Symbol für den gedeihlichen Aübtginn eines Kulturverbandes. Hier wehte eine traute, echt-jüdische, tradistionsreiche Stimmung, stroßend von östlich-jüdischem Volkscharakter. Der Abend wurde von Frl. Meller mit dem bekannten «O ihr klajne lichterlich" Rosenfelds in zartem, schonen Pathos eröffnet. Dieselbe anziehende Vortragsweise Frl. Mellers kam auch im Bialik'schen „El hazipor" zum Ausdruck. Herr Helling fesselte mit ergreifenden jüdischen Volksliedern das lebhafte Interesse der Gäste, während der musikalische Teil in der Leistung des Frl. Markus, einer jungen Geigenvirtuosin — die glücklicherweise dem Abend beiwohnte — gegipfelt. Ihre Darbietungen, die Fülle und Stärke des Tones, die ausgezeichnete Finger- und Bogentechnik, > die Reinheit der Doppelgriffe und Reize der Flageollettcn bewiesen die gründliche Schulung der jüngen Künstlerin. Den Höhepunkt erreichte der schöne Abend in der Mitwirkung des Herrn Leo Arje und des bekannten galiz.-jüd. Publizisten E. König (Mitarb. der „Volksstimme"). Ersterer las meisterhaft das „Chanukkah-Geld" Schalem Alejchems. Die glänzende Mimik und der eigenartige Tonfall mancher Wendungen, verrieten eine genaue Volkscharakterkenntnis des Prclegenten. Herr König trug in geistvollem Humor eine selbstredigierte, humoristische Zeitung „Das Chanukkah- Drejdl" vor. Die drolligen, politischen und lokalen Berichte, sarkastische Poesie und komischer Inseratenteil Königs wurden oft vom schallenden Beifall des Publikums unterbrochen. Der tüchtige Publizist König hat uns bewiesen, daß er neben den tief-ernsten ethischen Problemen die er stets mit sachlicher Kenntnis behandelt, Talent eines gediegenen Humoristen besitzt. Zu ferneren Unternehmungen wünschen wir den ostjüdischen Brüdern ähnlichen Erfolg. Ein Westler. Lomnitz. Dieser Tage starb hier der Nestor der mährischen Rabbiner Dr. W o l f s o h n. Der Verstorbene war ein langjähriger Mitarbeiter unseres Blattes und einer der ältesten zionistischen Parteimänner. Er war noch zu Lebzeitens Theodor Herzls ein eifriger Agitator für unsere Idee. ' Secher zaddik liwrocho. Zlate Moravee. Am 20. Dezember hielt über Beehrung des Vorstandes der orthod. Gemeinde, der hier als Gast weilende Rabbi Moses Fischer, Sohn des vor kurzem verstorbenen Oberrabbiners von Preschow s. A.und Schwager des hiesigen Rabbiners, eine Gastpredigt, welche bei allen Zuhörern ob ihrer Gediegenheit und rethorischen Begabung großen Beifall fand. Sonntag, den 21. Dezember, veranstaltet^ der Volksverein „Jvria" eine Makkabäerfeier, die auch vom auswärtige^ Puvlikum besucht war. Besonders die Violinvorführungen des Herrn Schecht«. — ein Schüler Prof. Rose aus Wien — waren ganz ausgezeichnet. Festrede: Dr. Gustav Kohn, Brünn. Auspitz. Ein Komitee von Damen und Herren brachte nach zirka 15 Jahren wieder eine jüdische Veranstaltung. Das sehr reichhaltige Programm — es feien rürr hervorgehoben: die gesanglichen und musikalischen Teile der . Damen Krakauer, Hayek, der Herren: Goldenberg und Benedikt, fanden wohl verdienten reichen Beifall. Festrede bestritt Dr. Gustav Kohn aus Brünn. Der Erfolg war umso schöner als zahlreiche Gäste aus Klobouk, Damborzitz, Koste! u. a. Orten erschienen waren. Reingewinn war für arme Schulkinder bestimmt. Loschitz. Der gewesene' Kultusvorsteher Leopold Ehrlich, ein geb. Holleschauer, ist aus dem Judentum ausgetreten. Herr Ehrlich war vor einem halben Jahre hier zum Vorsteher gewählt worden, nachdem er alle Hebel in Bewegung setzte, die Mehrheit der Stimmen auf sich zu vereinigen, mußte aber, da er sich gegen einen Beamten, der Kuttusgemeinde ungebührlich benahm, nach kaum dreiwöchentlicher Amtstätigkeit, vom Amte zurücktreten. Um sein Mütchen zu kühlen, hat er nunseinen Austritt aus der jüd. Religionsgenossenschaft angemeldet. Jeder Kommentar ist überflüssig. ' H. Senica. (M a k k ab ae r - F ei e r.) Der erst vor kurzem gegründete zionistische Jugendbund entfaltet eine rege -Tätigkeit und eröffnete daS diesjährige Chanukkahfest mit einer sollenen Makkabäerfeier in seinem Vereinslokale. Dieses wurde von den Damen Jolly Schönmann sen. und jun., Sidonie Spitzer und Jlka Schlesinger in blau-weiß geschmackvoll dekoriert. Die Feierlichkeit selbst wurde mit der „Hatikwah" eröffnet, woraus der Direktor Alois Bick als EhrenpräfeS die Festrede hielt. Diese wurde von den zahlreichen Anwesenden mit besonderer Begeisterung ausgenommen. Hierauf zündete der Redner daS erste Weihelicht an, worauf nach dem Absingen des „Moaus zur" und des „ZedernliedeS" die Festfeier mit einer Sammlung für den Nationalfond geschlossen wurde. Personalnachrichten. Am 23. November beging Chaim Tschernow i tz e r in aller Stille in Berlin seinen 60. Geburtstag. In aller Stille; denn er ist. ein Feind allen lauten Tamtams und hat es nicht gerne, zum Mittelpunkt großer Ovationen gemacht zu werden. Leider ist auch sein Gesundheitszustand nicht so, daß er Teilnahme an Festlichkeiten gestattet. Chaim Tschernowitzer, dieser große Gelehrte, dieser tiefgründige Forscher, der zu den hervorragendsten Vertretern der modernen Orthodoxie gehört und mit tiefer Religiösität den intensivsten nationalen Gedanken verbindet, ist hier kein, Fxemder. Der Krieg hatte ^rhn aus Odessa, wo er Leiter eines jn modernem und doch konservativem Sinne geführten Rabbinerseminars war, nach der Schweiz geschleudert, wo er ebenfalls ^msig literarisch-wissenschaftlich tätig war. Hier hatte er auch seinen Kizzur Hatalmud vollendet, der auch in den Blättern eingehende Besprechung gefunden hatt Jn einem Alter, in dem andere schon anfangen. sich auszuruhen, hat er den Doktorhut erworben, um seine akademische Bildung auch mit dem Mantel modernen Wissens zu umhüllen. Möge ihm noch eine lange Dauer rüstigen Schaffens zum Heile des Judentums und jüdischer Wissenschaft beschieden sein. Am 28. November 1919 vollendete JakobMoser in Bradford sein 80. Lebensjahr. Moser war einer der treuesten Freunde Herzls und stand ihm fest Beginn der zion. Arbeit zur Seite. Das hebräische Gymnasium in Jaffa, dem vor allem sein Interesse gilt, verdankt ihm seinen schönen Bau. Wien. (Vermählung.) Der praktische Arzt, Herr Dr. Isidor Ludwig Braun, hat sich mit Fräulein Marie P o h o r y l l e s vermählt. Zum zweiten Todestage B. BorochotvS. Von M. N e u st a d t. Am 17. Dezember jährte sich zum zweiten Mal der Tag, an dem das jüdische Proletariat einen seiner besten Führer, die jüdische Wissenschaft einen ihrer eifrigsten Mitarbeiter verloren hat. Im Alter von kaum 80 Jahrer» hat das Schicksal dem jüdischen Proletariat und dem jüdischen Volke seinen Besten, B er Borochow, von ihm gerissen. Borochows Tätigkeit datiert schon seit der Zeik, als er noch das Gymnasium in Poltawa (Ukraine) besuchte. Schon damals hock er inmitten seiner Freunde «rd Uerbreitet die Jüdische UoHmtimme”

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