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Jüdische Volksstimme · 1920-01-01 · Heft 1 (1.1.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 1 (1.1.1920)
Date
1920-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. I. Ckttf 3 Veralteten und Krankhaften gründlich aufräumen würde. Das Judentum ist von Hause aus sozial und demokratisch. Es gibt keine Religion, die in ihrem Aufbau so frei und in ihrer Entwicklung, so schlicht und volkstümlich ist, wie das Judentum. Rur die krankhafte Assimilation und die ewige Reformsucht haben hier all« auf den Kopf gestellt und fremde Elemente hinein-etragen, die schlecht zum jüdischen Geiste paffen. Es ist Zeit, daß wir zu unserem Urelement zurückkehren und,daS Judentum im sozialen Geist und in den demokratischest Formen unserer Zeit weiter ausbauen und vertiefen. Preffeschau. Die ..Jüdische Rundschau" Berlin meldet: Eine Arbeiterbank in Palästina. Bei den kürzlichen Beratungen des Aktionskomitees in London, denen die Herren Professor Marburg und Dr. Hantle beiwohnten, ist der Beschluß gefaßt worden, eine Arbeiterbank zu gründen. Da über die Arbeiterbank noch wenig bekannt ist, haben wir Herrn Dr. Rutzpin, der in London diese Gründung angeregt hat, über die Aufgaben dieser Institution befragt und von ihm folgendes erfahren: Die Gründung einer Arbeiterbank wird schon seit längerer Zeit in Arbeiterkreisen in Palästina diskutiert. Die Notwendigkeit einer solchen Institution zeigte sich in immer höherem Matze, je mehr die Gründung von Arbeitergruppen, Kwuzoth, unter den Arbeitern sich entwickelte und damit das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter immer mehr von dem reinen Zeitlohnvertrage zum Akkordvertrage fortschritt. Es kann nach den bisherigen Erfahrungen in Palästina, besonders in der Landwirtschaft, als erwiesen gelten, daß der jüdische Arbeiter nur dann seine höchste Leistungsfähigkeit erreicht, wenn er nicht als Einzelner im Tagelohn zu arbeiten hat, sondern wenn er als Glied einer Gruppe eine bestimmte Arbeit im Akkord übernimmt. Innerhalb einer Gruppe fühlt sich jeder für jeden öe* antwortlich, da von der Gesamtleistung der Ruf und , der Verdienst der Gruppe abhängt, und die gegenseitige Kontrolle und Anfeuerung ist von wohltätigem Einflüsse auf die Arbeitsleistung des Einzelnen. Es ist ferner von Wichtigkeit, daß eine Gruppe, die eine bestimmte Arbeit im Akkordvertrage übernimmt, eine gewisse . Freiheit hat, diese Arbeit nach ihrem eigenen Gutdünken zu organisieren und jedem Mitgliede die für ihn passendste Arbeit guzuweisem Die Reibungsfläche zwischen Unternehmer und Arbeiter wird vermindert. Der Arbeiter wird aus einem Taglöhner ein arbeitender Unternehmer. Er kann in seiner Gruppe, in welcher die organisatorisch befähigsten Mitglieder an die Spitze kommen, durch gute Organisation der Arbeit und Anwendung von Maschinen eine höhere Produktivität der Arbeit und damit höhere Löhne erzielen. Hier zeigt sich ein Ausweg aus dem vielerörterten Dilemma, daß der jüdische Arbeiter gegenüber dem anspruchslosen arabischen Arbeiter picht konkurrenzfähig ist. Als Einzelner und in ganz einfachen Arbeitsverhältniffen ist er es wirklich nicht. Er kann aber dadurch konkurrenzfähig werden, daß er in seine Arbeit beffere Organisationsformen und moderne technische Hilfsmittel (Maschinen) hineinbringt, die für ihn mit seiner befferen Bildung bereits anwendbar sind, wahrend der nichtjüdische Arbeiter für sie noch nicht reif ist. Diesen Gedankengängen folgend, ist bei den Besprechungen in London von allen Seiten betont worden, daß die Verwaltung der Bank in den Händen der palästinenfischen Arbeiterschaft selbst liegen muß und daß das Aktions-Komite nur die Kontrolle der Geschäftsführung haben soll. ' Das Kapital der Bank soll 200.000 Pfund, eingeieilt in 200.000 Aktien zu einem Pfund, betragen. Vorläufig sollen 50.000 Aktien ausgegeben werden. Das AktionS-Komite hat sich bereit erklärt, diese Aktien demnächst zu übernehmen. zeit Zehntausendc von Mark resp. Kronen pro Person «tragen, sodaß sie weder von den betreffenden Arbeitern noch von den Humanitären Institutionen aufgebraast werden können, wäre es angezeigt, mit der polnischen und französischen Regierung in Verhandlung zu treten, damit in die von Polen zum Wiederaufbau nach Fra-itreicy zu cn^endenden ArveitertranSporte auch zahlreiche Juden ausgenommen werden. Bei dieser Gelegenheit würden die Juden nicht nur auf fremoe Kosten reisen, sondern auch, was sonst nicht der Fall ist, schon während ihrer Borbereitungszeit vollen Unterhalt finden. Man konnte dann mit der französischen Regierung ein Abkommen treffen, daß die Juden nach Beerdigung der Arbeiten in Frankreich, nicht zurück nach Polensondern nach Palästina gebracht werden. Auf jeden Fall dürften die Juden Palästina von Nordfrankreich aus nicht nur auf kürzerem Wege erreichen, sondern auch imstande sein, die.nötigen Ersparniffe zu machen, um die weit geringeren Rerjespesen nach Palästina eventuell aus eigenen Mitteln zu decken. — Dazu schreibt Dr. E. Finkel in der Breslauer »Jüdische Volks-Zeitung" : .Und nun, noch einen Wunsch: Mögen die jüdischen Arbeiter, die berufen sind, an dem Wiederaufbau Frankreichs und Belgiens, sowie an dem Wiederaufbau der Zerstörungen tn allen Teilen der Erde mitzuarberren, sich tgrer hohen Aufgaben beloußt sein; mögen sie durch Eifer und s^eiß, durch Hingabe und Pflichttreue dem jüdischen Namen zur Ehre gereichen. Mögen sie wahrmachen daS Prophetenwort an Israel: „Und aufgebaut werden durch dich verjährte Oedcn, Trümmer vergangener Geschlechter richtest du auf, und man wird dich nennen: Vermaurer von Rissen, Wiederhersteller von Pfaden, daß man wohnen könne!" . Max Nordau in London. Der „Selbstwehr" wird aus London telegraphiert, daß dort Dr. Max Nordau, der bis jetzt in Spanien geliebt hat, angekommen ist, um an der zionistischen Arbeit aktiven Anteil zu nehmen. Dr. Nordau wird auch der vom 18. bis 23. Jänner stattfindendcn zionistischen Jahreskonferenz in Basel beiwohnen. Propagandareise von Dr. Nathan Birnbaum in Litauen. Dr. Nathan Birnbaum, einer der Begründer des modernen Zionismus, der Verfasser der radikal freigeistigen „Jüdlschen Moderne", hat in den letzten Jahren eine derart gründliche innere Wandlung zum gesetztreuen Judentum durchgemacht, daß er gegenwärtig als Ge- { nerälsekretär 'der Agodas 'Jtsroel tätig ist und für dieses orthodoxe Weltorganisation eine Propagandareise nach- Litauen unternommen hat. In Kowno hielt er zwei Vorträge: „Wir Juden" und «Bei Juden im Galuth". Das Schicksal der jüdischen Studenten in Lemberg. Die Türen der Lemberger Universität sind vor der jüdischen Jugend geschlossen worden. Durch diese Verordnung zwingt man sie, außerhalb der Landesgrenzen! sich Bildung zu suchen. Aber nun macht man ihr Sch..:. j rigkeiten bei der Herausgabe der. Reisepässe. Oft weigert : man sich wegen kleinlicher Gründe, Reiseerlaubnisse! nach dem Ausland herauszugeben. Dadurch fällt die jüd.-1 akach Jugend vielfach in die Hände verschied. Dokumentenschwindler, die ihnen versprechen, Reisedokumente zu verschaffen. Eine Hungerbleckade gegen Juden. -Wt, * Jüdische Arbeiter für den Wiederaufbau Frankreichs. Im „Lemberger^ Tagblatt" vom 6. Dezember stellt der bekannte Zionistenführer und Palästinakenner, Dr. Alexander Hausmann, folgenden Vorschlag zur Diskuffion: Mit Rücksicht darauf, daß unserfürPalästina bestimmtes Menschenmaterial sich an andauernde schwer«, physische Arbeit erst gewöhnen müffe, und in Anbetracht des Umstandes, daß die Reisekosten^nach Palästina der- K. f. d. O. Unter diesem Titel veröffentlicht das „Lemberger Tagblatt" folgenden Artikel: In Bclz haben die Machthaber der dortigen städtischen Verpflegs-Kömmission (Approvisation) ein neues Mittel erfunden, die Juden in Ostgalizien los zu werden. Sie haben nicht mehr und nicht weniger als eine Hungerblockade der jüdischen Bevölkerung erklärt. Von den Vorräten, welche das städt. Approvisationskomite erhalten hat, hat man in der christlichen Bevölkerung 9 Kilogramm schönes weißes Mehl pro Kopf und Monat verteilt. Für die Juden ist nach einer solchen Verteilung natürlich nichts geblieben. Die Juden, heißt es, können sich Lebensmittel selbst besorgen oder, wenn sie wollen, vor Hunger sterben, die Herren vom Approvisationskomite haben gar nichts dagegen. Vier Wochen haben die Belzer Juden in dieser Weise gehungert und erst nach einem Monat hat man Mitleid mit ihnen empfunden: man hat sich endlich entschlossen, ihnen ein halbes Kilogramm Mehl zu geben, welches ein Gemisch von Hafer und Gerste darstellt. Belz ist aber nicht die einzige Stadt in Ostgalizien, in der eine derartige Hungerblockade gegen die Juden geübt wird. Uns ist noch eine ganze Reihe solcher Approj visations-Kommission bekannt, die nur die christliche1 Bevölkerung in ihren Städten versorgen. Diese Blockade > trifft aber gerade die Kriegsgewinnler, auf die die! Stadtherren Hinweisen, nich^denn diese verschaffen sich mittels Geld und Beziehungen stets Lebensmittel auch von den „unnachsichtigsten" BerpflegungS-Kommiffioncn selbst, wohl aber leidet die ärmste jüdische Bevölkerung. Das Blatt schließt mit dem Appell, fich mit diesen Zustanden keineswegs zufrieden zu geben, sondern sie in breitester Oeffentlichkeit bekannt zu geben. ES wäre erwünscht, daß die Presse auch die anderen Städte «stt solcher „polnischen Wirtschaft" namhaft macht. ' Gesellschaft für Tuchfabrikation. DaS Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In Bialyftock ist eine Gesellschaft für Tuchfabrikation in Palästina gegründet worden, die den Namen „Taaffija" trägt. Diese Gesellschaft hat ein Zirkular versandt, dem wir folgendes entnehmen: Bor dem Kriege wurden zirka 180.000 Pud Wolle und Baumwolle mit einem Werte von 6 Millionen Franks Gold aus Palästina exportier^ Der größte Teil der Wolle, die in Palästina und Syrien gewonnen wird, wird im Lande verbraucht. Die Verfertigung geschieht auf primitivste Weise durch hölzerne Spinnrocken. Solcher Spindeln, auf denen Baumwolle, Seide rc. verfertigt wurden, waren vor dem Kriege im Lande 25.000 vorhanden. Spezielle Wollwebereien, bef. für „AbajeS", gab es etwa 20 im Lande, die ungefähr 1000 Arbeiter beschäftigten. Der ganze Orient wartet auf den modernen Fabrikanten, der die Zivilisation und ldie entwickelte Technik in das rückständige asiatische Wirtschaftsleben einführcn soll. Um diese Aufgabe zu erfüllen und dadurch Brot und Arbeit für die palästinensische jüdische Bevölkerung zu schaffen, ist die „Taaffija" gegründet worden. Sie will ein Kapital von 6 Millionen Mark aufbringen und in Palästina eine' Bialhstoker Tuchfabrikation begründen. Das Grundkapital soll auf 1000 Aktien zu je 6000 Mark verteilt werden. Die Gründer beteiligen sich mit eigenem Kapital; ein Teil von ihnen hat beschlossen, nach Palästina überzusiedeln und aktiv an der Arbeit teilzunehmen. Eine Gelehrtenkonferenz in Angelegenheit der hebräischen Universität. Die Leitung der zionistischen Organisation hat durch ihr Erziehungs-Departement eine Konferenz jüdischer Gelehrter einberufen, welche vom 14. bis 10. Januar!in Basel stattfinöen wird, um über den Aufbau der hebräischen Universität zu beraten. Diese Gelehrten- Bersammlung soll auf Grund der Referate, die ihr vor» gelegt werden, das Programm der Universität beraten und alle diejenigen Schritte beschließen, welche notwendig sink», um die. Universität in den nächsten Jahren errichten zu können. Zu diesem Zweck wird die Konferenz in Vollsitzungen und Komiteeberatungen über die folgenden Punkte zu beschließen haben: 1. Einrichtung, des Unterrichtes in den jüdischen und den philosophisch» philologischen Fächern. 2. Naturwissenschaftliche und medizinische Fakultät. 3. Juvistische und soziologisch» nationalökonomische Fächer. 4. Die organisatorischen utechnischen Fragen den Lehrkörper, die finanzielle Fundierung und sachliche Vorbereitung der Universität betreffend. — Eine Anzahl hervorragender Gelehrter, unter ihnen der berühmte Physiker Einstein, Berlin, haben bereits ihre Teilnahme an dieser Beratung zugesagt, die für das monumentale Unternehmen einer Universität des jüdischen Volkes von entscheidender Bedeutung sein wird. Geplanter Kongreß zionistischer Studenten. Der Kartell der akademisch-zionistischen Vereine „Hechawer" in der Schweiz beabsichtigt während der Jahreskonferenz der zion. Organisation in Basel im Januar 1920 eine Besprechung der dort anwesenden! Akademiker und Studenten abzuhalten, um über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Einberufung eines allgemeinen Kongresses zion. Studenten zu beraten. Der „Hechawer" ersucht daher seine Freunde in allen Ländern, den nach Basel sich begebenden Delegierten Instruktionen, die sich auf diese Frage beziehen, mitzuge-> ben und die Namen der Vertrauensleute seiner Kollegen an den Kartell „Hechawer" h. A. M. Cisenstadt, Zür: . Kullmannstraße 31, einzusenden. Die Allweltliche Misrachikonferenz in der Schweiz. In Bestätigung unserer letzthin gebrachten Mitteilung, wird uns von der Misrachk-Landesorganisatkon der Schweiz mitgeteilt, daß sie mit den Vorarbeiten für die Allweltliche Misrachikonferenz, die am 14. Januar 1920 in der Schweiz stattfindet, betraut worden ist. Der Ort, Zürich oder Basel, wird in den nächsten Tagen bestimmt tverden. Bisher sind bereits Delegierte aus Palästina. England, Amerika, Pot-n und Denischlnnd angerneldet.

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