Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 36 (5.12.1919)
- Date
- 1919-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 »Mische Seite 5. saltstcin, dcr heute nur als Baustein gcbrauckt n׳ ' kann auch zu industriellen Zwecken verwendet u׳erd!׳n da er bis zu 20 Prozent reines Eisen enthält. Tanei׳-׳: kommen auch der Wasserreichtum und das starke Gefälle der Wasserläufe in Betracht, die zu Kraft- und Beleuchtungszwccken für das ganze Land verwertet werden könnten. Alles in allem kann gesagt werden, daß Palästina unter der kommenden modernen Perwaltung eine förmliche wirtschaftliche Revolution durchzumachen berufen ist, die ihm in einigen Jahren ermög׳ licken wird, auf dem Weltmarkt eine nicht unangeschene Stellung cinzunehmen und sowohl als Prodnzo! wie als Abnehmer für Westeuropa und Vorderasien ׳in Betracht zu kommen. ‘ Weizmann in Palästina. - Eine bemerkenswerte Rede in Jerusalem. — Am 21. Oktober wurden Dr. Weizmann und Ussifchkin vom Jerusalemer Wgad empfangen. Herr Jellin bcwillkommnete sie im Namen des Waad, ebenso hielten die Herren Rabbiner Epstein und Dr. Meckler Ansprachen. In seiner Antwort sagte Dr. Weizmann, er hoffe, daß der Tag kommen würde, wo der Waad von Jerusalem alle Juden der Stadt reprasentieren würde. Er könne noch nicht alle Resultate der großen Arbeit darlegen, die im letzten Jahre, seit er Palästina verlassen habe, geleistet worden sei. Im gegenwärtigcn Augenblick wolle er nur versichern, daß er fest hoffe, daß wir trotz aller Schwierigkeiten bald alle Wünsche erfüllt sehen und imstande sein würden, das große Werk des Aufbans mit vereinten Kräften zu beginnen. ' Mit Beziehung auf gewisse unerfreuliche' Zwischenfälle, die im Lande vckrgekommen seien, teilte Dr. Weizmann mit, daß er im Namen der britischen Regierung körne, um die ׳Gründe dieser unerquicklichen Zustände zu untersuchen. Er hoffe, daß diese Untecsuchungen alle die Aenderungen Hervorbringen würden, die erforderlich seien. Was die Vorbereitung für diese Untersuchunys tätigkeit anbetriffc, so wüßten sie genau den Weg, den sie zu gehen hätten. Freilich wären noch gewisse Widerstände zu überwinden, zu deren Veseitigung alle Kräfte erforderlich seien. Er wisse, welchgroßen Kräfte vorhanden seien. Das einzig Erforderliche sei, diese Kräfte zu sammeln und zu mobilisieren. Sie alle wüßten, was die Zionisten Amerikas Große׳ geleistet hätten; die russischen Juden würden Hinte! ihnen nicht Zurückbleiben, sobald in Rußland die Moo lichkett zur Arbeit bestände. Während er sich, so fuhr Weizmann fort, mit seineu Kollegen über die Grundsätze der Arbeit in voll-- ständiger Ucbereinstimmung befinde, differiere er :nit einigen von ihnen über das Tempo, in welchem das Werk durchgeführt werden könne. Er hatte von den Zeiten geträumt, wo alle schöpferischen Kräfte des jüdifchen Volkes zum Dieste an der großen Sache bereit sein würden; dann, glaube er, werde die Sache rapide Fortschritte machen und wir könnten unsere Bestrebungen in zehn Jahren vollenden. Aber er zweifle manchmal, ob dies mehr als Träume seien. Er zweifle nicht an unserem Erfolge auf der FriedenSkonserenz. Dieses Erfolges sei er völlig sicher. Die innere Unruhe in Palästina verursache ihm etwas Unbehagen, aber mit der Hilfe von Ussischkin und Dr. Ruppin, der bald in Palästina sein würde, sei er sicher, daß es ihm gelingen werde, bald völlige Harmonie herbeizuführen und eine starke, für die gegenwärtige Situation geeignete jüdische Organisation im Lande zu schaffen. Es sei gewiß traurig, daß unsere Hoffnungen durch die allgemeine, Verzögerung in den Arbeiten der Friedenskonferenz ebenfalls verzögert tvorden wären; aber die entscheidende Stunde nahe, und wir müßten für sie vorbereitet sein. Die Jahreskonferenz einberufen. Das Engere Aktionskomitee hat den Beschluß gefaßt, die Jahreskonferenz für die Zeit vom 18.-23. Jänner 1620 nach Basel einzubernfen. Wir haben bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, daß sich die Leitung mit' der Absicht trägt, die Jahreskonferenz einzuberufen. Die heutige Nachricht bringt nunmehr die offizielle Bestätigung. Bei den Sitzungen verschiedener Landsmannschäften und in zahlreichen Artikeln der zionistischen Presse ist die Forderung erhoben worden, baldmöglichst Kongreß und JahreSkonserenz einzuberusen. Ein Kongretz dürfte.im Augenblick aus den verschiedensten Gründen nicht zustande zu bringen sein. In großen Teilen Osteuropas wird es jetzt nicht möglich sein, ordnungsgemäße Wahlen zum Kongreß vorzunehmen, und es wurde bei den bestehenden Reiseschwierigkeiten und komplizierten Patzbestimmungen kaum denkbar sein, der großen Zahl von Delegierten «eisemöglick zu verschaffen. Dazu kommen innere Gründe, die gegen einen Kongreß im Augenblick sprechen. Die großen ent- Uerbrtitct scheidenden Beschlüsse über Richtung und Wege nuscrer Palästinaarbeit können erst gefaßt werden, wenn der formelle Beschluß der Friedenskonferenz vorliept. Somit empfahl sich die Einberufung der Jahresko>,seren die statutarisch fast alle Befugnisse des Kongresses besitzt (ausgenommen Aenderung des Programms und Neuwahl des Aktionskomitees.) Der Jahreskonferenz gehören außer den Mitgliedern des großen Aktionskomitees, dem Vorsitzenden des letzten Kongresses, sowie Vertretern unserer wichtigste״ Institutionen (I. C. T., A. P. E., I. N. T., Kongreßgeeicht, Ehrengericht, Kongreßanwalt) besondere Vertretcc der Landes- und Sondervcrbände an. Die Zioniüische Vereinigung für Deutschland hat auf ihren: I ׳ ten ordentlichen Delegiertentag folgende Herren zu diesem Amt gewählt: ׳Zahnarzt Schachtel, Breslau, Dr. Kollcnschcr, Posen, Dr. Elias Strauß, München, Kurt Blumenfeld, Berlin. Als Stellvertreter wurden die Herren Richard Lichtheim. zurzeit Haag, Dr. Ernst Kalmus, Hamburg, Dr. Julius Moses, Mannheim und S. Schocken jr., Zwickau gewählt. Wir hoffen, daß die Sitzung keiner: unerwarteten Schwierigkeiten begegnet. Ihr Zustandekommen würde von großer Bedeutung für die Arbeit der Organisation sein. Vom Jüdische» NotionalfondS. Im Monat Oktober 1610 sind für den "Jüdischen Nationalsonds Frs. 232.816,68 an Spenden eingcgangen, die sich auf folgende Ländervertcilcn: Nörd-Amerika 5215.—, Argentinien 21.190.—, Holland 8188.—, England 760.—, Polen 104.185.—, Tschechoo-Slovakei 57.005.—, Rumänien 70.000.— und 120.—, Deutschland 43.842.—, Ost-Galizien 70.043.—, Palästina 145.—, Belgien .6002.—, Elssas-Lothringen 3735.—, Wcst-Galizicn 41.813.—, Oesterreich 40.015, Australien 70.—, Kurland 50.— und 105.—, Schweiz 1378.—, Südslatvische Länder 20.741.—, Norwegen 510.—, Schweden 300.—, Aleppo 600.—, Bulgarien 100.—. Die Palästina-Woche in Argentinien hat ein Gesamtergebnis von über 100.000 Francs gebracht, woran auch die Juden in Chile beteiligt sind. In Sibirien sind in den ersten 4 Monaten des Jahres 354.000 Rubel für den Jüdischen Nationalsonds aufgebracht, und es ist anzunehmen, daß inzwischeu dieser Betrag bedeutend vermehrt wurde. Während der Sukkoth-Woche hat in der ganzen Tschecho- Slovakei eine Palästina-Feier stattgefunden. In Palästina wurden die Sukkothtage in allen jüdischen Siedlungen für Sammlungen zur Pflanzung von Legionen-Hainen bestimmt, die zu Ehren der auf G a l i p p o l i, in der S i n a i - W ü st e und in Palästina gefallenen jüdischen Soldaten an verschiedenen Stellen des Landes angelegt werden sollen. Die Anregung zu dieser. Sammlung, für die bereits ein größerer Betrag aufgebracht wurde, ging vom 39! jüdisch-amerikanischen Regiment' aus. In S i ch r o n- Jakob haben sich fast alle Koloniebewohner verpflichtet, einen festen Monatsbetrag als Selbstbesteuerung für den I. N. F. zu entrichteu. Die Kolonie Petach- Tikwahh hat für alle Urkunden des Waads der Kolonie die Stempelpflicht zugunsten des I. N. F. eingeführt. Nie NF-Kommission für Palästina hat <stn Projekt ausgearbeitet, wonach eine Markenpflicht für sämtliche Juden Palästinas eingeführt werden soll. In Groß-Britannien, Elsaß-Lothringssn, Griechenland, Weißrußland, den Ostseeprovinzen und andern Ländern sind Vorbeireitungen für Aktionen, die im Zusammenhang mit der geplanten Nordau-Gartenstadt während der Chanukkah-Woche stattfinden sollen, im Gange. Hebräische Mosaiken.. Durch die Explosion einer türkischen Kugel wurde in der Nahe von Jericho ein hebräisches Mosaik bloßgelegt. Die ״Times" veröffentlicht eine Schilderung des berühmten franz. Orientalisten Clermont-Gauncan über diesen hochinteressanten Fund. Die Entzifferung der Photographie ergab folgende Inschrift: »Geehrt sei das Andanken von Binhamin Benjamin dem Pharnas (eine Art Gemeindeverwalter), des Sohnes von Uosch (Josef). Geehrt sei das Andenken all derer, welche Bestand leisten und eines jeden, welcher diesem heiligen Platze Gold, Silber oder irgendein Wertobjekt spendet. Bleibet nicht zurück im Spenden für den heiligen Platz. Amen." Einige seltsame Negiuoth. « Bon einem Rabbiner. Laut Gesenius-Kautzsch's Hebräischer Grammstik« Lpzg. 1889, S. 84 f. haben , die Accente (Neginoth) zunächst ״die Bedeutung... als Jnterpunktionszeichen zur Andeutung des logischen (syntaktischen) Verhältmsses der einzelnen Worte zu ihrer Umgebung und so zum ganzen Satze" ... Diese Bedeutung der Redie ״}Mische U01I ginoth kommt wie selten jemals in einer recht auffälli« gen Actentuierung zum 1. B. Mose, Kap. 30, 35, zum Ausdruck. Die Neginoh Telischa k'tanah auf dem Worte ״Bajom", also ein disjunktiver Accent, scheint den ganzen Wortsinn des Satzes zu verwirren. Allein auch hier zeigt sich die Weise ״Andeutung des logischen Verhältnisscs der einzelnen Worte": Laban hört den Vorschlag Jakobs, die gestreiften ynd gefleckten Böcke abznsondern. Er geht sofort ans Werk. Schlau wie er ist, nimmt er aber diese Aussonderung nicht in dunkler Nacht vor, wo ja alle weißen Schafe dunkel sind, fondern am hellichtcn Tage, wo alle farbigen Kennzeichen genau 3u unterscheiden sind. Diese Tatsache also will die Neginah andeukdn, indem sie ״Cajom" mit einer Mafsekes versieht, d. h. sie will sagen, Laban sonderte am Tage selbst (nicht am selben Tage) die Böcke aus. Bestärkt werde ich in meiner Theorie durch eine gleichartige Acrentüierung in einem ähnlichen Satze: 4. V. Mose 11, 32. Wajakam haam kol h a j o m Hahn w'chol halajlah, wo ״hajom" die gleiche disjunktive Neginah Telischa k'tanha hat, um es vom folgenden hahu zu scheiden und zu ״betonen" die ununterbrochene, langandauernde Sammlung der Machtat durch Tag, Nacht und darauffolgenden Tag; also wieder ״hajom" nicht als Adverb, sondern substantivisch ׳ aufzufassen. Aehulichc auffallende, ja geradezu seltsame Neginoth finden sich noch zahlreiche (vgl. Numeri 11', 8), die aber alle sicherlich wie die erwähnten, in besagtem Sinne zu erklären sein dürften. Katholischer Palästina-Kongreß unlb Zionismus. ״Auf Aureugng und durch Vermittlung der ״Jüdischeu Prcßzcntrale Zürich" hat das Jnitiativ-Komitce des Internationalen Katholischen Palästina-Kongresses, der für Oktober 1919 nach Einsiedcln einberufen werden sollte und inzwischen bis zum Frühjahr 1920 verschoben tvorden ist, an das Zionistische Aktions-Kymitee z. H. von Sokolow ein Schreiben gerichtet, worin daS Jnitiativ-Komitee betont, daß die Intentionen des Internationalcn Katholischen Palästinakongresses dem Wohl des jüdischen Volkes und den Interessen des Zionismus nicht nur keineswegs entgegenlaufen, sondern daß es im Gegenteil den aufrichtigen Wunsch habe, sowohl mit dem jüdischen Volk als auch mit der zion. Organisation als dessen legitimer Vertretung, in bester Eintracht und in Frieden zu leben. Der Kongreß werde auch in seinen Beschlüssen den durch die Friedenhkonferenz geschaffenen politischen Verhältnissen in Palästina Rechnung tragen und iverde eine besondere Genugtuung empfinden, wenn auch die zion. Organisation ihrerseits -den Forderungen des Internationalen Katholischen Palästinakongresses das nötige Verständnis entgegenbringen und auf diese Weise zur gegenseitigen Unterstützung, zur Förderung der gemeinsamen Ideale der Nächstenliebe und zum Heile der Menschheit auf dem uus allen heiligen Boden beitragen werde. Obgleich die ״Jüdische Preßzentrale Zürich" mit der Weiterleitung dieses Schriftstückes betraut worden war, hielten wir uns nicht berechtigt, von dem Inhalt dieses Dokumentes für die Presse Gebrauch zu machen. Nachdem das offizielle Londoner ״Zionist Bulletin" vom 12. November diesen Schritt des Initiativ- Komitees des Katholischen Palästinakongreffes zur qllgemeinen Kenntnis bringt, entfällt natürlich auch für die ״Jüdische Preßzentrale Zürich" jeder weitere Grund zur Diskretion. Das ״Zionist Bulletin" fügt seinen: Berichte noch bei, daß eine Antwort der zion. Exekutive mitzuteilen natürlich unmöglich war, da der beabsichttgte Kongreß sticht stattgefunden hat. Aber eS kann festgestellt werden, daß die zion. Vorschläge bezüglich des PalästinavertrageS die vollständige Gleichberechtigung aller Religionen und den Schutz der den verschiedenen Glaubensbekenntnissen heiligen Stätten vorsehen. Die Zahl der organisierten jüdischen Arbeiter in Pole». Laut den letzten Berechnungen beträgt die Zahl der -in professionellen Vereinen organisierten jüdischen Arbeiter Polens mehr als Sss.000; davon gehören über 60.000 dem ..Bund" an. 34.000 stehen unter dem Einflüsse der Poale-Zionisten und zu den «Ferainigten" gehören gegen 6000. Palästinensische Kriminal-Ttatistik. Es war von jeher ein Ruhm der palästinensischen Judenheit, daß die türkische Kriminal-Statistik, soweit Palästina in Betracht kam,, niemals eine Beteiligung der Juden an . den zur Aburteilung, gekommenen Vergehen und Verbrechen aufwieS. Erfreulicherweise ist der gute Ruf der Juden als gefetzestreve Bürger auch unter dem neuen Regime aufrecht erhalten geblieben. Die Kriminal-Statistik für die vier Monate März bis Juni dieses Jahres, die soeben von der offiziellen Lei» tung der Administration des besetzt» Gebietes der* öffentlicht wird, berichtet über Urteile gegen 4S Perso. nen, unter denen sich kein einziger Jude befindet.