Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 36 (5.12.1919)
- Date
- 1919-12-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2621806-2622032-2622068--4172-2625443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 36 ״Attisch, V»Ittst1««er׳u• 3 Daraufhin sammelten sich Banden, unter denen die von Sokolowski, Selony, Sokolow nnd Struizki die berrichtigsten sind. Sie richteten die furchtbaren Pogrome im Territorium Petljura an.׳ Machnow, ein anarcho-kommunistischer BandenfiGrer, hatte mit seinem disziplinlosen Gesindel ein Territorimä nordöstlich von Jekaterinoflaw besetzt und sein Lager im Dorfe Gulaipol aufgeschlagen. In seinem Gebiete haben die Juden, die Gegner des Kommunismus, wohl besonders schwer gel litten. Die jüdischen Kolonien des Alexandrowsker, Mariupoler und Jekaterinoslawer Kreises hatten ׳sich den Banden Machnows bewaffnet widersetzt und mutz׳ ten dafür schwer büßen. Ende Dezember 1918, als di. Bolschewik! nach Süden vordrangen, eroberte Machnow Jekaterinoslaw, wurde aber schon nach einem Tage von Petljura hinausgeworfen.. Dieser eine Tag hatte genügt, daß die Banden Machnows unter den Jude, Jekaterinoslaws ein furchtbares Blutbad anrichteten.׳ Petljura wurde von den Bolschewiki geworfen, und sie hielten die Gouvernements des Donbcckens (Charkow, Jekaterinoslaw, Poltawa, Cherson) bis um Juni 1919 in ihrer Hand. Dann wurden sie von Denikin nach Norden geworfen. Während ihrer Herrschaft gab es wohl keine Pogrome, die'jüdische Wirtschaft wurde aber aufs tiefste erschüttert, weil aller privater Verkehr derschwrmden war. Die Bauernschaft setzte den Bolschewiki heftigen Widerstand entgegen. Bei der judenfeindlichen Stimmung der Massen fiel, ihnen gerade die Teilnahme von Juden als Funktionäre am bolschewistischen Negime besonders in die Augen, obgleich kein Jude im ganzen Gebiete leitender Volkskommissär war. Die Judenfeindschaft steigerte sich. MS Ataman Grigoriew, ein Freibeuter, der mit Jüdische Emigrations- Organisation. Eine Organisation zur Regelung der ostjüdistben Wanderung ist in Berlin begründet worden, nachdem sich bereits im Juni dieses Jahres ein Kreis prominenter jüdischer Persönlichkeiten mit dieser Frage beschäftigt hatte. Das damals in einer vertraulichen Bcsprechung gewählte vorbereitende Komitee hat die Vorarbeiten für die neue Organisation geleistet, die am 3. November ihre Gründungsversammlung abhielt. Professor Dr. Silbergleit, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, begrüßte namens des vorbereitenden Ausschusses die Versammlung. Dr. Alphons Sussnitzki legte in einem ausführlichen Referate die Aufgaben der Jüdischen Emigrations-Organisation dar. ׳Seine Ausführungen gipfelten in zwei Thesen, deren erste fordert, daß die Wanderfrage nicht mehr als Nebenzweig irgendwelcher sozialer oder philanthropischer Vereinigungen behandelt werden darf, sondern in den Vordergrund gerückt werden muß. Der zweite Leitsatz verlangt, daß die Frage nicht mehr von den Organisationen dcreinzelnen Länder getrennt, sondern als Weltpolitisches Problem von den einzelnen Judenheiten der gesammten Kulturwelt behandelt wird. Dr. Sussnitzki teilte mit, daß die I. E. O. darauf hinwirken will, daß größere Massen der gegenwärtig in Deutschland diese Organisationen ,die zum Teil eine vieljäbrige Praxis auf den: sehr schwierigen Gebiet der Massenanswanderung haben.diese Aufgabe durchfuhren. Ein Grund, eine neue jüdische Emigrations-Organisation zu gründen, liegt hiernach durchaus nicht vor. Nachdem die verschiedenen Gruppen der deutschen Judenheit organisiert sind, ist die Zeit vorüber, in der Privatpersonen ohne ein Mandat der Organisationen so schwerwiegende und schwierige Aufgaben, wie es die AuS- Wandererfürsorge ist, in die Hand nehmen fötm*;:.'׳ Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Musik. seinen Truppen von Petljura zu den Bolschewik: überlung gemacht worden ist. findlichen Ostjuden bei dem Wiederaufbau Frankreichs Verwendung finden. — Der Vorsitzende dankte dem Redner für seine Ausführungen und teilte mit, daß den verschiedenen großen jüdischen Organisationen in J Deutschland von der Begründung der I. E. O. Mittei- Die Gesellschaft zur Erforschung und Förderung jüdischer Musik verfolgt mit ihrer Gründung ein-zweifaches Ziel: Ein rein wissenschaftliches, das der musikhistorischen Erforschung der vorliegenden Dokumente jüdischer Musikpflege seit den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart und ein Kulturelles, die Förderung'lebender Künstler, die schaffend oder ausübend mit der Pflege jüdischer Musik beschäftigt sind, sowie von Korporationen mit gleichen Zielen. Die jüdische Musik als künstlerische Aeußerung eiues auf vieltausendjähriger Kultur zurückblickender׳ be-s Volkes hat bisher noch lange nicht jene Beachtung gegegangen war, im April einen Aufstand gegen die Bol-1 den Komitee vorgeschlagenen Satzungen wurden von schewiki arrangierte, wählte er zum Schlachtruf: Nieder'der Versammlung genehmigt. — Die Vorstandswahlen mit den. Bolkskommiffärenl Nieder mit den Juden! ergaben folgende Acmterverteilung: Vorsitzender Pro- Nieder mit dem Kommunismus! Sofort brachen irr den! fessor Dr. Silbergleit. Direktor des Statistischen Amtes von seinen Banden besetzten Gebieten Tscherkassy-Jelider Stadt Berlin; stellvertretender Vorsitzender Prof. sawetgrad-Snamonka-Dolmakaia - Werchnidnieprowsk Dr. S. Kalischer, Vorsitzender des Deutsch-Israelitischen furchtbare Pogrome aus. Im Dorfe Saxoha z. B. hat Gemeindebundes; Schriftführer Dr. Alphons Sussnitzman damals 96 jüdische Männer versammelt und zuki, Sekretär der Lehranstalt für die Wissenschaft des fammengeschoffcn. Ungefähr 40 jüdische Gemeinden Judentums; Schatzmeister, preußischer Finanzminister wurden damals ruiniert und zirka 6000 Juden getötet.j a. D. Bankier Hugo Simon. Weiter gehören dem Vor- Der Vormarsch der Denikinschen Armeen in diesen j stände unter anderem an Professor Dr. Ernst Cassirer- Gebieten des Don'schen Bassins vollzog sich unter sy- Hamburg, Chefredakteur Fritz Engel-Berlin und die stematischer und gewalttätiger Vernichtung des jüdi- Rabbiner Dr. Baeck und Dr. Warschauer-Berlin. Dem schen Lebens. Betrat eine Truppe einen größeren Ort, ״erweiterten Vorstand", welcher die geschäftsführendl traten die alten, reaktionären Elemente sofort hervor. Leitung ergänzt, gehören an: Amtsgerichtsrat Wolfs Zuerst wurden die Juden ausgeplündert, dann eine vom Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin und funden, die einer so wichtigen Erscheinung des kulturellen Lebens zuzuwenden wäre. Während die jüdische Literatur, der geistigen Vertiefung des jüdischen Lebens entsprechend, zum Allgemeinbesitz des Judentums geworden ist, hat die Beschäftigung mit jüdischer Die von dem vorbereiten- Musik nicht in gleicher Weise Wurzel fassen können. Reihe von ihnen als ,;Bolschewik:" gemordet und beraubt, hierauf setzte ein tagelang andauernder Pogrom ein, während dessen zügellos geraubt, geschändet, gemordet wurde, bis die Wut sich erschöpft hatte. Dam, kam der Befehl eines Kommandos, welcher Gewalttätigkeiten gegen Juden mißbilligt und verbietet. Auf diesem Siegeszug der Bestie wurden auch jene jüdischen Ackerbaukolonien als ״bolschewistisch" völlig vernichtet, die sich Wochen vorher mit Waffen gegen die Einführung des Kommunismus gewehrt. Nicht ein militärgerichtliches Verfahren wurde eingeleitet, vielmehr wurden jene jüdischen öffentlichen Beamten, die während des Kerenski' Regimes ausgenommen worden wa-, «n-wt bei der Reaktidierun« dieser Behörden »°-! Üb7-^ GM^n"g -7n--HischM matesch entlassen. Ich weise hier aus i-n Befehl d-S Emigrations-Organisation" in Deutschland. Mit der M-bUch-rungS-amm-ssarS von Charkow mb 7. Jul, g 6cfa(fen m in Deutschland seit einer das Mitglied der Berliner Repräsentantenversammlung Gewerberat Plotke; Frau Helene Meyer-Stargardt und Frau Rabbiner Dr. Eschenbacher (Jüdischer Frauenbund); Jacques Hassn, Präsident der Sephardischen Gemeinde in Berlin, Chefredakteur Dr. Pinner- Berlin u. a. m. — Die Israelitische Sephardische Gemeinde in Berlin ist der Jüdischen Emigrations-Gesellschaft als erste Organisation korporativ beigetreten. Von aüderer Seite erhalten wir nun folgende Not:z zugesandt; für die wir die Verantwortung den betreffenden Einsendern überlassen müssen. Das Berliner Tageblatt vom 6. November d. I. 1919 hin, wonach alle jüdischen Offiziere seines Nayons bis auf ihre Wiedereinberufung aus dem Kriegsdienste entlassen werden. * Denikin selbst hat kurz darauf die jüdischen Offiziere aus seiner Armee entfernt, obgleich von׳ seiten derselben dagegen mit der Begründung protestiert wurde, daß sie nur durch gerichtlichen Spruch ihrer Charge könnten entkleidet werden. Bezeichnend für den Geist, Reihe von Jahren eine große Anzahl jüdischer Organisgtionen. Gerade in den letzten Monaten haben sich dieselben, nachdem bereits während des Krieges für die ostjüdischen Arbeiter das ״Arbeiter-Fürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands" gegründet worden war, zu ein^r Arbeitsgemeinschaft zusammengeschloffen. An dieser sind beteiligt: Der Zentralverein . . ... Ä,F. . , , t. ןי deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die der in den Den:k:nschen Off:z:erskorps herrscht, :st d:e > x״«,! ..״*m Entschuldigung, die Denikin einer Deputation für seinen Befehl gab, er hätte nicht anders können, weil er fürchtete, es könnte zu Konflikten zwischen den jüdischen «n&j&en. übrigen Offizieren kommen. DaS Resultat dieser systematischen Blutarbeit ist ein trauriges. Die Juden, die noch in den kleinen Markorten, auf den Bahnstationen zerstreut angestedelt waren, die in den Ackerbaukolonien gearbeitet haben, verkauften die Reste von Hab und Gut, die ihnen gelassen waren und flüchteten in die jüdischen Großgemeinden, wo sie in der Masse auf Schuutz ihres Lebens hofften. Dort aber vervielfältigen sie Arbeitslosigkeit, Hunger, Elend und Krankheit. נכולת HaWteoto Monattchrlft. Erst in neuer Zeit haben sich vereinzelte Forscher und, Sammler der Pflicht erinnert, die ersten Arbeiten zur Sichtung und Bearbeitung des ungeheuren Materials zu verrichten, das die musikalische. Betätigung von so vielen Jahrhunderten zum Gegenstand hat. Die Erforschung der alten Singweisen der heiligen Schrift, der synagogalen und außershnagogalen Gesänge wäre berufen, die Wissenschaftliche Ergründung der musikalischen Stilperiode überhaupt in hervorragendem Maße zu fördern. Der konservative Geist des Judentums hat hier vieles bewahrt, was anderwärts durch unzählige Stilwandlungen umgewandelt und weitergebildet' wurde. Auch die Sammlungen weltlicher Musiker (jüdischer Lieder, Tänze usw.) sollen nicht mehr lediglich vom Standpunkt der praktischen Verwertbarkeit aus erfolgen. Hier wird eine großzügige Thesaurierung einzu-! setzen haben, der in einem späteren Zeitpunkte, die kritische Sichtung und Herausgabe folgen wird. Was so-, dann durch die Ergebnisse der vergleichenden Forschung für die Bestimmungen der jüdischen Eigenart auf mufikalischem Gebiet gewonnen wird, mag als Grundlage für die Weiterentwicklung einer jüdischen Musik im Sinne' sonstiger Nationalmusik dienen. Dies sind in großen Umrissen die Ziele der sich bildend enGesellschaft. Ihre Arbeitsweise erfordert naturgemäß allgemeine Teilnahme und größte Jnertqationalität. An alle jüdischen Kulturzentren im Orient, in den Sammelbecken des Ostjudentums, in den westeuropäischen Ländern, wie in Amerika, ergeht der Ruf zur Teilnahme an ihrer Arbeit. In eigenen Bibliotheken und Archiven soll gesammelt werden, was an musikalischen und musikliterarischen Werken erreichbar ist. Durch Preisausschreiben sollen Arbeiten auf diesem Gebiet gefördert werden. Der Mitteilung wiffensihaftlicher Ergebnisse wird eine zu gründende Zeitschrift dienen. Aber nicht nur' die Forscherarbeit, auch die Tätigkeit des schaffenden und ausübenden Musikers soll durch die Organisation der jüdischen Musikpflege gefördert werden. Die Gründung von Gesang- und Orchestervereinen, die Ausschreibung von Kompositionspreisen und die Verlagstätigkeit wird zu den Aufgaben der Gesellschaft gehören. Die Vorarbeiten zur Gründung eines Konservatoriums und einer Oper in Palästina, werden die Gesellschaft in nächster Zukunft beschäftigen. — ׳ s # > Hiezu bedarf sie weitgehender Unterstützung a Gelehrten und Musiker, denen sich Hk« ein dm׳s Schaffensgebiet eröffnet, wie auch aller Kunstfreunde und der großen Zahl jener, die mit ihrer materiellen oder moralischen Hilfe die Kulturarbeit der Gesellschaft zu unterstützen in der Lage sind. Anmeldungen zur Mitgliedschaft liegen bereits von einer Reihe der bedeutendsten wissenschaftlichen und ,, musikalischen Persönlichkeiten vor. Alle Zuschriften. ״löge für Deutschland, der Hilfsverein der deutschen Juden, der Zentralverein für jüdische Wanderarmenfürrsorge des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, die jüdische Gemeinde in Berlin, die Zionistische Vereintgung für Deutschland, das Jüdische Arbeitsamt, das Komitee für den Osten, das Arbeitsfürsorgeamt und die ihm angeschloffenen Organisationen der ostjüdischen Arbeiter und des Verbandes der Ostjuden. Dieser Organisationen stehen auch bereits seit längerer Zeit mit׳ der deutschen Regierung im Interesse der Ostjuden in Verhandlungen und müssen Wert darauf legen, daß die Möglichkeit einer befriedigenden Regelung nicht durch das Eingreifen von Unlegitimierten gestört Wird. Die Arbeitsgemeinschaft dieser .Organisationen beschäftigt sich mit der Fürsorge für die in Deutschland befindlichen Ostjuden. Inwieweit später, wie in der ...... Zeit vor dem Kriege, eine jüdische Durchwanderung! Beitrittserklärungen und Vorschläge betreffend den von Osteuropa durch Deutschland in größerem Stile | Ausbau der Organisationen und de- Tätigkeitsgeb! stattfinden wird, ist heute nicht zu übersehen. Wenn die, werden an die Wiener Adresse der Gesellschaft erbeten. Möglichkeiten für sie vorhanden sein werden, so werden j -.. ״Menoras" im M. Hickls Verlag, Brünn, AdlergaIe 9.