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Jüdische Volksstimme · 1919-11-14 · Heft 34 (14.11.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 34 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Generalversammlung der ״Adas Jisroel" fin« det Sonntag, den 9. d. M., um 10 Uhr vormittags, in Veth Hamidrasch, 2. Bez., Große Schiffgaffe 8, 1. Stock, statt. Koerespoaüeazen. Bratislava. Anr 25. Oktober sprach in der Jugendgruppe ״Kadimah" des MisrachivereineS Herr S. Kamlosi über die Aufgaben des MiSrachi im zionistischen Lager. Reicher Beifall lohnte die gehaltvollen Dattegungen des Vortragenden. Komorn. Am 29. v. M. sprachen in der hiesigen Misrachi-Ortsgruppe vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft die Herr«j1 Dr. Leopold Weiß und Dr. Albert NemeS aus Nove Zamky' (Neuhäusel). Der VortragSabcnd war von den angesehensten Mitgliedern beider jüdischen Gemeinden besucht, die den trefflichen Ausführungen der beiden Redner mit großem Interesse folgten. — Die vor kurzem gegründete Misrachi- Mädchengruppe ״Deborah" entwickelt sich in günstiger Weise. Um das Zustandekommen und den Aufschwung des Vereines haben sich die Damen Frl. Katharina Kerteß, Frl. Hcrmine Ehrmann, Frl. Jolan Fleischmann und Frl. Gisela Grünhut, ferner Herr Rabbiner .Krauß verdient gemacht. RikolShurg. Am 27. Oktober fand unter dem Ehrenvorsitze des Herrn Bezirkshaüptmannes eine öffentliche Ausschußsitzung ׳statt, in welcher dieser die offizielle Mitteilung von der demnächst bevorstehenden Bereinigung der beiden Stadtgemeinden Nikolsburg 1 und 2 machte. Der Herr Bezirkshauptmann dankte der Gemeindeverwaltung für die stets korrekte und tadel- -lose Amtsführung, wünschte der Gemeinde ferneres Gedeihen und lud den Herrn Bürgermeister Franz Deutsch ein, die Amtsgeschäfte bis zur Ernennung eineS gemeinsamen Regierungskommiffärs für die neu entstandene Stadtgemeinde ..Nikolsburg" zu führen. In dieser Sitzung wurde Herr Bürgermeister Franz Deutsch für seine vielen Verdienste, die er sich in der Führung seines verantwortungsvollen Amtes erworben hatte, einstimmig zum Ehrenbürger ernannt. Wien. (Todesfall.) Am letzten Bersöhnungstage, am 4. Oktober d. I. schloß nach kurzem Leiden unser langjähriger Mitarbeiter Herr Anton Löw in. Wien seine Augen für immer und wurde am 7. auf dem neuen jüdischen Friedhöfe des Wiener Zentral- -fr׳cdhofes mit besonderen .Ehren zu Grabe getragen. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Grunwald hielt einen würdigen Nachruf dem Entschlafenen und Herrr Oberkantor Morgenstern stimmte die tiefergreifenden Trauergesänge an.. Der Verewigte, in der alten mährischen Gemeinde R a u ß n i tz am 12. August 1853 geboren, wandte sich dem kommerziellen Berufe zu' und war über 40 Jahre in Wien tätig. An Sabbaten und Feiertagen sahen wir ihn beim Gottesdienste in der Tempelgaffe, er lauschte auf jedes Wort des geistigen Führers und Lehrers der Gemeinde. Viele Reden w?il. Rabbiner Dr. Adolf Schmiedls veröffentlichte er in unserem Blatte und hat sich so um die Erhaltung dieser geistvollen Vorträge sehr verdient gemacht.׳ Wo er Gutes und Jüdisches fördern konnte, war er stets der Erste und, hing an seinem mährischen Geburtslands mit besonderer Liebe an. Viele Jahre wirkte er im Wiener Kaufmännischen Gesangvereine. Eines der schönsten Lieder Schuberts: ״Gott, mein Hirt". Psalm 23, sang er noch voller Begeisterung Heuer mit und dem Wiener Jüd. Museum war er ein warmer Förderer seiner Bestrebungen. Ehre seinem Andenken! Der trauernden Witwe ward himmlischer Trost zuteil! M. A. Krakau. Nach den Amerikanern und Engländern entsenden nunmehr, wie verlautet, auch die Franzosen eine Kommission zur Untersuchung der Pogrome nach Poken. Der Generalsekretär -er ״Liga zum Schutze der Menschenrechte" Mr. Henri Journi, wird demnächst siä nach Polen begeben, der Zeitpunkt seiner Abreise ist noch nicht bekannt. Die polnische Preffe benützt schon jetzt die Gelegenheit zu allerhand ironischen Bemerkungen. In der Tat mpß gesagt werden, daß diese fortwährende Sendung von Kommiffionen, trotz der zweifellos guten Intentionen, die Wirkung beinahe abschwächt, statt verstärkt. Während die Hochflut, der Pograme sich über das polnische Gebiet ergoß, haben es die Mächte nicht für richtig befunden, zum Schutze de? Juden einzugreifen; mit der einzigen Ausnahme der englischen Verwarnung, die mit der Entziehung der englischen Hilfe beim Wiederaufbau des Landes drohte, jedoch keinen tieferen Eindruck machte, nachdem sich die Pogromwelle gelegt hatte, kommt eine fremde Kommisfion nach der anderen, um zu ״untersuchen". Königsberg i. Pr. (Jüdische Volks- und Mittelstandsküche.) Dem Wunsche vieler jüdischer Bürger entsprechend ist hier eine Volks- und Mittelstandsküche eröffnet worden. Bankdircktor Marx betonte in seiner Eingangsrede, daß der Gründer dieser gemeinnützigen Einrichtung der Verein ״Hachnoffas Orchim" gewesen sei, der seit vierzig Jahren schon, durch Hirsch Lippmann ins Leben gerufen, Gutes gewirkt habe. Rabbincr Dr. Boyelstein brachte die Wünsche der Gemeinde. Rabbiner Dr. Jakobowitz und Herr MillakowSki wünschten dem Unternehmen gutes Gedeihen. Küeöerbefpreckuagea. Ein revolutionäres Buch nennt Adolf Böhm in der Berliner ״Rundschau" das Werk ״Das jüdische Volk- und seine Jugend" von Dr. Siegfried Bernfeld. Es wird alle, die sich behaglich wohl fühlen in dem bequemen Zustand einer gebildeten Wohltätigkeit geistig angeregten jüdischen Bürgertums in gewaltige Aufregung versetzen. Stärkste Antriebe werden aus diesem Buch der neuen jüdischen Jugend erwachsen; mit erglühendem Herzen wird sie dafür leben, daß Bernfelds Utopie kein Märchen bleibt. Zu beziehen durch M. Hickls Verlag Brünn, Adlergaffe 9. Preis broschiert K, 8.40, gebunden K 10,80. Bücher unserer Zeit. ״Der Mensch ist gut", das erkenntnistiefe Buch von Leonhard Frank, schildert die bis zum Irrsinn gesteigerte Absurdität des Kriegsgeschehens, und die erlösende Wirkung menschlicher Güte (geh. K 20.70). ״Das Feuer" von Henry Barbusse, der Vorläufer aller Antikriegsbücher, hat, den Widerstünden der Zensur zum Trotz, den Weg zum europäischen Gewissen gefunden (geb. K 30.30):־ Alphons Paquets, ״Der Geist der russischen Revolution", bringt die Wahrheit über die Sowjetherrschaft und Ziele (K 10.—). Zu beziehen durch M. Hickls Buch- und Kunstverlag, Brünn, Adlergaffe, 9. Eros unter den Völkern. Kulturskizzen van Max Rosenkranz. Verlag Aurora, Dresden—Weinböhla, '1919. — In 8 Skizzen führt uns Rosenkranz den Sieg des Liebesgottes vor. Er nennt seine Skizzen Kulturskizzen Wohl deshalb weil er uns Episoden aus dem Liebesleben der verschiedensten Kulturkreise zeigt. — Manchmal platt, manchenorts übertommt ihn so etwas wie Daimonion der Alten. Um als folkloristische Studien zu gelten, wenig näturhaft, als künstlerische Erzählung wenig elementar. Skizzen, als solche soll das Büchlein gewertet werden, als solche sehen wir sie auch an. Es ist möglich, daß in ihrer Kürze der Vorteil liegen mag, doch zu kürz um auch die Elementargewalt der Sinne zu begreifen. Ob griechisch, oder jüdisch, indisch oder japanisch Eros siegt, das wissen wir. Wissen es umsomehr als uns volkskundliche Studien die Gleichheit aller Völker nimmer mehr dokumentieren. — Im Großen und Ganzen wird, wer Kulturgeschichten nicht in die Hand nehmen mag, bei Rosenkranz Lehrreichesfinden. Max Wolfs. Lernet werden! Gedanken über Kulturentwicklung und Kulturpolitik. Der nTue Geist. Verlag Leipzig, 126 Seiten. Preis Mark 4.60 geheftet. — Max Wolfs versucht in seinem vorliegendem Buche psychogenetische Grundgesetze zu finden, auf. Grund deren Kulturentwicklung möglich ist. Gebildete, Halbgebildete, Akademiker werden analysert, die Kultur eines Volkes nicht als Totalität aufgefaßt, sondern als Teile einer Kulturpyramiede, deren Basis die Analphabeten, deren Spitze die geistig Hochstehendsten bilden. Einem Kultnr- Politiker kann solch brennendes Problem Wie die Judenfrage nicht entgehen. Diesem Problem widmet Wolfs im 3. Kapitel ״Politische Kultur" einige interessante Sätze. Er erklärt die grausigen Judenverfolgungen nicht materialistisch, sondern psychogenitisch. Nicht wirtiH liche, will sagen, ökonomische Gründe waren Ursachen der Kreuzfahrerpogrome, der Auto da Fes, sondern einzig und allein der Glaube: Die Juden zur Taufe zu führen, war das Motiv aller der schrecklichen Berfolgungen. ״In Pie Geistesverfassung eines Zeitalters, das ״Hexen" verbrannte, paßte auch die Ueberzeugung, daß die Juden um die Osterzeit Christenkinder schlachteten, um deren Blut in das Paffachbrvd zu mengen — es laßt sich nicht mehr und nicht tveniger dagegen sagen, als gegen den Hexen glauben.Denn eS beweist״ daß in steter Bewußtsein von' Millionen Deutsche», die zwar selbst an das Ritualmärchen nicht glauben, dennoch ein psychogenetisch unüberwundener Rest Mittelalterlichen Juden stqrk schlummert, der ihnen noch nicht gestattet, aus befreiten Herzen der Finsternis zu lachen, der sie entronnen sind." In seiner programatischen Forderung stellt Max Wolfs Grundsätze einer deutschen,Ent- Wicklungspartie auf, welche die kulturelle Zusammenfaffung des ganzen Volkes, allgemeine Schulpflicht bis zum vollendeten 16. Lebensjahre enthalten. Vielleicht er« hebt sich das deutsche Volk aus der Dumpfheit der Wirtschaftlichen Verhältnisse u. seiner psychischen Depression bald. Wir wünschen eS. - ׳ ' - —a — Brünner Nachrichten. Die Stellenvermittlung der Jüd. Frauenorganisa« tion GlaziS 67, nimmt Anmeldungen von weiblichen Stellensuchenden täglich von 4 bis 6 Uhr entgegen. Bereinigung Chavrusa im Makkabi, Verein für Turnen und Sport. Vortrag: Am 22. d. M. spricht Ing. Richard Pacovsky, Kreisleiter der Makkabivereine in der tschechoslov. Republik, um 8 Uhr abends im kleinen Saale des Künstlerhauses über das . Thema: ״Wir und der Makkabi''. Die Mitglieder und Freunde des ״Makkabi" sind dazu höflichst eingeladen. Turnsturüsen der Turnsektion des ״Makkabi", Vier eines für Turnen und Sport. Anmeldungen im Turnsaale des LyzeumS, Husova, während der Turnstunden. Männerabteilung: Montag und Donnerstag von 8 bis halb 10 abends. — Damenabteilüng: Mittwoch und Samstag von halb 8 bis 9 abends. — Männl. Zöglinge: 1. Abteilung: Montag uns> Donnerstag von halb 6 bis halb 7 abends (von 8—12 Jahren); 2. Abteilung: Montag und Donnerstag von halb 7 bis halb 8 abends (von 12—17 Jahren). — Weibl. Zöglinge: 1. Abteilung: Mittwoch und Samstag von halb 6 bis halb 7 abends (von 8—12 Jahren);. 2. Abteilung: Mitttvoch und-Samstag von halb 7 bis halb 8 abends (von 12 bis 17 Jahren). — Kinderturnen: Mittwoch und Samstag von 4 bis 6 nachmittags (von 4—8 Jahren). — Frauenturnen: Montag und Donnerstag von 7 bis 8 abends, Turnsaal Knabenvolksschule, Neugaffe 8, (für Verheiratete). — Letztere SkLteilung wird erst am 17. d, M. eröffnet und wird sich hauptsächlich mit dem Gesundheitsturnen (schwedisches System) befassen. An- Meldungen für diese Abteilung schriftlich an Frau Marie Kekler, Herrengaffe 10, ooer mündlich am Turnboden Neugaffe 8. Besonderer Jugendgottesvienst. Bpn Samstag, den 22. November 1919 angesangen findet an jedem Sainstag um 2 Uhr nachmittags ein besonderer Jugendgottesdienst für \ Volks- und Bürgerschüler im neuen Tempel statt. , Jüdische Eltern! Schicket Eure Kinder in.die Talmud-Thora fünfklaffige Bibelschule für Knaben und Mädchen« Adlergaffe 12. . Jeder jüdische Vater, jede jüdische Mutter betrachte es als Ehrenpflicht die Kinder die Talmud-Thora besuchen zu lassen. Einschreibungen täglich von 6—6 Uhr abends. siebt. vucddsntllung M. Blckl Brünn, Adlerg. 9, III. »ß. empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Judaica und Hebralea und Antiquariat Seiden« u. wollen« Tallealm auch «U ,12 מצוד תפילין *>״״• מזוזות Passende .בר מצוד ’Bssohsnke. ״HW שפת עמינו Lehrbuch der hehr. Spreche!dr Schulu. Selbstunterricht von M. Rath. Billigst• Bszugsquell• für WisdenrarMufsr. Abraham Map». Fünfzig . Jahre sind vorüber, seitdem einer der bedeutendsten hebr. Schriftsteller der Neuzeit Abraham , M a p u aus dem Leben schied. Keinem wie uns Zionisten, obliegt die Pflicht das Andenken und die literarische Bedeutung dieses Mannes zu feiern. Lar « edoch, welcher unsere Glanzzeit, die Zeit der Bibel und der Blüte des Bottes und seiner Sprache in seinen un* vergeßlichen Werken «Ahawat Zion" und ״Aschmat Schomrom" neu vor unsere Augen erstehen ließ, Daß wqx etwas, va» uns fehlte, denn wir besitzen trotz dch ״Hickl's Jüdischer Bolkskalender".

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