Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 34 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2621806-2622032-2622066--4157-2625426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
g«^v״s€-■־י!י* '■>?־ <. 6tttt 0 «ß--» s- •מ׳יי^״י,^ ןי.י*ךקך’י׳.>י־־^י5־ #}ד׳יז ׳־■*«׳עז«^*ps. ■יזף.'.״ז15ז ^AMsche »»lttft1««r" Nr. 34 I:; wertvollen Materials in Bibel und Talmud doch nur Brucystuae und Äwmc, welche der LurchschnittsjuL, kaum zu einem Ganzen zusammenzufassen vermag. La braucht' es der dichterischen Phantasie und Begabnntz, Sie alles zu packen und festzuhalten vermag. Diese besag zweifellos Abraham Mapu und mit diesen Anlagen gelang es ihm, uns unser altes Urleben zu entrollen, und die Liebe zu diesem Leben, vielleicht oder sogar gewiß» das Verlangen dieses Leben, welches von dusteren jüdischen Wirklichkeit wie sie wieder in dem Mapuschen Buche «Ajut Zawua" zum Ausdrucke kommt, so grell absticht, erneuern zu wollen. Es ist zu berücksichtigen, daß Mapu nicht nur in seinen Schilderungen, biblisch ist, er ist es auch oder ganz besonders in seiner Sprache in seinem Stile, denn kein Zweiter wie er, obgleich wir viele Bibelstil-Jmitatoren wie den Historiker Schulmann und den Lexikagrafen Samuel Josef Kinn usw. vielleicht das ganze zeitgenössische literarische Geschlecht Abraham Mapus, besitzen, oerpwchte wie er nicht minder als die Lebenszustande auch die hebräische Sprache, wie sie zur Zeit ihrer Höchstvollendung, ausgesehen haben muß, neu etstehen und sprechen zu lassen. f Im Rahmen eines Vortrages werden wir uns natürlich, das Eingehen auf biografische Details, luie bedeutend sie selbstverständlich zum Verständnis der Persönlichkeit Mapus notwendig sein mögen, versagen müssen, und uns mehr, oder sogar ausschließlich im. der Geschichte und der Beschaffenheit semer Werke ln. fassen. Im Jahre 1808 in Slobodka, einem Vorort Kowgeboren, legte er den üblichen jüdischen Studiengang zurück. Der junge Mapu war aber überdies auch phantastisch und mystisch veranlagt, so daß er von der Kabala und dem Chassidismus mitgerissen wurde. Im 17. Lebensjahre verheiratet, und sich bei seinen Schwiegereltern beköstigend, mußte er,- als diese Stütze zusämmenbrach, sich selbst einen Erwerb suchen, und er fand einen, den allgemein freien Melamed-Beruf, demzuliebe er von Zeit zu Zeit Ort und Sitz wechseln mußte. - Das war, aber für ihn keine Zeit der Verkümmerung, sondern vielmehr eine Zeit des Fortschrittes und des Weiterstrebens, und so verwertete er bei dieser Gelegenheit das Kapital seines Wissens und seiner BilduNg, das bisher vorwiegend aus Talmud-, und Bibelkenntniffen bestand, durch verschiedene Sprachstudien, wie Lateinisch, dies vermittels eines ihm zufällig -in. die Hand geratenen Psalmübersetzung, Französisch und ' Russisch. Während dieser Mander-, Lehr- und Leidens-' zeit ist in ihm auch sein Beobachtungstalent und seine epische Kraft, welche in Ihm schon seit seiner frühesten Kindheit wucherte, gereift, und indem er zu jener Zeit auch ganz in der Lektüre der Bibel versenkt war, tauchte in ihm die Idee eines biblischen Romanes, die Idee . des ״Ahawat Zion" auf. | Es war dies im Jahre 1830, als Mapu kaum 22 Jahre zählte, und doch ist er mit diesem Debüt gleichsam.der Schöpfer unserer neuhebräischen belletristischen Literatur geworden. Wohl gab es auch außer Mapu! Männer von literarischer Begabung und Qualifikation - wie A. Ginsburg, der fein Können auf unbedeutende! Uebersetzungen wie Kampes ״Entdeckung Amerikas" * und A. D. Lebensohn, der als Erstlingswerk den hebräischen Lesern ein anläßlich der Hochzeit des Grafen Tischkewitz verfaßtes ״Karmen".^ Die Leistungen der Anderen hat noch mindere Bedeutung, weil sich auf exotischen Kommentaren, und sonst minderwertigen Reimereien beschränken. Mapü scheint demnach unbe- ׳' dingt ein dichterisches Talent besessen zu haben, wenn' er mit diesem Strome nicht mitgerissen wurde! | Die Gestaltung des Planes zu seinem ersten Ro-' mane, hat Mapu während der Dauer eines ganzen Jahres in Anspruch genommen, so daß er an nichts anderem zu denken vermochte. Ein Jahr darauf ent-! standen die ersten drei und das Material zu den wet»' v teren Kapiteln. Allein erst im 40ten Lebensjahre wagke er.sich damit heraus (so gefährlich war damals die SS«־־; breitung solcher profaner Schriften) und die ganze Dauer dies« Zeit hat er auf Schleifen und Teilen des! Buches v«wendet.׳ Mühselig soll nach dem Ausdruck eines hebr. Literaturkritikns der erste hebr. Roman entstanden sein. S. Doppelt so groß angelegt ist der zweite biblische Roman ״Aschmat Schomron", der das Leben unseres Volkes zur Zeit Achaz (eines Vaters Chiskias Pekach Ben. Remaljahus und Hoschra Ben Elias) zum Gegenstände hat. Es ist da eine Fülle von Phantasie verkör-' pert. Dagegen läßt die historisch und poetische Wahrheit in diesem Romane ein penig zu wünschen übrig.. Die Politisch-sozialen Zustände in beiden Reichshälsten j sind quasi wie übergangen. D« modernen Kritik ist also dieses Buch nicht gewachsen. Setzen wir uns aber darüber ein wenig hinweg und bringen es über uns den ״Aschmat Schomron" so zu lesen, wie man es bei uns vor einer Generation zu tun pflegte, so finden wir darin eine ganze Welt. Ist es doch nur Tatsache, daß seitdem wir im Golus es bei Niemandem geschildert fanden, wie man bei uns lebte und webhr, sann und empfand. ״Aschmat Schomron" läßt in unserer Phantasie alles neu erstehen. Wieder ist die Liebe, welche eine solche hohe Rolle in diesem Buche spielt und alles treibt. Wäre nicht der Zeitraum so beschränkt, wir würden auch aus diesem bedeutsamen Buche Partien anführen, in uns wieder nur in dem Gefühl bestärken, daß wir unsere Ahnen vor uns sehen, wie sie sprechen und beten, wohnen und. spielen, sich belustigen und träumen. Wir sehen da das Hebräermädchen der Bibel in ihrer Keutschheit, glaubens- und gemütsvoll. Wir atmen die Luft des Libanon, und die Feuchtigkeit des Chermon. Wir sehen das Leben ihrer Bewohner wie es vom Ghettoleben absticht. Lebhaft schildert Mapu in diesem Buche die Demuth, Keuschheit, .Reiz, Geistes- und Gefühlsstärke d« Töchter Judas ׳und demgegcrrüber den Leichtsinn und die Ausschweifung der Locht!.!, und Söhne Efaraims und Schomrons. Was der Hauptmangel dieses Buches ist, daß der Autor immerfort nur Juda hochhält und preist, dagcgen Schomrom bezw. Efraim verdammt und. abschwärzt. Die Verworfenen sind nach ihm ausschlietzlich in Efraim, während die Redlichen ausschließlich in Juda zu suchen sind. " JmmLerfort spricht er' gehässig von Schomron und seinen Baalsprojcheten, betrügerischen Priestern, und der dort bestehenden Entartung. In dieser Beziehung war Mapu ganz von den Propheten inspiriert, welche selbstverständlich in ihrem religiösen Eifer etn wenig übertrieben haben werden. So wurde das Auge Mapus getrübt, weil es nicht Sache des Dichters ist, die von ihm geschilderten Stämme zu verhimmeln, oder zu verdammen, vielmehr sich zu bemühen in deren Seelengeheimnisse einzudringen. 3. Von diesen biblischen Stoffen wandte sich Mapu der zeitgenössischen Wirklichkeit zu, indem er seinen ״Ajut Zawua" schrieb. Der Held dieses Romanes ist Rabbi Zaddok, ein erstklassiger erzv«brecherischer Unterschristcnfälscher und Mörder, d« bei den Fanatikern in höchsten Ehren steht. Es ist dies ein Scheusal wie es bei uns nie bestand und auch nie bestehen konnte. Die anderen Typen in diesem Romane wie Sara, Jeruchem, Psachja Jerechezel-msw. in diesem Romane sind auch nicht meist«- Haft geschildert, allein doch ׳ einigermaßen aus dem Leben gegriffen. Es ist diese Figur geradezu ein Pamphlet seinem Volke gegenüber, das einen Mann wie Rabbi Zaddok, welcher sich mit der Tochter des Knechtes Gaal, ein durch Raub reich gewordener Emporkömmling, verheiratete, was ihm gewiß nicht wenig Haß eingetragen haben wird, indem er für die bedeutend crhaltene Mitgift seinem Schwiegervater ein halbes ״Jenseits" (Olam Habe) veräußerte. Solche Leute pflegten ja bei uns nie geduldet zu werden. ' ' Mapu wollte die Aufklärung gegen den Fanatismus ausspielen und so kam er dazu die Aufgeklärten zu verhimmeln und die Frommen äußerst herabzusetzen — eine Sache, die überhaupt s. z. allgemein üblich war Allein wie sind die Aufgeklärten in dem Werke Mapus? Sind es wirklich solche bewunderungswürdige Geschöpfe? Elisabeth Atalja, Naama Athniel, Achitoe Esriel et consortes, machen ebenfallsnur den Eindruck prnuksüchtiger Schwätzer. Wollten wir die Aufgeklärten auf Grund des Romanes Mapu beurteilen, so müßten wir sie entweder ekelhaft od« wenigstens höchst lächerlich finden. Keine Spur von Idealismus ist bei Ihnen zu finden. Anders ist es mit den einfacheren Typen bei Mapu. Diese wußte er sehr sympathisch zu schildern, und so finden wir bei ihm die Gebäckverkäuprin Osnat, eine jener gutmütigen alten Weiber, mit welchen wir aus der Jugendzeit so wohl vertraut sind. Im allgemeinen gelang es Mapu, die Frauen besser als die Männer typen zu modellieren und künstlerisch zu gestalten. Seine p«sönlichen Vor- und Nachteile sind eben echt weibliche. Allen drei Romanen ist das eine gemein, daß in ihnen das alte, im Juden erstickte Verlangen nach d« Natur, die glühennde Liebe zur Mutter Erde, zum Ackerbau, zur Rechtschaffenheit (ein Gegensatz zu dem ,im Golus sich stark ausgebildeten Raffinement) und Makellosigkeit-die Sehnsucht nach einem naiven Genüsse des Lebens, was dem Juden ganz abhanden gekommen ist, zum Ausdrucke. Die moralische Kraft in seinem Innern beherrscht auch seine poetische Welt. Wie in seinem ״Ajut Zawua" | so läßt er in allen seinen Romanen die Sünder und Verbrecher schlecht abschneiden. Dagegen kommen die Gerechten und Redlichen imm« aus ihre Rechnung. Es muß fern« noch. festgestellt werden, daß Mapu so oft er sich von seiner Individualität leiten ließ, wahrer Artist war. Dagegen sinkt er zur Imitation und Unbedeutendheit herab, sobald er sich Hinreißen läßt, fremden Göttern zu huldigen und.die französischen Vorbilder nachzuihmen. In solchen Fällen sinkt er zu literarischen Handwerker herab. Mit diesen Werken «scheint' die Tätigkeit Mapus bis auf seine pädagogischen Leistungen, die auck eine gewisse Bedeutung haben, erschöpft. Wie hat aber Mapu gelebt? Eine Rofenbahn wird ihm nicht beschieden gewesen. Eigentümlich waren die literarischen Zustände jener Zeit. Die Schriftsteller hat? ten buchstäblich ein Märtyrerlos zu ertragen. Die Vorfass« mußten ihre Bücher in der Regel auf eigene Ko-- sten drucken und dann die Käufer aufsuchen. Welche Demütigung mußte das für sie gewesen sein? Andererseits wieder wurden sie zu jener Zeit, als dre Schar der Dunkelmänner an der Spitze der Gemeinden stand, und alle Gewalt in der Hand hatte, verfolgt und ge» ahndet. Auch Mapu war von dieser Seite aus kein des-״ seres Los beschieden. War doch seine Sünde nicht viel - kleiner oder gar größer qls die der and«cn Häretiker, hat er doch die Erzsünde begangen, die ״heilige" Sprache zu erotischen Zwecken zu verwenden! Xtnb wie war es bei den sogenannten Aufgeklär-- ten? Auch hier hatte der hebräische Schriftsteller nicht sehr viel zu suchen. Waren es doch die unverfälschtcu Assimilanten, denen nur das Nichtjüdische am besten gefiel und daher, in dem hebräischen Autor einen ״Batlan" und nichtsnutzigen Menschen in anderer Form sahen. Auch sie waren also naturgemäß keine Stütze und Rückhalt für den hebräischen Literaten! Das eine Arbeit, eine geistige Arbeit, welche in der Regel der Förderung bedarf, unter solchen Umständen nur ein Dornenlos bedeutet, ist leicht begreiflich. . . Allein die Geistesmänner pflegen sich von solchen Widerwärtigkeiten nicht beirren zu lassen. ״Adam ki jamut baohel", daß sich die Lehre nur bei jenen bewährt, welche ihretwegen zu sterben vermögen,. ist ein altes jüdisches Prinzip, die lausende und Abertausende mit ׳ ihrem Leben besiegelt hatten. Dies zu allen Zeiten, und selbst in der Neuzeit hat diese Gewohnheit nicht aufgehört. Dieser Schar gehörte auch Mapu au. In ihm lebte trotz der Verfolgungen und spärlichen An«kennungen, der Glaube an den Sieg der Sache, für welche er focht und schuf. Er war überzeugt davon, daß einst ein Tag kommt, und zwar in nicht sehr ferner Zukunft, und die hebräische Sprache wird die lebende ' Sprache seines in Zion lebenden Volkes. So lebte er, und mit diesem Glauben starb er, um wieder aufzule- , ben in seinen unsterblichen Werken, welche unbedingt die Vorläufer uns«« heutigen RegenerationZ-Bewegung bilden. Sein Geist ist der unsrige. Ihm verdanken wir das Auftauchen von Männern wie Smolenski und Ben Jehuda usw., welche den RegenerationSgcdan-- ken erst begründet haben. Wie er, schwärmen wir für das Schöne und Natürliche, das sich nur in unserem Lande zu verjüngern vermag. Wie er, hassen wir die Golusauswüchse, die verschiedenen Heuchler, welche jeden Modernismus unterdrücken, Haffen alles Häßliche im unnormalen Golusleben. Wie er, schwärmen wir für das Licht und die Kultur, mit deren Hilfe wir uns jetzt unsere menschlichen und nationalen Rechte «- kämpfen sollen. Und zu seinem 50. Todestage rufen wir ihm zu: Meister Abraham. Mapü, erlaucht« Geist, du hast nicht umsonst geschaffen. Das altjüdische Leben, die altjüdische Sprache, die du bloß in Visionen sähest, und zu verkörpern suchtest, sind kein Phantom mehr. Das von dir angebetete Hebräisch ist nicht mehr eine Sprache der Schrift und der nicht verstandenen Gebete. Sie ist und wird die Sprache des Alltags, sie.Wird die Sprache unseres zu neuem Leben entstehenden Landes die Sprache unseres Volkes, das sich seinem Lande allmählich nähert. Ist dies Ziel erreicht, und die Tage sind nicht gar so ferne, so wirst du «st recht gefeiert, wie die großen Meister und Geisteswohltäter und Regeneratoren bei ihren dankbaren Völkern gefeiert zu werden pflegen, weil , man in di« den Bahnbrecher jenes Heiles sieht, das wir uns zu «kämpfen hoffen, das Heil eines beglückten alt-jungen Volkes in seines uralten Heimat, den Sitz der Propheten, der Sitz uns«« einstigen K8nige, der Sitz unserer einstigen Größe in Palästina! (Fortsetzung folgt.) Chanukal Wir empfehlen paffennde Chanukkageschentz für Kinder und Erwachsene in allen Preislagen. ץ M. Hickl'S Verlag Brün», «Uergaffe 9 und 0ic* 8. Bezirk, Lerchengsfie VS. ..Ld-nnltß»dgerel>enlke1 ״« M. Wcßlr Verlag Mn«.