Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1919-11-14 · Heft 34 (14.11.1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 34 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2621806-2622032-2622066--4155-2625424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

GM 4. ז;'־ן> r'- I' ^gMWS»M»1«M- Nr. S4. Die Banden des Atamans Seleny pogromierten 18 Ortschaften. Zirka 3000 Menschen find ermordet worden. — Durch die Banden Sokolows und anderer find 3000 Menschen umgekommen. Grigorjews Banden pogromierten 40 Ortschaften. Getötet find zirka 1000 Menschen. Im ganzen sind 330 Orte pogrvmiert und 30.000 Juden ermordet. In Kiew ist eine Delegation angekommen, die sich an den MikitSrgouverneur Bredow mit der Bitte wandte, die jüdische Bevölkerung vor Banden und Pogromen zu retten und zu diesem Zweck militärische Expeditionen ins Land hinauszusenden. , Zur Frage brr Sonntagsruhe in Pole». Der Streit um die Sonntagsruhe geht bekannt-!ich in Polen seit zwei Jahren, ist aber noch immer nicht entschieden. Die deutsche Okkupationsverwaltung gewährte den Juden die Sabbatruhe, erlaubte ihnen aber gleichzeitig, .Sonntags' einige Stunden die Geschäfte zu öffnen, wovon auch die Polen Gebrauch machen durften. Wie heute die Dinge stehen, zeigt die folgende Meldüng: Der Ausschutz-der Zionisten hat in der Angelegenheit der Sonntagsruhe das Ministerium des Innern aufgesucht, aber es wurde ihm daselbst erklärt, datz die ' lokalen Selbstverwaltungsorgane dazu berechtigt sind, Vorschriften über die Geschäftszeit zu erlassen. Eine Delegation des ZentralverbandcS der jüdischer Hndwcrkcr begab sich in derselben Angelegenheit zum Landtagsmarschall. Dieser Antwortete, datz er Personlich ein Anhänger der einheitlichen Sonntagsruhe sei, die auch in Deutschland verpflichte. Er fügte noch hinzu, er hätte sich darüber mit dem Senator Morgcnthar׳ unterhalten. Auch dieser habe zugegeben, datz der Tag der Sonntagsruhe einheitlich sein müsse. Hierauf hat sich die jüdische Abordnung an die Vertrcter der polnisch-sozialdemokratischen Partei im Landtage gewandt. Palästinensisches. Die ״Times" meldet aus angeblich kompetenter Quelle, datz die Frage bezüglich Syriens und Palästinas folgendermaßen geregelt sei: Syrien würde eir - autonomer Staat unter französischem Mandat mit . Ausschluß des Libanons werden, der ebenfalls unter französischem Mandat getrennt verwaltet tverden würde. Palästina würde als besondere Einheit-״unter dem Mandate Englands konstituiert, so daß d'ie Juden Gelegenheit haben würden, unter englischer Mandatar- Haft ihren Plan bezüglich der nationalen Heimstätte durchzuführen. Diese Regelung habe die Zustimmung der arabischen und jüdischen wie derenglischen und französischen Politik gefunden. Wenn die Meldung auf Richtigkeit beruht, würde es einen für die Juden cn״ fügen Abschluß der neuesten Verhandlungen des Emir Faisal mih Lloyd Georges in London und zugleich ein Dementi des Interviews bedeuten, das der Emir einem Korrespondenten des »Jewish Chronicle" gegeben hat. Es würde besagen, daß die Mandatarschaft Großbritan- . nieens das Ziel hat, die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina zuzulassen, um dort ein jüdisches Gemeinwesen zu ermöglichen. Auf die Frage bezüglich der künftigen Negierung (? das Telegramm des ״Temps" spricht von ״youveramerikanischen ״Federation of tabour", Samuel GomperS, hat sich der Sache angenommen und führt die Unterhandlungen mit dem Staats-Departement. Er richtete in dieser Angelegenheit ein ausführliches Begründungsschreiben an Staatssekretär Lansing und es ist zu hoffen. Laß diese Aktion bald zu giinstigen Refultäten führen wird. Die Jvs-en sind an allem schuld'. Die ״Bohemia" veröffentlicht folgende Mitteilung: Im Eisenbahneoupe erster Klaffe. Drei tschechische Staatsbahnbeamte, ein Direktor und zwei Jnspektoren, haben unendlich Wichtiges untereinander zu besprechen. Sie reden von dem und jenem und kommen unter anderem auch auf die Valuta zu sprechen. ״Sagen Sic, meine Herren", unterbricht der Herr Staatsbahndirektor das Gespräch, ״was ist das eigentlich, die Valuta? Ich habe zwar einmal studiert, aber das habe ich schon vergessen. Was liegt der Valuta zugrunde? Der Dollar oder sonst was? Ich bin mir darüber nicht klar. Sie aber, Herr Inspektor, als Rechnungsöeamter werden das doch wissen." Bevor der Angesprochene noch antworten, kann,, beeilt sich der dritte Herr, seinem Vorgesetzten in nichts voraus zu sein; er versichert gleichfalls, er wisse eigentlich nicht recht, was das sei, die Valuta. Und der Rechnungsbeamte — Kaffarevisor von Beruf — gibt eine köstliche Definition des Begriffs Valuta: ״Eigentlich weiß ich es auch nicht. Aber was kann das sein? Valuta, das ist.׳ so, wie cs die Juden brauchen. So wie es für ihre Geschäfte nötig ist, so machen sie die Valuta?' Sprachs, und keiner der drei Herren zerbrach sich weiter sein vom Staate teuer bezahl-, tes kostbares Hirnkastet über die Valuta, unter welchem Wort sie sich wahrrschcinlich irgendeine Esperanto- Gcldart vorstellen» Ausweisung der Juden aus Siebenbürgen. Wie ernst es der rumänischen Regierung mit der Durchführung der Gleichberechtigung der Juden ist, geht aus einem streng vertraulichen Erlaß hervor, den die Bukarester Zentralregierung dieser Tage an die Regierung in Hermannstadt gerichtet hat und in dem folge»,des angeordnct wird: Alle Juden, die nach dem Jahre 1900 auf siebenbürrgisches Territorium gekoinmen sind und dort keineu Grundbesitz, haben, sind auszuweisen. Diejenigen Juden, welche der im Hinblick auf diese Bestimnnlng erlassenen zweimaligen Aufforderung zum Verlassen des Landes nicht Folge leisten, sind samt ihrer Familie aus dem Lande zu entfernen, ihr Vermögen ist zu konfiszieren. Am Schluffe des Erlasses wird bestimmt, daß von den aus'den. verschiedenen Behörden des ungarischen Staates übernommenen jüdischen Beamt«» ein Treucid r»icht zu fordern ist. Sollte ein solcher bereits abgefegt sein, so wird er für ungültig erklärt. Diejenigen 'jüdischen Beamten, deren Dienstzeit weniger als 18 Jahre beträgt, sindmit einem dreimonatlichen Gehalt abznfertigen und zu entlassen. Die Tätigkeit der '־ bleibenden jüdischen Beamten ist durch ein ganzes Jahr mit der größten Aufmerksamkeit zu überwachen. Der kleine zion. Kongreß in der Schweiz. Die von der ״Jüd. Preßz«p»trale Zürich" in Nr. 60 vom 8. Oktober gebrachte Meldung, wo»»ach die ziou. nement" vor) Syrien und Palästina gab- Bonar Law ן Jahrcskonferenz im Jänner in der Schweiz ftattf i!־s die Errklärung ab, daß England seine Truppen aus Syrien zurückzichen wird und an ihre Stelle Franz» sen und Araber treten werden. Wie sich diese Sachlage mit der englischen Mandatarschaft vertragen soll, erscheint uns problematisch. Die jüdischen KrlegSwaisen. ״The Jewish Times" erfährt aus sicherer Quelle, daß die englische Regierung am Lose der vielen tausend jüdischer Kriegswaisen, die ohne Aufsicht und Stütze in Polen und Rußland geblieben sind und dort kein Heim finden können, reges Interesse nimmt. Die englische Regierung plant deshalb in England spezielle Waisen-Anstalten zu schaffen, wohin man so viel Waisen als möglich äuS den erwähnten Ländern zur Erziehung bringen soll. Die englische Negierung wird auch den in England lebenden Juden die Erlaubnis geben, ihre verwandten Waisen aus Osteuropa privatim nach England zu bringen. Die Regierung wird jedoch verlangen, datz die in England lebenden Verwandten, die Waisen aus Polen und Rußland hinbringen, sich, verpflichten, die Kinder angemessen zu erhalten, sie gut zu erziehen usw-, worüber sie der Regierung gegenüber verantwortlich sein werden. Auch in Amerika hat das «People Relief Comittee" eine, Aktion zur Ueberfüh soll, wird jetzt von dem neugegründeten Londoner Jüd. Korrespondenzbüro unterm 23. Oktober bestätigt. Daiiach soll diese Tagung im Jänner 1920 in Basel stattfinden, unter Teilnahme von mehr als 100 Delegierten aus allen Ländern. Die zion. Organisation »»» Rußland (ohne Polen) lvird berechtigt sei»», 34 Delegierte zu entsenden, welche von den verschiedenen Leitungen in Petrograd, Rostow, Baku, Wilna, Irkutsk und der Ukraine zu ernennen sein werden. Die EinwandernngSfrage in Amerika. Wie aus Newyork gemeldet wird, hat der Präsident in der die politischen Kreise stark beschäftigenden Einwanderungsfrage die Absicht, dem Kongreß vorzuschlagen, daß für die Dauer eines Jahres nach Friedensschluß die Einwanderung individuell behandelt, d. h. solchen Personen gestattet werden soll, die einen Reisepaß mit besonderem amerikanischen Einreisevisum besitzen.' Die Erlangung eines solchen Einwanderungs- Passes wird .davon« abhängen, ob ׳amerikanische Bürger die Garantie übernehmen, daß der Einwandernde dem Staat nicht zur Last fallen wird. Hebräisch in Frankreich als lebende Sprache anerkannt. Wie das ״Journal des DebatS" berichtet, hat ein Dekret vom 84. Sept. im Nachhang zu dem vom 23. Jänner 1914 die Sprachen aufgezählt, welche die Kanrung vieler tausender jüdischer Kriegswaisen nach didaten des Baccalaureats für Mittelschüler als eine Amerika unternommen, die jetzt in das StadiuoO der zweite. Sprache bei den mündlichen Prüfungen in le- Verwirklichung zu treten scheint. Der Präsident der benden Sprachen angeben können. Eli Aütebi, Professor in Alexandria, hat sich nun an das UnterrichtSMinisterium mit dem Verlangen gewendet, datz auch das Hebräische in die Liste der zum Baccalaureat zugelassenen Sprachen ausgenommen werde. Er hat angeführt, Laß die hebräische Sprache heute von mehr als sechs Millioner» Juden gesprochen werde, und Satz in Palästina Hebräisch eine offizielle Sprache fei. 9t hat weiter geltend gemacht, daß sich in Aegypten die jüdische In- י gend heute in Hebräisch ebensogut wie in Arabisch und Englisch a»lsdrückt. ״Ohne Zweifel", fügt er hinzu, ״wird die französisch«; Spräche wie in der Vergangenheit auch weiterhin die Grundlage unseres Unterrichtes bleiben, aber das Hebräische hat sich in unseren Schulen das Bürgerrecht erworben". In Erledigung dieser Bitte und gemäß dem Gutachten, das die ständige Kom- Mission des Obersten Unterrichtes erstattete, hat der Minister entschieden, daß das Hebräische in Hinkunft bei den mündlichen Baccalaureatsprüfungen in Frankreich als eine zlveite lebende Sprache zugclaffen werde. Tod BialikS? Der Wilnaer ״Tog" berichtet auf Grund von Aussagen ־ einer aus Moskau eingetroffenen Person, daß der Moskauer Rabbiner Mase am Versöhnungstage in der Synagoge mitgeteilt habe, Bialik wäre in Odessa im Alter von 46 Jahren verschieden. Diese Nachricht wird von sämtlichen jüd. Zeitungen Osteuropas wiedergegeberk, wobei auf die Nnfichc der'Meldung hingewiefcn und die Hoffnung ausgedrückt wird, daß dieses Gerücht׳ sich nicht bestätige»» möge. Speziell die Wilnäer ״Jüdische Zeitung" verhält sich zu dieser Nachricht des ״Tog" skeptisch und erwähnt, daß ein Rigaer Jude, der Odessa angeblich einige Tage nach Neujahr verlassen hat, die Redaktion besucht und erklärt habe, daß alle Zeitungsnachrichten über die Dra»»gsalierung Bialiks seitens der Bolschewisten stark übertrieben seien. Bialik sei gesund und munter und gede»»ke bei erster Möglichkeit seinen Verlag Moriah nach Palästina zu transferieren. In letzter Zeit soll Bialik ztvei neue Werke ״Oschon" und ״Erew Wowojker" .vollendet haben. Sofort nach Eintreffen oben erwähnter Nachricht wandte sich die «Jüd..Preffezentrale Zürich" in einem Kabeltelegramm nach Odessa mit dem Erstlchen um Nachricht über das Befinden Bialiks. Die Antwort steht noch aus. Dip Hilfsaktion für die qstjüdischen Flüchtlinge. Unter den ostjüdischen Flüchtlingen, die durch die Pogromflut und die Judenverfolgungen aus ihrer Hei- »nat fortgerissen wurden und in Deutschland Zuflucht suchen, herrscht größte Not. Nach einem leidenschweren Wanderweg sind sie nun hier harten Entbehrungen ausgcsetzt. Es ist Pflicht eines jeden Juden, hier Helsend e'inzugreifen und nach Möglichkeit dazu beizutragen, daß unsere unglücklichen Brüder nicht durch Hunger und Obdachlosigkeit völlig zu Grunde gehen. Herbergen, Unterkunftsmöglichkeiten, Speisehallen, Heime. Arbcitsstatten- und Arbeitsnachweise müssen für sie geschaffen tverden. Diese dringend gebotenen Aktionen erfordern in der gegenwärtigen Teuerungszeit sehr bedeutende finanzielle Mittel. Der ״Verband der Ostjuden in Deutschland", der die Organisierung und Durchführung des Hilfswerkes für die ostjüdischen Flüchtlinge mit allen Kräften betreibt, ist daher auf die materielle Opferwürdigkeit und die tatkräftige Mitwirkung aller derjenigen angewiesen, die ein warmes Herz -für das tragische Los unserer vielgeplägten wandernden Brüder haben. Wir richten an sie den-heißesten Appell: Leistet uns Euren Beistand zur Durchführung der erforderlichen Hilfsaktion. Denket daran, daß zahlreiche Brüder döllig Mittel- und Obdachlos sind! Helfet uns durch die- Leistung finanzieller Mittel diese Unglücklichen vor, Not und Untergang zu schützen! Es gilt die Rettung unserer heimatlosen Brüder! — Der Verband der Ostjuden ׳ in Deutschland, Berlin N. 34, Gormannstr. 2V. ״Mas Jisroel", Wien. Die ״Adas Jisroel" versandte ihren Jahresbericht für das Jahr 1918. Mit knappen Worten bespricht hr die unter dem Druck der allgemeinen Verhältnisse standen. Sie bezieht sich auf bai ganze Gebiet des jüdischer» Lebens in religiöser und charitativer Richtung. Hervorgehoben sei die Frühstücksaktion, die Arbeit des Kriegshilfskomitees, ferner die Sammlungen für die Pogromopfer, die Fürsorge für die Palästinaflüchtlinge, die Teilnahme an der Aktion ״Kinder auf's Land" usw. Der Verein hat nach verschiedenen Richtungen sich bemüht, koschere Nahrungsmittel zu beschaffen. Ganz ungewöhnliche Bemühungen waren erforderlich, ' um die Mazzesbeschaffuntz nicht nur für den Verein, so»» dern für ganz Wien durchzuführen. Den Unterrichts» anstalten, die völlig umgestalte! wurden, wurde große Sorgfalt zugevendet. ' ' ״€ba«Hkkab0mbenke״ in M. RickU Uerlag Brünn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.