Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 34 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2621806-2622032-2622066--4154-2625423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■־. י־ י . Nr 34. * , %J 1 ־ ״Sv "י" r■־. * ,•%, •v ,<«fc4 . &■ ׳ - •■ ,.. •*•• •״׳ - ״■ * - •»»ףן£ך _» , , cia&iiAk fl£jv9«mc mnfiiiwr /'* '״';"* '’ יi" ־"־■'1 ' ־ ־”? יי•' 6rttt 3 JuLvntam^ dann erst halten wir unser Volk reif zur Rückkehr ins Judenland. Nicht nur die gegenwärtige Lage der zionistischen Bewegung gibt zu Bedenken und zu Befürchtungen ' Anlatz, auch die allgemeinen Verhältnisse der Juden können wkt unmöglich optimistisch betrachten. In den meisten Ländern hat sich die Feindschaft gegen unser Bott vermehrt. Man erklärt, man fürchte die Juden, weil fie die Führer der bolschewistischen Bewcgun. stellen. Dir brauchen eine solche falsche Anklage vnd schädigende Äerleumdung,di.e von einer gewissen Presse trotz der widerlegten Tatsachen behauptet wird, nicht durch Beweise ad absurdum zu führen. Aber um Gebäsiigkeiten und Verfolgungen gegen die Inden zu öegründen, war niemals ein Mittel zu schlecht. Wenn cs allen schlecht geht, dann benützt man die Juden als Blitzableiter und ladet alle Schuld des Dösen auf die Juden. י> Auch in der Schweiz, da? demokratischste aller Länder, schwirrt die Judenfeindschaft in der großen Menge herum, vielleicht nicht so öffentlich wie in andern'Staaten, aber im geheimen wird nicht minder stark gegen unser Volk eine üble Hetze betrieben, die uns großen Schaden zufügen kann. Vor allem möchte man eine starke Zuwanderung von jüdischen Personen aus dem Auslande verhindern. Polizeiliche Schikanen beunruhigen die Niedergelassenen. Wir dürfen diese antisemitische Strömungen, die auch bei den Behörden Arstlnag gefunden zu haben scheinen, nicht gering einschätzen, denn sie könnten schlimme Folgen zeitigen und manche Hoffnung erbarmungslos zerstören. Darum wird eS׳ Pflicht der jüdischen Gemeinden und Verbände sein, die Ursachen dieser Strömung zu ergründen ünd soweit als möglich abwehrend eingreifen. In Deutschland zeigen sich gewaltige Erschütterungen des staatlichen und öffentlichen Lebens, die durch Arbeitslosigkeit und soziale Kämpfe verstärkt werden. -Da die Juden von jeher im politischen Leben hervortratcn, so erscheint es erklärlich, daß die sogenannten konservativen Parteien alle Schuld für die Niederlage der Militärpartci den Juden zuschieben möchten. Diese leben gegenwärtig in ungünstigen Verhältnissen. Ein kleines Beispiel für die 'י-öbclhaftigkeit der Antisemiten beweist die Tatsache, daß sämtliche Synagogen und Betsäle in Berlin während der vergangenen hohen Feiertage militärisch geschützt werden mußten, da Störungen während des Gottesdienstes befürchtet wurden. Die Vorbeugungsmaßregeln hatten gute Wirkung und nirgends kam es zu Storungen. Die «Reichsregierung weiß ganz gut, daß die Kreise, welche gegen die Juden Hetzen, zum größten Teile Monarchisten sind, die gerne'wieder die ölte preußische Junkerherrschaft herbeiführen möchten. Darum ist sie wachsam, um Ueberraschungen vdrzubeugen. Dabei darf festgestellt werden, daß die Regierung frei ist von Animosität gegen die Juden und sich befleißigt, die Gleichheit vor dem Gesetze in demokratischer Weise durchzuführen. Als Beispiel soll ihre Stellungnahme zu der jüdischen Einwanderung aus Polen lobend und anerkennend erwähnt werden. Sie erklärt, daß sie allen polnischen Juden die Einwanderung nach Deutschland gestatte und niemals (aüs Humanitären Gründen) dazu bereit sei, Flüchtlinge nach Polen abzuschieben, wo Judenpogrome eine beständige Gefahr für diese bilden. Minister Erzberger hat erst vor kurzem bei seinem Aufenthalte in der Schweiz einem jüdischen Interviewer gegenüber erklärt: »Anständige Gesinnung und Tüchtigkeit sollen das Kriterium für jeden Deutschen sein, Gleichberechtigung in bürgerlicher Betätigung und religiöser Ausübung gehören zu den Grundrechten jedes deutschen Bürgers. Die Regierung ist entschlossen, der antisemitischen Hetze mit allen gesetzlichen Mitteln entgegenzutreten. In hinein demokratischen Staate haben Pogrome keinen Platz. Wir brauchen keine russischen Verhältnisse." Diese deutlichen Erklärungen von einflußreicher Seite lassen uns hoffen, datz in Deutschland bald friedlichere' und auch bessere Zeiten für unsere.Stammesgenossen eintreten werden und fie ernsthaft Mitarbeiten können an dem Aufbau der freien Republik. Erwähnenswert scheint uns das starke Emporblühen der zionistischen Bewegung in allen Teilen des vielgeprüften Landes. Die Jugend ist besonders zur Kenntnis gelangt, datz ein starkes nationales Gefühl die Stellung der jüdischen Parteien erhöht. - Düster liegen die Verhältnisse in Oesterreich. Das zerhackte und zu Boden getretene Ländlein kann nicht zur Ruhe kommen. Die Lebensmittel- und Kohsennot 1 führen den (Staat zum rühmlosen Ruin. Die Stimmung der Bürger ist eine sehr deprimierte und aufgeihrer verwüsteten Heimat zurückbefördert werden sollen. Diese Hartherzigkeit der österreichischen Behörden gegen arme jüdische Flüchtlinge und Kriegsgeschädign wird dem Ansehen des Landes nichts nützen, und Berbitterung gegen dasselbe in allen jüdischen Herzen Hervorrufen.. Datz eine sozialistische Regierung sich zu einem solchen Vorgehen entschließe, beweißt, datz fie kein Verständnis zeigt gegenüber den traurigen Verhältniffen der Aermsten der Armen. Das ist ein schwerer Fehler, selbst dann, wenn auch die Regierung dieses unmeschliche Vorgehen durch die Lebensmittel- und Wohnungsnot nach nutzen hin begründen will. Und was geschieht mit den christlichen Flüchtlingen? . Auch in den selbständig gewordenen Staaten und Stätlein der ehemaligen Habsburgermonarchie geben die Verhältnisse der Juden keinen Anlaß zur Befrie-' digung, speziell in Ungarn scheint man es darauf abgesehen zu haben, das Land judenrein׳ zu machen. Die neue Regierung will nur ״christlich" sein und entfernt die zahlreichen jüdischen Beamten. Daneben meldet man beständige. Pogrome in allen Teilen Ungarns, stoßt 'die jüdischen Studenten von der Universität und sucht Haß und Feindschaft gegen die Juden in der Bevölkern n anzustiften, indem man sie als die Führer der Bolschcwisten bezeichnet. Düster schauen diese Zustände irr diesem einst so blühenden Lande gus und es wird viel Die Repatriierung der Kriegsflüchtlinge. Wie das Prager Jüdische Pretzbüro mitteilt, hat das Ministerium des Jnnexn in Prag am 23. Oktober an die politischen Landesverwaltungen einen Erlaß in Angelegenheit der Repatriierung der Kriegsflüchtlinge aus der Bukowina. Galizien und Polen gerichtet, aus dem hier die wesentlichsten Bestimmungen angeführt seien. Die politische Landesverwaltung wird aufgefordert, »in der kürzesten Zeit die Repatriierung aller Personen durchzuführen, welche vor Ausbruch des Weltkrieges in der Bukowina, Galizen oder Polen ihr Heimatsrecht oder ihren Wohnsitz' hatten und in der' Zeit vom Kriegsbeginn bis Ende Oktober 1918, direkt oder indirekt (z. B. über Wien, Pest oder dgl.) auf das Gebiet der tschechoslovakischen Republik geflüchtet sind und während dieser Zeit nicht das Heimatsrecht in einer Gemeinde der tschechoslovakischen Republik erlangt haben." Damit erscheint amtlich festgestellt, welche Personen unter die Kategorie der Kriegsflüchtlinge fallen. Der Erlaß statuiert folgende Ausnahmen von der unverzüglichen Repartriierung, die von der politischen Landesverwaltung zu bewilligen sind: 1. Minderjährige, Waisenkinder und Schwachsinnige, deren Repatriierung im Einvernehmen mit der Hilfsstelle des Jüd. in Prag ohne Klugheit der dortigen sühreudeu Krelse bedürfen, vor, NattonalrateS für, KrtegSslüchtlinge allem der stramm nationalen Zionisten, um eine B-s.^ auf diallgemein geii-nd-n Fristen durch,», s-rung und Heilung der KriegSfolgen z» ermöglichen. ijt, ferner Mittelschüler und Hochschüler, wenn Was d,c t,chech°fl°v°,,sch° Republik anbeirisst, so erujte Belastung kein Anstand ohwaliei; 2. P-rsa. scheint es uns. daß die Regierung bestrebt ist. den Min. nc׳״ hinsichtlich welcher der Amtsarzt erklärt, daß ihr derheiien ihr Recht angedeih-n zu lasten nnd der Prä-Gesundheitszustand die Rückbeförderung nicht zuläßt, stdent des jüdischen NationalrateS Dr. Ludwig Singer: M8 4et Kit, da fie ohne Gesährdung ihrer Gesunderklärte ösf-nMch. daß die nationale Judenfchafi M.^ii di- Heimreise anireien können; S. Inhaber von von Anbeginn ans den Boden der Republik gestellt ha-! Handelsgeschäften, Gewerben nnd anderen Uniernchbe, geleitet von der besten Absicht eines loyalen Bürj mcrl׳ pic durch die hiesigen Behörden vor dem l. Augeriums. Sic verlangt nur volle bürgerliche und poli- 1919 bewilligt oder genehmigt wurden, wenn gegen «sch- Gleichheit. Damit di- Lage der Juden aber im ״n nicht der geringste Verdacht de, Kettenhandels ader Staate nicht allzu rosig werde, hat in der Slowake! -in unlauterer Geschäfte vorliegt, ans die Dauer von 1-2 gegen alle jüdischen G-schäsiSIente eingesehi behufs Liquidierung ihrer geschäsiiiche״ und herrscht mit Recht dort große Pogromsurchi. Je- Verbindlichkeiten. 4. Gegebenenfalls kann die politische denfalls dürfie -S den Behörden k-.cht sein, hier R-. Lmdesverwalinng den im vorigen Punkte angeführten medur zu schaffen. Schlimm, sehr schlimm scheinen noch Personen unter den gleichen Voraussetzungen auch die immer trotz des Eingreifens -mächtiger Persönlichkeiten Bewilligung ,um weiteren Anfenihalie ohne zeitliche ans Amerika und England di- Zustände in Polen zu Beschränkung erteilen .sosern diese Personen innerhalb ständig gefälscht wird. Was über Rumänien zu berichten ist, hat die alte Melodie unserer biblischen Klage׳ lieber. Die Friedenskonferenz in Paris hat zwar in anerkennenswerter Weise die 'unbedingte bürgerliche Gleichberechtigung der Juden verlangt. Aber der kluge Bratianu ist wegen dieser gewiß' berechtigten Forderung als Ministerpräsident zurückgetreten. Er und andere Führer des nunmehr vergrößerten Landes sich dem Spruche der Großmächte nicht beugen. Unsere Hoffnungen richten sich deshalb auf die Diktatoren von Paris, datz sie die Einbürgerung der rumänischen Juden erzwingen werden, um endlich die seit 1879 versprochene und vertragsmäßig gesicherte Gleichberechtigung zu vollenden. In ganz Rußland wüten heute Pogrome und Verfolgungen der Juden. Die.Armeen Denikins und Koltschaks, Grigorieeffs und Petljuras ver- Nichten die jüdischen Siedlungen und ermorden brutal die Kolonisten. Der verarmten Bevölkerung werden dazu noch große Kontributionen auferlegt und Schandtaten schlimmster Art werden dem weiblichen Geschlechte zugefügt. Das innere jüdische Leben leidet außerordentlich unter diesem militärischen Drucke. Nur der Gedanke an Zion erhält die große Masse unseres leidenden Volkes noch lebensfähig. So schaut der Berichterstatter fast nur Bilder des Niederganges. Erfreulich find nur die Zustände in der» Weststaaten Europas (Frankreich, Italien, England usw.) und in den Staaten Nord- und Südamerikas. Wir hoffen von den ׳Stammesgenoffen diesseits und jenseits des Atlantischen Ozeans eine kräftige Unterstützung der durch den Weltkrieg und die traurigen Folgen desselben heimgesuchten und schwer geprüften regte. Stimmungsmacher, besonders in der Hauptstadt,, Juden aller Länder und die Förderung der Palästinasorgen für die nötige Hetzpropaganda gegen die Juden. I arbeit durch energische Mitwirkung und lebhafte Agita- Wenn sich nicht die Vertreter der Entente bei der Re-.tion bei Heu aufopferungsvollen besitzenden Kreisen gierung verwendet hätten, wäre, es vor einigen Tagen j unseres Bottes. Dann wird und muß unser gewaltileicht zu Pogromen und Plünderungen gekommen wegeS Werk, daS ein Meisterwerk sein soll, gelingen, gen der galizischen Kriegsflüchtlinge, die jetzt alle nach! (»M i s r a ch i.") sein. Immer noch werden die Juden geschäftlich botstyttiert, Verfolgungen niedrigster Art sind auf der Tagesordnung. In Galizien speziell sind die Drangsalierungen der Juden unbeschreiblich. Nicht nur eine gewaltige Not herrscht in dieser polnischen Provinz, die jüdische Bevölkerung leidet auch ohnedies durch schamlose Bedrückungen. In der Ukraine sind Tausende von unseren Brüdern hingeschlachiet worden, während di- Regierung: ,,uMij ieKits }u Elasten hotten nnd denen die Weh sich gestattest zu erkiären, es ginge den Juden sehr gut fetcn Festen zur Liquidierung entsprechend kürzer he- und stsähe -S gerne, wenn sie mühelsen würden an; willigt werden können, die Art der Dnrchsühimng der dem Ausbau,des neuen Staates. Nichts alS TSn!chnng Repatriierung, di- Anmeldung aller Personen, ans der öffentlichen Meinung, die seit Kriegsausbruch b-.^ weiche sich der Erlaß bezieht, ans Grund von Knndmaeiner 14tägigen Frist von der Veröffentlichung dieser Verordnung bei der politischen Lar^desverwaltung ein diesfälliges, vom Konsulat der polnischen Republik zur günstigen Erledigung empfohlenes Gesuch einbringen. Die weiteren Bestimmungen der Verordnung regeln den Abtransport der Flüchtlinge, die gemäß früherer Weisungen das Gebiet der tschechoslovakischen Nechungen der politischen Bezirksbehörden innerhalb einer achttägigen Frist, die Festsetzung einer Frist von 2—3 Wochen zwecks Beschaffung der nötigen Dokumente durch die Prager Flüchtlings-Hilfsstelle oder deren Filiale in Brünn, den Transport auf Staatskosten der Flüchtlinge, die im Genüße der Flüchtlingsunterstützung stanhen. die Gepäcksrevifion durch die Grenzzollwache. (die Revision in den Abfahrtsorten entfällt). Der Erlaß bemerkt, daß es wichtig ist, die Repatriierung womöglich bis 1. Dezember d. I. durchzuführen. itiiitdfcftaii. Die Verabschiedung von jüdischen Ossizieren in Rußkand. Der in Rußland erscheinenden Zeitung ״Die letzten Nachrichten" entnimm( die ״Jstvestija" (Zentralorgan der russischen kommunistischen Partei) die durchaus nicht unwahrscheinliche Meldung, daß der Generalstab der freiwilligen russischen Armee den Befehl gab, alle jüdischen Ofiziere.zu verabschieden. Betreffs der jüdischen Soldaten ist ein besonderer Erlaß zu erwarten. . Resümee der ukrainischen Pogrome. .Der »Petrogradskaja Prawda" entnehmen wir folgende telegraphische Meldung der ״Rosta": ״Es wurde ein Radio aus Nikolajew abgefangen, in dem der Vorsteher der Abteilung des Kiewer Roten Kreuzes, die den jüdischen Pogromierten Hilfe leistete, auf Grund kontrollierter Tatsachen folgende Bluttabelle, gibt: Die Armeen Petljuras haben 28 Ortschaften Pogromiert, in denen die Zahl der Opfer 15,000 faträgk Die Räuberbanden Sokolowskis pogromierten Ortschaften. Zirka 3000 Menschen find ermordet den. — U, ••I 1־