Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 34 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ etttc a. ^ZLBifch» #. 34 zum Bebauen des Bodens zu haben. Bon Hunger und Durst waren sie gequält; du fie keine Brunnen batten, schöpften sie das Wasser ans Pfütze«, wodurch sie fick, schwere Krankheiten -uzogen. Sine in Mer Eile erbaute Baracke diente ihnen als gsmeinsawe Wohnung. Sogar der Boden, den sie käuflich erwarben, war ihnen nicht rechtlich zugefichert, so -atz sie eines schönen TageZ dieseS Bodens beraubt werden konnten. . . . Die Bedeutung der Bilu beruht nicht so sehr auf der Größe der tatsächlichen Erfolge ihrer Arbeit, als vielmehr auf dem Einfluß, den sie aüf die jüdische Psyche' ausgeübt haben. Sie führten nämlich in die jüdische Ideologie ein jugendliches Element ein un§ gaben dadurch dem sozialen und nationalen Willen, der konsequent und zielbewußt auf die Verwirklichung des , gesteckten Zieles losging, einen mächtigen Impuls. י Hat doch Bilu dem jüdischen Volke die jüdische Intelligenz gurückgegeben, die bis dahin jenseits aller nationalen Bemühungen und Bestrebungen gestanden hat. Bilu hat der Jugend ein positives Ziel gesteckt und ihr einett Wirkungskreis für ihr Volk bestimmt. Bis zum Auftreten der Bilu arbeitete die jüdische Jugend mit ,Aufopferung für verschiedene Ideale und Ziele, bahnte aber keinen Weg für ihres Volkes Zukunft. Erst Bilu wies der jüdischen Jugend einen, entsprechenden Platz in der eigenen Gesellschaft an. . . Bilu ist ein lebhafter, prägnanter und entscheidender Ausdruck der von Sehnsucht nach Palästina ergriffenen jüdischen Seele. Praktisch hat Bilu vielleicht am meisten dazu beigetragen, die ersten bürgerlichen Chowewezion-Organisationen irts Leben zu rufen. Dank den Bilu erwachte unsere alte Heimat wie der Phönix und es schmückten sich die fruchtbaren Fluren Sarons wieder mit Trauben und Blumen. Dr. Israel Hammer. Politische Umschau. Von Spectator. Das Hauptmerkmal der Gegenwart ist die allgcmeine Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnis- - sen. Der Materialismus der Menschheit ist ins Unermeßliche gestiegen, hervorgerufen durch die allgemeine Verteuerung der Lebensverhältnisse. Jeder Stand ringt nach Verbesserung seiner Position. Das erzeugt gcwaltige Erschütterungen und,Revolutionen in allen Schichten der Bevölkerung der gesitteten Welt. Es wird allen Staaten schwer gemacht, die gesetzliche Ruhe zu erhalten, da Scharfmacher verschiedener Art gerne und bewußt darauf Hinzielen, die bisherigen Zustände umzüstürzen, um ganz neue Verhältnisse zu schaffen. Der Bolschewismus in Rußland reizt noch immer viele Volksbeglücker, dem Beispiele der Lenin und Trotzky es nachzumachen, obwohl deren Tage gezählt zu sein schdinsn. Wir hoffen, daß es den bürgerlichen und demokratischen Kreisen möglich sein werde, die Welt vor ahnlichen Experimenten zu behüten, immerhin aber muß zugegeben werden, daß die Gefahr des Bolschewismus' sich in allen Ländern, besondors dort, wo die Industrie sehr stark vorherrscht, gewachsen ist. Was er für uns' von einer noch größeren niedergehalten, ich bin kein Herr meines sklavischen Willens. . . . Alle bösen Geister, die die Welt durchziehen, erfassen auch mich. Die Gewalt des Schattens über mich nimmt von Tag zu Tag ab und der heilige Geist verläßt mich nach und nach.' . Alles schläft, aber ich wache. Ich weiß, daß mich die Welt um mein Glii-- beneidet. Die Faulenzer liegen in ihren weichen Federbetten und glauben, sie seien die Glücklichen. Die kleinen Persönchen, die ewig Zufriedenen, die sich über das mühevoll erworbene Brot freuen, sie arbeiten und martern sich, um zu essen und zu schlafen: sie essen und schlafen, um zu arbeiten und sich abzuplagen. Die Vergnügungssüchtigen, die Nachtdurchbren״. die Leidenschaftssklaven bedauern wohl meine Schicksalsgenossen. Auch in mir regt sich manchmal ein mir fremder Gedanke, der mir sagt: Du Dummkopf! Was suchst du hier? Weshalb schläfst du nicht Nächte hindurch und .genießt nicht das Leben? — Ich weiß es i-!-׳׳ ich der Glückliche bin, der Glücklichste unter den Glü* lichen! Und unglücklich werde ich dann nur sein, wenn ich gleich dem andern schlafen, mich wie sie eitlen Dingen hingeben werde.Wenn der Tag anbrechen und die Schatten verschwinden werden. Ich weiß es, daß alle Welt mein altes Beth-Hamidrasch als eine alte, öde, dem Untergang geweihte Ruine betrachtet — ich aber — wie sonderbar ist es mir ums Herz! ... Die ganze Welt ist nur ein Punkt in meinem Her¬ Juden zu bedeuten hat, das dürfte wohl jedermann klar sein. JedenfMS würde diese Bewegung, die nur eine Weltvepublik anerkennt» -alle unsere nationalen und religiösen Einheiten kurzerhand vernichten. Deshalb wollen wir UNS gegen den Bolschewismus mit aller K^aft wenden undihn von der zionistischen Bewegung fernhalten. Denn der Zionismus will «nd muß in Palästina sein eigenes selbst geformtes Heim finden. Er will dort für unser Gesamtvolk die alte Heimat wieder einrichten, um den Untergang desselben mit allen Machtmitteln zu verhüten. Zu stark sind die Einflüsse von innen und außen, die zerstörend auf die Entwicklung unseres Volksganzen wirken. Das religiöse Leben, das in den vergangenen Jahren stets ein starkes Voll- -werk gegen die AffimilationSsucht gewesen ist, sinkt rapid. Die öffentlichen Schulen wirken in negativem Sinrie auf die religiös-jüdische Erziehung ein. Wir bedürfen deshalb einen Sammelpunkt für die Juden, der sie national stolz und konservativ religiös erhält. Der Einfluß des jüdischen Palästina wird dann auf die Juden im Golus fördernd und erhaltend'wirken. Die englische Erklärung betreff Palästina hat auf unsere Masfen elektrisierend gewirkt. Zu unserem großen Bedaucrn sind aber gegenüber den britischen Versprechungen die erhofften Resultate bis jetzt ausgeblieben. Die Lage der Juden in den Goluslandern drängt nach einer raschen, günstigen Entscheidung in der Palästinafragc. das jüdische Volk, daS sich in einer äußerst schwierige!! Lage befindet, drängt dem gesteckten Ziele zu und möchte in großen Massen nach dem Lande der Väter zurück, wo eS endlich Ruhe vor den ewigdaüerndcn Verfolgungen und ein nationales Ausleven erwartet. Wenn wir auch nicht verkennen, daß zur Auswirkung dieses Wollen?׳ große Finanzmittel gehören, sowie manche Schwierigkeiten kolitischer Natur dagegen bestehlen, so mutz andererseits doch konstatiert tvcrden, daß das jüdische -Volk für die große, gewaltige Idee zu wenig leistet und opfert. Man ist ׳in weiten Kreisen noch zu gleichgültig gegenüber dm großen entscheidenden Problemen, die unsere Gesamtheit berühren und auch Alle aufrütteln sollen zur Arbeit und zu Taten. Unsere Führer, die gewiß viel geleistet haben für die Gewinnung Palästinas als jüdisches Land, haben noch zu wenig Unterstützung bei einem großen Teile unseres VolkcS. Es fehlt vor alleen die starke nationale Begcisterung für die so wichtige Vorbereitungsarbeit. Gewaltige Geldsummen sind zu diesem Zwecke nötig. Diese aber fließen nicht im gewünschten Maße zu. Aufgabe der für die Sache begeisterten Zionisten ist cs, mchrr Agitation für die nötigen Geldmittel zu leisten und vor allem handelt cs sich darum, unsere Geldmagnaten, die große Summen leicht beisteuern könnten, für das wichtige Problem des Gesamtjudentums zu interessieren. Es darf übrigens nicht geleugnet werden, daß große, nicht unberechtigte Unzufriedenheit innerhalb der zionistischen Bewegung sich breit macht. Viele klagen darüber, daß Palästina gegenwärtig noch immer hermetisch für die Emigranten abgeschlossen ist. Zahlreiche treue Anhänger und Kämpfer für die Partei, besonders Akademikcr, deren Liebe zu Zion gewaltig ist, warten auf die Erlaubnis der Einreise. Man vertröstet sie auf unbe- ■i—— ■■ll.HI■—— .■III . zcn und mein Herz ist nur ein kleiner Punkt in meinem alten Veth-Hamidrasch, und wenn die Sonne untergeht, dann wird cs dunkel auf Erden. . Und ich sehe mein Beth-Hamidrasch im Mittel Punkt des Weltalls errichtet und Strahlen nach Hi inmelsrichtungen entsenden. ... Und nachts. . . . ". Wenn ein unaussprechliches Etwas mein Herz bedrückt, und ein verschleierter Zauber sich in meine Seele ergießt und mich nach einem unbekannten Orte hinzieht; tvenn ich fühle, daß sich meine Seele nach einer Nahrung sehnt, die nicht in der Küche zubereitet wird, wenn ich fühle, daß meine tränenfeuchten Augen eine Blume suchen, »un sie mit ihren Tautropfen zu befeuchten, — dann flsichte ich mich ins Beth-Harnidrasch und ergötze mich an den heiligen Büchern beim matten Talklichtschein inmiten. unzähliger Schatten... Und die Bücher sind so heilig, so heilig, . . . und die Schränke so voll! ... Ich weiß nicht, wie es kommt -- aber es ist so: manchmal kommt es »nir vor, als sehe ich gar keine Bücher, sondern Menschengestalten und Generatiolien. Und die Gestalten sind so groß und leuchtend! Und diese Menschenbilder steigen aus den Schrnuken hervor und vermengen sich mit den Schatte»!— Und die Schatten sind schwarz. Und .unten ergießen sich Blutströme . . . Und ein Jammergeschrei steigt zum Himmel empor. . . . Bor den Bildern Blut und Träten, hinter ihnen Blut und Tränen. . . . Ebenso vor mir und hinter »nir. . . . Tränen und Blut! . .. stimmte Zeit, während dessen fie ohne jegliche Arbeit unohne Verdienst in der Diaspora ein trauriges, unbefriedigtes Leben führen müssen. Andere wieder find unzufrieden mit der zionistischen Zentralleitung, weil sie nicht größere Ansprüche in bezug auf die AuSdebnung -es versprochenen Landes stellte, wohl wissend, daß gewisse Mächte den Juden das Anrecht auf Palästina streitig mcwhen wollen. So sieht die Zukunft fiir unsere Hoffnungen und Wünsche noch ziemlich düster aus. Aber wir wollen geduldig sein. Wir haben in unserer Sehnsucht nach Erez Israel so lange warten müssen, wir werden auch jetzt noch eine kurze Spanne Zeit Geduld haben müssen. Doch zulange darf dieses Hoffen und Harren nicht mehr dauern, wenn nicht unbeschreibliches Unglück über unser Volk kommen soll. Seine Lage ist in Europa äußerst trübe. Es ist ein trauriges Bild, wie zurzeit des Unterganges des jüdischen Staates im 6. Jahrhundert. Von allen Seiten drängen böse Nachrichten auf uns ein. Massenmorde von unschuldigen Juden sind etwas Alltägliches, Pogromberichte aus allen Ländern »nehren sich. Hilfe tut dringend not. Da darf eS kein Säumen, kein Zögern geben. Wir müssen helfen, dringend helfen. Vor allen dürfen wir uns mit den von den Entente-Regierungen gegebenen Versprechungen nicht begnügen. Wir müssen selbst an der Erwerbung Palästinas ,nitarbeiten. Dazu ist por allem die Oeffnung der Grenzen des Landes dringend nötig. Wir müssen für eine starke Einwanderung nach Palästina besorgt sein. Das Land muß jüdisch werden dadurch, daß Hunderttausende die Möglichkeit haben, sich dort anzusicdeln. Allen Einloanderern soll finanziell geholfen werden, damit sie sich selbständig »nachen könne,!. Das ist die Hauptaufgabe der Gegenwart. Daher ist es unbedingt nötig, daß zu diesem Zwecke in allen Landesverbänden eine große Agitation betrieben wird, um die finanziellen -Mittel zu mehren. Ferner darf nicht vcrsämut werden, eine große Kulturarbeit in allen jüdischen Kreisen irr! Hinblick auf Palästina zu inauguricren und zu fördern. Die jüdische Gedankenwelt muß Gemeingut aller unserer Stammesgenossen werdest. Zu diesem Zwecke ist die vermehrte Kenntnis der judischeu Geschichte Und Literatur ein Haupterfordernis. Sie stärkt das nationale G^ühl und vermehrt den jüdische!! Geist. Die hebräische Spräche, die im neuen Heimatlande die offizielle Umgangssprache sein wird, muß eifriger gepflegt und gelehrt werden, damit alle Einwanderer sie beherrschen. Wenn wir eifrig an die Werbearbeit gehen, werden wir unsere Reihen stärker, den Geist unseres Volkes nach unseren Ideen erziehen und unser ideales Ziel erreichen. Die Hauptsache ist die innere Arbeit im Zionismus. Der ״Misrachi", ' dessen Anhängerschaft in •Jben letzten Jahren außerordentlich gewachsen ist, wird mit regem und. heiligem Eifer Mitarbeiten an. der vorgezeichneten Aufgabe. Sein Programm ist ein rein zionistisches mit der Hinzufügung, daß auch unsere alte Thora, ״der Baum des Lebens" nicht vergessen werden darf. Wir wünschen nicht nur eine rein nationale Erziehung und Betätigung unseres Volkes, sondern eine religiöse Neuer-' Weckung in unserer Mitte. Zuerst eine Rückkehr zum Hier aber bin ich nicht einsam; hier find viele so unglücklich wie ich. . . . Vor mir Oede und Wüste, hinter mir^Finsternis und Abgrund.'. . . Hier bin ich nicht allein, hier sind viele so glücklich wie ich. . . . Bor mir Wonne, hinter mir EwigteitSpracht. - ■ . Und hier . . . wie groß ist meine Welt! . . . Hier lebe ich und hier werde ich sterben; hier leide ich wie all diese von den Schränken hervorsteigenden Seelen gelitten haben;!und wie jene Unglücklichen gehofft haben — ebenso hoffe auch ich. Eiu Sturm von bitteren und schrecklichen Gedan ken tobt in!nir beim Anblick der grauenvollen Unsterblichkeit, der Schmach unö Schande, der seelischen und physischen Schinerzen — da erwacht in mir ein Gefühl des Stolzes und der Kraft beim . G>׳ ^׳ daß jene unzähligen Unglücklichen leben und existieren: Sie leben und existieren in angefäulten Schränken, in welken und schimmeligen Blätern. יי Wohl dir, Israel! Während Aegypten die Kör״ -״ seiner Helden embalsämiert hat, Haft du die Seelen deiner Märtyrer und Leidenden einbalsamiert. Die Körper sind versteinert, — deine Seelen aber, Israel, leben und existireu und schweben wie Schatten in den zerbrochenen Schränken, zwischen den staubigen Blättern. Gepriesen sei aber der, welcher dereinst den Staub von diesen Blättern abschütteln wird. Sie werden dam! in ihrer ganzen Reinheit und Pracht erscheinen... ״Menoras" im M. Hickls Verlag, Brünn, Adlergasse 9