Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 32 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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י^; . &*■*% ״י ™ ■«״י1״״:, ־ Nr. 32 ^Jüdische V»1ksjk<««e" LettvS, I ״» ' Die 3. Tagung de» Kreises ״Makkabi" der jüdischen Turnerschaft in der tschechoslowakischen Republik findet vom 1.—3. November d. I. in Prag statt. Sie gewinnan allgemeiner Bedeutung, weil sich an dieser Tagung auch die jüdischen Sportvereine beteiligen werhen und eS ist zu erhoffen und zu wünschen, daß diese beiden K0mD»nenten der jüdischen Jugenderzie« hung eine Basis für eine gemeinsame Arbeit und gedeihliche Entwicklung finden werden, wenn sie diese suchen. Aus dem Programm der Tagung heben wir die Beratung über das neues Kreisstatut heraus, weiters die Beschlußfassung über die Organisierung der Vorarbeiten zum ersten KreiS-Turn- und Sportfest im Jahre 1921, welches bei der großen Beteiligung, es gibt mehr als 40 Turn- und Spottvereine, zu einer imposant ׳n Manifestation der ivmschen Turn- und Sportbewegung zu werden verspricht. Neben Massenvorführungen der Turner, Turnerinnen und Zöglinge stehen am P.ogramm zahlreiche Meisterschafts - Fußballwettspiele, ' leichtathletische« Preiswettkämpfe, Meisterschwimmen u. Ruderwettkampfe. Das Programm ist in großen Züg-m durchgearbeitet. Die Vertretung der eigenen mufikalischeu Begleitung für die turnerischen Vorführungen hat ein bekannter jüdischer Komponist übcriwmmen. Weiters gelangt eine Anregung der jüdischen Turnerkren׳ Oesterreich-Wien, England-London, Polen-Lodz;1׳.r Einberufung des Weltverbandsturntageö der jüdischen Turnerschaft in die Republik zur Beratung. Im Rahmen des Kreistages findet ein Festabend statt, bei dem Dr. Max Brod über jüdischeJugendprohleme sprechen und bedeutende jüdische Künstler mitwirken werden. Der Festabend findet am 1. November um 8 Uhr abends im Rathaussaal statt. Am 2. Nove.nber in der ^Mittagspause findet eine Besichtigung des alten Judenfriedhofes und der Altneusynagoge in Prag statt. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, öffentliches Schauturnen der. Kreis-Meisterriegen. Abends veranstaltet ״Makkabi Prag" zu Ehren der Gäste einen gemütlichen Abend. -Aorcefponäenzen. 2»»*t>a. Vor einem mehrhundertköpfigen Püblikum hielt hier Herr Dr. Gustav Kohn aus Brünn einen Bürtrag über die Lösung der Judenfrage. Der Vortrag machte auf die Zuhörer einen so lebhaften Eindruck, daß sich zahlreiche neue Mitglieder der zionistischen Ortsgruppe anschlossen und auch nennenswerte Beträge für den Palästiua-Aufbaufonds gespendet wurden. Tyonau. (Todesfall,) Vor kurzem verschied hier plötzlich Frau Witwe Bertha Deutsch geborene Rosenbaum im Alter von 66 Jahren. Sie stammte aus hochachtbarer Familie. Ihr seliger Vater war Kaufmann und jüdischer Gelehrter,, ihx Großvater, R. Bezalel Rosenbaum, Rabbiner der Gemeinde Bresowa. Das Hinscheiden der angesehenen Dame hat eine zahlreiche Familie in tiefe Trauer versetzt. Beim Leichenbegängnis hielt Herr Oberrabbiner Max .Stein der Verblichenen einen warmherzigen Nachruf. Der Chewra Kadischa wurden bei dieser Gelegenheit von. den Hinterbliebenen namhafte Spenden gewidmet. Nove Mesto n. B. (Waag-Neustadtl.) Am 14. d. M. hielt hier Herr Dr. Gustav Kohn aus Brünn auf Einladung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe bar einem zahlreichen Auditorium einen Vortrag über die . Palästinafrage. Der Redner übte mit seinen gediegenen und schwungvollen Darlegungen eine tiefe und nachhaltige Wirkung aus. Lemberg. (Jüdische Immigration nach Galizien.) ״Slowo Polskie" meldet, daß neben der starken Zuwanderung von Juden aus der Ukraine nach Galizien sich seit einer gewissen Zeit auch eige Einwanderung von Juden aus der Slowakei bemerkbar macht. Von jenfeits der Karpathen langen täglich TranSpotte mit jübischen Familien ein, die aus Ungarn nach Galizien fliehen. Berlin. Dr. Heinrich Loewe, der Verwalter der Berliner Universitäts-Bibliothek, ist.vom Londoner zionistischen Komitee als Hauptbibliothekar an die Jerusalemer National-Bibliothek berufen worden. Seine Aufgabe wird sein, die genannte Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität in Jerusalem vorzubereiten und zu ordnen. Dr. Loewe wird sich demnächst nach Jerusalem begeben. ן Leipzig. (Gewissensfreiheit in Sachsen.) Wie es mit der gepriesenen neuen Gewissensfreiheit in Sachsen ausfieht, kann man an folgendem Beispiel ermessen. Der hiesige Rabbiner Dr. Goldmann hatte an das Ministeriunt für Kultus und öffentl. Unterricht ein Gesuch gerichtet, damit sein Sohn an den Sabbaten vom Schulbesuch befreit würde. Dieses Begehren ist nunmehr vom Ministerium glatt abgelehnt worden. Um zu erkennen, welch ein Grad von Jntoleranz in dem so freiheitlichen Staate Sachsen Herr mutz man dem gegenüberstellen, daß im angeblich reaktionären vorrevolutionären Preußen bereits seit dem Jahre 1869 anstandslos jüdischen Eltern gestattet wird, ihre Kinder vom Unterricht am Sabbat fernzuhalten, damit sie eine religiöse Erziehung genießen können. Die sozialdemokratischen Machthaber in Sachsen scheinen der Gewissensfreiheit eine eigentümliche Ausdeutung zu geben. Salla n. B. (Bagsellye.) Auf Anregung des Frl. Hedwig Donath konstituierte sich hier eine misrachistische Mädchengruppe. Sonntag, den 12. d. M. (thn zweiten Tage Chol-Hamoed Sukkoth) fand hiev eine stark besuchte Misrachi - Propaganda - Versammlung statt. Die Reden der Delegierten der Pretzburger MiSrachi-Organisation Rabbiner Hillel Unsdorfer und Prof. Alois Grünwald wurden mit großer Aufmerksamkeit angehört. Eine größere Misrachi-Ortsgruppe ist in Bildung begriffen. Dieselben ׳Redner sprachen am gleichen Tage im VagfarkaSd-Negyed, wo dank den eifrigen Bemühungen der Damen Frl. Adele Schulz und Lina Fischer eine gut besuchte Propaganda-Versammlung stattfand. Nach den begeisternden Ansprachen der Preßburger Herren konstituiette sich eine misrachi׳ stische Ortsgruppe unter folgender Leitung: Damengruppe: Frau Dr. Hajos, ׳Frl. Elisabeth Deutsch, Frl. Jllus Singer, Frl. Adele Schulz und Frl. Lina Fischer; Männergruppe: Ahron Blumenthal, Josef Fischer, Mayer Löwinger und Jsak Schulz. Zürichs Am Sonntag, den 12. d. M., hielt Herr Rabbiner Dr. Lemenstein im Zunfthause zur Waag vor überfülltem Saale auf Einladung der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Zürich, einen Vortrag über das Thema: ״Die Agudas Jisroel im Zeichen des Weltfriedens". Die Zuhörerschaft setzte sich nicht nur aus Mitgliedern der Gemeinde des Herrn Referenten und der Agudas Jisroel, sondern auch aus Angehörigen der Misrachigruppe zusammen. Der gewandte Redner nahm Bezug auf seine im Aufträge des Zentralbüros der Agudas Jisroel unternommene Reise nach England, Frankreich, Holland und Skandinavien und rühmte den Erfolg, den die Bemühungen zur Gründung von Agudasvereincn in diesen Ländern hatten. In London, wo er sich 31 Tage aufhielt, gehört sogar ein Mitglied der Misrachi dem Vorstand des neugegründeteü Vereines an, ein Beweis, wie weitherzig die Agudah sei' und -jeden in ihrer Mitte aufnimmt, der sich auf den Standpunkt der Tauroh stellt. Alle Jereiim mögen kommen, sie schließen keinen aus, sie denken auch nicht daran, im Privatleben des Einzelnen zu schnüffeln. Auch in Frankreich ist es gelungen, eine Gruppe zu organisieren, deren Präsident augenblicklich in unserer? Mitte weilt. In Holland hat sich die Rabbinervertretung mit Ausnahme eines Einzigen, der Misrachist ist, für die Aguda ausgesprochen. Ein gleicher Erfolg war in Skandinavien beschieden. Wohl trennt uns ein fundamentaler Unterschied vom Zionismus, weil "die Agudah alles unter dem Gesichtswinkel der Thorah, tue. Auf diesem׳ Standpunkte stehe sie auch in Bezug auf Erez Jisroel. Wir können deshalb auch nicht mit den Misrachi Zusammenarbeiten, weil die Misrachi nicht frei ist. Sie sind ein Teil des Zionismus und müssen sich hm unterwerfen. Wir arbeiten auch für Erez Jisroel, aber unsere Arbeit trägt die Tefilloh schel Rausch offen vor aller Welt auf dem Kopfe. Alle Völker sollen es sehen, daß der Name Gottesüber uns steht. Aber wir wollen dort, wo es möglich ist und wo unsere Tauroh nicht in Gefahr ist, mit allen, auch mit den Zionisten zusammen arbeiten, wir wollen Scholaum mit allen, unsere Arbeit soll für Klall Jisroel ohne Ausnähme sein und deshalb heißen wir auch alle Mitarbeiter, woher sie auch kommen, willkommen, wenn sie sich mit uns vereinigen auf dem Boden der Thauroh. Und fo rufen wir auch den Misrachisten zu, kommt zu uns. damit wir gemeinsam für unsere heilige Lehre arbeiten könne/n, denn die Thauroh geht über alles. Der Dank der Zuhörer für die interessanten Ausführungen des Redners sprach sich durch rechen Beifall aus, dem der Leiter der Versammlung, Herr Ettlinger, noch besonderen Ausdruck verlieh. Die Diskussion eröffnete Herr A. I. Rom, der Präsident der Misrachi-Organisation der Schweiz. Er freute sich über die Friedensworte des Referenten, doch sei nicht immer so in den Reihen der. Agudah gedacht worden. Der , Redner sagte, alle seien dort willkommen, zu der Weltkonferenz der Orthcdoxie, die hier stattgsfunden hat, hat man aber die Misrachi, die auch auf dem Boden der Thora stehen, nicht eingeladen. Das wäre berechtigt gewesen, wenn die Einladungen von der Agudah ausgegangen wären, aber nicht von den Orthodoxen. Der Referent behaupiete, daß die Agudah sämtliche oder wenigstenL das Gros der Orthodoxen enthalte, das kantt auch nicht richtig sein, da nach den nettesten Berichten es der Misrachismus ist, der sich immer weiter auSdchat, doch kann er sich auch nur den Worten um Scholaum anschließen, da die Gefahren von feindlicher Seite zu groß sind, um uns den Luxus einer Zerspliterung gestatten zu können. Herr D. Weinbaum begrüßt die Scholaumverheißung, bedauerte aber, hinter jeden! Scholaumwort ein ״aber" von dem Herxn Referenten vernommen zu haben; da wird das Vorhergehende durch das ״chber" zerstört. Wenn der Herr Referent von einer Kluft zwischen Zionismus und Agudah spricht, so hat «er Recht, da der Zionismus nur die Politik und nicht die Religion des jiidifchen Volkes vertritt. Das ist Sache der Agudah und anderer religiösen Verbände. Aber zuerst muß das Politische erledigt werden, denn das Religiöse, das kommt dann ganz von selbst, wenn die religiösen Parteien zusammen arbeiten. Deshalb sollte die Agudah die politische Vertretung ebenfalls dem Zio-- niSmus überlassen und nicht Sonderaktionen an der Friedenskonferenz vornehmen. Die gegenwärtigen Leiter der Wcltgeschicke verstehen zu wenig von jüdischen Dingen, nur das Politische vom Religiösen auSeinanderhalten zu können; ihnen gegenüber müßte daS gesamte jüdische Volk eine geschlossene Front bilden. Da aber der Referent selbst zugab, daß auch der Misrachi das Thoraprinzip im Auge habe, so sollte doch eiru»--c׳׳ meinsame Plattform der Zusammenarbeit und verständigung, ein Achdus gefunden werden können.' Dn-°- sollte die vornehmste Aufgabe sein. Herr CH. I. Eiß wandte sich in einigen Ausführungen, die allerdings wenig von dem Flügelschlage der Friedenstaube berühtt waren, gegen die beidenDiskuffionSredner und ttef damit Herrn Dr. cand. jur. Kahn auf den Plan, der die Eitzschen Darlegungen widerlegte. In seinem Schluß- Worte führte darauf der Herr Referent aus, daß die Agudah keine Konkurrenzpartei sein will, aber die Misrachi habe sein Augenmerk nur auf Palästina gerichtet, während die Aufgabe der Agudah auch das Thorawerk Beerez Hagauloh, im Goluth im Auge habe. Im besten Falle könne nur ein kleiner Teil im Erez Jisroel Unterkunft finden, die weitaus große Masse müsse 7m Goluth bleiben und für diese müsse man auch sorgen. Er begreife nicht, wie Herr Wejnbaum und nach ihm Herr Kahn von einer Sonderaktion der Aguda in Paris sprechen können. Das sei nie der Fall gewesen. Er selbst habe die Forderungen der Agudah Herrn Sokoolow in Paris übergebeen und warte nun auf Antwort, die bisher ausgeblieben ist. Er wiederhole, daß die Agudah mit allen in Frieden leben und mit denen, die auf dem gleichen Thorastandpunkte stehen, in Thoradingen, und Mit den Zionisten in allen nicht religiösen Dingen gemeinsam arbeiten will. Aber das Eine habe er aus der heutigen Aussprache ersehen, daß solche gemeinsame Aussprachen der verschiedenen jüdischen Gruppierungen von Zeit zu Zeit von Nutzen wären und viel zur Verständigung beitragen würden. Da- / mit endete die interessante Versammlung. Jüdischer Turn- und Sportverein ״Makkabi" in Prag veranstaltet Mittwoch, den 19. November 1919, halb 9 Uhr abends, im großen Saale der Produktenbörse ein Festkonzert. Zum Vortrag gelangen auch das komplette Orchester der Prager philharmonischen Orchesterdereinigung und auch die rühmlichst bekannte Violinvrrtuosin Amalie Bartfeld Tondichtungen jüdischer Komponisten. Dirigent Leo Schwarz. Programm: Felix Mendelssohn- Bartholdy: 3. Symphonie (Schottische). Bruch: Konzert für Violine G-moll. Bruch: Kol-ni dre. Goldmark: Ouverture zu Sakuntala. Dieses bedeutende, Ereignis verdient besonderer Aufmerksamkeit. Brünner Nachrichten. Brünn. Jüd.-Nat. Technikervollversammlung. Die Montag, 20. Oktober, stattgehabte Versammlung wurde vomo Obmann des jüd.-nat. Technikerausschusses Cand.-Jng. Hermann Abeles eröffnet. Nach dem vom Obmann erstatteten Tätigkeitsberichte, über die Arb» ten des Ausschusses, sprach Chem. Arthur Steinhauer über die Aufgaben des jüd.-nat. Technikers. Der nbtretende Ausschuß stellte den Antrag auf Gründung eines jüd.-nat. Technikerverbandes, welcher die Ausgabe haben soll, die Interessen der jüd.-nat. Techniker gegenüber den Profefforenkollegium u. der Oeffentlichkeit zu vertreten. Der Antrag wurde von der zirka 180 Aiademiker urnfassenden Versammlung einstimmig angsnommen. Hierauf erfolgte die Wahl in den neuen Ausschuß in welchen folgende Herren entsendet wurden: Grün. Freund, Jnepmann, Eisen, Müller, Neugrösthel, Meinhart; als Obmann Cand.-Jng. Hein Paul. In Wentualia wurde von der Technikerschast zu verschiedenen Tages- und Standesfragen Stellung genornmm.