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Jüdische Volksstimme · 1919-10-31 · Heft 32 (31.10.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 32 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sek» 6 g»ffifn«^ Nr. n •Wt f»t Hedräischr Lprach, Ml jfiMf#«» Wiste«. Der Unterricht an dieser Schule hat bereittm Gebäuder der städtischen Volksschule, ^SalzamtSgaffe, begonnen. Der Lehrgang für hebräische Sprachen wird abgehalten für Anfänger: 1. Abteilung Montag und Donnerstag von 6 bi- 7 Uhr, 2. Abteilung Dienstag und SamStag von halb 6 bis halb 7 Uhr, 3. Abteilung Dienstag von halb 7 bis 8 Uhr. Für Vorgeschrittene Montag und Donnerstag von 7 bs 8 Uhr. Geschichts׳ kurse für Anfänger Mittwoch und SamStag von 3 bis 6 Uhr, für Vorgeschrittene 1. Abt. Mittwoch von 6 bis halb 8 Uhr, 2. Abteilung SamStag von 6 bis halb 8 Uhr. Seminaristische Hebungen am Bibeltexte 'DonnerStag von 6 bis 7 Uhr. Dieser Kurs beginnt am 6. November. Andere Lehrgänge find in Vorbereitung. Schüler und Hörer beiderlei Geschlechtes können fich noch bis zum 6. November in den einzelnen Stunden anmelden. Jüdische Eltern! Schicket Eure Kinder in die Talmud-Thora fünfklaffige Bibelschule für Knaben und Mädchen, Adlergaffe 12. Jeder jüdische Vater, jede jüdische Mutter betrachte es als Ehrenpflicht die Kinder die Talmud-Thora besuchen zu laffen. Sonntag, den £. November, 9 Uhr vormittags Eroffnuyg. Einschreibungen täglich von 5—6 Uhr abends. Kücherbespeechuagen. Bekenntniffe eines Arztes. — W. Weressajew — bei Robert Lutz, Verlag, Stuttgart — M. 6.50. — Einen aufrichtigen Mann und großen Künstler lernen wir in W. Wereffajew kennen. Einen hoch über das Mittelmaß bürgerlicher Moral erhabenen Charakter. — Eine wahrhaft ethische Persön licht 2it. Die Bekenntnisse eines russischen Arztes sind es, die uns der Verfasser (selbst ein russischer Arzt) in vorliegendem Werke bringt, und mit rückhaltloser Offenheit verrät er alles, was der Arzt durchlebt; ohne Rücksicht auf profeffionell-egoistisches Berufskonzentrum der GefellschaftSklaffffe, deren — we er voraussehen mußte — gehässiger Richterspruch ihn als ihr Glied ruinieren und unmöglich machen konnte, deckt er dem durch keinerlei Standesmoral-Sophistik getrübten Laienblick die Schaltenseitep dieses Berufs auf.-Wir erleben mit ihm die schaurigen Schrecken des Seziersaales, das Entsetzen des jungen Studenten über die Unzahl der uns umlauernden Gefahren, begreifen mit ihm entzückt die Größe der medizinischen Wissenschaft. Aber mit selbstquälerischer Brutalität zerreißt er jäh den Weihrauchgeschwängerten Dienstkreis, den das Arztensdiplom und das blinde Vertrauen der russischen Landbevölkerung um ihn gelegt haben, nennt sich in Heller Verzweiflung der Mörder eines Knaben, dessen Märtyreraugen ihn verfolgen und ihn in Hunger und Elend treiben aus der «goldenen" Praxis zurück nach Petersburg zu neuen Studien.-— Und dort als äutzeretatsmäßiger Arzt lernt er erst recht die Schattenseiten seines über alle Maßen geliebten Berufs kennen. Er wird zu einer Trachestomie zugelaffen, — eine gräßliche Operation - - das Mädchen, stirbt — das Resultat so vieler erster TrucheStomien. Ja, «unsere Fortschritte gehen über Haufen von Leichen", sagt Billroth. Aber er ist zu schwach, um in diesem Bekenntnis des berühmten Operateurs Trott zu finden und wendet schaudernd der Chirurgie Len Rücken. Auf der »Internen" vermehrt er die Zahl der Opfer ungenügend erprobter Mittel, die Unvollkommenheit der ärztlichen Kunst entsetzt ihn und in gänzli- «her Mutlosigkeit gewinnt er die qualvolle Ueberzeugung seiner Untauglichkeit für den Beruf des Arztes. Dann aber erfolgt in ihm die Aussöhnung mit sich selbst. — Ein golden Bescheiden liegt in der Mitte. Und auch ein mittelmäßiger, strebend an sich für die Menschheit (und sei's ein noch so kleiner Ausschnitt der Gesamtheit) arbeitender Arzt ist nötig und hat so lange er seine Bürde ehrlich tragen kann, ein Recht auf seinem Posten zu bleiben. — Von so hoher ethischer Weltanschauung sind auch die nun folgenden Seiten seines Du׳ cheS durchtränkt. Mit dankenswerter Offenheit spri üt er über das wahre Verhältnis des Arztes zum wetblichen Patienten, beleuchtet das schiefe Verhältnis .wischeu Patienten und Arzt, den Undank und Haß des Publikums gegen den Arzt bei eingebildeten Mißerfolgen und wendet sich mannhaft gegen die ungerechten Forderungen der Gesellschaft, die den "Arzt zu einem beständigen Sklavendasein verdammen. An der H-r׳.d ausführlichen statistischen Materials deckt er die materielle Notlage der Aerzte auf, ein Beispiel der vielen sozialen Widersprüche, welche die treibenden Kräfte unserer traurigen Welt und Wirtschaftsordnung find. — Wo liegt hier ein rettender Ausweg? Sicherlich nicht an K a m p f e eines Häuflein Menschen gegen die ganze Umgebung, vielmehr in der Aufklärung und andererseitS «im Bewußtsein, -atz wir Aerzte nur der Bruchteil eines ungeheueren, unteilbaren Ganzen sind und daß wir nur in den Schicksalen und Erfolgen dieseS Ganzen unser persönliches Schicksal und unseren Erfolg sehen können." Sicherlich ist es Wereffajew gelungen, aufllärend zu wirken. Ob er es vermocht hat, auf seine StandeSgenoffen jenes Bewußtsein zu übertragen, bleibt dahingestellt. Ob er nicht mit wenigen allein auf einsamer Warte steht?! — — Restlos schließe ich mich Peter Roseggers Empfehlung an: «Das Buch ist eines der ernstesten, redlichsten und nützlichsten Werke, die je.geschrieben wurden. Wereffajew ist ein ganzer, ein guter und treuer Mensch. Aber er ist auch ein großer Schriftsteller; sein Buch ist glänzen' g e s ch r i e b eit." ׳ Dr. B. S. Weltgeschichte in gemeinverständlicher Darstellung in Verbindung mit G. Bourgin, E. Ciccotti, E. Hanslik, S. Hellmann, K. Kaser, E. G. Klauber, E. Kohn, I. Kromayer und A. von Rosthorn herausgegeben von Ludo Moritz Hartmann. 1. Band: Verlag Freidrich Andreas Perthes A.-G., Gotha 1919. Einleitung und Geschichte des alten Orients. Von E. Hanslik, E. K o h n und E. G. Klauber. , Die neue ״Weltgeschichte", nicht so prunkend und prangend in die Welt schreiend, wie die Pflugk-Hartunksche,. versucht in schlichten einfachen Worten jedem auch dem Laien die Entwicklung der Menschheit vor Augen zu führen. Es liegt uns vorläufig der 1. Band «älteste Geschichte" vor, der von einer urgeschichtlichen Einleitung ausgehend, die Geschicke der Menschheit im Orient bis zu Artaxerxes den Ersten erzählt. Der Herausgeber entwirft uns in einem Vorwort Plan und Zweck der Geschichte, aus welchem wir erfahren, daß das ganze Werk in 8 Bänden die europäischen und vorderen.asiatischeu Kulturkreise , in 3 Bänden die ostasiatischen und in 1 dem letzten den amerikanischen behandelt. Der Herausgeber erklärt gleich im Vorworte «wir haben in dem Streite um die gegenseitigen Beziehungen der ׳Ideologien und ׳der materiellen Verhältnissen nicht Partei ergriffen, Wohl''aber das Hauptgewicht auf die Massenerscheinungen gelegt, das wirtschaftlich-soziale Moment, und als seinen Ausdruck die rechtlichen Inftitutionen betont", will also als Historiker ״sine ira et stüdio" nicht die Entwicklung der Menschheit, als solche fassen wir Geschichte auf, auf das Prokrustesbett einer Weltanschauung schmieden, als welche namentlich in unseren Tagen die sogenannte ״materialistische Ge- Geschichtsausffassung" von nichtwissenschaftlicher Seite erhoben wird. Jedenfalls sind die Einleitungsbeiträge gut fundiert und gestützt auf die historischen Hilfswissenschaften der Paläontologie und der Anthropologie, zeigen uns den gewaltigen Kulturkreis des Paloiolithikums und Neolithikums (jüngere Steinzeit), weisen auf die staatlichen Anfänge, auf den Beginn der soziologischen Struktur der ganzen Menschheit, (Emerich Kohn); denn wo Hilfswissenschaften aufhören, fängt als Krönung aller Wissenschaften, als synthetische Einheit die: Sozimogie. Warum Ernst Georg Klauber (Güttingen) unbedingt den Begriff des Ariers und Semiten haben will, warum er sich geradezu krampfhaft bemüht: die Sumerer zum Gegensatz von den Akkadern nicht zu den Semiten zu rechnen; sagt er doch: «über die Herkunft des sumerischen Volkes wissen wir nichts sicheres; wann und auf welchem Wege es ins Zweistromland gekommen, entzieht fich vorläufig unserer Kenntnis, da die Einwanderung lange vor der für uns geschichtlichen Zeit Babyloniens erfolgte", wissen und begreifen wir nicht. Umsoweniger als Historiker, die gestützt auf Biologie, Paläoniologie, Archäologie, gestützt auf klimatische und psychologische Forschung doch schon längst den Begriff der Raffe — als den Inbegriff spezifischer Rasseneigenschaften — und Eigentümlichkeiten schon längst in die Rumpelkammer alter Vorurteile hätten werfen sollen. Allmählich dämmert es jg in den Köpfen, daß eine Ueverhebung des Begriffes Arier die Ueberhebung des Begriffes Nichtärier nach sich zieht, daß wir — die Wir an sozialen und nationalen Vorurteilen auf minbestens ein Halbjahr^undert genug zu tun haben werden, uns endlich 190 Jahre nach Gobineau von einem Spruche befreien, der wie ein Alp auf uns lastete. Uns Juden interessiert vor allem in der Geschichte deS Orients all das, waS^mit unserer Vergangenheit im Zusammenhänge steht, und es ist schon sicherlich ein großes Zeichen von Vorurteilslosigkeit, wenn Klanber die Historizität Mosis nicht in Frage steAt, im Gegenteil diese, wenn auch nicht zu beweisen, so doch zu erklären sucht. Klauber arbeitet — abgesehen von den kleinen Mängeln der Raffentheotie — Mit Präztser Genauigkeit und einer an deutschen Wissenschaftlern nicht wunderzunehmender Akribie. Der 1. Band hat nicht die Mängel einer Kollekitvarbeit, man ließt ihn, wie wenn er aus einem Gußr wäre; es ist zu hoffen, daß diese Empfindung in den nächstfolgenden Bänden nicht gestört wird. Oktober 1919. Dr. Gustav Kohn. Die Sexnalethtk der jüdischen Niederste»«*?. Ein Wort an unsere Jugend von Hans GoSlar. Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. 47 S.-Ein flammender Protest gegen Spätehe und außerehelichen Verkehr der jungjüdischen Jugend. Ein Mahnwort an alle um» sere Triarier! Kämpfet gegen den übermächtig werdenden Sexualtrieb! Seid enthalten! Meided Alkohol, denn dem Exzeß in baecho folgt meistens mit eherner Konsequenz -ein Exzeß in Benere. Unzählige blühende, kräftige Körper jüdischer Studenten welkten und gingen zugrunde an der Trunkenheit eines Abends. Mehr denn je grassieren geheime und offene Prostitution; die Trägerin und Verbreiterin venerischer Erkrankungen. Der Weltkrieg, der eine Depravierung der allgemeinen Moral nach sich gezogen hat, wirkte geradezu revolutionierend auf dem Gebiete des Sexuallebens des Mannes, der Frau. Der Typus der ״Geheimratstochter mit Hausschlüsselgewalt", gegen den deutsche Hygieniker und Eugeniker schon vor dem Kriege auftraten, brachte als Mitgift in die Ehe unheilbares Frauenleiden und gewollte Sterilität. So mancher jüdische Soldat und Offizier kam mit schwerer Geschlechtskrankheit aus dem Kriege heim. — Eines der schwierigsten Probleme der Menschennatur ist der Sexualtrieb. EroS ani kate machau! Durchforscht, beleuchtet von Hygienikern, Ethikern, Sexologen. Wieviele Köpfe, soviele Meinungen. Auf der einen Seite das Betonen des schrankenlosen sich auslebens der Jugend, auf der anderen die Forderung nach totaler Abstinenz. Hier werden Dir die Gefahren geschildert, die ein enthaltsames Leben nach sich führt: Geisteskrankheiten, Neurasthenie, Lebensunmut; dort blühen Dir Erkrankungen körperlicher und geistiger Natur, Kräfteverfall, Rassentod. — Goslar, der Hygieniker und Eugeniker, der besorgt ist nicht um das Einzelindividuum, wohl aber um die Masse, verlangt von zionistischer Jugend wtale Abstinenz, Frühehe und Verwerfung der Mischehe. Eine schwere Forderung« Sie soll aber die «Feuerprobe" der jüdischen Jugend in Deutschland sein. Bedacht auf eine gesunde Nachkommenschaft darf der Zionist nicht erst in die Ehe treten, nachdem er sich ״ausgetobt" hat, nachdem er den Leidensweg durch alle Krankheiten hindurchgegangen ist, sondern jung, kräftig, lebettsstrotzend. Die junge Jüdin streife ah, die Oberflächlichkeit, die Modesucht, das Verlangen nach Amüsement. Sie sei Frau und Mutter, Kameradin und Gefährtin in der Ehe. Deutschlands Juden sind nach Felix Theilhaber dem Untergange geweiht, schon erreicht die Geburtsziffer nicht mehr den Sterbekoeffizienten, wenn, nun nicht irgend etwas dazu getan wird, geht Deutschlands und West- Europas Judenheit zugrunde. So klein die. Broschüre Goslars sein mag, sie schneidet ein großes Problem des modernen Judentums an. Ueber Sexualleben pflegt man leider auch in unseren Reihen nur zynisch, schlüpfrig, frivol zu sprechen, sonst beschäftigt man fich damit, weil der Ernst der Eugenik in zionistische Köpfe nicht dringen kann. Es soll nun nicht zu spät werden׳ — CL — Sefathamenu Sefathamenu. Lehrbuch der hebräischen Sprache von M. Rath ist durch die Admin. dieses Blattes zu be- . ziehen. K 20.— exclusive Porto. ־TT- TT7T Chanukka1 Wir empfehlen passennde Chanukkageschenke für Kinder und Erwachsene in allen Preislagen. Jüdische Bücher in'S jüdische H-us. M. Hickl'S Verlag, Brünn, Adlergasse S. -A .1. A . :JlT1 ״€banuRkab3€KlKnl(r in M. tiickl* Verlag Brihm.

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