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Jüdische Volksstimme · 1919-10-24 · Heft 31 (24.10.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 31 (24.10.1919)
Date
1919-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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(. Nr. 31 ^züdijchr v,lrsj^<««r" Seite 6. Aoeeefponäenzen. Heu-Ranßnitz. Am verflossenen Versohnungstage hat der auch den Lesern der ״Voolksstimme" durch zahlreiche Artikel bekannte Anton Low in Wien das Zeitliche gesegnet. Ein gebürtiger Naußnitzer, einer alten, weitverzweigten Patricierfamilie entstammend, der auch der wissenschaftlich hervorragende Rabbiner Leopold Löw.aus Szegedin angehörte, zeigte er als warmfühlender Jude allezeit ein reges Interesse für alle das Judentum betreffenden Fragen und Bewegungen, und erfreute sich als Mitglied bezw. Ehren- Mitglied vieler humanitärer Vereine, innerhalb deren er sich mit dem vollen Einsatz seiner Persönlichkeit betätigte, auch allgemeiner Achtung und .,Wertschätzung. Eine besondere Liebe aber bewahrte er seinem Heimatsorte gegenüber, woselbst sein in weiten Kreisen bekannter Bruder Richard Löw als Vorsteher und bis vor kurzem auch als Bürgermeister wirkt, und darum wußte er cs dem Schicksal zum Teil Dank, daß der Zwang der Kriegsverhältnisse ihn genötigt, ein Jahr vor seinem Hinscheiden, durch längere Zeit hier Ausenthalt zu nehmen, wie er sich ja auch bis zuletzt mit dem Gedanken trug, hierher völlig zu «übersiedeln. Nun hat sein unvermuteter Heimgang die/en Plan zunichte gemacht, aber die warmherzige Liebe und Treue, die er ^ür seine Heimatsgemeinde in Wort und Schrift bekündet, sie wird hier seinen Namen fortleben lassen. Dr. M. St. Warschau. Das ״Jüd. Volk" meldet: Das Departemcnt für Kultus beim Ministerium für Kultus und Bildung erhielt durch Vermittlung der polnischen Liquidationskommission in Paris einen Fonds zur Vergütung der Schäden, die das deutsche, russische und österreichische Militär während des Krieges in den Gebäudcn der jüdischen Kultusgemeinden, in de»: -׳׳ - gogen, sotvie Bet- und Lchrhäusern ungerichtet hat. Paris. Oberst Dreifuß wurde mit dem Kreuze der Ehrenlegion ausgezeichnet. Die alte Affäre scheint jedoch nicht ganz vergessen zu sein, da die französischen Zeitungen mit Stillschweigen über diese Dekorierung hinweggegangen sind. Syrien. (Emir F e y s u l beim Chacham Baschi vor» Damaskus.) Laut .,Hadaschoth Haarez" hat die arabische Presse von Damaskus in letzter Zeit aufgchört sich so intensiv wie vorher mit der Frage des Ziönismus zu beschäftigen. Man höre zwar noch hie und da einscharfes Wort aber im allgemeinen sei das Gift verschwunden. — Am 20. Tamuz besuchte Emir Feys u l den Chacham Baschi von Damaskus. Im Verlauf der dreiviertelstündigen Unterredung wurde auch die Frage des Zionismus eingehend erörtert. Der allgemeine Eindruck war, daß Emir F e y s u l s Sympathie für den ZiniSmus von seiner politisch-semitischen Weltanschauung stamme. Die lokale Presse beanständete auch nicht Emir Feysuls Besuch beim Chacham Baschi. Talmud - Thora - Bibelschule Adlergaffe 12. Die P. T. Eltern werden aufgefordert ihre Kinder (Knaben und Mädchen vom 6.---16. Lebensjahre an dem Unterrichte teilnehmen zu lassen. Einschreibungen täglich von 5—6 Uhr. Rundschau. Oberrabbinor Rubinsteins Anfchluß an den Misrachi. Der bekannte Oberrabbiner Rubinstein von t:. na, Mitglied der Präsidiums der Gemeinde,'hat fi׳\ dem Misrachi angeschlossen. Auf der Versammlung des misrachistischen Landesausschusses für Litauen, der sich kürzlich konstituierte, führte er den Vorsitz. Erleichterungen für die jüdische Einwanderung in Palästina. ׳ Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird aus London telegraphiert: Wie verlautet, sind die Beschränkungen für die jüdische Einwanderung in Palästina exleichtert worden. Folgenden drei.Kategorien soll die Einwanderung bereits freistehen: 1. Denjenigen, die früher in Palästina gewohnt haben und die dort hin zurück kehren wollen; 2. ^denjenigen, welche ausbauende Arbeit in Palästina zu unternehmen beabsichtigen und die über entsprechende Mittel verfügen und 3. geschulten technischen Kräften. ' Zur Erlangung einer Einreisebewilligung für Palästina ist die Empfehlung einer lokalen zionistischen Organisation nötig. Die Bewilligung wird vom britischen Konsul des betreffenden Landes oder Ortes erteilt. Eine offszielle Bestätigung dieser Meldung siebt noch aus. Die Judenfrage nach Sem Frichcn in Eüropa und Palästina. Anläßlich der in Stockholm tagenden Beratung des Weltvcrbandes Poale Zion, an der Vertreter fast aller Landesparteien des Verbandes teilnahmen, veranstal« tete das Vcrbandsbureau der Poale Zion eine von Herrn Ing. S. K a p l a n s k y geleitete große Volks- Yersainmlung in Läkeresalen in Stockholm, die dem Problein der jüdischen Gegenwart nach dem Weltfrieden in den Ländern der jüdischen Diaspora und in Palästina gewidmet war. Nach den einleitende^ Worten des Vorsitzenden über den Sinn und das Wesen des Poale-Zionismus, überbrachte der Delegierte der argerikanischen Partei, Herr Dr. N. Syrkin den Gruß der überseeischen Judenheit und des Pariser Komitees der jüdischen Delegationen, an dem er als Abgeordneter des jüdischen Kongresses in Amerika teilgenommcn hat. Er schilderte den Aufschwung dev nationalen und dcrnokratischen Aktivität der jüdischen Volksmasscn in Amerika, uritersuchte die Bedeutung, die der Passus von den Rechten der nationalen Minorität im Friedensvertrage mit Polen für das polnische Judentum z>» haben w» spricht, und die Perspektiven, die sich gegenwärtig für die Schaffung einer jüdischen sozialistischen Gesellschaft in Palästina eröffnen. In. schlichten, kurzen und ernsten Worten berichtete dann der Delegierte ans Palästina, Herr Berl Katznclson, über das Werk der jüdisch cnArbeitcr in Palästina, über die Verhältnisse, die der jüdische Arbeiter doiot vorgefunden hat, über die Leiden und Freuden seines Schaffens und über die 'Verantwortung, die das Geschaffene und das zu Schafsende auf die aktiven Kräfte der gesamten Judenheit aufcrlegt. Ein ödes Bild des jüdischen Elends in den Ländern der Kriegsverwüstung, besonders in Polen, entrollte der Delegierte aus Deutschland, Herr S. R ubaschow, der vor kurzern Polen besucht hat und ermahnte zur großigen konstruktiven Hilfe auf Grundlagen der Ueberführung zur produktiven Arbeit. Als erster Redner der zweiten Abteilung trat der Ver< :׳׳׳">׳ Ukrainas, Herr Abraham Rewutzky auf. Er schilderte die politische Weltsituation nach dem Frieden von Versailles und die Gefahren und Möglichkeiten die sie.für die Judenheit im Osten in sich birgt. Nur ein auf demokratischcn Grundlagen aufgebauter jüdischer We"- kongreß wird in der Lage sein die Institutionen zu schaffen, die Größe der Zeit gewachsen sein werden. Der Leiter des Poale Zionistischen Palästinaamtcs in Jasfa, Herr E f r a j i m Blumenfeld charakterisierte die Gefahren, die ein freies und unkontrolliertes Schalten des Kapitals und die Spekulation für die Entwicklung der jüdischen Gesellschaft in Palästina bietet, und zeigte) daß nur eine auf fceie^Arbeit beruhende jüdimüc Gemeinschaft die jüdische Erlösung bedeuten wird Mit einem Appell des Herrn L. Chasano witsch an die Stockholmer Judenheit sich aktiv an den Nöten und Wünschen der Leidenden und um ihre Freiheit ringenden jüdischen Volksmassen teilzunehmen, schloß sich die imposante Kundgebung, die eine große Hörerschaft versammelt hatte. Indische Palästina-Reise und Transport-Gesellschaft m. b. H. Bekanntlich hatte Herr Jacques B r i n g s seit Monaten den Plan propagiert,. schon jetzt für den Transport der jüdischen Auswanderer und ihrer Sachgüter nach Palästina entsprechennde Vorsorge zu treffen und in Graz ein provisorisches Komitee zur Ausführung seines Planes'gebildet. Dieses Projekt hat durch die Gründung einer Gesellschaft mit obigem Namen bestimmte Gestalt angenommen. Die Gesellschaft hat ihr Zentralbüro in Wien. Das bisherige Palästina-Amt hat in Würdigung der Wichtigkeit des Unternehmens vom nationalen Stand- Punkt aus und urn die Interessen der jüdischen Allgemeinheit gehörig zu wahren, sich nicht nur mit einem gewissen Betrag als Gesellschafter beteiligt, sondern cs sind ihm auch im Gesellschaftsvertrage eine Reihe von Vorrechten gesichert. Insbesondere kann in der Generalversammlung ein gültiger Beschluß über Festsetzung der Transportkosten für solche Auswanderer, welche in geschloffenen Transporten dritter Klaffe, bcziehungsweise in Fortsetzung der Reise als Zwischendeckpassagiere reisen, nur mit Zustiinmung des Palästina-Amtes zustandekommen. Zweck dieser Bestimmung ist, zu verhindern, daß diese minderbemittelten Auswanderer mehr zu zahlen haben als die diesbezüglichen Selbstkosten der Gesellschaft betragen. Bei der konstituierenden Generalversammlung wurden in den siebenköpfigen Aufsichtsrat gewählt die Herren Wilhelm A l p e r, Josef Bänder (Graz), Adolf Böhm, Ignaz Hauser (Graz), Barüch L ö w, Jakob Nowak und Dr. Egon Zweig. In der ersten Sitzung des Aufsichtsrates wählte dieser zu seinem Vorsitzenden Herrn Dr. Zweig und zu dessen Stellvertreter Herrn Nowak und bestimmte zu Geschäftsführern die Herren Jacques Bring- und Adolof Stand.' Zugleich wurde beschlossen, da- Gesellschaftskapital im Hinblick auf die Größe des Krforderniffes einerseits und das Interesse, welches die Gründung schon jetzt in zionistischen Kreisen findet, auf vorläufig 1,000.000 Kronen zu erhöhen. Jüdische Palästina-Interessenten, welche sich an diesem Unternehmen beteiligen wollen, mögen sich mit ihren Anfragen, Wünschen und Anmeldungen an die Jüdische Palästina-Reise- und Transportgesellschaft wenden, die ihren Sitz in Wien, 2. Bezirk, Pratersträße 9, 1. Stock, hat. ־# # * Die Gesellschaft geht daran, in den meisten AuS- Wanderungszentren und Eisenbahnknotenpunkten sowie Grenzstationen, Geschäftsstellen, bezw. Exposituren zu errichten und unterhält in Wien N. B., N. W. B. und Südbahn, ferner in Tavris, Triest, Lundenburg, Oderborg, Mähr.Ostrau und in jüngster Zeit, infolge der bekannten Heirnkchrervorfälle in Villach, einen ständi« gen Bahnhofdienst. Die Organe der Gesellschaft sind durch blau-lveiße Abzeichen gekennzeichnet und mit Legitimationen versehen. Es wird den jüdischen Reisenden dringend einpfohlcn, sich dieser Gesellschaft zu bedienen, damit alle Maßnahmen für die Rpise nach Palästina richtig getroffen werden und alle unlauteren Elemente (Auswanderungsagenten usw.) völlig ausgeschaltet sind. Wir warnen, sich solchen Ausbeutern auszuliefern und wolle man sich nur den mit Legitimationen (mit Photographic) versehenen Organen anvertrauen. Resolution, beschlossen in der Versammlung der Breslauer Zionisten vorn 29. September 1919.» 1. Die Zionistische Ortsgruppe Breslau hat mit Bedauern festgcstellt, daß die Zionistische Vereinigung für Deutschland durch ihre Beamten und offiziellen Verlautbarungen so insbesonders in der ״Jüdischen Rundschau" Anschauungen vertritt, die der bisherigen allgemeinen Auffassung des Zionismus keineswegs entsprechen. Die Z. O. Breslau fordert von der Leitung in Zukunft ein energisches Eintreten für die Anschauung, welche im'Zionismus nach wie vor die Lösung der Judenfrage durch Konzentration der jüdischen Wanderung auf Palästina und seine Nachbarländcr und durch baldigste Schaffung einer )jüdischen Majorität in Erez Israel erblickt. 2. Die I. O. Breslau fordert im Einzelnen von ver Leitung die Hinzuziehung von Vertretern der׳maximalistischen Tendenz zu den entscheidenden Beratungen. Auf Grund der bisherigen Entwicklung .der Dinge hegt sie die Befürchtung, daß die Leitung bei den Fragen des Aufbaus schwerwiegende Entscheidungen treffen könnte auf -Grund von Gutachten von Männcrn, die bei Anerkennung aller ihrer Verdienste und Fähigkeiten nicht genügend sachverständig erscheinen. 3. Die Z. O. Breslau fordert weiterhin sofortige sachliche Vorbereitung des Kongresses ohne ׳Rücksicht auf den Zeitpunkt der Einberufung. 4. Die Z. O. Breslau fordert schließlich Fortsetzung der vorzeitig abgebrochenen Palästina-Diskussion in der ״Jüdischen Rundschau" als wichtigste Gegenwartsarbeit.! Mckerbesprecimngea. NasÜn dejepisny Noväho RousJnova. Die vorgenannte geschichtliche Skizze des Pfarrers Liczinan über Neu-Nausnitz berücksichtigt selbstverstündlich auch die dortige Judengemeinde, wenn auch nur in ziemlich dürftiger Weise. Es werden die Abgaben geschildert, welche die Rausnitzer Juden im 16. und 17. Jahrhundert an ihre Obrigkeit, die Austerlitzer Gutsherrschaft, zu leisten hatten. Diese erfolgten als Ablösung der persönlichen und Gespann-Roboten, welche zur Herstellung von Bauarbeiten und Reparaturen beim Schlosse uns) den Meierhöfen zu entrichten waren» behufs Bewilligung zum Verkaufe von Fleisch, zum Brennen von Alkohol, Ausschank von Bier und Wein u. f. w. Es erfolgten auch Abgaben zur Ausübung des der Judengemeinde seit dem Jahre 1693 zustehenden Rechtes, ihren Richter und zwei Aelteste nach! vorheriger Präsentierung selbst zu wählen. 1591 bestand bereits eine Synagoge, 1689 wird ein Rabbiner David Mandl erwähnt. An hervorragenden Persönlichkeiten, welche aus Rausnitz stammen, nennt die Brochure den Physiker Franz Pisko, den Berteidiger Dr. Max Neuda, den Frankfurter Oberrabbiner Dr, Nehemias Brüll und die Schriftstellerin Rosa Barach, geb. Gottlob.

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