Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1919-10-24 · Heft 31 (24.10.1919) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 31 (24.10.1919)
Date
1919-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2621806-2622032-2622063--4128-2625394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seik 4 Kurz, cs gilt heute als feststehend, daß Tugenden und Vorzüge weit mehr auf Seite derjenigen Rassen sind, die sich rein erhalten, und daß Mischlinge meistens nur die Fehler und Laster ihrer Erzeuger, aber nicht derer; guten Seiten ausbilden. I rteressqnt ist, daß die- .seS Gesetz der Rafsenmischung und deren Resultate auch in der Tier- und Pflanzenwelt herrscht, wie dies zahlreiche Beobachtungen bestätigen, die bei der künstlicbcn Raffenzucht von Tieren und Pflanzen gemacht wurden. . Daher sollten die Völker im eigenen Interesse wie au chim Interesse der höheren Menschheitsentwicklung nicht das Raffenchaos sondern die Rassenreinheit anstreben. Alles Große, Erhabene, das die Menschheit um Jahrhunderte vorwärts bringt, entquillt dem reichen Fond von Energieen, der nur in einer reinen Rasse vorhanden sein kann. Schillernde Intelligenzen, schlaue Köpfe können aus Raffenmischung entstehen, nicht aber profunde Intelligenzen, Geistesheroen und Äenies. Wenn daher ein Volk für sich und die Menschheit Großes und Mächtiges bedeuten soll, dann hätte demzufolge eine ״sub specie aeternitatis" handelnde Politik nur ein Ziel: von der Raffenlosigkeit zur Rassenreinheit, zu immer schärferer Betonung der Nassenreinheit durchzudringen. Ich habe ausführlich Zollschan sprechen lassen, um die Wichtigkeit unseres religionsgesctzlichen Ehcvcrbotes darzutun und darauf hinzuweisen, das; wenn es auch den Völkern, beliebt, aus dem Reservoir der Judenheit zu schöpfen,13) es die heiligste Pflicht des jübischen Volkes ist, sein Blut wie durch Jahrtausende bisher auch fürderhin ungemischt zu erhalten. (Schluß 'folgt.) 1) 2. B. M. 34. 11 f. 5. B. M. Kap. 7, Kap. 23. 4.! 2) 6. B. M. 23, 6. 2) 3. B. M. Kap. 18, Kap. 19, Kap. 20. 4) 2. B. M. 23, 32; 33, 11; 3. B. M. 18, 24; 20, 22; 5. B. M. 4, 24; Kap. 7; 8, 19; 20, 18. j 5) Folgt aus 5. B. M. Kap. 7, 31, 4; Abora Sara 36 b und 5. B. M. Kap. 21, V. 11—13 und Kidu.schin 68 b Jebamoth 48 b. «) Richter Kap. 7) Könige 1. Kap. 11. , 8) Könige 2. Kap. 17, Psalm 106. 35 H. Esrä 9, V. 1—14. 0) Folgt aus Nehemia Cap. 13, V.. 15—27, s. auch Kideschin 69 b. 10) Nehemia 13, 24. 11) Esra 9, 14. Nehemia 13, 26. 12) Synhedrin 216. 13) Aus einem Aufsatze NoffigS, angeführt in Zollschans Rassenproblem, 1. Aufl., S, 407. 14) S. Zollschgn: Rassenproblem, 1. Aufl-, S. 257. 1s) So meinte z. B. der unlängst verstorbene berühmte deutsche Rechtsforscher Josef Köhler (nach Mitteilung des Dr. M. W. Napaport in der »Freien jüdischen Lehrerstimme", Septemberheft 1919) mit Bezug 1 auf die Judentaufen, es wäre sehr erwünscht, daß die Juden innerhalb der Deutschen aufgingen, um dadurch eine Verbesserung der deutschen Nasse zu erzielen. Diese Aeußerung' eines Mannes, der eine Autorität auf dem Gebiete der vergleichenden Rechts- Wissenschaft, sich auch mit der wissenschaftlichen Erforschung des talniudischen Pechtes befaßte,^ zeigt uns, welche hohe Meinung auch ein Nichtjude, wenn er tatsächlich in die Tiefen des jüdischen Geistes eingedrungen, über die jüdische Nasse hat. — So hat auch z. B. Nietzsche, der Bewunderer der jüdischen Bibel, die jüdische Rasse gewundert —; sie ist uns aber auch eine ernste Mahnung unsere Raffenreinheit ruft allen Mitteln zu wahren. Die zionistische Iahreskonferenz in Amerika. Ein -)udget von drei Millionen Dollars. Ueber die Jahreskonferenz der zionistischen Landesorganisationen Amerikas, welche Mitte September eine Woche lang in Chicago stattfand und von der wir schon des öfteren berichtet haben, entnehmen wir den amerikanischen jüdischen Blättern, die jetzt hier eingetroffen sind, noch folgende interessante Einzelheiten: Anwesend waren 714 gewählte Delegierte und mehrere tausend Gäste. Die größten Ovationen wurden dem Ehrenpräsidenten der Organisation, Oberrickter Louis D. Brandes, dargebracht. Sowohl Brandeis als auch Professor Frankfurter referierten über die Lage in Palästina und über die politische Arbeit der Delegation in Paris. Bereits nach Beginn der Tagung machte sich eine lebhafte Opposition bemerkbar, die insbesondere eine Demokratisierung der Leitung als ih׳ Programm verkündete. Die Opposition wote schon! Wahl eines Präsidenten verhindern und verlangte, d ״JSdisch« B-lk-stimm«" Nr. 31. für jede Sitzung ein eigener Präsident gewählt werde. Während dieser Antrag abgelehnt wurde, hatte doch in der.Schlußsitzung die Opposition einen gewissen Erfolg mit ihrem Antrag, daß die künftige, fünfzig Mitglieder umfassende Exekutive nicht mehrvom Parteitag, sondern durch direkte 29,7’ in den einzelnen Distrikten gewählt werden solle. Diescr Antrag wurde schließlich zum Beschluß erhoben, jedoch mit der Modifikation, daß dieser neue Wahlmodus erst nach -einem Jahr in Kraft treten soll. Je 3000 Mitglieder eines Distriktes sollen künftig ein Mitg>.i< in diL Leitung entsenden. Bezüglich des künftigen Zionistenkongresses wurde eine Resolution angenommen, daß der Kongreß in Jerusalem stattfinden soll; sollte dies nicht möglich sein, so wird seine Abhaltung in Amerika gefordert. Ein Antrag auf Diskussion der Einwanderungsfrage wurde abgelehnt, dagegen eine Resolution angenommen, daß eine internationale zionistische Koinnki-ssion sich mit der Angelegenheit befassen und einen Bericht über ‘ die Möglichkeit der J freien Einwanderung nach Palästina - veröffentlichen soll. Hierbei wurde bemerkt, daß, wenn! man die Tore Palästinas vor der Einwanderung j schließt, man denjenigen in die Hände arbeiten würde, ׳ die. auch Amerika gegen die Einwanderung absperren! wollen. ' ' j Das Budget für das. kommende Jahr wurde! mit drei Millionen Dollar festgesetzt : (das ist in österreichischem Gelde ungefähr dreihundert Millionen Kronen). Ungefähr die Hälfte dieses Betra- 1 ges sind für die Kosten der Palästinakommission be- I stimmt, 154.000 Dollar für. die Bedürfnisse besonderer! Zentralbureaus, 160.000 Dollar als Unterstützungsfonds für die zionistischen Landesverbände in Polen. Rumänien und anderen durch den Krieg ruinierten Länder. Eine halbe. Million Dollar sind für die administrativen Ausgaben der amerikanischen Partei vorgesehen. 25.000 Dollar sind bestimmt, für die Errichtung eines industriellen׳ chemischen Laboratoriums in Pulästina. Eine lebhafte Debatte rief ein Antrag auf Schaffung einer jiddischen Tageszeitung als Parteiorgan hervor. Gegen diesen Antrag sprach sich auch Brandeis aus, weil er einerseits die Sache für zu kostspielig und kräfteraubend hält, andererseits ngx hebräisch und nicht ׳jiddisch als Nationalsprache anerkennt. Brandeis wies darauf hin, daß die meisten der bestehenden Zeitungen ohnedies mehr oder weniger Zionistisch sind und daß es nicht darauf ankomme, nur darum eine Zeitung zu schaffen, damit die Leitung ein Organ habe, von dem die Opposition ausgeschlossen ist. Der Antrag , wurde trotzdem vom Parteitag einer Kommission zur Durchführung überwiesen. 1 Bezüglich der Arbeit in ׳Palästina wurden zehn Resolutionen angenommen/ welchv zum größten Teil Anträge an die Leitung der Weltorganisation bezüglich der Schaffung ökonomischer -Möglichkeiten, der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse usw. enthalten. Eine Resolution fordert die Abschaffung der Chalukkah und die fystematische Ueberführüng der Almosenempfänger zu produktiver Arbeit. Der wichtigste Punkt ist jedoch die Resolution bezüglich des Pittsburger Programms, das bekanntlich das Prinzip der Nationalisierung des Bodens und die Forderung sozialer Gerechtigkeit in Palästina ausspricht. Die bezügliche Stelle im Chicagoer Beschluß lautet: »Die Konferenz beschließt, an den Prinzipien des Pittsburger Programms bezüglich der ökonomischen Basis der nationalen jüdischen Heimstätte festzuhalten, die Durchführung einer Massenkolonisation in Palästina zu studieren und vörzubereiten und die amerikanischen De- 'legierten zum nächsten Zionistenkongreß zu verpflichten, ihren Einfluß aufzubieten,'um in der Gesamtorganisation das Pittsburger Programm durchzusetzen." In der letzten Sitzung wurde die frühere Leitung mit Brandeis als Ehrenpräsident, Julian Mack als Präsident, Stephen Wise und Friedenwald als Vize- Präsidenten wiedergewählt. Wilhelm Wachtel. Von E. K ö n i g. Er gehört unseren Wenigen an, die nicht äußerlich jüdisch als Künstler produktiv sind/-vielmehr entspringt sein Schaffen dem tiefsten Bewußtseinsempfinden unseres Volkes. Er gleicht dem Dichter der den Willensschrei und Traum einer großen Gemeinschaft verkündet und als geistiger Repräsentant die ausdruckvollste Seele seiner Masse der er entwachsen, bildet. Wilhelm Wachtel dichtet in Farben. Diese poetische Malerei soll «her nicht als krasser überirdischer Gegensatz eines getreuen Realismus aufgefaßt werden, seine Motive sind vielmehr unserer schicksalsschwersten Gegenwart entnommen, wobei sie in den Händen deS Meisters zu hohen, abgeklärten Kunstproblemen ge« meißelt werden. Das Packende der Wachtel'schen Kunst ruht vor allem in der reinen Originalität. ׳Mag der Künstler.in München oder Paris von so manchem Lehrer was erhascht haben, paßt doch hier Karl Mar« xens vorzügliche Bemerkung, es gebe keine guten Leihrer, nur güte Schüler. In der Tat bildet Wächtels Farbentechnik die interessante Erscheinung; etwa durchsichtig und zugleich trüb, harmonisch mit der derschleiertcn dunklen jüdischen Psyche der Diaspora. Zum Unterschiede von den bizarren Judengestaltcn eines Leffer Ury oder den mehr ins Plastische hinübergreisenden Personen Kaufmanns, sind die Typen WachtelS elastisch, lebendig und weihevoll wie - Perezsche Schopfung. Diese weihevolle Stimmung durchzieht seine Samstag- und Feiertagsbilder der jüdischen Gaffe, sei es bei der Wiedergabe eines Sederabend in dem eine fromme Familie bei der Hagada versammelt den Prophetcn Elias erwartet, (man denkt da unwillkürlich an des Deutschen Fritz Nhde Uebcrbrückung zwischen Romantik und Realismus) sei es beim Heimgang vom Tempel, ivobei die ganze Gemeinde in festlichen Ge« wändern dem voranschreitenden Rabbi folgt; meist hagere Gestalten, denen ein Fasttag eine Glorie heiliger Erhabenheit zu verleihen imstande ist. Eines der idyllischesten Bilder solcher Art, ist seine herrliche Schöpfung, die uns am Freitagabend durch ein kleines Fenster eine Jüdin beim ״Lichtbenschen" sehen läßt. Draußen ein modern gekleideter Mann, vielleicht der Künstler selbst, den Kopf an die Scheibe gelehnt, träumerisch an die eigene vergangene Jugendzeit zurücksinnend... Unstreitbar liegt Wächtels Kraft in seinen Flüchtlingsbildern. .Ob diese unglücklichen Opfer,״von kulturblinden Schergen des Zaren davongeschleppt und aufs Blut gepeitscht werden, oder ob wir diese armen Vertriebenen am Wege wo rastend antreffen, einen alten gebrochenen Greis, apatisch-trauernd Weib und Tochter, müde Enkelein, ein unbekanntes Ziel auf der Wan-׳ derung in die Fremde... sie mögen als flammender Protest gegen den Kriegswahn der gesammten Kultur« Menschheit vorangestellt werden, es mögest sich darin' die grauenhaft verzerrten Züge der Ethik unseres Jahr- Hunderts abspiegeln. Wächtels Kunstverdienst liegt hier in den lebhaften Augen seiner tragischen Gestalten; sie blicken mit den Augen der Seele wie Shakespeare sagt und fesseln den Beobachter in den Bannkreis ihrer Leiden. Und abermals staunt man über dieses dunkle Farbenspiel das in keiner Weise der Be- Handlung des Stoffes fernstchf. Wilhelm Wachtel ist auch ,der Maler unserer hoffnungsvollen Zukunft und merkwürdigerweise knüpft ihn dieser Hand zur idealen Zukunft an die glorreiche Vergangenheit unserer Geschichte.. Seine biblischen Gestalten übertreffen mit ihrer ruhevollen Stimmung das Pompöse E. M. Liliens. Das Prachtvolle Motiv der Prinzessin Saba mit dem Anhauch eines Märchens wird das treueste Dokument jüdischer Renaissance-Kunst bleiben. Auch als Meister der Studie ist Wachtel unserer Malerei eine Sensation; hervorzuheben wären hier die jüdischen Mädchenköpfe mitden interessanten Physiognomien problematischer Natu-ren die ein rastloser Seelenstreit zwischen Judentum. und Weltgift durchwühlt. Unrecht. Aus dem Hebräischen des S. Schneur von Ab. Kohane. Es hassen joie Sonne die Schatten, Alle wie sie sind klein und groß, Alles was glänzt ohne jeglichen Grund Hassen sie erbittert, ausnahmslos! Tagsüber verstecken sich die Schatten, In den Wäldern und in jeder Grott, Heimlich und versteckt lauern, sie, Den Lichtheld wollen sie schlagen tot! Es dringt aber die stolze Sonne Mit ihrem vernichtenden Flammenmeer Das warme Lachen ist ihre Kraft, Die Strahlen ihre Pfeilen, Gewehr! Es beben unzittern die Schatte«, Borm erhabenen Sieger der erschreckt, ״Wie. die meuternden Negersklaven, Deren Aufstand man plötzlich entdeckt!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.