Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 31 (24.10.1919)
- Date
- 1919-10-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 81. 6rit< S WA real und praktisch denkende Menschen müssen Mir nun einmal feststellen, wie viel Juden in Palästina einen entsprechenden LebenSerberw finden können, da durch Klotze Emigration beziehungsweise Einwanderung noch nichts getan ist, so lange die Einwanderer nicht Beschäftigung finden. Da find nun die Meinungen geteilt: in sehr optimisch gehalten statistischen Werken findet man nun die Anschauung, daß selbst bei starker . Industrialisierung nicht einmal, ein viertel aller Das Eheresormgesetz im tschechoslowakischen Staate. Bon Dr. G. Rosenmann, Rabbiner in Mahr.^ Schönberg. Fortsetzung (von Nr. 88). L Das Verbot der Mischehe seitens des jüdischen Jrchen im Laufe des nächsten halben Jahrhunderts Religionsgefetzes dürfte vielleicht angesichts des interwerde« einwandern können, sodatz also mindestens drei konfessionellen Ehegesetzes als rückständig und intolleviertel der Judenschaft in der Diaspora Zurückbleiben mLtzfen: dies eine sehr optimische Schätzung. rant oder als Folge eines beschränkten Raffenstolzes erscheinen. Allein eine genauere Untersuchung der Be- In welchem Verhältnis werden nun die in der weggründe dieses Verbotes zeigte klar und deutlich. Heimstätte lebenden Juden, zu denen in der Diaspora. daß es einzig und allein die Reinerhaltung der jüdischen stehen? vor allem würde ein jüdisches Palästina, das' Religion und deren Träger, des jüdischen Stammes heitzt ein Palästina, daS zur Majorität von Juden bewohnt wird, allen eingcwanderten Juden Lebensunterhakt besonders in der Landwirtschaft bieten: dadurch würden die Juden, hauptsächlich aus den Ostländern, die bisher einen produktiven Erwerbszweig nicht ergreifen durften und daher größtenteils nebst dem politischen Druck unter furchtbarer wirtschaftlicher Not, verstärkt durch Uebervölkerung und in großer Unwissenheit lebten, endlich einmal auch zur Landwirtschaft und anderen direkt produktiven Arbeiten greifen und würden sie, die sich unter solch' kümmerlichen Cxistenzbe dingungen so zäh erhalten haben, geistig und körperlich Anschauungsweise beeinflußt zu werden und gleich einen rjpstgen Aufschwung nehmhen. Aufblühen würde * " "" " unserkkuralte Kultur, die sich im Ghetto erhalten hatte, und immer erneuern und verstärken würde sie die jüdischö Kultur in der Diaspora. Aber nicht nur für die Einwohner in kultureller1 und wirtschaftlicher Beziehung und in kultureller Be in das Europäertum einführte, trat mit -er allmählichen Emanzipation -er Juden und deren stärkeren An- Näherung an die Völker, eine Erschlaffung des jüdischen Empfindens, ein. Besonders erzeugte die kulturelle Assimilation den Drang zur gesellschaftlichen Affimilation, das streben nach nationaler Auflösung und völligcr Verschmelzung mit den Nichtjuden. Diese Tendenz trat bald in der Tauf» und Mifchehebewegung zum Vorschein, zunächst in jenen Westrändern, woo die materiellen Verhältnisse der Juden sich besser gestaltet hatten und sie an einer intensiven Anteilnahme an der Völker Kultur unbehindert waren. Zuerst also in Frankreich,,England, Italien und Deutschland. Dann kam auch Oesterreich und Ungarn an die Reihe, besonders mit ihren Hauptstädten Wien und Budapest. Die dem Judentume drohende Gefahr der Tausseuchc wurde schon längst erkannt, und in größeren und kleineren Werken, in ungezählten Vorträgen und A.rtikeln deren Ursachen erörtert wie auch Mittel zu deren Bekämpfung vorgeschlagen. Weniger beobachtblieb die Gefahr, die die Mischehe in sich birgt. Unser hervorragende Raffenforscher Zoll sch an w ixp erste, der in seinem klassischen Buche »DaS Raffen- Problem", und dann auch in einem im Dezember 1Ö10 in der österreichisch-israelitischen Union gehaltenen Vortrag: ״Taufe, Raffe, Zukunft" auf Grund statistischer Erhebungen darauf hinwies, daß mehr als die Taufe, die Mischehe eine Verminderung des Bestandes ihnen dem Verderben zu verfallen» | der jüdischen Bevölkerung herbeiführe. Beide leiten Bezüglich der Egypter und Cdomiter bestimmte denselben Prozeß des EinsickernS und Verschwindendie Thora, daß man mit dem dritten Geschlechte, de,n' jüdischen Blutes in der umgebenden, an Zahl weit Enkel und der Enkelin eines zum Judentum übergeüberlegenen raffenfremden Bevölkerung, ein. Die Mischtretenen Edomiters oder Aegypters sich verheiraten eheziffer ist aber eine'bedeutend höhere als die der dürfe. Durch diese Zulässigkeit sollte das Verwand- Taufziffer, weshalb die Mischehe noch auflösender und ' zum Ziele hat. So hat die Thora die Ehen mit den , sieben kanaanitischen Völkern, ebenso mit den Söhnen der Amoniter und Moabiter mit der ausdrücklichen BcgründuyL verboten» damit Israel, das Gottesvolk, das den Einig Einzigen in ungetrübtem Glauben ver-!ehren«, in Heiligkeit und Reinheit leben und Gerechtigkeit und Liebe üben, mit jenen heidnischen Völkern, in deren Charakter Roheit und Gewalttätigkeit2) lag, und die in Aberglauben, Unzucht und götzendienerischen Gräueltaten entartet waren,») jede Vermischung aufs strengste meiden füllte, um nicht von ihrer Lebens- ׳und ziehung für die im Galuth lebenden Juden -würde der! ^^s^efuhl Edom und dre Dankbarkeitsgesinnung zersetzender auf den jüdischen Volkskörper und die jüjjiMjuiia 1 t L'ju•. .״•»־ Aegypten gegenüber dokumentiert werden. ״Weise öen bifcfip TrrrhiHnrr tmrfp ״ra w״ Bestand eines jüdischen Palästinas hochwichtig fern, es; ״Li. ... . s . J . j *״»»׳tton wirke als die Taufe. Würde auch in politischer Beziehung einen starken' Edomüer nicht ganz zuruck, denn er ist dem Bruder,! Begreift man nun, weshalb das jüdische Ehegeseh Rückhalt für die Diasporajuden bilden. Alle Völker,?. du"in ^seinem Landers B^M 23™8 ^Mit ׳i״! bie aÄi^c verbietet, und daß dieses Verbot jetzt erst wenn sie auch in manchen Ländern als Minorität lej ז״״ * ' ' .* * *Y* «> «.• 1 ־ recht mit aller Kraft jüdischer Lebensbejahung von je- ־ . ’mIlcn anderen Volker war erne ehe ich Verbm- &cm J^en, in dem noch ein Funke Liebe zum jüdischen düng nach deren Uebertrrtt zum Judentum, statthaft.») T* ״ .... , Ls- .... ׳ . .. 0 . . , ״ Volke und emen erhabenen Traditionen lebt, befolgt Die öftere Uebertretung dieser Eheverbote wah- ׳ ׳ » rcnd der Richter-«) und Königszeit?) bewirkte eine re-! —. ' ligiöse und nationale Erschlaffung des israelitischen' 6^uhrt auch das hohe Verdienst in licht- Volkes und führte dpn Untergang des ersten jüdischen voller Ausführung gezeigt zu haben,") daß die Misch- Staates herbei»)! e*e auch in antropologischer Beziehung für uns Juden Diharten ^Hicks-lsschläg-- wirkten läuternd. Die ™״ff ins Exil ßcratencn Judäer wandten einen besonderen-.. ~ ff ■ 5 ... tcn bmunp. aß Eifer an. die Borschristen der Lehre zu befolgen und «-ssenk-euzung überhaupt °°m B°rt«l s°>. Allem Sün. haben in einem Lande, wo sie die Majorität bil den, eine mehr oder weniger starke Stütze, so die in -Tschechoslovakien lebenden Deutschen in Deutschland und Deutschösterreich, die in Polen lebenden Ukrainer an der Akraina usw. und nur wir Juden haben bis jetzt allein daS furchtbare Schicksal gehabt, überall als MinoritLt leben zu müssen. Und wenn unsere zukünftige Heimstätte ein noch so kleiner Staat sein wird, so wird er doch ein selbständiger Staat sein, der früher Bundniffe mit anderen abschließen konnte und in der nachsten Zeit im Völkerbund vertreten sein wird. Daher Muß jeder Nationaljude im eigenen Interesse auch Palästinapolitik treiben, genau so, wie jeder Zionist, wenn er nicht die Mehrzahl der Judenheit der Assimilation und damit dem kulturellen Untergang preisgeben will, auch Diasporapolitik betreiben muß, damit alle Juden volle politische Freiheit erhalten. AVer mit der politischen Freiheit allein ist uns ja nicht gedient, wenn wir nicht auch wirtschaftlich frei sind und aller Not enthoben. Wir müssen daher auf freisozialistischer Basis Palästina bewirtschaften, nicht auf kapitalistischer Grundlage; denn dann würde der Arbeitsertrag des Volkes einigen Kapitalisten zufließen und die Mehrzahl müßte genau so darben wie früher. Nebst einer Bodenreform im Sinne Franz Oppenheimers müßten auch alle anderen Produktionsmittel sich im Besitz der Arbeitenden befinden — womit nicht gesagt ist, daß das Privateigentum, sondern nur das an Produktionsmitteln beseitigt werden soll — und die einzelnen Menschen in Genossenschaften vereint sollen den ihrem Fleiß, Wissen und ihrer Geschichtlichkeit entsprechenden Ersatz am Arbeitsgewinn erhalten, die heutige ״freie" Konkurrenz sooll zur freien und gleichen Konkurrenz erweitert werden, indem jedem von der Allgemeinheit die notwendigen Produktionsmittel zinsenlooS vorgestreckt werden. Nicht dem Reichen, sondern dem Tüchtigen freie Bahn! Nur dann, wenn Palästina uns sowohl ״Altneuland" im Sinne Theodor Herzls und ״Freiland" im Sinne Theodor Hertzkas sein wird, wenn alle Juden volle politische und wirtschaftliche Freiheit in Palästina und in der Diaspora gefunden haben, dann haben wir unser Ziel erreicht und können weiterstreben im Bunde mit allen anderen Nationen zum Heil der Menschheit. Fr. Sch . . z. ihre nationale Reinheit zu bewahren, Judäer zu sein und zu bleiben.») Auch im Stammlande Palästina, wo ein Teil der Landesbevölkerung zurückgeblieben war, war der Götzendienst seit der Exilzeit verschwunden. Allein durch den politischen Verfall, den Druck der Satrapen r;nd den Einfluß der benachbarten Samaritaner trat hier eine Lockerung des religiösen Lebens ein. Es begann wieder die verderbenbringende Verschwägerung mit den fremden Völkern. Die Kinder lernten von den die neuesten, grundlegenden Forschungen haben zur Evidenz erwiesen, daß nur ganz nahe verwandte Rassen eine Verbesserung erfahren können, daß dagegen die Vermischung verschiedenartiger Völker einen Bastardtypus hervorbringt, dessen Charakter unter dem Niveau der beiden Elterneigenschaften“ steht. Zollschan zeigt an der Hand der Geschichte die Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Erkenntnis. Mcm denke beispielsweise an die blühenden Nationen des alten Orients, M. Hlekl, Verlags-Buchhandlung BrSan, «Md I. — Wien VIII., IMMU II. ״ t 1 ״ .ל Von den Indern nnd Persern brs zu den Aegyptern und heidnischen Muttern deren Sprache und verlernten das ~ v . . r Tz '. .. ״ _ ” ,z, . I \ ״ X w - »e Hellenen, und vergleiche ihr früheres Schaffen, und Hebrmsche.io) Die fremden Sitten und Brauche wirkten - •! v ' <! Z.. V ' — , 0 . , . Wirken mit demjenigen von der Zeit angefanaen, wo trübend auf das indische Wesen und gefährdeten den .. . . *J0 _ . »» « » t . “ ״ 7' ' . ’ ״ ' . die Fluten der Völkerwanderung über sie herembraim Schmelzofen des Elends wredergewonnenen reinen .. . . .. “ . ל 0 1 ״ ג; chen. Wre tüchtig waren dre alten Römer und wie de- Gtau en. ) | generierten sie durch die Verschmelzung mit fremden In dieser für den Fortbestand des Judentums auf Völkern. Wie hervorragend schöpferisch waren die alten palästinensischem Boden, so kritischen Zeit trat Esra und wie veränderten sie fich, als Griechenland auf den Schauplatz der Geschichte. Dieser hervorragenslgtvische Volksstämme in sich aufnahm. Man denke Sam Xip Xrtnrfirtt-p Wrtffttnp!♦• hpn phrprrnpn I , ״ r . . . ״. . . an das Durcheinander hon Germanen, Slaven und de Mann, dem die dankbare Nachwelt den ehrenden Ti tel des «zweiten Moses" gegeben Hat,r2) kam in Begleitung mehrerer Gesinnungsgenossen aus Babylonien nach Jerusalem, um das verfallende Judentum aus neuen festen Grundlagen aufzurichten. Mit klarem Blick erkannte er, daß die Wahrung der Stammes- und Familienreinheit eine Grundbedingung für den Bestand des jüdischen Volkes und seiner Religion sei. Er trat daher mit heiligem Eifer gegen die Mischehe auf und setzte durch belehrende und zündende Worte deren völlige Beseitigung durch. Es war dies ein Werk, das für die ganze Zukunft des jüdischen Bottes entscheidend war. Die strenge Verhütung vor ehelicher Vermischung mit anderen Völkern bewirkte nämlich, datz das jüdische Volk trotz seiner Zerstreuung fich im Gewühlder Bötter nicht verlor, vielmehr seine reine Gotteserkenntnis und seine nationalen Tugenden stets bewahrte. Sie bewirkte ferner, um mit dem Soziologen Noffig zu sprechen, daß der erste raffenbildende Faktor, die.Vererbung, seine Wirkungskraft in höchster Potenz betätigen konnte, indem ta geistigen und sittlichen Vorzüge des jüdischen Bottes nicht nur unvermindert von Generation auf Generation übergingen, sondern dank der Inzucht sich stets steigerten. So erst konnte das Bott entstehen, welches Ibsen den »Adel der Menschheit" nennt.r») Seit dem Ende des 18. Jichrhunderts, der Zeit der französischen Revolution, die das westliche Judentum Tartaren in Rußland, und das Schwankende nnd Haltlose im russischen Bottscharakter wird erklärlich'. Dagegen haben einzelne kleinere Bötter, die seit Jahrtausenden sich rein, erhielten, wie Armenier und Juden, ihre Kulturfähigkeit bewahrt und vermehrt. Auch in der Gegenwart läßt sich die ungünstige Wirkung der Kreuzung, in Ländern mit Mischlingsbevölkerung beobachten. In Indien ist mit dem Fortschritt der Rassenkreuzung die Kultur zurückgegangen. ׳Trostlose Zustände herrschen in den mittel- und südamerikanischen Mischlingsstaaten, deren kulturelle Stagnation und politische Haltlosigkeit in einem auffallenden Gegensatze zu der raschen und zielstrebigen Entwicklung der Bereinigten Staaten und Kanadas, steht. Diese Zustände in Mittel« und Südamerika können ficherlich als Folge der Rassenkreuzung gelten. Ditz Kolonisation hat eben überall dort Erfolge gehabt, wo, wie in Nord; amerikq, die erobernde Raffe eine Kreuzung vermieden hat. In Brasilien herrscht dagegen ein unbeschreiblicher Mischthpus, dessen körperliche, geistige und vor allem moralische Energie jämmerlich geschwächt ist. Bei den Eingeborenen Südafrikas gibt es ein׳ Sprichwort: Gott hat den weißen Menschen gemacht. Gott hat den schwarzen Menschen gemacht, aber der Teufel hat den Mischling gemacht.