Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 30 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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t Nr. 30 schem Denken und in der Methode politischer Arbeit verehrt. Die Jüdische Rundschau bringt einen Leitartikel über die Arbeit von Jacobson. Er erscheint als der neue Typus des jüdischen Politikers, den man in der zionistischen Bewegung kennen lernen und fcsthallen will. Geboren in Simferopol, war ihm das Denken, das geistige und künstlerische Schaffen des russische׳ Volkes von Jugend auf vertraut und ebenso wie die Werke der modernen Dichtung und Wissenschaft, so audj das gesellschaftliche und soziale Leben dieser Völker. Er war der erste, der in der Araberfrage eine auf voller Würdigung des arabischen Wesens beruhende Politik der Freundschaft mit den Arabern empfahl. Victor Jacobson hat immer Wert darauf gelegt, im öffentlichen Leben Zurückhaltung zu bewahren. Und der Diplomatenzug in Zürich nur 8 Minuten, — war wenn seine Persönlichkeit der großen Masse nicht so Dr. Benesch so liebenswürdig, den Herausgeber der vertraut ist als die anderen zionistischen. Führer, so ״Jüdischen Preßzentra'le Zürich" zu einer-Unterredung hat er den Zionismus gelehrt, Völker und Menschen zu empfangen, in der er sich über die Stellung der in ihrem Tun richtig zu bewerten undhat gezeigt, wie tschechoslovakischen Regierung zur Behandlung der Ju-. Leidenschaft und * Phantasie mit Klarheit und Besondenfrage in überaus wohlwollendem Sinne verbreitete.! nenheit verbunden sein können. Auch wir veglückwün- Der Minister verwies unter anderem auf die verschen Jacobson zu feinem fünfzigsten Geburtstag, mit schiedencn freundlichen Erklärungen des Präsidenten | dein Wunsche, daß er noch lange zu den Baumeistern Ate dir jüdische Presse mitteilt, soll Morgenthau diese ״Aufklärung" stillschweigend ausgenommen haben. Je- -er Kommentar könnte nur abschwächen. LavMttenfest. ' Interview mit Minister Dr. Benesch. Nrw Paris kommend, wo er die außenpolitischen Fragen der Tschecho-Slov'akei an der Friedenskonferenz erfolgreich vertrat und wo er Gelegenheit hatte, mit den nationalen Führern des jüdischen Volkes in engere Fühlung zu treten, begab der tfchechoslovakische Mini des Aeußern, Exzellenz Dr. Benesch, sich dieser Tage nach Prag zurück. Der Minister passierte im Ententczug Zürich, trotz der äußerst knapp bemessenen Zeit, die dem Minister zur Verfügung stand, — bekanntlich hält gehöre, die das zionistische Zukunftsgebäuöe erstellen. N. Godfried. Das Verbot des Singens der Nationalhymne. Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird aus Masaryk und des Ministerpräsidenten' Tusar hin und erinnerte an die von ihm wiederholt zum Ausdruck gebrachte günstige Stellungnahme zu den nationalen Bestrebungen der Juden und zur ganzen Behandlung der Judcnfrage. ,I warmen Morten und in sehr herzlich gehalten Palästina berichtet: Das Verbot des Singens der Ha- , nem Tone führte Exzellenz Dr. Benesch aus: ״Es ist ja j tikwah an öffentlichen Stellen in Jerusalem hat beweiteren Kreisen bekannt und das ״Komitee der Jüdigreiflicherweise unter der jüdischen Bevölkerung große schen Delegationen an der Friedenskonfernz" in Paris Verstimmung hervorgerufen. Der Beseht spricht allerweiß zur Genüge,׳ daß ich die zionistischen Ideen schätze dings nicht von der jüdischen Nationalhymne. Er ver- und der national-jüdischen Bewegung sehr freundlich bietet das Singen jeder Nationalhymne, mit Ausnahme gegenüberstehe. Dieser meiner Ueberzeugung habe ich der englischen. Die Juden können sich aber dennoch wiederholt deutlich Ausdruck verliehen. Erst kürzlich nicht des Eindrucks erwehren, daß das Verbot speziell habe ich diese Ansicht in einem Brief ׳ an Dr. Ludwig gegen sie gerichtet ist, denn das Singen einer arabischen Singer, den Präsidenten des Jüdische,! Nationalratcs Hymne war in Jerusalem bisher überhaupt unbekannt, für die Tschechoslovakei, niedergelegt. Die hin und wie- Das Verbot kann sich also unmöglich gegen diese rirbder gehegte Befürchtung, die Juden der tschechoslovaki-ten. Die arabischen Zeitungen berichten auch, nicht schon Republik würden auch nur irgendwie den an-, ohne Stolz, daß das Verbot auf die Intervention des deren Bürgern gegenüber zurückgesetzt werden, ist irrig.' arabischen .Klubs in Jerusalem zurückzuführen ist. DI- .sch-ch°sl°°aNsch° R°g!°-ung wird mit -kirn Mi.. e#w״tgct el|t1mi( ״״״ u, 3i״־i8muä. teln bestrebt fern, etwcnge Mlßverstandmsse zu besei- Die ״Salsburger Chronik" lud unlängst ihre Leser Exzellenz Dr. Benesch schloß mit den Worten: ״Jcb'äum Besuche ejner Versammlung der christlichen Paläkehre jetzt nach Prag zurück und schon die allernächste stinagesellschaft ein. Was dieser Verein, dessen Haupt- Zukunft wird zeigen, wie gerecht wir die Behandlung sitz die Schweiz ist, will, ist mit einem Satz gesagt: der Juden durchführen werden. Ich werde mit aller Schutz und Pflege der für das Christentum heiligsten Kraft darüber, wachen, daß allen tschechoslovakischen! Stätten in Jerusalem und Unterstützung der dornigen Staatsbürgern eine gerechte Behandlung zuteil wird", j kirchlichen Organisationen. Eine Tendenz, derder in 1 Palästina das heilige Land sehende Jude mit größten. Die Jubenmorde in Transdanubien. ( Verständnis entgegentritt, die zu fördern eine sittliche Unter der Wucht der von der Ententepreffe gegen Pflicht jeder Behörde in Palästina bilden toird. Doch die gegenwärtige ungarische Regierung erhobenen An-' welche gemeine und dabei unsinnige Hetze macht eine klagen hat sich der Ministerpräsident Friedrich genötigt | ״Salzburger Chronik" daraus. Sie haben einmal, was gesehen, das zuzugeben, was er bisher als Ausgeburt für Salzburg ohnedies erstaunlich, etwas vom Zionis jüdischer Phantasie bezeichnet hafte. Er gesteht, wie die mus gehört; sie glauben, Las Land wird eine Reinkul- SB. M. Z. meldet, jetzt nicht nur die Judenmorde in' tur jener blootz auf ihrem Boden gedeihenden Spezies Transdanubien ein, sondern hat auch den Grafen Aü- Mensch, des Schiebers und Schleichhändlers werden drassh und Stephan Bethlen ins Hauptquartier des Und wütend wird über eine Bewegung, die sie nicht Oberkommandanten Horthy entsendet, um Verhand- { kennen, deren geistige Beweggründe ihnen unverständlungen über die Vermeidung" eines gegen die Juden; Iic§ sind, wie chinesisch, hergefallen, wird die Strömung gerichteten Bürgerkrieges einzuleiten. Diese Geschäft-! im Juden, die sie von der Judenplage so schön befreieg tigkeit darf uns nicht darüber täuschen, daß'sich an den könnte, als den religiösen Gefühlen zuwidcrlaufend, be- Regierungsshstem des Herrn Friedrich nichts geändert. kämpft. Aus der edlen Forderung hoher christlicher hat. Noch sitzen an den maßgebendsten Stellen der Re-! Kreise: ״Schutz den heiligen Stätten" wird ein ״Nieder gierung die durch ihre judenfeindliche Politik bekannten mit einem jüdischen Palästina" (das doch mehr als ir- Politiker, in Transdanubien Pronai, Kmety und andere Verbrecher, die abseits von jedem politischen Treiben stehende ^uden grundlos gehängt und erschossen häben. Wenn Herr Friedrich es wirklich ernst meint, so muh unbedingt verlangt werden, daß auch Juden bei den vorzrrnehmenden Untersuchungen zu Worte kammen« Aus den Reihen des Landesverbandes der Juden in Ungarn müßten die Männer herangezogen werden, die zu rVertretung der jüdischen Interessen an, der Untersuchung in den von Judenblut getränkten Gefilden Transdanubiens dorthin entsendet werden müßten. Nur so könnte Herr. Friedrich zeigen, daß er auch demokratische Forderungen zu würdigen versteht und durchzuführen gewillt ist. Die Schächtfrage. In Weimar tagte die 15. Konferenz des Verbandes deutscher Tierschutzvereine. Es lagen Anträge der Dresdener und Magdeburger Gruppen vor, ein Schächtverbot im ganzen Deutschen Reiche zu verlangen. Auf Antrag der Nürnberger Gruppe wurde mit großer Majorität Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Zum 50. Geburtstag von Herrn Jacobson. Am 24. September beging Victor Jacobson seinen gend ein anderes staatliches Gebilde >in Palästina bHächigt wäre, einen wirklichen Schutz für die heiligen Orte des Christentums zu geben). Am schönsten klingt aber die Schlußfordcrung, die deutlich die geistige Verfassung und Unernst dieser Zeitung zeigt, der in einem Atemzug ausgesprochene Wunsch, die Juden nur recht bald los zu werden, und das Ablehnen eines jüdischen Palästinas (dafür ein syrisch-mohammedanisches?) erscheinen uns nur dann vereint durchführbar, wenn die ״Salzburger Chronik" uns Luftschiffe für eine Emigration nach Mars und Mond zur Verfügung stellt. Entlassung jüdischer Bo'lksschullehrer in Ostgalizien. Sämtlichen jüdischen Volksschullehrörn in Ostgalizien wurde vom Vorsitzenden der Kommission des Landasschulrates in Stanislau, Jessenitzki, eine Erklärung zugeschickt, daß sie infolge ihrer Eidesleistung zur Zeit der ukrainischen Herrschaft jetzt in die polnischen Schnlen nicht übernommen werden. Charakteristisch ist, daß ukrainische Lehrer, die sich jetzt zum Dienste melden, ohne weiteres angenommen werden. Den polnischen Lehrern, die seinerzeit den Ukrainern den Eid geleistet haben, werden ebenfalls keine Schwierigkeiten gemacht. Damit ist es klar, daß eS sich um eine Maßregel Hanfünfzigsten Geburtstag. Der Zionismus feiert den Judelt, die zielbewußt auf die Entfernung der jüdischen Lilar in dem er die Lehre in der Erziehung zu politi- Lehrkräfte arbeitet.. Brünner Nachrichten. Generalversammlung des ״Makkabi", Verein für Turaen und Sport. Am 1. d. M. fand im großen Saaleder SchkSechater Bierhalle die Generalversammlung des BrütMer ״Rakkabi" statt, zu welcher eine große Zahl von Mitgliedern erschien. Der Obmann Dr. Sonnenfeld begrüßt die Versammlung und gibt einen allgemeinen Berits über das verflossene Bereinsjahr. Speziell berichtet er über die Erwerbung des großen Sport- und Turnplatzes (22.000 Quad.-Meter) ab 1. November d. I, und dankt den Herren Dr. Feldmann und Herrn Hoffmann sowie allen jenen, die an diesem großen Werke mitgeholfen haben. Er fordert alle Anwesenden aus, auch weiterhin mit allen Kräften an unserer Makkabibewegung zur Ehre unseres Volkes zu arbeiten. Tb. Piovaty berichtet über die Tätigkeit der Turnsektion, die heute eine Mitgliederzahl von IM aus-! übenden, 200 Zöglingen und 120 beitragenden besitzt.!v. ten turnerischen Rechenschaftsbericht gab das gelangene Schauturnen im Juni d. I.. bei welchem an 300 Turner und Turnerinnen aktiv teilnahmen. Weiterhin entsandte die Turnscktion Musterriegen nach DoSkowitz, Lu,idenburg und Proßnitz. Unsere während der Ferien auf Landarbeit in Gaha weilenden Tb. unterstützten den dortigen Makkabi. Zu erwähnen wäre noch die Purimveranstaltung für unsere Zöglinge, die durch die liebenswürdige Bewirtung unserer Jüngsten durch die Dainen der hiesigen jüd. Frauenorganifation trefflich gelang. Für die Geselligkeit der Großen sorgte eine Akademie mit abschließendem Tanz. Seine Ausführungen enden mit einem Dank an die gesamte Vortur-- nerschaft, speziell an die Turnwarte Gelbkopf, Keßler, sowie an die Turnlehrerin Frl. Zipper. Für die Sportsektion (Mitgliederzahl IM) berichtet Spb. Br. Spitz, aus dessen Bericht wir folgendes kurz entnehmen: Anfangs dieses Jahres traten einige Interessenten mit dem noch damaligen hiesigen Turnverein wegen Gründung eines Fußballklubs in Unter- Handlung, für welchen sich in Brünn regstes Interesse zeigte. Das Resultat dieser Verhandlungen war die Umwandlung des früheren Turnvereines in einen Verein für Turnen und Sport und die Schaffung einer Fußballsektion. Ich kann es nicht unterlassen von die-, ser Stelle dem Turnverein beziehungsweise der zehigen Turnscktion unseren wärmsten Dank für -me Unterstützung die sie uns in unserem Anfangsstadium geleistet hatte, auszusprechen. Unsere Sporttätigkeit, begann am 1. Juni d. I., es folgten dann in kurzer Zeit jeden Sonntag Wettspiele hier und auswärts. Trotzdem wir bisher über keinen eigenen Sportplatz verfügten, und unsere materielle Lage nicht die beste war, so können wir heute doch froh in die Zukunft blicken, nachdcrn die Platzfrage gelöst erscheint und das sportliche veau sowie das nationale Bewußtsein, für die blauweißen Farben den Sieg zu erringen, in steter Steigerung begriffen ist. Wir hoffen, durch unsere sportliche Tätigkeit neue Kreise für die Makkabibewegung zu ge- Winnen. Die Schtvimmsektion, über die Sektionsleiter Spb. Otto Piovaty referiert, umfaßt 41 Mitglieder, davon 11 Nichtschwimmer (7 hievon wurden bereits zu Freischwimmern ausgebildet). Bisher wurden 29 Schwimm« stunden abgehakten und zwar einmal loöchentlich im Charlottenbad. Es besteht weiters bereits eine gut aüsgebildete Sportschwimmriege, die sich im nächsten Frühjahre an ben öffentlichen Wettschwimmen beteiligen wird. Zum Programmpunkt ״Statutenänderung" spricht Tb. Breda. Aus seinen Ausführungen ist die Gliedsrung auf Organisierung des Brünner ״Makkabi" wie folgt ersichtlich: Der Perein besitzt nebst einem Ausschuß (oberste Behörde in nationaler, sportlicher und disziplinärer Beziehung, Repräsentanz nach Außen, Vcrwaltungsrat des beweglichen und unbeweglichen Vermögens; Wahl durch die Generalversammlung) aus Sektionsausschüssen (Sportausschüsse; Wahl durch die Sekiionsversammlung). Die Sektionsleiter werden als Delegierte und Sachverständige in den Bereinsaus--- schuß entsendet. Es fqlgen sodann weitere Detail-. Auf Antrag Tb. Schuschnys werden die Herren Dr. Feldmann, Hoffmayn und Tb. Dr. Sonnenfeld unter, brausendem Beifall der Versammlung zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Die hierauf erfolgte Wahl in der Bereinsausschuß hatte folgendes Ergebnis: Obmann: Dr. Sonnenfeld. 1. Bizeobmann: Herr Hofmann. 2. Bizeobmann: Tb. Keßler. 1. Schriftführer und Pressereferent: Tb. Breda. 2 Schriftführer: Tsch. Gyulai. 1. Hauptkaffier: Tb. Deutsch. 2. Hauptkaffier: Spb." Drucker. Bon den Sektionen wurden folgende Turn- und Sportbrüder in den Vereinsausschuß entsendet: Für die Turnsektion: Tb. Richard Piovaty. Für die Sport-