Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 30 (15.10.1919)
- Date
- 1919-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ctifc 4. Nt. 3a Steife danach: was werden unsere lieben Antisemiten dazu sagen? Durch den verrohenden Krieg ist die Sache noch schlimmer geworden. Der Krieg war keine IlmwertunA aller Werte, sondern eine Entwertung aller Werte. Die alten Normen der Moral sind ge- Wichen und neue sind an ihre Stelle nicht getreten, — also entstand eine völlige Anarchie. Die neuen Kriegsprozzen^die wir bekommen haben, sind die widerlichsten, und das Judentum hat wenlg Ursache, auf die neuen jüdischen Millionäre stolz zu sein.' ES ist bezeichnend für die sittliche Dekadenz dieser Leute, daß viele von ihnen auf das törichte Gerücht hin, daß die Zionisten ihr Geld aus Deutschland ausführen dürfen, sich ernstlich erkundigten, ob sie nicht mit ihrem Gelde nach Palästina gehen dürften. Das aber hätte noch gSfehlt, daß dieses Erew-Raw das Palä- Die Erziehung zum Judentum und im Judentum ist ein gar wichtiges Problem der Zukunft. Bericht über die Sitzung des Jüdischen Nationalrates am 14. September 1919. Zu dieser Sitzung, die vornehmhlich dem Bericht des eben aus Paris zurückgekehrten Präsidenten Dr. Ludwig Singer gewidmet war, haben sich die in Prag weilenden Rationalratsmitglieder, ferner die Vertreter des LandcSvolkSrates in Brünn, Dr. Karl Sonnenfeld, Siegfr. Keßler und Red. Max stinaprolilem noch schwerer machte. Die nußeren ®. ״ °>"S°u״d-a. V,z-p-°s,!>-nt Herr Rudels Kehn und inneren Schwierigleite״ dieses P-M-ms werdenI *״'.5“״“* *t“68״״ fm8C' "°s W°-'. mit jedem Tage größer. Man weis, nicht. Wad man,..״?-g.nnt mit der Darstellung der B-rhatt. van der Entente und ihren Wohltaten halten soll, und?,®sr sie ßch nach vor semerAbreise aus den Belman weiß nicht, ab unsere «rast anSreichen wird, all;fe0,m"' .״״ *?'״' *״״1?״fä diese Hindernisse zu überwinden. Schwerer aber noch de ln -anf-renede la pa.r m.t detsch-ch° l°v° üch°n als die Entwirrung aller palitis^n KamptikatiaE “*!?״״י®?f «'T 3 ."t s‘"14. ist die Auslese der Bevölkerung und die s-rnhaltung ״“ diesem «°m.tee ve-tre,-« durchs aller ungesunden Elemente. Rach ist ein undnrchfichti. r. «er Schleier über die palitischen Abfichten der Entente ־" ״ ״ ״ f‘״sb״f .?“״ ” Adler, gehüllt, und was durchsickert. ist wenig zuverlässig und ® lfl t“*1״'« de- P-°.s-r Kam..--- zu emem wenig -rsreulich. Sicher aber ist. daß heute, w° der °r°Kr» T-׳le °uch ,u,uschr°,b°n daß .n d.e Fr.ed°n-. Grundstein der neuen jüdischen Lebens aus den Ba-?7'"°° '^l den N°u0°b'ld°t-n Staaten B-st.mmung-n den unserer Väter gelegt werden soll, nur falche Inden uber den Schuh und d.e Rechte der °thn.,ch°n Spra. dahin gehören, die van rein id-al.n°ti°n-l°n Ma!i> °d°'" u״d R°l,g,°nSm.n°r.tat°n Ausnahme s-nden und vom Rationalrat eine entschiedenere Politik. Rednkeur H i ck l, Brünn, spricht zum Referate Dr. Engels Ihnen antworten Herr Zucker bezüglich der inne«v Politik, Dr. Singer bezüglich der Pariser Verhandlung«» und Prof. Engel in Flüchtlingsangelegenheiten. Die Brünner Vertreter erklärSn sich nach den erteilten Znfotmationen mit den Schritten des Nationalrates bull kommen einverstanden. Dr. "Singer und der Paris-r Delegation wird der Dank für ihre erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen, ebenso wird eine Resolution ange» nommen, die folgendermaßen lautet: ״Der י Jüdische Nationalrat, der die aufopferungsvolle und arbeitsreiche Tätigkeit Prof. Engels im Interesse -er Müchtlinge kennt, billigt alle von diesem׳ getanen Schritte und spricht ihm für die geleisteten Arbeiten seinen besonderen Dank und Anerkennung aus." Infolge vorgerückter Stunde wird die Sitzung geschloffen »ad die weiteren Punkte der Tagesordnung: slovakische Angelegenheiten, Berichte des Büros u. a. der nächsten Prüsidialsitzung zugewiesen. HundMtati. Die altkatholische Kirche und das neue Chegesetz. Heber diesen Gegenstand veröffentlicht der «ltkatholische Pfarrer W. zu Warnsdorf in der Prager;.Bohemia", Nr. 127 l. I., eine Abhandlung, die auf 5. B. M., 24, 1 fuffend, die in Gründe erörtert. — Dazu wäre zu benrerken, daß zitierter Vers lediglich vielleicht nie wieder gutgemacht werden. Besitzen wir aber heute die nötigen jüdischen Führer mit dem weitschauenden Blick? — Das ist die Frage aller Fragen. geleitet sind und dinoch nicht v°m mnt--i°Iistisch-n °uch besondere M.n°r.tat°nschuh°°r,roste nnt °.nz-^-n z w e, Sch-idungSgriinds-sts-tzt. disuch im -. ,. B Geist ange-rän-ett sind. Nichts kann di- Snche für di- ®!aatc" «W״® .7 "“» ״ °“f “7' £" ®1״ •יT״״״" ״® '"°"°° ־ Frau d-m M-nn- Zukunft so gefährden als di- Einwanderung d°n Leu. ®"יי*!* »"-m-Sufuhrend- B°gr.sssb°st.mmung d°r M,- i-n, denen alles GcMst ist. Dieser Fehler -önnie "°r>i-.'°n ° - rthu,fche. reltgwse und Sprachenm.nder. ' heiten bretet die Handhabe, eine Umgehung Vieler Vertragsbestimmungen durch willkürliche Interpretation des politischen Charakters der jüdischen Minorität von Seite der staatlichen Gewalten zu verhindern. Ueber- Wenn die Presse den Maßstab der öffentlichen! dies gelang es dem ״Comitee des delegationS juivcs Sittlichkeit bildet, dann ist es noch um uns nicht gut aupres de la conference de la paix" in den polnibestellt. Ich meine nicht nur die Presse, die lediglich scheu Vertrag besondere Bestimmungen über die' von Geschäft ist, oder die einer einseitigen Partei dient, den lokalen ErzichungSausschüssen zu gründenden jüsondern auch die jüdisch-nationale Presse,^ tzi^ doch den dischen Schulen und die Verhinderung der von den poljüdischen Geist in seiner Reinheit zu wahren berufen nischen Behörden häufig mißachteten Sabbatruhe durcyist. Das offizielle zionistische Organ Deutschlands ist zusetzcn. Für den Minoritätenvertrag, der mit der tschcin letzter Zeit nicht nur langweilig, sondern steht leider choslovakischen Republik abzuschließen war, sind diese auch.moralisch auf keinem hohen Niveau. Es stichelt auf die besonderen polnischen Verhältnisse zugeschnitkleinlich, wo ihm die Gedanken fehlen. So griff es vor tenen Spezialbestimmungen ohne größere Bedeutung, kurzem. Nathan Birnbaum in. einer geradezu Der Jüdische Nationalrat faßte darum den Beschluß, häßlichen Manier an und bezeichnete ihn ironisch als die aus seinem Präsidenten, Dt. Singer und dem neuen Rabbiner von Zürich, weil diesem Blatte die Mitgliede Markus Ungar, einem Vertreter der Orreligiöse Richtung unseres national-jüdischen D thodoxie im Nationalrat bestehende Delegation, der sich nicht gefällt. Weiß die Redaktion nicht, wer Nathan dann in Paris das derzeit in London lebende Mitglied Birnbaum ist? Weiß sie nicht, daß wir in den natiodes Nationalrates, Dr. Hugo Bergmann anschloß, nal-jüdischen Reihen noch keine" drei Männer von der zu ermächtigen, auf die Aufnahme dieser Spezialbegeistigen Bedeutung und dem sittlichen Ernst dieses stimmungen in den tschechoslovakischen Minoritäten»^״ Schriftstellers besitzen? Ich meine gewiß nicht, daß man trag kein Gewicht zu legen. Dr. Singer berichtete ausihn deswegen nicht kritisieren darf, wo man glaubt, führlich über die eingehenden Verhandlungen innerdaß er im Unrecht ist. Aber man soll es mit Gründen halb des ״Comite des delegationS juives", dessen der- und nicht mit hohlen Worten tun, und man soll sie in zeitiger Präsident Nahum So ko low ist, der in Aneine ernste würdige Form kleiden. Mit schlechten billigelegenheit der Minoritätsrechte der tschechoslovakischen gen Witzen einen Mann von dieser Größe abzutun, ist Juden mit Minister Benesch wiederholt längere Vergeradezu schmachvoll.Es gibt wohl eine Ethik des Handlungen gepflogen hat. Einen breiten Raum in den Kampfes, und gerade im Kampfe zeigt es sich, auf Besprechungen mit dem ״Comite" nahm die Frage ein. welcher sittlichen Höhe ein Blatt steht. Ueberhaupt die jüdische Presse! Sie bildet ein traurige» Kapitel dejüdischen Kulturgeschichte in D-. S.nger machte m,t den ubr'gen MM,°d°rn der Deutschland. Wir haben in Deutschland nicht zu wenig. D°l°gatwn w,°d--H°lt °uf d,- hesande« S,.ua«°n der sondern zu viel jiidische Z-iisch-ift-n. aber die Onan- Süden ,n der tschechasloval.schen Republtl. d,° van den tität steht in gar -einem Verhältnis zur Oualitai. Schon, Landern >nd,scher Massen!,edlung abweichende B-. der äußere Zuschnitt ist meistens Ileinlich und der I״. st-mmungen erfardert. ausm-rksam. Hwrans g,bt Dr. halt mager. Von nur wenigen wird man sagen dürfen, E,ncn 6«4״'tot«» Bericht über d-e mundilchen daß sie ihren Berns erfüllen. Uns fehlt Var allem ein Verhandlungen der Delegation mit dem Minister des großzügiges unp ° r. - iisch - » Blatt. Ich Dr. B-n-sch Der Minister gab ,,, ihrem meine nicht -in Matt, das mit -einer Richtung der. Berlau e neuer!,ch und NnederhoN seiner warmen derben will, allen ernsten Fragen ans d-m Wege geh. Shmpath,- snr d,° natwnalen Bestr-hnng-n der Inden und über alles den durchlöcherten Mantel der Liede Ausdruck. In längeren A°ssuh-ung°n c-drt-rte dann hängt, sondern -ine Unparie ilichl-it in hä'jDr. Singer da, E-g-bn,S di-ser V°rhand nng°n D-r nicht mehr gefällt, darf eine Scheidung plahgreifen, entsprechend das im § 115 erwähnten lürüberwindlichen Abneigung mit allen Begleiterscheinungen, wie bos- Haftes Verlassen usw. Daß auch die Frau das Recht hat, falls sie Mißfallen am Manne findet, ihn zur Abgabe eines Scheidebriefes zu zwingen, erklärt schon Talmud Kethuboth, Pag. 68. —Der zweite biblische Grund betrifft den Fall, daß der Mann einen körperlichen Fehler an der Frau entdeckt, der ihr Unvermögen betrifft, die ehelichen Pflichten zu leisten (ervatgemäß, arabisch ״anrat" — pudenda) und stimmt mit dem § 100 a. B. Gb. überein Die weiteren Gründe, wie der Fehltritt der Frau (Schamai), oder wenn sie in der- Kochkunst unerfahren ist (Millel), oder endlich von einer Nebenbuhlerin verdrängt wird (Akiba), lassen sich, wenn man will, aus dem biblischen ableiten. Dies aber nur «de j-ure". De facto erklärt Maimonides nur eine sittliche Verfehlung der Frau als hinreichenden Grund. — ״Wer seine erste Frau entläßt, über den vergießt der Altais Tränen." (Gittin daselbst.) Dagegen praktizierte der Chassidismus hier eine losere Moral, so daß namentlich im Orient, sehr häufig dagegen der Kadi einschreiten mußte. Denn auch der Koran erklärt sich gegen Erleichterungen in Ehescheidungen. «Wer z« seiner Frau die (vor Mohammed übliche) ScheidnngSformel: ״Du bist mir wie der Rücken meiner Mutter" spricht, mutz einen Sklaven freilassen, oder zwei Monate fasten oder sechzig Arme speisen, um dann mit ihr tveiter leben zu können . . . (Koran dure 2, 1*0). Näheres darüber an anderer Stelle. Dr. I. Eisenberg, Dobrzisch. Eisenbahnen in Palästina. Einer Zusammenstellung des L. Z. B. entnehmen wir folgende Mitteilung über den gegenwärtigen Stand Delegation wiederholt auf die besondere Situation der des palästinensischen Bahnnetzes. Folgende Linien sind in Betrieb: Kantara—Haifa 415 Km., Lud—Jerusalem 69 Km., Lud—Jaffa 20 Km., Nafa—Berseba BO Km-, ob eine einheitliche Regelung der nationaljüdischen Postulate, durch die Friedensverträge anzustreben sei. Haifa—Dera 104 Km., Damaskus- Kilometer, Haifa—Akko 17 Km. -Dera—Maan 460 Antisemitismus polnisch-jüdischer Affimilanteu. Auf Veranlassung des polnischen Ministeriums des Aeußern gab der Führer der jüdischen Assimilanten in Polen Henryk Nußbaum dem Botschafter Morgenthau ״Aufklärung" über die Judenfrage in Polen. Seih-r-m Sinne, eine Zeiiunz. dinllen Richtun«-״ °» ihre Spalten öffnet, um eine wirkliche'Klärung ernster Fragen zu ermöglichen. Bor allem sind heute, die jüdischnationalen Schriftsteller, die außerhalb des Zionismus stehen, — und eS gibt solche auch in Deutschland — zum Schweigen verurteilt. Den assimilatorischon Blättern sind sie zu zionistisch, und den Zionisten Renegaten. Man sieht daraus wieder einmal, wohin man gelangt, wenn man das Judentum zu einer Partei macht. Die Parteien vergessen tatsächlich gar zu häufig, daß es etwas höheres als die Partei gibt. Von dieser Seite droht uns eine große Gefahr, und die Männer aller Parteien, die den Sinn sür das Große und Freie im Judentum noch nicht verloren haben, muffen sich zusammentun, um hier Wandel zu schaffen. Dr. Eduard Fisch! gab in einer Dankeskundgebung an die Delegierten des Jüdischen Nationalrates, insbesondere dessen Präsidenten Dr. Singer seiner grotzen Freude über daS Erreichte und das von größtem Veräntwortlichkeitsgefühl und weitblickender Vorsickt geleitete Vorgehen der Delegation Ausdruck. Hierauf erstattete der Flüchtlingsreferent des Jü nischen Juden für die Judenheit in Polen ein Unglück. Gleichzeitig mit dem Antisemitismus blüht in Polen ein Antipolonismus der Juden, der hundertfach schrecklicher sei als der Antisemitismus. Die russische ffien: rung hat Polen von den Juden überschwemmen lassen, und da ist der Edelmut des polnischen Volkes zu bewundern, daß sein Antisemitismus bei diesem Verhältdischen Nationalrates Prof. Dr. Engel Bericht über 1 nis nur solche beschränkte Formen annimmt. Der polseine Fürsorgetätigkeit, besonders über die Leitung der > nische Antisemitismus ist nicht unmenschlich wie der Flüchtlingstransporte. Er gibt nähere Aufklärungen der anderen Völker Europas und gibt keine Beranüber den Bericht, der in der vorigen Nummer unseres laffung zur Intervention. Daß die Juden in Polen Blattes abgedruckt ist. ׳ noch immer ihr «häßliches Lallen" beibehalten, ist ein In der darauffolgenden Debatte ergreift Dr. Sonschreiender Beweis dafür, wie gering sie das Polonium nenfeld das Wort, um Wünsche und Beschwerden des schätzen. Die Klausel des Friedensvertrages über die Brünner Landes-Bolksrates vorzutragen. Er verlangt jüdische» Rechts wird den Juden nur Schaden bringen. ״Mls Mischer Bolkskalender".