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Jüdische Volksstimme · 1919-10-02 · Heft 29 (2.10.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 29 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 29 Seite 5. den einmütigen Anschluß an diese Organisation. Ein- Haltung her strengsten Disziplin in allen Belangen und die Förderung gnd Einhaltung aller von der bereits fleißig arbeitenden Leitung ausgehenden Direktiven. — Aufrufe ergehen in den nächsten Tagen an alle in Betracht kommetzdcn Kultusbeamten im tschechoslovakischen Staate. Zur Frage der Sa^batruhe. Im Warschauer Magistrat hatte im Mai Standtv. Wolfowitsch und Genossen beantragt, daß die jüdisti Läden, welche am Sonnabend geschlossen sind, am Sonntag offen sein dürfen. Auf Beschluß des Magistrats wurde dieser' Antrag der Abteilung für Handel überwiesen. Diese Abteilung hat nun ihr Gutachten dahin abgegeben, daß die Ueberlieferung und das Gesciz in Polen als Ruhetag den Sonntag anerkennen und auch in den Ländern Westeuropas und in Amerika der Ruhetag Sonntag ist. Auf Grund dieses Urteils hat der Magistrat in seiner Sitzung am 2. September beschlossen, den Antrag Wolfowitsch abzulehnen. Palästinensische Vertreter in Paris und London. Als Vertreter des Haschomer in Palästina trafen die Herren Blumenfeld und Schochat in Paris ein, wo sie mit Bäron Rothschild über die Ansiedlung von 160 Haschomcr-Familien Rücksprache nahmen. Als Vertreter der jüdischen Legionäre in Palästina sind die Herren B. Katznelson und Schochat in Paris eingetroffen, um mit den zuständigen Stellen in Paris und London über die Regelung der Frage der in Palästina der- ' bleibenden jüdischen Legionäre zu beraten. Der Vcrfreier des Hapoel-Hazair, Spcinzak, ist auf seiner Reise nach London ebenfalls in Paris eingetroffen. Die genannten Palästinenser hatten in Paris Konferenzen mit den dort anwesenden Mitgliedern des Zionistischen Aktions-Komitees und sind nach London abgereist. ’ Schiffahrt in Palästina. Die ״Jüdische Preßzentrale Zürich" entnimmt dem Bericht der ״Palestine Waters Commission", die aus den Ingenieuren Dr. M. Gurewitsch, Dr. M. Sultsch und Kantike besteht nachstehende Details: 1. Mit Hilfe der genannten Kommission wird bald ein jüdisches Fischereikartell gegründet werden. 2. Durch ihre Einwirkung hat eine private kapitalistische Unte״- nehmung in der Fischereibranche, die in Palästina mit Anfang dieses Monats ihre Tätigkeit aufnehmen wird, versprochen, hauptsächlich jüdische' Fischer zu beschäftigen. 3. Die Schiffahrtsgesellschaft besitzt bis jetzt zwei Motorschiffe, die den Kinereth-See befahren. Ein weiteres größeres Motorschiff, das den Dienst zwischen Haifa und Beirut versehen wird, ist im Bau begriffen. Es sind - ferner Vorbereitungen getroffen worden, weitere zwei Schiffe zu erbauen, die bis Aegypten verkehren werden. Die Arbeiten werden hauptsächlich durch Juden besorgt. 4. Die Kommission hat sich auch mit ider Ausbildung von Seepionieren beschäftigt um sie für den maritimen Beruf, Fischer, Matrosen uftu vorzubereiten. Gründung eines Fischerdorfes. Die ..Palestine Waters Commission" hat die Grünöungcincs Fischerdorfes beschlossen, zu welchem Zwecke bereits Baron James Rothschild die Ortschaft ״Tantorah" mit ihren großen Bauten geschenkt hat. Sowohl Rothschild als auch die ״Jca" haben versprochen, sich .an dem Budget des Fischereidorfes zu beteiligen. Morgenthau in Posen. Am Sonnabend, den 6. September, traf Morgenthau in Begleitung des Kapitäns Gotthard und eines zweiten amerikanischen Offiziers von Warschau kommend in Posen ein. Er ließ s^ine Ankunft sofort dem Jüdischen Volksrat Mitteilen und wurde daraufhin im Hotel de France, wo er abgestiegen war, von einer Abordnung des Jüdischen Volksrats mit den Herren Dr. Kollenscher und Alfred Markus an der Spitze sowie von den Vertretern der Posener Bne-Brith-Loge, den Herren Simon Viktor und Leo Calvary begrüßt. Am Nachmittag besichtigte er in Begleitung von Herrn Dr. Kol- Genscher eine Anzahl der Posener jüdischen Wohltätig- ״Erweiterten Ausschuß" empfangen. Namens der Ju-.tisches Verhalten der Polen unverckeidlich gemacht hat. denschaft von Stadt und^Provinz Posen begrüßte Herr!Die Juden waren Drückeberger, während die Polen ihr ' Blut für das österreichische Deutschtum vergossen haben. Während der ukrainischen Okkupation ergriffen sie die Partei der Ukrainer gegen die Polen. In Lemberg fand kein Pogrom statt, — heißt es in diesem Memorandum der polnischen Presse —, und es ist zu bewundern, daß das polnische Volk so viel Toleranz aufbringen konnte, um sich nach dem ukrainischen Rückzug nicht an der jüdischen Bevölkerung zu rächen. Die polnischen Journalisten beschränkten sich in Ihrem Memorandum nicht auf diese ״Informationen", sie versicherten auch die Kommission, daß .ide Verwirklichung des Minoritätenrechtes in Polen einen ׳wirtschaftlichen Boykott nach sich führen muß, und daß die Unterdrückung der jüdischen nationalen Forderungen die erste Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben ist. Die Journalisten forderten die Kommission auf, die jüdische Assimilation zu fördern und die öffentliche Meinung des Auslandes für die Assimilanten zu gewinnen. Fraglich ist, was eher Bewunderung verdient: die Unverschämtheit der polnischen Journalisten das Blaue vom Himmel hinwegzuleugnen oder ihre grenzenlose Naivität mit der sie annehmcn, daß solchen Behauptungen׳ Vertrauen geschenkt werden kann. Dr. Kollenscher Herrn Morgenthau als den Vertreter' der Bereinigten Staaten von Nordamerika und des Präsidenten Wilson. Herr Dr. Kollenscher hob hervor, daß, als noch das Völkermorden wütete, der Präsident Wilson die edlen Worte von dem Kampf für das Recht und gegen die Gewalt, vom Schuh der Schwachen von der Selbstbestimmung der Staaten und Völker und vom Schutze der Minderheiten gesprochen habe. Diese hohen Gedanken haben gerade bei den Juden, die mehr als alle Völker unter dem Kriege gelitten haben, tiefes Verständnis gefunden. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Wirken von Herrn Morgenthau auch den Juden Polens das bringen werde, was sie sehnsüchtig verlangen: Recht und Gerechtigkeit. Hierauf würde Herr Morgenthau von Herrn Moritz Krause im Namen der Zionistischen Organisation und van Herrn Alfred Markus im Namen der konservativen Gruppe des Jüdischen Volksrgtes begrüßt. Es folgte nunmehr ein eingehendes Referat von Herrn Dr. Kollenscher über die Entwicklung der politischen Lage der Juden Posens seit der Uebernahme der Herrschaft durch die Polen. Im Anschluß daran referierte Herr Benno Becher, über die jetzige Wirtschaftliche Lage der Posener Juden, insbesondere über den überall sich zeigenden Boykott der jüdischen Kaufleute usw. durch die polnischen Behörden und die polnische Bevölkerung. Herr Morgenthau hörte den Ausführungen sehr interessiert zu und erwiderte mit einer längeren Rede, in der er unter anderem sagte, es sei für ihn sehr interefsant und für die Beurteilung der Lage der Juden in Polen sehr wesentlich gewesen, nunmehr auch die Verhältnisse der Juden in Posen kennen zu lernen. Er ging alsdann auf die gehörten Referate im einzelnen ein und besprach mit den Mitgliedern des Jüdischen Volksrates eingehend die^ Lage der Juden in Polen überhaupt und in Posen insbesondere. Sowohl Herr Morgenthau als auch Herr Kapitän Gotthard hatten sich eifrig Notizen gemacht und baten auch um Hebersendung des einschlägigen Materials. Um 12 Uhr begab sich Herr Morgenthau in das Gemeidehaus, wo er vom Vorstände und den Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde empfangen wurde. Um 1 Uhr verließ Herr Morgenthau Posen, um sich über Kalisch nach Warschau zu begeben. * ׳ Die Zukunft des jüdischen Palästinawerkes. Aeußerungen von D r. W e i z m a n n. Die bekannten Zionistenführer Dr. Weizmann und andere begeben sich in einer wichtigen Mission nach Palästina. Vor seiner Abreise sprach Weizmann in einer großen Volksversammlung in London, die unter dem Vorsitze von Ussischkkn abgehalten wurde. Weizmann erklärte, daß er inbezug auf die Zukunft des Palästina- Werkes optimistisch sei. Worauf es jetzt ankommc, ist, für die jüdische Einwanderung zu sorgen. » Judenfreundliche Haltung der Weißruthenen. , Polnischer CyniSmus. Lizenz f ü r Barttracht. Wie schamlos die polnischen Truppen es treiben, zeigt ein dem Rabbiner von Smolewitz bei Minsk aus-- gestelltes Zeugnis einer polnischen Militärstelle, das die Warschauer jüdische Presse in Faksimile veröffcntlicht. Das Schriftstück lautet in der Uebersetzung: ״Erste Abteilung des Kommandos des Unterführers der Gruppe Saritzki. 15. 8. 19. Bescheinigung. Chaskil Abramski ist Rabbiner in Smolewitz und wird ihm als Geistlichen das Tragen eines Bartes gestattet. Gültig ohne Stempel bis zum 21. dieses Monates, (gez.) Unteroffizier und provisorischer Kommandant der Stadt." — Das Dokumestt spricht Bände. Judenverfolgungen in Jemen. Seit einiger Zeit machten sich in Jemen seitens der arabischen^ Bevölkerung eine Erneuerung der alten Verfolgung der jüdischen Bevölkerung des Landes bemerkbar. Die jemenitischen Juden, die sich in Palästina niedergelassen haben, überreichten dem amerikanischen Oberrichter Louis Brandeis gelegentlich seines Besuches in Palästina ein Memorandum über die Lage ihrer Brüder in Jemen. In diesem Memorandum wird u. a. gesagt, daß die Verfolgungen einen religiösen Charakter tragen. Die jüdischen Witwen und Waisen werden gezwungen, die mohamedanische Religion anzunehmen. Den Juden des Landes wurde eine jstrn» tribution von 10.000 ägyptischen Pfund auferlegt. Um die pünktliche Zahlung der Kontribution zu erzwingen, wurden die Rabbiner und die Angesehenstens der jüdischen Gemeinden in Haft genommen. ' ן Antisemitisches Memorandum polnischer Journalisten. Am 30. August hielt die amerikanische Untersu- Wie das weißruthenische Pressebüro meldet, ist eS bei den. bekannten Minsker Pogromen bemerkenswert, daß die weißruthenische Bevölkerung in Minsk sich an diesem Treiben nicht beteiligt hat, sondern im Gegenteil bemüht war, nach allen Kräften die verfolgten Juden zu unterstützen und den Obdachlosen! unter ihnen Unterkunft und Gastfreundschaft zu gewähren. Solange die weißruthenische Regierung noch im Lande war, hatten die Juden goldene Tage, sie waren vollständig gleichberechtigt mit der. eingeborenen Bevölkerung der ׳Weißruthenischen. Republik und standen ebenso wie letztere unter dem^Schutz von Recht und Gesetz. Die Juden in Minsk haben das auch anerkannt und stets ihre Zufriedenheit mit dem weißruthenischen Regiment dokumentiert. , Das Treiben der jüdischen Kommunisten in Rußland. Die in Minsk erscheinende Zeitung des '! Verbandes der Kommunisten in Rußland ״Stern" vcröffontlicht einen Leitartikel, in dem sie ihre Freude darüber ausdrückt, daß die bolschewistische Regierung endlich die jüdischen Gemeindeyerwaltungen und das Zentralbüro derselben in Rußland aufgelöst hat. Dies׳ Auflösung ist auf die Verleumdungen der jüdischen Kommunisten gegen alle jüdischen Parteienbesonders die zionistischen aber auch die nationalistischen und sozialistischen bis zu den ״Vereinigten", zurückzuführen. Dieselbe Zeitung fordert die bolschewistischen Behörden auf. auch die zionistischen Schulen aufzulösen, die mit ihrem hebräischen Gift den Geist der jüdischen Kinder verderben. , keitSanstalten. Am Abend fand in der Posener Bne-! chungskommiffion Mter der Leitung von Botschafter Brith-Loge ein feierlicher Empfang seitens der Posener Logenmitglieder statt. Am Sonntag früh stattete Herr Morgenthau zunächst den polnischen Regierungsstellen seinen Besuch ab, konnte jedoch den Herrn Minister Seyda nicht sprechest, da dieser zurzeit in Warschau weilt. Um 10 Uhr vormittags begab sich Herr Morgen« thau in den Jüdischen Bolksrat und wurde von dem *Morgenthau eine Besprechung mit den Vertretern der polnischen Presse in Lemberg ab. Die polnischen Journalisten überreichten der Kommission ein Memprandum über die jüdisch-polnischen Verhältnisse in Ostgalizien. In diesem Memorandum wird behauptet, daß Lemberg niemals antisemitisch war, daß aber das Benehmen der Juden während des Krieges ein antisemi- Morgenthaus Zuversicht. Vor seiner Abreise aus Polen hatte Botschafter Morgenthau in Warschau eine längere Unterhaltung mit dem Reichstagsabgeordneten Rabbiner Halpern, der zu diesem Zwecke von Lodz herbeigerufen wurde. Botschafter Morgenthau legte ihm die Gründe dar, deretwegen er noch vor seiner Abreise mit ihm eine Konferenz haben wollte, und machte ihn mit dem Plane seiner weiteren Tätigkeit in der polnischen Frage bekannt. Abgeordneter Halpern bemerkte hierauf, daß es sehr wichtig wäre, daß Morgenthau -׳vor seiner Abreise seinen großen Einfluß ausüben solle, daß zukünftig Ausschreitungen gegen die Juden unmöglich werden. Seit der Ankunft Morgenthays haben sich die Ausschreitungen bedeutend vermindert, aber nicht aufgehört, besonders in den Grenzgebieten und in der Nähe der Front.' Hierauf erklärte Morgenthau, daß mit seiner Abreise seine Tätigkeit und sein Wirken nicht aufhören. ״Hilkls jüdischer Volkskalender".

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