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Jüdische Volksstimme · 1919-09-24 · Heft 28 (24.9.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 28 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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jüdische DouLi>.i««ttE Seite 6. Nt. 28 zweiten Person, sondern auch einen an der Seelengemeinschaft der Gatten begangenen Mord, eine tödliche Verletzung des Ehelebens. Die Familie ist das Heiligtum des Lebens, der Ort, an welchem die reichsten und reinsten Quellen des Sittlichen entspringen. Bibel und Talmud, die Erzieher zur Lebensheiligung, treten daher mit aller Strenge für die Bestrafung derjenigen ein, die des Lebens Heiligtum schänden, und die Ouellen der Familienreinheit trüben. Die Zulassung einer Ehe zwischen zwei Personen, die miteinander Ehebruch getrieben, heißt aber, den Ehebruch straflos machen. Bemerkenswert ist es, daß schon Hammurabi, der im 3. Jahrtausend vor Ehr. in Altbabylon gelebt hat, in seinen Gesetzen § 161 anordnet, daß eine Braut, deren Verlöbnis durch die Verleumdung eines Zweiten zerstört worden ist, nun zwar wieder frei sei, aber den Nebenbuhler, der die Störung verursacht hat, nicht heiraten dürfe. Es gibt allerdings unter den hypermodernen Apo-' steln der freien Liebe, die׳ die materialistische Lehre von dem »sich ausleben" so weit treiben, daß sie selbst den Ehebruch vom Gesichtspunkte der sogenannten Persönlichkeitsentwicklung, als ethisch begründet erklären.") Wohin solche Verirrungen führen, wissen wir allzugut. Der Untergang - der antiken Völker ist zum gut Teil auf deren Konto zu schreibend 2) Nein, es gibt ganz andere Triebkräfte, die die Kleinen und die Großen, die Schwachen und die Starken zu höherem Entwicklung führen können, als die gesteigerte, ungebundene und schrankenlose Wahlfreiheit der persönlichen Liebe. י י") Eben Haeser 11 § 1. ri) S. Ellen Key: Ueber Liebe und Ehe, S. 467. 12) S. L. Friedländer: Darstellungen aus der Sitiengeschichte Roms, 1. Th., S. 482 fs. (Fortsetzung folgt.) Heinrich Loewe. Zum 50. Geburtstage. Zu den Persönlichkeiten, die im Zionismus von Anfang an eine führende Nolle einnahmen, gehört auch Professor Loewe. Man merkt es dem .unermüdlich schaffenden Gelehrten und begeisternden Redner nicht an, daß er in diesen Tagen das fünfte Jahrzehnt seines Lebens überschritten hat, denn noch ist nicht die leifeste Spur einer Schaffensmüdigkeit an ihm wahrz'unehmen. Seine Verdienste um den Zionismus aufzuzählcn, dürfte fich wohl erübrigen, denn wer kennte nicht den hinreißenden Redner, der die schwierigsten Probleme mit einem leichten Humor behandelt, den großzügigen Agitator und unermüdlichen - Führer der zionistischen Jugend. ‘ Er gehört zu denen, die sich für die Gründung ciner jüdischen Universität in Palästina eingesetzt haben und heute noch unermüdlich für. die Bereicherung der Universitäts-Bibliothek arbeiten. Wir haben die feste Hoffnung, daß Herr Professor Loewe, sobald es angängig ist, an die Spitze des palästinensischen Bibliothekwesens gestellt werden wird, damit seine noch unverbrachte Kraft und organisatorische Tüchtigkeit endlich an den Platz gelangen, die, ihnen seit langem schön gebühren. Wenngleich von einem anderen Standpunkt ausgehend, gelangte Professor Loewe immer zu denselben Forderungen, die auch wir aufstellen, und oft genug durften wir ihn als unseren Bundesgenossen begrüßen. Möge es ihm vergönnt sein, auch noch die Früchte seiner aufopfernden Arbeit zu ernten und uns seine Kraft noch lange in ihrer heutigen Frische erhalten bleiben. Kunüsebau. Die judrnftindliche Propaganda der weißen Garde in Rußland. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm berichtet: Der Führer des dänischen freiwilligen Corps in Rußland Kapitän NieholS, der in der weihen Garde jetzt im Kampf gegen die Bolschewiki steht, gewährte in Kopenhagen einem jüdischen Korrespondenten in Interview, in dem er unter anderem auch über die Gefahren sprach, die dem russischen Judentum nach dem Sturz der Bolschewikiherrschaft drohe. Der Kapitän weiß wohl, daß die Legende von der Identität der Bolschewiki mit den Juden grundlos ist. Ebenso wie es einen Lrotzki, Sinowjew und Kamenew gibt, gibt es auch einen Lenin, Tschischerin und Lunotscharski. Die Agitatoren der weißen Garde benutzen aber die Legen de,׳ um die Massen für ihren Kampf gegen die Bolschewiki zu gewinnen und den Antisemitismus für ihre Zwecke dienstbar zu machen. Die Erfahrung zeigt, daß diese Agitation vom Erfolg gekrönt wird. Ein energisches Eingreifen der Alliierten tut schon jetzt not, um der Agitation der Weißen Garde die gefahrvolle antisemitische Tenssenz zu nehmen. Seiner Meinung nach, sind gegenwärtig die Alliierten nicht über dcll Ausmaß und die etwaigen Folgen der antisemitischen Agitation der Antibolschewiki informiert. Wiederherstellung der Verbindung mit Angehörigen in Amerika. Dem Verband ״der Ostjuden in Deutschland ist es gelungen, mit nahmhaften amerikanischen Organisationen, die sich der Wiederherstellung von Verbindungen mit dort lebenden Verwandten widmen, in Fühlung zu treten. Der Verband ist bereit, hier lebenden Ostjuden dabei zu helfen, ihre Beziehungen mit ihren in Amerika sich aufhaltenden Angehörigen wiederaufzunehmen. Auskunft hierüber wird im Büro des Ber- Landes, Berlin N., Gormannstr. 29, zwischen 11 und 1 Uhr vormittags erteilt. Das Schächten auf dem Berbandstag der Tierschutzvereine. Auf der Tagesordnung der 16. Tagung des Vcrbands deutscher Tierschuhvereine standen zwei Anträge Dresden—Magdeburg, welche auf ein Neichsverbot d Schächtens abzielten. Dresden hatte seinen Antrag zu Gunsten der Magdeburger zurückgezogen. Vor Eintritt in die Sitzung des dritten Beratungstages stellte der Tierschutzverein Nürnberg, vertreten durch Herrn Kommerzienrat Leykauf und Herrn städt. Tierarzt Dr. Voltz, den Antrag, die Behandlung des Antrages 4 der Tagesordnung (Antrag Magdeburg) von der TageSordnuntz abzusetzen. Mit überwältigender Majorität tvurde der Antrag angenommen. Von allgemeinen Eindrücken, die ein Korrespondent bei der Tagung gewann, verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß man Grund zu der Erwartung hat, für richtige Aufklärung über den religiösen Charakter der Schechita in Zukunft Verständnis zu finden. Wir lernten ernste Männer kennen, welche für sachgemäße Informationen sehr dankbar waren. Ausweisung der Galizianer ans der Bukowina. Nach einer Kundmachung der Czernowitzer Polizeidirektion werden vorläufig alle Personen, die nach dem. ersten August 1914ץ aus Galizien zugewandert sind, repatriiert, d. h., wie die Czernowitzer ״Ostjüdische Zeitung" richtig bemerkt, in einem späteren Zeitpunkt sollen auch jene Galizianer, — gemeint sind Juden — aus der- Bukowina ausgewiesen werden, die auf Grund des alten österreichischen Heimatsrechtes noch imnier nach Galizien zuständig sind. Die Ausweisung kann nach diesen Gesichtspunkten, einer beiläufigen Schätzung nach, 40.000 Juden treffen. Der Empfang von Morgenthau in Lublin. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm berichtet: Die polnische Tageszeitung ״Dziennik Nowy" berichtet über den eigenartigen Empfang, der dem Leiter der von Wilson geschickten amerikanischen Untersuchungskommission Ambassadeur Morgenthau in Lublin bereitet wurde. Kein einziges Hotel wollte dem Abassadeur Raum gewähren. Das Auto wurde von Straßenjungen umzingelt, die ihm antisemitische Schimpfworte zuriefen. Morgenthau war gezwungen, ohne die Untcrsuchungsarbeit unternommen zu haben, Lublin zu verlassen. Verhandlungen zwischen Agudas Jisroel und Zionisten. Ein soeben aus Paris in Zürich eiugetrosfener Gewährsmann teilt der ״Jüdischen Preßzentrale Zürich" mit: Der Vorsitzende des Zentralbüros der Agudas Jisroel Zürich", Herr Oberrabbiner Dr. Th. Le- Venstein, hat als einziger Vertreter der politischen Kom- Mission der ״Agudas Jisroel" in Paris geweilt und mit Nahum Sokolow vertrauliche Verhandlungen gepflogen. Die anderen beiden Mitglieder der politischen Kommission der Agudas Jisroel, die Herren Oberrabbiner Prof. Dr. Margulies aus Florenz und Oberrabbiner Schapiro aus Kowno, waren verhindert an den Pariser Verhandlungen teilzunehmen. Bei der Unterredung soll es fich vor allem darum gehandelt haNn, eine Verständigung für eine eventuelle gemeiysame Arbeit in Palästina herbeizuführen. Dr. Levenstein hat sich von Paris nach Holland begeben. Anerkennung der jiwischen Sprache durch die Deutsche Gewerkschaft. In der Berlins Schneiderbranche befinden sich viele jüdische Arbeiter, die nicht deutsch verstehen. Die jüdischen Schneider haben deshalb eine besondere jüdi^ sche Sektion verlangt. Dies Verlangen ist nun erfüllt worden und vor kurzem hat diese Sektion eine Berfammlung mit jüdischen Referenten einberufen. So ist die jiddische Sprache zum ersten Male von den Deutschien Gewerkschaften anerkannt worden. Forderung ber ״Achduth Haawoda" zur jüdischen Kon- ' stituante in Palästina: A) Nationalpolitische Selbstverwaltung der Juden Palästinas. Die höchsten Organe sind: 1. Die National- Versammlung der Vertreter der jüdischen Bevölkerung. Die Nationalversammlung hat das legislative Recht in allen ihren inneren Angelegenheiten. 2. Waad Halumi (Nationalrat), der von der Nationalversammlung gewählt wird und ihr verantwortlich ist. B) Kompetenz ^cr Selbstverwaltung: Verwaltung der jüdischen Bezirke, Organisierung der Gemeinde, Erziehungswesen und Volksbildung, Entwicklung der Sprache und nationaler Kultur, Gerichtswesen, gegenseitige Hilfe und svziale Fürsorge, Forderung der׳ nationalen Wirtschaft, Lebens- und Eigentumsversicherung, billiges Volkskredit,- wissenschaftliche Anstalten, .Volksgesundheit und nationaler Schutz, Arbeiterschutz, Ausbildung der Neuzugewanderten und Arbeitsbeschaffung für sie. Eine Gruppe von Mitgliedern der Achduth Haawoda schloß sich in Jaffa zum Zwecke einer Niederlassungsgemeinschaft in Jaffa zur Errichtung eines Borochowostadtviertels auf dem Boden des Nationalfonds und sozialistischer Grundlage zusammen. I Antisemitismus Polnisch-jüdischer Afsimilanten. י Das Jüdische Preßbüro in Stockholm berichtet: Auf Veranlassung des polnischen Ministeriums des Aeußern gab der Führer der jüdischen Assirmlanten in Polen Henryk Nußbaum dem Abassadeur Morgenthau, der in Polen gegenwärtig die amerikanische Untersuchungskommission leitet, Aufklärung über die Judenfrage in Polen. Seiner Meinung nach bedeutet die Fürsorge der amerikanischen Juden für die Judenheit in Polen ein Unglück. Gleichzeitig mit, dem Äntisemitismus blüht, in Polen ein Antipolonismus der Juden, der hundertfach ׳schrecklicher sei als der׳ Antisemitismus. Die russische Negierung hat Polen von den Juden überschwemmen lassen, und da ist der Edelmut des polnischen Volkes zu bewundern, daß sein Antisemitismus bei diesem Verhältnis nur solche beschränkte Formen annimmt. Der polnische Antisemitismus ist nichts unmenschlich wie der der anderen Völker Europas und gibt keine Veranlassung zur Intervention. Daß die Juden ln Polen noch immer ihr ״häßliches Lallen" beibehalten, ist ein schrecklicher Beweis dafür, wie gering sie das Polentum schätzen. Die Klausel des Friedensvertrages über die jüdischen Rechte wird den Juden nur Schaden hringen. — Wie die jüdische Presse mitteilt, soll Morgenthau diese ״Aufklärung" stillschweigend ausgenommen haben. Die Jusüen Hn Rumänien. Verlängerung der Frist zur Erlangung des Bürger- * rechtes. Bukarest. Der ״Monitorul Official" veröffentlicht für das alte Königreich Rumänien die Verlängerung der Termine zur Erlangung des Bürgerrechtes durch Die' Juden wie folgt: 1. Für die im Larch wohnenden Jud^n drei Monute nach Ablauf des alten Termins. 2. Für die im Auslände wohnenden rumänischen Juden sieben Monate vom 28. Mai 1919 an. 3. Für die mobilisierten und die kriegsgesangenen Juden fünf Monate vom Zeitpunkte der Demobilisierung, beziehungsweise Repatriierung an. Palästinawoche für die Nordau-Gartenstadt. Die Aufrufe des Zionistischen Aktionskomitees und der National-fonds-Verwaltung für die Errichtung einer Gartenstadt in Palästina auf den Namen Max Nord aus, anläßlich seines siebzigsten Geburtstages, haben in den weitesten Kreisen starken Widerhall gefunden. Eine unter den führenden Zionisten eingeleitete Sammlung hat bereits ansehnliche Beträge ergeben. Die Liste dieser Spende wird nächstens verösfentlicht und dürfte zu Sammlungen ähnlicher Art überall? Veranlassung geben. Welche Bedeutung der Altmeister des Zionismus

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