Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 27 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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««1» 6__ ״Misch« «»N,stimme- Nr. 27 manisch oder, wie man es nannte, aktivistisch war unh General Pilsudski selbst höchst wacker auf der deutschösterreichischen Seite mitgefochten hat. Die neueste Anklage ist, daß alle Juden Bolschewisten sind. 'Einige junge Juden sind sicherlich Kommunisten, aber die große Masse verabscheut den Gedanken an eine soziale Revolution, wie sie alles Neue verabscheut. Ich will nicht versuchen, heißt es weiter, die aufeinander folgenden' Pogromwellen zu beschreiben, welche seit dem letzten November über die polnischen Juden yinweggegangen sind. Immerhin will ich einmal in klarer Sprache heraussagen, daß diese polnisch-katholischen Christen mit ihren Truppen an der Spitze gelegentlich ebenso brutal massakrieren, als jemals Christen durch Türken massakriert wurden. Dle Volkszählung unld die 'Inden. . Beim Volksverband der Juden für die Slovakci laufen Beschwerden ein, daß die behördlichen Organ,׳, die die Volkszählung durchführen, sich weigern, das Bekenntnis zur jüdischen Nationalität anzunehmen, was zur Folge hat, daß viele Juden es dulden müssen als Angehörige einer anderen Nation eingetragen zu werden. Der Volksverband der Juden für die Slovakei verweist demgegenüber auf den Beschluß' der Pariser Friedenskonferenz und auf die Aeußerungen des Präsidenten der tzecho-slovakischen Republik und anderer Mitglieder der Negierung, wonach die Juden i^t der czecho-slovakischen Republik als Nationalität aberkannt werden und auch ihre Minderheitsrechte sollen gewahrt werden. .Im Laufe dieser Volkszählung haben sich auch die Juden vielfach als jüdisch-national bekennt und hat die Regierung'— unseres Wissens — dies nicht verhindert. Die erwähnten Vorfälle können daher nur als eigenmächtiges Vorgehen der untergestellten Organe betrachtet werden. Der Volksverband der Juden für die Slovakei gibt hiemit der ganzen ׳slovakischen Judenheit bekannt, daß jeder. Jude das Neckt hat, sowohl bei dieser Volkszählung wie auch sonst sich als national-jüdisch zu bekennen. Ein scharfer Erlaß gegen die antisemitische Bewegung. / . Budapest. Der Staatssekretär des Innern hat einen Zirkularerlaß im Interesse der Bekämpfung der antisemitischen Bewegung herausgegeben. Er fordert darin auf, die antisemitischen Bewegungen, die ohne Unterlaß andauern und nicht nur. die öffentliche Ruhe und Ordnung stören, sondern auch vielen Unschuldigen nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügen, mit allen gesetzlichen Mitteln zu verhindern, in erster Reihe durch nüchterne Aufklärung und, wenn es sein müsse, mit Brachialgewalt. Gegen die Organisatoren und die Teilnehmer an antisemitischen Bewegungen müsse die volle Strenge des Gesetzes angewendet werden. Eliahu Kaplan gestorben. Der bekannte Chowew-Zion Eliahu Kaplan aus Skopin ist am 15. August in Tel Awiw gestorben. Eliahu Kaplan, der mehr als 10 Jahre in Jaffa gelebt hat, war eine der angesehensten^Persönlichkeiteu innerhalb der Palästinenschen Judenheit. Dem überlieferten Judentum die Treue wahrend, war er gleichzeitig ein Freund jeglichen Fortschrittes in der jüdi- ' scheu Entwicklung Palästinas, an der er selbst tätigen Anteil genommen hat. Die Errichtung der Synagoge in der Kolonie Katra war sein Werk. Ueber allem Partei- Hader stehend genoß er das größte Ansehen und das ״ uneingeschränkte Vertrauen tei allen jüdischen Parteien des Landes. An seinem Grabe sprachen Vertreter des Jaffacr Rabbinates, ferner die Herren Alexander Süßkind- Rabinowitsch und Dr. Mossinson. Erldölerschließungsarbeiten in Palästina. Die Zeitschrift ״Petroleum" berichtet: Amerikanischen Fachblättern zufolge hatein amerikanisches Konsortium die durch den Krieg unterbrochenen ErdölerschließungSarbeiten in Palästina׳ wieder ausgenommen. Der Leiter der Produktionsabteilung der Prairie Orland Gas Co., Mr. A. S. Dane, hat die Leitung der betreffenden Arbeiten übernommen und ist bereits nach Palästina abgereist. Korresponäenzen. Brün«, Massige Bibelschule für Knaben u. Mädchen.) Di« Einschreibungen finden ab 18. September täglich in der Vereinskanzlei, Adlergaffe 12, statt. BoSkowitz. Herr Rabbiner Dr. Ezechiel Landau hat sich mit Frl. G r ü n f e l d (Berlin) verlobt. Unscre besten Glückwünsche. — Die Redaktion. KSnigswart. Im Alter von 66 Jahren verschied am 2. September der hiesige verdienstvolle Rabbiner David Löwy s. A. Der Dahingeschiedene ist nach 28jährigem Wirken als Rabbiner der Gemeinde Dobrisch in gleicher Eigenschaft in unsere Kultusgemeinde gekommen upd hat sich hier durch sein menschenfreundliches, segenvolles Wirken die Hochachtung und Verehrung nicht nur seiner Gemeindemitglieder, sondern die der ganzen Stadtgemeinde erworben. Reich und Arm, Vornehm und Gering, aus Stadt und Land kam man zur Leichenfeier, um den verdienstvollen Mann zu ehren. Nach einem innigen Gebet bewegte sich der Trauerzug vom Sterbehaus in den ehrwürdigen Tempel, Wo Herr Dr. Diamant, Rabbiner aus Marienbad, das Lebensbilk des Verklärten in ergreifenden Worten entwarf und ^m Schmerze der Gemeinde und der Familie trefsenden Ausdruck Verlieh. Vertreter der Stadtgemeinde und des Bezirkes und zahlreiche Andersgläubige begleiteten den Leichnam zur letzten Ruhestätte, wohin ihn dankbare Schüler auf ihren Schultern trugen. Dort nahm noch Frl. Finger von dem Lehrer und ein Krüppel von seinem Wohltäter ergreifenden Abschied. Wiener-Neustadt. (Tempelbau. . — Die Chewra- Kadischa-Wahlen.) Unser prächtiges Gotteshaus, ein Werk des verstorbenen Baurates Stiaßny, wird gegenwärtig einem Umbau unterzogen. Als seinerzeit der Tempel errichtet wurde, herrschte in der Gemeinde eine fortschrittliche Richtung und trotz der Einwendun-! gen des verewigten strenggläubigen Rabbiners, des ehrwürdigen Herrn Benjamin ׳Weiß, wurde dem Tempel im Widerspruche mit den konservativen Bräuchen gebaut. Die Mehrheit der Gemeinde, welche an den von ihren Vätern ererbten orthodoxen Grundsätzen festhielt, konnte sich mit diesem, ihren religiösen Anschauungen fremden Götteshause nicht befreunden. Als dann die strenggläubige, hochangesehene Familie Koppel aus Mattersdorf nach Wiener-Neustadt übersiedelte, fanden die Gegner des Tempels im Hause Koppel eine Stätte für ihre religiösen Andachten. Die Tatsache nun, daß sich viele eifrige Tempelbesucher vom Gemeindetempel fernhielten, bewog nun den indessen neugewählten Kultusausschuß, das Götteshaus nach den Wünschen der ständigen Tempelbesucher im orthodoxen Sinne umzubauen. Der ״Almemor" wird also in die Mitte gerückt, das ״Omed" für den Vorbeter rechts postiert und die Frauengalerie mit einem Gitter abgeschlossen. Alle diese Umbauten, unter der Leitung des Architekten Reiser von der.hiesigen Baufirma Lang und Menhofer Lurchgeführt, wdrden die architektonische und dekorative Schönheit des Gotteshauses nicht beeinträchtigen. Noch vor den hohen Feiertagen wird der Umbau vollendet sein und damit einem Herzenswünsche unseres seligen Rabbiners. entsprachen^ Im orthodox-reformierten Tempel wird dann unser neuer Rabbiner zr den hohen Feiertagen seinen Einzug halten, dessen Wahl in diesem Blatte schon genieldet wurde. — Auch der Ausschuß unserer Chewra Kadischa wurde, kürzlich neu gewählt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Vizepräsident der Kultusgemeinde Aron Weiß, Obmann; Herr Samuel Frankl, Ob- Mannstellvertreter; die Herren Siegmund Deutsch, Wilhelm Glaser und Adolf Jaul, Ausschußmitglieder. Das langjährige Vorstandsmitglied Herr Josef Reichmann wurde für sein verdienstvolles Wirten zum Ehrenmitgliede ernannt. Belgrad. (Handelsverbot für Juden.) Die Regierung verbot den Juden, sich in den Provinzen des südslavischep Staates mit Handel zu beschäftigen, Zahlreiche Juden verließen daher Serbien. Sofia. (Gründung einer Palästina-Bank.) Mit einem Stammkapital von fünf Millionen Leva (etwa fünf Millionen Franken) wurde hier eine Palästina- Bank, die zweite nätionaljüdische Bank in diesem Laude, gegründet. Leeds. (Vortrag des Rabbi Cohen Fishman.) Auf der Reise nach Erez Israel hat Rabbi Cohhen Fishman einen kurzen Aufenthalt in England genommen und hierbei in den verschiedenen Misrachigruppen des Landes Vorträge gehalten. Hier entwickelte der Rabbi, der viele Jahre in Palästina gelebt hat, ein anschauliches Bild von den Schönheiten des Landes und schilderte die Möglichkeiten, die sich dem jüdischen Volke nach der Besiedlung bieten werden. Der Vorsitzende der Misrachigruppe LeedS, Rabbi I. L. AstrinSki, schloß, sich den begeistert aufgenommenen Ausführungen mit einem energischen Appell an, in dem er forderte, den Aufbau des Landes im Geiste des Misrachi mit allen Kräften: zu stützen. Die P. T. Empfänger unseres Blattes werben um umgehende Bezahlung »des Abonnements-Betrages dringendst ersucht. Die Administration. bchodnf Skola ־־ Kozäkova v Brnfi Doretäv dvür, lal. 3634-VI. zapisuje denn€ do vsech oddelem'• Prosp. zdarma. Bezpl. «mist. absolv. Eingesendet. Von unserem Mitarbeiter Herrn Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zwittau erhalten wir folgende Zu-- schrift mit der Bitte um Veröffentlichung. - Sehr geehrter Herr Redakteur! Die von Herrn Dr. Theodor Haas in seinem in Nr. 26 der ״Jüdischen Volksstimme" abgedruckten Feuillsston «Der Rabbi von Senic" enthaltenen historischen Daten bedürfen in einzelnen Punkten einer Berichtigung. Die von R. Abigdor Karo in seiner ״Selicho Es kol hatlooh" geschilderte Judenverfolgung in Prag fand nicht im Jahre 1386, sondern im Jahre 1339׳ statt, und zwar am 18. und 19. April. R. Abigdor Karo, der am 25. April 1439 starb, stand beim damaligen׳ König Wenzel IV. in hohem Ansehen. Daß dieser Rabbi ״nun wie ein Wunder diesem Blutbade entronnen" ist,- wird nirgends erwähnt. (Vergl. darüber Gal.-Ed., Dr. M. (Urünwald in Pascheles Volkskalönder aus dem Jahre 1889 und Dr. N. Grünn in seiner Geschichte das Prager Ghetto). Hingegen schildert der Sohn des R. Abigdor Karo^ N. Abraham Karo, in einer Selicho die Vertreibung der Juden aus Prag (oder Böhmen?), die wahrscheinlich nach dem Tode seines Vaters, also im 16. Jahrhundert stattgefunden hat. Diese Selicho beginnt mit den Worten ״Ono Eleke Abraham" und ist in unseren Gebetbüchern enthalten. Es 'ist zu staunen, wie wenig diese Selicho, aüf die wir schon vor einigen Jahren an anderer Stelle aufmerksam machten, Beachtung' selbst seitens gewissenhafter Historiker fand. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die Mauern der Altneuschul, die vom Blute der Märtyrer bespritzt waren, über Auftrag der Statthalterei in Prag abgekratzt und getüncht wurden. Dies fand ungefähr 1850 statt.- Dr. Felix Kanter, Zwittau (Mähr.) 191,9 Wochenkalender 5679. אלול Sept. Festtage הפטרה S יח י 13 פרק שלישי רר-״עי כי תבא מומי אורי י 1ועניה סוערה 8 יט 14 M י* 15 D בא 16 M כב 17 D כג 18 F בד 19 פיק:חמישי וששי ניצבים וילך S כה ן20 שוש אשיש Unentbehrlich für hebr. Sprachkurse aller Kategorien Der Hebräer העברי Wochenschrift für die Erlernung des Hebräischen in Wort und Schrift a) für Anfänger, b) für Kortgeschrittene. — Inhalt: 1. Vokabeln, 2. Konversation, 3. Phraseologie, 4. Lehrurch Leseübungen. — Jährliches Abon» nement K 50.—. Einzeln-Nummer L 2. . Herausgeber: I. C. Rabincwlcz BoSkowitz, (Nähren.) 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