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Jüdische Volksstimme · 1919-09-05 · Heft 26 (5.9.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 26 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 26 nicht besonders wunderlich erschienen, das; Daniel und seine Genossen bei ihrer Ernährung mit Gemüse und Wasser kräftiger und schöner ausschauen konnten, als die anderen babylonischen Jünglinge, die von der Speiss des Königs aßen (Daniel 1, 10—10). »Jüdische fr»;»!**]»«*" Zette 5. Literatur, Wissenschaft u.Kunst. Ostjüdische Dramatiker. Du׳ ,.Neue Badische Landes-Zeitung" (Mannheim) schreibt: Jüdisches Theater heißt eine dram. Anthologie ostjüdischer Dichter in zwei Bänden, die kürzlich bei Georg Müller in München erschienen ist und auf welche im Hinblick auf die derzeitigen Gastspiele jiddischer Schauspieler in Deutschland besonders gerne hingcwie fen wird. Alexander Eliadberg in München, der damit eine große ,.Ostjüdische Bibliothek" einleitcn will, hat Auswahl und Uebcrtragung dieser hochinteressanten Bände vorgenommen, wobei er in der ersteren noch glücklicher war als mit der letzteren, die für mein Gefühl stellenweise zu stark verhochdeutscht, normalisiert ist, statt daß sie sich so eng, wie die VerftändigungZ- Möglichkeit es gestattet, innerhalb der Jargongrenzc hält. Mit der persönlich begreiflichen Absicht hat li berg das Wohl getan, auf diese Weise das Künstlerische stärker als das Ethnologische in diesen Stücken herauszuheben, Warans auch die Art der veröffentlichten Stücke schließen läßt. Denn auf die bescheidenen, ganz unliterarischen, lediglich durch das Spiel wirkenden Stücke Abraham Goldfadens verzichtet er z. B., trotzdem es gar nicht uninteressant wäre, auch ein Pröbchen aus dessen ..historischen Operetten" zu erhalte»!, von denen direkte Fäden noch in die Singpossen der jetzigen ostjüdischcn Schauspieler hinüberlaufen. Goldfaden ist der Begründer des heute erst vier Jahrzehnte alten jiddischen Theaters und zugleich ein Klassiker dieses unklassischen Genres. (Eine seiner historischen Operetten, »Sulamich", brachten die Warschauer Gäste am Samstag im Casino zur Aufführung). Ehedem gab es bei den Juden nur religiöse Aufführungen und zwar in der Darstellung durch Dilettanten, vor allem die um Jahrhunderte zurückreichenden ״Putimspiele", welche die Geschichte von Esther und Mordechai zu behandeln pflegten. Eine überaus merkwürdige, schwer erklärliche Tatsache: die spielbegabteste Rasse der Erde hat Jahrtausende hindurch sozusagen keine dramatische Literatur und keine professionellen Darsteller! Goldfaden begründete ein Etappentheater während des ruffisch-türkischen Krieges und wanderte nach Amcrika aus, als Rußland jiddische Aufführungen 1884 verbot! Von seiner Völkkost aus stieg dann, nach EliaSbergs Schilderung,. das jüdische Drama allmählich zur Literatur hinan mit Jakob Gordin, der aus einem Ort im Gorvernement Poltawa stammte, aber ebenfalls in Amerika starb, wo er 1891 ein Theater gründete; dafür hat er Eigenes geschrieben und deutsche Klassiker, aber auch Strindöerg übersetzt. Bekanntlich spielt auch heute noch das deutsch-jüdische Theater Schiller und Shakespeare! Selbst Scholem-Alejchcm,׳ auch aus dem Gou-- oernement Poltawa stammend und auch — während des Krieges — in Amerika verstorben, schrieb gelegentlich für die Bühne, trotzdem seine eigentliche Stärke, die kleine humoristische Skizze war, mit der er sich ja auch in Deutschland sehr geschätzt gemacht hat. An die Spitze seiner Sammlung stellte Eliasberg mehrere Werke des hei seinem Tod. 1916 in Warschau von seinen Stammesgenoffen tief betrauerten, in der Tat außerordentlich interessanten Leib Perez, dessen Aufführung deutsche Bühnen, die über gute semitische Darsteller verfügen, sich angelegen sein lassen sollten. Diese kleinen Mehrakter aus Osteuropa von denen schier ein Vierieldutzend auf eines Abends Lot gehen, sind besinnliche, fantasicreiche, durchaus eigenartige Stücke, die man einem gebildeten Zuhörerkreis ebensoleicht näherriicken kann, wie es Zeiß etwa mit Produktionen der westeuropäischsten, der irischen Kultur fertigbrachte. Den zweiten Band der Eliasbergerschen Sammlung füllen dann Stücke der noch lebenden, meist nock in den Dreißigern» stehenden Ostjuden, wie David Pinski, Perez Hirschbein (der schon ästhetisch angckrünkelt ist) und besonders Schalom Asch, dessen «Gott der Rache" seiner Zeit Max Reinhardt zur Uraufführung brachte und Alfred Bernau vor Jahren bei seinem ersten Besuch in Mannheim im Saalbautheater spielte. Auch unter diesen Jüngern findet sich manches Talent, wenn auch, nach den dargereichten Beispielen, noch keine so ausgeprägte Persönlichkeit, wie Leib Perez. Diese beiden Bände geben seltsamste Einblicke in eine ferne, fremde, allmählich versinkende Welt. Wer im Osten kämpfte oder Wache schob, wird persönliche Erinnerungen gerne in diesem literarischen Spiegel wieder aufsrischen. Und wem-jene Zeiten erspart geblieben sind, der wird manches von dem was Beschattsichen und Offenäugigen draußen an kulturellen Eindrücken sich zwischen Grauen und Oede des Kriegsdienstes darbot, gern durch das bequeme Medium dieser schönen lehrreichen Eliasbergschcn Sammlung kenneu lernen. Die ״Ostsüdistbe Bibliothek" erscheint also zur rechten Zeit. Dr.׳E. E. S. Bücherbesprechungen. Wie erziehen wir unsere Kinder zum Judentum. Ein Vortrag von Dr. Jguaz Ziegler, Karlsbad. Prag 1918. Verlag der Redaktion der ״Selbstwehr". — Diese Brochürc ist wohl für den Westen und seine Verhältnisie berechnet und zugeschnitten. Sie hat die Nebel auf dem Gebiete der jüdischen Erziehung und ihre furchtbaren Auswüchse im besten Falle Indolenz und- Stumpfsinn allen jüdischen Dingen gegenüber im schlimmsten Mischehe und Taufe, zum Gegenstände. Es wird die Diagnose festgestellt und auf die eventuellen Heilmittel hingewiesen. Die Heilmittel wären, ein vollständig verschiedener Kurs inbezug auf Haus, Schnle und Umgebung. Hinsichtlich dieses letzteren Punktes könnte man im Westen selbstverständlich schwer ellva? erreichen, was die Erziehung des jüdischen Kmdes günstig beeinflußen könnte. Anders das Haus und die Schule. Im Hause müßten wieder die althergebrachten jüdischen Sitten und Bräuche, welche sich das Kind rechtzeitig einprägen müßte, eingeführt werden. Sabath und die sonstigen jüdischen Feiertage soll man in traditioneller Form feierlich begehen. Da weiß der Antor die Vorzüge des galizischctt Flüchtlingskindes kr des entjudeten Westens gegenüber hervorzuheben und hinzuweisen, wie das Jüdische beim Ersteren lebt u!td putstert, beim Letzteren aber etwas Verblaßtes, Lästiges und Mißverstandenes ist. Das sind die Nebel und die Mittel sie abzn schaffen? In erster Reihe möchte der Verfasser die nichtjüdischcu Erzieherinnen, welche das zarte Kindergemüt mit ihren Christcmnärchon nstv. bannerr, verscheucht wissen. Wo es möglich erscheint, 'ollen jüdische Schulen errichtet, andernfalls soll man alles daran setzen, daß die jüdischen Schüler vom Sabathunterricht ausgeschaltet werden (der Sabath soll nach Ansichich des Autors als Repetitrialtag eingeführt werden) und ist an diesem Tage für entsprechende Ju-- gendgottesdienstc zn sorgen. Der Religionsunterricht soll nicht für mehrere Klassen zugleich, sondern für jede separat erteilt werden. Indem ein Großteil der Jugend Handels- und Gewerbeschtllen besucht, soll dafür gesorgt werden, daß aijch an diesen Anstalten ein Würdiger Religionsunterricht erteilt' werde (gegenwärtig ist das bekanntlich nicht der Fall). Für die der Schule entwachsenen möchte der Autor Hebräisch- und Geschichtskurse geschaffen haben. Ein besonderes Augenmerk widmet der gediegene Autor der höheren Studcntschaft, dene>! zu zeigen wäre, welch bedeutender Kulturfaktor das Judentum in der allgemeinen Menschheitsgeschichte 'bedeutet. Die bisherigen katechistischen Brocken sollen unbedingt nicht genügen, sondern zu einem bedeutenderen Wissen aus der Prophetie Josephus. Philo, Mischna, Talmud und mittelalterlicher Litcratur ausgcbaut werden. Kurz: Jüdische Erzieherinnen, jüdische Jugendliteratur, jüdische Schulen, oder wenigstens die Durchsetzung des Sabath und entsprechend besoldete Ncl/gionslehrer oder besser Judentumslehrer und Lehrerinnen (denn auch die jüdische Frau mochte der Autor für diese Regenerationsarbcit her-> ungezogen wissen) sind die Mittel, welche der Autor für angebracht hält. Ob aber alle diese Opfer vom Tie Vertreter der polnischen Presse sowie der Morgenthau zugeteilte Vertreter der polnischen Armee Wiesen Morgenthau gegenüber darauf hin, daß die I׳. den die Pogrome in der Ukraine, in der Czechoflovaksi und in Ungarn gar nicht so sehr vor der Welt anklagen als das, was in Polen geschah. Sowohl Morgenthau als auch die jüdischen Journalisten widerlegten diese Be- Häuptling. Als unter anderem jüdischerseits bemerk! wurde, daß zum Beispiel die Judenpogrome in Lembqxg mit dem, was im November in der Czechoslovat.-i geschehen sei, denn doch nicht verglichen werden könne, war Morgenthau sehr erstaunt und sagte, der Lemberger Pogrom hätte doch während der Herrschaft der Ukrainer (!) stattgefunden, eine Aeußerung, die leb- Haftes Erstaunen hecvorrief und im übrigen zeigt, wie Herr Morgenthau über den größten und schrecklichsten Judenpogrom in Polen informiert ist. Als von den jnbischen Jorrrnalistcn darauf hingewiefen wurde. Laß gegenwärtig der Kern der Judenfrage in Polen in dem einen immer größeren Umfang annehmenden okonomischeu Judenboykott zu suchen ist, rief es allgemeine Heiterkeit Lervor, daß der Vertreter der polnischen Armee (ein getaufter Jude) äußerte, daß ihm nur ein einziger Boykott der Juden bekannt sei, der in Warschau vor dem Kriege stattfand. Von Krakau begab sich Morgenthau am 28. Slugnsr über Przcntysl nach Lemberg, um Ostgalizien zu bereisen. Die jüdisch-wirtschaftliche Frage in der Slovakei. Uebcr die Beratungen des slovakischen Klubs vom 12. und 14. August berichtet das Czechoslovakischc Pre׳: büro u. a.: ״Bezüglich der Fragen der Lizenzen überwog nach dem Referat des Dr. Dedwecky die ÄnsiO daß man diese Frage allmählich lösen solle, in erster Linie in den kleineren Gemeinden, und daß man sobald als ntöglich niit der Aufhebung der überzähligen Lizenzen auf Zuteilung von Getränken beginnen solle." Die Frage der Lizenzen besteht darin, wie mau so schnell als möglich alle jüdischen Kaufleute beseitigen und durch die Günstlinge der Regierung ersehen könnte, die allmähliche Lösung darin, daß dem Regierungsprogramm zufolge die Landjuden.von den städtischeu ruiniert werden, damit sich endlich diejenigen Leute, die nicht imstande sind, sich mit. wirtschaftlichen Mitteln zu behaupten, zur Geltung bringen können. Judenfeindlichkeil polnischer Sozialisten. Der Krakauer ״Naprzod", das Organ der polnischen Sozialdemokratie, sucht neudrdings mit seimim Chanv'mislgus die reaktionären Blätter zu übertruptpscn. Er schreibt unter anderem: ״Als PaderewSki den Punkt über die jüdischen Rechte im Friedensvertrage besprach, sagte er, es handle sich nicht um die Rechte selbst, sondern nur um die Art, wie den Polen die Verpflicht ungen atlferlegt worden seien. Die Reste selbst hätten sie den Juden allein gegeben. Das ist nicht wahr! (fügt der ״Naprzod" hinzu). Kein polnischer Reichstag hätte beschlossen, das jüdische Ghetto in Polen zu verewigen, und aus ihm einen besonderen politischen Organismus zu machen". » Jüdische Diplomaten. Munäschau. Morgenthau in Galizien. Botschafter Morgenthau weilte in den letzten Tagen mit den Mitgliedern seiner Kommission in Czenstochutl. Von Czenstochau reiste Morgenthau nach Krakau, wo er zwei Tage verweilte. Er empfing hier verschiedene Abordnungen aller jüdischen Organisationen, darunter auch jene der Assimilanten. Sehr interessant gestaltete sich der Empfang der Vertreter der polnischen und der jüdischen Presse. Stu? Wunsch der jüdischen Pressevertreter wurden beide Gruppen zusammen etnpsangen. Fast von größerer Bedeutung als Morgenthaus Antworten war sein Schweigen auf einzelne an ihn von polnischen und jüdischen Journalisten gerichtete Fragen, wie überhaupt sein ganzes Verhalten während des Gespräches. Zum ersten Male äußerte sich hier Morgenthau über den Pogrom in Pinsk. Er erklärte klar und deutlich, daß das, was in Pinsk geschah, etwas Schreckliches sei, das an das finsterste Mittelalter erinnere. Die 34 Juden, die be» sten und intelligentesten unter der Pinsker jüdischen Bevölkerung, sagte Morgenthau, wurden ganz unschuldig, kalten Plutes an die Wand gestellt und erschossen. Aus Warschau wird gemeldet, daß der Rechtsan- Walt Berenson zum ersten Sekretär der polnischen Gesandschaft in Washington ernannt wurde und Leo Goldstamm "zum Mitglied der polnischen Gesandtschaft in London. Beide sind bekannt als Führer der assimilatorischen Richtung irü polnischen Judentum, und eS beweist das Geschick der Polen, gerade nach den Ländern, die, wie die jüngsten Ereignisse zeigen, sich am ehesten für den Schutz der jüdischen Minderheitsrerbic in Polen einsetzen, jüdische Diplomaten zu entsenden, die dmin, ihrer assimilatorischen Gesinnung entsprechen, als kompetente Zeugen berichten werden, daß die polnischen Juden keineswegs den Wunsch haben, irgendwie als nationale Minderheit besonders geschützt zu werden. ' , Einreiseerlaubnis nach Palästina. , Die englische Militärverwaltung in Palästina gibt bekannt, daß Gesuche wegen Einreiseerlaubnis nach Palästina und Syrien (für Verwandte, die nach diesen Landern zurückkehren wollen) nicht mehr an die Militärverwaltung oder an die Kanzlei des Militärgouver neurs zu richten sind. Die Personen, die nach Palä״ na oder Syrien zurückkehren wollen, haben ihre Gesuche beim britischen Konsul ihres Ortes einzureichen, der dieselben an die entsprechenden Instanzen weitergeben wirh. M. Hlekl, Verlags-Buchhandlung Brünn, NOM I., — Wltn m, MN■ U. ״Hick'ls jüdischer Volkskalender".

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