Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 26 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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I MyiJU _tm »AW»IMk *wnptmme" Bfitt 6 Momfponäea$m Eibenfchitz. Bei der 6m 31. August in Eibcnschih stattgefundenen Gemeindewabl entfiel von den 30 Mandaten in die Gemeindevertretung 1 Mandat der jüdisch-nationalen Partei zu. Zum zweiten Mandat fehlten uns durch die Schuld der hiesigen Asfimilantcn bloß 2 Stimmen. Von 132 abgegebenen jüdischen Stiüimen entfielen auf unsere Liste 118, womit der Listenführer Herr Moritz Goldmann als gewählt erscheint. Die allgemeine Wahlbeteiligung betrug 89 Prozent, bei den Juden 96 Prozent. Daß 14 jüdische Stimmen die deutsche Kandidatenliste gewählt hatten, konnte die deutsche Partei, die sonst zu schwach gewesen wäre, ebenfalls 1 Mandat mit einer Stimme über die Wahlzahl, erlangen. Prag. Dr. I. Eisenberg, aus Dobrzisch, der im Jahre 1914 zum Mitpliede des 17. Orientalisten-Kongresses gewählt wurde, welcher Kongreß im Septcmb׳- 1916 zu Oxford hätte stattfinden sollen und nur. infolge des Krieges verhindert wurde, richtete vor kurzem an daS Aktionskomitee des Kongreffes die Anregung, die Versammlung nun für das Frühjahr 1020 einzuberufen. Nachdem der Waffenlärm verstummt ist, fällt den Männern der Wissenschaft die Aufgabe zu, die zerstörtcn Ideale der Menschheit von neuem aufzubauen, die einzelnen Forschungsgebiete zu beleben und friedlichere Daseinsformen anbahnen zu, helfen. Ein soeben eingelangteS Antwortschreiben des OrgamsationskomiteeZ zu Oxford nimmt diese Anregung mit Dank zur Kenntnis und konstatiert, daß auch dessen Mitglieder nach wie vor das Bestreben haben, alle Vorbereitungen für eine baldmögliche Abhaltung des internationalen Kongresse? zu treffen, daß aber der Krieg leider solche nationale Leidenschaften in Europa entfachte, daß eine Zusammenkunft der Orientalisten gegenwärtig unmöglich wäre. Prag. Ueber den allen Pragern bcstbekannten Oberkantor D. Czernowsky vvom Prager Jubiläum?- tempel lesen wir in der Teplitzer ״Freiheit" vom 21. August l. I., der dort ein selbständiges Konzert veranstalte'te und mit seinem herrlichen Tenor brillierte, nachstehendes Referat: Konzert. Danilo Czernowsky. Dienstag, den 19. August fand in der Kaiserbadveranda das Konzert des russischen Tenors Czernowsky vor einem zahlreichen Publikum statt. Der Genannte sang Schumanns ״Wanderlied", Wolfs ״Weylas Gesang", Kozlows ),Wenn ich nur wüßte" und ein reizendes nationales, Liedchen von Alirnoffsky ״Das Hüttchcn", ferner die Romanze Eliasers aus ״Die Jüdin", die A' ..Holde Aida", Walters Preislied aus ״Meistersinger", die Arie des Rudolph aus ״La Boheme" und Stretta aus ״Troubadour". Das Publikum fand auch an dein Gebotenen Gefallen und spendete reichen Beifall. — Für Fräulein Gina Dincsen, die plötzlich verhindert ivar, sprang Frau Cilla Zschock ein, die dem Teplitzer Publikum als ausgezeichnete Sängerin bestens bekannt ist. Sie sang die ״Verborgenheit" von Hugo Wolf, ״An ein Veilchen" und ״Liebestreue" von Brahms, «Komm wir wandeln zusammen" von Cornc-!iuS, ״Richt's nur recht aus" von Graedener und «Unter der Linde" von Reichert. Dem überaus herzlichen Beifall dankte sie mit ״Die Nachtigall" von Goldmark als Zugabe. Die Klavierbegleitung besorgte Herr Lenk in mustergültiger Weise. Koste!. Sonntag, den 31. August, fand die Ver- Mahlung des Fräuleins Martha Neumann mit Herr׳ Julius Rosenberger aus Preßburg statt. Wie«. Samstag, den 33. August, verschied hu - 91. Jahre seines dem Wähle der leidenden Menschheit, seines von ihm in steter Treue hochgehaltenen jüdischen Volkes und seiner Familie gewidmeten Lebens, der Vater unseres Gg. Dr. Benno Schallingcr und Großpater unseres Gg. Josef Deutsch, der Distriktsarzt i. P. Dr. Lazar Schallingcr, und wurde am Diensttag, den 26. August 1919 auf dem Zentralfriedhof (jüdische Abteilung, 1. Tor) zur ewigen Ruhe bestattet.Mährend keiner 53jährigen Tätigkeit in Ungarn und Mähren hat er fich durch seinen nie erlahmenden Opfermut und leine bis zuletzt geübte Humanität das treueste Gebenken vieler Tausender gesichert. Dr. Schallingcr,. der ein Vetter des ׳ Freiheitskämpfers Dr. Adolf Fischhof war, war einer der ältesten Anhänger der zionistischen Idee. Baden. Vor einem imposanten Auditorium, welches die Synagoge bis auf das letzte Plätzchen füllte, nahm Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner W. Reich Gel^genheit, in seiner meisterhaften Rede über Palästina von der notleidenden Augenklinik in Jerusalem in begeisternden und aneifernden Worten zur Beihilfe in raschester Weise die Glaubensgenossen' aufzufordern. Der Effekt dieses Appells zeigte sich bald in der Weise. daß bereits am folgenden Tage sich ein Komitee in der Wohnung des Herrn Oberrabbiners bildete, und zlvar aus hochangesehensten Kreisen der Kurgäste, um eine sofortige Aktion ins Werk zu setzen und Hilfe zu schaffen. Das Komitee besteht ans den Herren Aron Spitzmann, Oskar RoSner, Dr. Salomon Rappapört, Ingenieur L. Lindenbaum, und Abraham S. Horenstein. Herr Oskar Rosner, der bereits im Jahr^ 1918 der Hilfskommiffion die munifizente Spende von 50.000 Kronen zugewendet, hat neuerdings der Spitalshilfe zugunsten der notleidenden Augenklinik 5000 Kronen erlegt. Es wäre dringend nötig, im Interesse der heiligen Sache, daß dieses Beispiel in den anderen jiidischen Gemeinden Nachahmung finde. Linz a. D. Am 30. August feierte ^be^kantor Bernhard Löwensohn sein 25jähriges Kantorenjubiläum. Er entstammt einem alten ״Chasan"-Gcschlecht und erhielt seine (ganz moderne) musikalische Ausbildung in Wien, mußte seine Studien aber plöhlich, erst achtzehnjährig, abbrechen, um seinen schwer erkrankten Vater, den Oberkantor von Wottitz, zu vertreten. Nach dessen Tode übernahm er noch nicht das Amt des Oberkantors, kam später nach Stanislau und vor nunmehr 14 Jahren nach Linz, wo er sich bald durch feinen blendenden, vorzüglich geschulten Bariton und seine kantorale Vortragsweise allgemein beliebt machte. Wie wir hören, sind Oberkantor Löwensohn aus Frcundes- und Kollegenkrcisen bereits zahlreiche Glürkwünsche zugekommen. Amsterdam. Aus Jerusalem wird berichtet, daß der bekannte amerikanische Philantrop Nathan Strauß t.׳ legraphisch angeordnet hat, auf dein Grundstück, da? er vor sieben Jahren gekauft bat, ein großes HaiiS zu bauen» da er die Absicht haßc, sich so bald als,»io. in Palästina niederzulasscn. bchodnf Skola ־־ Kozäkova v Brnö Doretäv dwür, tel. 3634-VI. zapisuje denne do vsech odd£lem* Pyotp, zdarma. R1»zpl. umist, absolv. Abtransport jüd. Flüchtlinge. Die Schreckenstage van 1914/15 sind noch in all unserer Erinnerung. Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina, Männer, Weiber, Kinder, Greise und Grcisinnen, in dumpfen Waggons zusammengepfercht, ohne Kleidung und Nahrung, in einer Verfassung die jeder Beschreibung spottet. In eine fremde Gegend vertrieden, liebelos von der neuen Umgebung empfangen. Viele der Flüchtlinge haben während des Transportes ihr Leben ausgehaucht. In den Barakcnlagern vor! Nikolsburg, Gaya, Pohrlitz fanden sie ein schreckliches Asyl. Die.neuen Friedhöfe der Flüchtlingskinder sprechen eine beredte Sprache. Der. polnische Jude, eine Zielscheibe des Spottes für jeden Hergelaufenen; der Blitzableiter für die Regierenden und Herrschenden, hatte bei uns Zeinen schweren Standpunkt. Zu Beginn des Krieges wollte man es nicht dulden, daß er einem ehrlichen Berufe nachgehe. Mit Almosen, die nicht genügcnd waren das Auskommen zu finden, wurden sic abgespeist. Regierung, Volk, Besitzende, Besitzlose, Assimilanten usw., alle waren eines Sinnes: Die Lage dieser Unglücklichen zu verschlimmern. Was' Wunder, wenn einzelne sich bemühten, auf jede Weise, zu verdienen. Die Gesellschaft und nicht die Flüchtlinge sind an eventuellen Vergehungen seitens der Flüchtlinge schuld. Der größere Teil der Flüchtlinge hat diesem gastfreundlichen Lande schon längst den Rücken gekehrt. Der Nest der Flüchtlinge aus der Bukowina und Gälizien in der Czechoslovakei betrügt kaum 5000 Personen. Diesen paar Menschen wurde die ganze Schuld der Teuerungs- und Wohnungsnot in die Schuhe geschoben. Wahrlich, der Staat stellt sich ein Armutszeugnis aus, wenn diese hirnverbrannte Ansicht nicht entsprechend richtiggestellt wird. Wir sind objektiv genug, zuzugeben, daß es unter den Flüchtlingen Preistreiber und Schmuggler gibt. Aber die Gesamtheit für die Ta ten einzelner verantwortlich zu machen, ist ein Zeichen niedriger Gesinnung und elender Feigheit. Es ist wohl nicht notwendig auf die arischen, czechischen und dcuischen Preistreiber und Schmuggler hinzuweisen. Einen krasseren'Fall von Preistreiberei und. Schwindel als die rein arische Ein- und Verkaufsgesellschaft ״Amwa" begangen, gibt es wohl nicht. In dieser Gesellschaft ist kein einziger Jude. Hunderte ezechischer Kaufleute, Gewerbetreibende, Agrarier, die vor dem Kriege nichts hatten, sind Millionäre geworden. Vielleicht auf ehrliche Weise??! Auf diesem Gebiete wäre eine Statistik seitens der Regierung am Platze. Nr 26. Genau so wie im Mittelalter eine AbweLr gegen die Märchen der Brunnenvergifter nichts half, genau so ist ein Ankämpfen gegen die schurkischen Berleumdüngen und Vernaderungen zwecklos. Beschämend ist eS> daß unter dem Regime eines sozialistischen Mimsterpräsidenten Menschen, die durch die ehrliche Arbeit ihrer Hände, Personen, die einem reellen Gewerbe nachgehen, nach 4—äjährigcr Anwesenheit wieder wie das liebe Vieh in Lastwagen verfrachtet, in eine kalte Fremde verschickt werden. — Heimatlos, ja heimatlos, das ist der Fluch des jüdischen Volkes — überall eine Minorität, Von allen Seiten perfolgt, perhöhnt, verspottet. Befindet sich unser Judentum auf der Wanderung. Die Behörden machtlos der Gerechtigkeit zum Durchbruche zu' verhelfen, sind ein Werkzeug der Politik von der Straße. 2 i d e, Sie hatten hier wohl nichts Gutes, Beschimpfungen, tätliche Angriffe usw. waren obligat. Jeder Spitzbube im Proletarier- und Bourgeoisgewande durfte die Armen der Aermsten am helllchtcn Tage attatieren. In einer ständigen Aufregung verbrachten sie ihr Dasein. Nirgends sicher, gehetzt wie ein Wild, verlassen die Flüchtlinge Brünn und andere Städte. Ich nahm Gelcgenheit von den Flüchtlingen des Transportes am Bahnhofe Abschied zu nehmen. — Hier kam mir der ganze Jammer, die elende Lage unseres Judentums zutn Bewußtsein. Es drängt sich einem 1m;0:ür:u!. die Frage auf: Was haben wir von den Völkern zu erwarten? Der nationale Chauvinismus feiert überall Orgien. Nationen, die 300 Jahre unterdrückt waren, begehen das Fest ihrer Menschwerdung damit, daß sie uns Juden in einer menschenunwürdigen Leise be handeln. Die Flüchtlinge waren innerlich erregt. Tic bange Sorge um die Zukunft drückte ihnen den Stempel auf. Von einem Greise, von dem ich mich verabschicdetc, hörte ich die Worte: ״barnch schepotxani" (Gelob: der du mich befreist). Ja, in gewisser Beziehung waren sie glücklich, der freien! Republik den Rücken zu kehren. Neujahrswünsche Seit vielen Jahren ist es Sitte geworden, ׳mläßlict/ des Noschhaschonoh^Festes den Geschäftsfreunden in einem jüdischen Blatte durch, eine entsprechende Anzeige zum Neujahrsfest«; Glückwünsche zu entbieten. Dies empfiehlt sich insbesondere für Geschäftsleute, Hoteliers, Cafetiers, Wirte, Kultusbeamte usw. Auch in diesem Jahre werden wir eine besondere Rubrik für Nerrjahrsgratrrltttiorre« zu - ראש השנה in der ״Jüdischen Volksstimme" errichten, die oir allen Interessenten bestens empfehlen. Infolge der immer zunehmenden Verbreitung der ,.Jüdischen Volksstimme" ist die Gewähr vorhanden, daß die Neujahrsinseräte wirklich gelesen werden und somit ihren Zweck erfüllen. Um unseren Lesern die Aufgabe eines JusedäteS zu erleichtern, haben wir die Preise äußerst billig gestellt, und zwar kostet die Einschaltung des Inserates zehn Kronen. Atz»ministr«rti«k der ״Jüdischen BslLSstimme" Emgesendet. Auf Grund der Angriffe gegen den Herrn Prof. Engel, als Leiter der Flüchtlingsaktion im czechoslovakischen Staat, mußte ich konstatieren, daß dieselbe vollständig unberechtigt sind. Das Verhältnis der czechöslovakischen Regierung gegenüber den Flüchtlingen, welche hier als lästige Ausländer angesehen werden, hat dem Herrn Prof. Engel schon so viel zu schaffen gegeben, daß er von dieser Arbeit total erschöpft ist. Sie dürfen nur nicht vergessen, daß das Verhältnis der Czechoslovaken den Juden gegenüber ein ganz anderes ist als das der als das der deutschösterreichischen Negisrung, welche früher das Mutterland aller Nationalstaaten war. Folglich find die bisherigen Leistungen des Herrn Prof. Dr. Engel gar nicht einzuschätzen. Die ״Hickl's Jüdischer Bolkskalender".